Buckelwal in der Nelson Bay | Foto: Paul Balfe, Lizenz: CC BY 2.0

Dr. Dörnath: Großer Zuspruch nach ZDF-Interview

Exklusiv für zoos.media – 17.04.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Sie hat das getan, was sich wenige trauten: Dr. K. Alexandra Dörnath vertrat in einem der größten deutschen Nachrichtenformate mit Nachdruck ihre fachliche Einschätzung, dass es für den Buckelwal am besten wäre, ihn zu erlösen.

Insel Poel | Foto: GFreihalter, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Dr. Dörnath: Großer Zuspruch nach ZDF-Interview

Auf zoos.media machte die renommierte Tierärztin und Tierschutz-Expertin Dr. med. vet. Kerstin Alexandra Dörnath schon im letzten Monat darauf aufmerksam, warum „das ‚Rettungs-Dogma‘ beim Ostsee-Buckelwal Tierquälerei ist“. Sie plädierte für eine Erlösung des Tieres. Das hätte dem Wal schon jetzt viel Leid erspart.

ZDF wurde aufmerksam

Dr. K. Alexandra Dörnath mit dem Grauwal J. J. in SeaWorld San Diego | Foto: Dr. Thomas Reidarson

Später dann wurde die Bremer Expertin vom ZDF kontaktiert. Gestern ging ein Interview mit ihr online. Darin bekräftigte sie ihren Standpunkt. Dazu machte sie deutlich, warum der erneute Rettungsversuch dem Wal selbst nichts bringen würde. Damit positionierte sie sich deutlich gegen die disneyfizierte Sichtweise so mancher Leute, die sich in Retter-Pose als „die Guten“ wähnen. Sie demaskierte diese Fehleinschätzung. Das fand Anklang.

„Es ist ein starkes Signal, dass ich aus unterschiedlichen universitären, tiergartenbiologischen und juristischen Kreisen sowie von Kollegen aus der Praxis, von Tierheimleitungen und Personen, die im Naturschutz tätig sind, genau wie aus Veterinärbehörden gegenwärtig eine Vielzahl ausschließlich positiver Nachrichten zu meiner Einschätzung bezüglich des gestrandeten moribunden Buckelwals in der Ostsee erhalte. Auch der Bürgermeister einer der flächenmäßig größten Städte Deutschlands hat mir schriftlich zu meiner mutigen und wissenschaftlichen Einschätzung gratuliert. Wahrhafter Tierschutz bedeutet, den Moment zu erkennen, wann ein Tier aufgrund infauster Prognose zu erlösen ist.“ – Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

So gab es also viel Lob und Anerkennung. Darüber hinaus hat ihr auch ein Bürgermeister gratuliert. Er lobte ihre Standhaftigkeit und ihren Mut. Zudem betonte er die Ehrlichkeit ihrer wissenschaftliche Einschätzung. Sich in solch einer aufgeheizten Lage so klar zu äußern, haben bisher wenige getan. Anderen trauen sich gar nicht, aufgrund der schwierigen Situation mit Online-Pöbeleien und Mord-Drohungen, überhaupt öffentlich ihre fachliche Sicht der Dinge zu vertreten. Daher sprach die Tierärztin, die das ZDF darüber hinaus als „Walexpertin“ bezeichnet, vielen aus der Seele, die sich noch nicht getraut haben, öffentlich auch mit dem eigenen Namen für den notwendigen Tierschutz in dieser Frage einzustehen. Dafür gab es entsprechend zahlreichen Dank.

„Tierschutz-Skandal“

Buckelwal in der Dominikanischen Republik | Foto: Christopher Michel, Lizenz: CC BY 2.0

Dr. Dörnath ist eine der wenigen Tierärztinnen in Deutschland überhaupt, die an der Versorgung eines verletzten und wieder ausgewilderten Mitglieds einer Großwal-Art mitgewirkt hat. Behördlich wurde ihre Expertise bisher nicht abgerufen. Vielleicht, weil sie auch an Kritik der Behörden nicht spart? „Hier haben wir es bedauerlicherweise mit einem Tierschutz-Skandal zu tun, der auf politischem und behördlichem Versagen basiert“, erklärt sie. Sie legt dem zuständigen Minister den Rücktritt nahe.

„Sicherlich ist Minister Dr. Backhaus gut beraten, aufgrund seiner Untätigkeit zeitnah zurückzutreten. Er hat mit seinem Verhalten nicht nur die deutschen Experten in seinem Team brüskiert, die ja sowieso nie mehr als seine Echoräume sein durften, sondern insbesondere mit den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes gebrochen. Mut und Rückgrat zu haben bedeutet, genau dies zu benennen – denn: Fachkompetenz und ethische Verantwortung müssen immer über politischem Zögern stehen.“ – Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Die Expertin lasse sich generell nicht politisch vereinnahmen, betont sie. Ihr ginge es nur um das Wohl des Wals sowie der Umsetzung des Tierschutzgesetzes. Immer wieder – und so auch in diesem Fall – betont sie: „Tierschutz ist keine Meinung; Tierschutz ist Wissenschaft.“ Sie macht sich in ihren Statements stark für die Wissenschaft. In dem Fall umfasst das eben, die Tatsache zu realisieren, dass die beste Hilfe für den Wal eine Erlösung bedeutet.

Tierärztin räumt mit falschen Vorstellungen auf

Junger Buckelwal | Foto: Widewitt, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Sie beschreibt im ZDF-Interview, wie so ein Erlösen aussieht. Obgleich eine Sprengladung zum Einsatz komme, explodiere der Wal nicht. Die Sprengladung sorge für eine Druckwelle. „Das Tier ist umgehend bewusstlos und stirbt, wenn man das richtig macht“, beschrieb sie. Allerdings brauche sie dafür Unterstützung von einem Sprengstoffberechtigten.

Pentrit sei in diesem Fall das Mittel der Wahl. Dabei handelt es sich um einen kristallinen Sprengstoff. Dieser wird im Bergbau und beim Militär eingesetzt. Auch bei Einsätzen an Walen ist er zuverlässig. Er ist aber auch – in geringerer Dosierung – in der Humanmedizin üblich. Daher kennen manche ihn vielleicht unter dem Namen Nitropenta. Es ist ein bekanntes Mittel.

Warum ist der nötig? Der Sprengstoff braucht eine hohe Detonationsgeschwindigkeit. Warum ist das so? Nur so kann eine sofortige Bewusstlosigkeit herbeigeführt werden. Das ist wichtig. An diese schließe sich dann ein schmerz- und angstfreier Tod an, beschrieb die Expertin. Damit sei dem Tier am besten geholfen. Schließlich habe man keine Aussicht auf ein echtes Happy End.

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