Blick vom Podium in die Räumlichkeiten der Cámara de Diputados im Palacio de San Lázaro. Im Vordergrund: Replik der Perritos Colimotes (Hündchen von Colima): Ein älterer, faltiger Hund flüstert einem jüngeren Hund etwas ins Ohr, um ihm Wissen und Weisheit zu übermitteln. | Foto: Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Dr. Dörnath als Ehrengast in Mexiko: Historische Feierlichkeiten

Exklusiv für zoos.media – 12.09.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Mexiko feiert den heiligen Xoloitzcuintle: Tierärztin Dr. Kerstin Alexandra Dörnath sprach eine 45-minütige Keynote auf Spanisch als Ehrengast im Parlament für den Schutz der faszinierenden Hunderasse.

Xoloitzcuintle im Garten vom Museo Dolores Olmedo in Mexiko-Stadt vor moderner Xoloitzcuintle-Bronzestatue | Foto: Correogsk, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dr. Alexandra Dörnath als Ehrengast in Mexiko-Stadt: Historische Feierlichkeiten zu Ehren des heiligen Xoloitzcuintle

Vom 8. bis zum 13. September 2026 stand Mexiko-Stadt ganz im Zeichen seines nationalen Erbes: Auf Einladung der Bundesabgeordneten Diputada Ana Erika Santana González fanden eine Woche lang hochkarätige Feierlichkeiten und ein offizielles Forum zum Schutz und zur Würdigung des heiligen Hundes des mexikanischen Volkes statt. Als geladene Tierärztin, Ehrengast und prominente deutsche Expertin war unser Beiratsmitglied Dr. Kerstin Alexandra Dörnath nach Mexiko geladen, um im Rahmen der Auftaktveranstaltung als Rednerin und Podiumsdiskutantin vor Ort aufzutreten.

Die 45-minütige Keynote zum Schutz des Xoloitzcuintle in den Räumlichkeiten des mexikanischen Abgeordnetenhauses ist ab Minute 04:08 im Video oben zu sehen. Dieses Parlament bildet das Herzstück der legislativen Gewalt in Mexiko. Hier tagen die Abgeordneten des Landes und führen parlamentarische Foren, Debatten sowie Anhörungen durch. Die Folien des Vortrags kann man hier einsehen. Aus Respekt vor dem kulturellen Erbe ist der Titel auch in Nahuatl, der Sprache der Azteken.

Wichtiges kulturelles Erbe

Podium: Der Xoloitzcuintle in Kunst & Kultur mit Vorführung des Filmes „A ti: ¿Quién te espera?“. Auf dem Bild hält Diputada Ana Erika Santana González das Mikrofon. | Foto: privat, Verwendungserlaubnis durch Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Der Xoloitzcuintle ist tief in der Geschichte und Identität Mexikos verwurzelt. Schon die Mayas und Azteken hielten diesen außergewöhnlichen Hund an ihrer Seite. Sein Name leitet sich aus „Xolotl“ (dem aztekischen Gott des Blitzes, des Donners und der Unterwelt) und „itzcuintli“ (Hund) ab. Beides sind Begriffe aus dem Nahuatl, der Sprache der Atzteken.

In der Mythologie hat der Xoloitzcuintle eine spirituelle Bestimmung als Seelenbegleiter: Er geleitet als Abgesandter des Xolotl die Verstorbenen sicher ins Jenseits. Daher diente dieser Hund auch als rituelles Opfertier, welches verspeist wurde. Auch heute noch lieben und ehren die Mexikaner den Xoloitzcuintle zutiefst: Noch immer ist er traditionell eine lebende Wärmflasche und ihm werden heilende Kräfte bei verschiedenen Krankheiten und auch bei der Schmerzlinderung zugeschrieben. Der Glaube an ihn als Wächter über den Tod existiert auch heute noch. Eine Opfergabe ist er schon lange nicht mehr. Seine Existenz wird gefeiert.

Seit 2016 wurde der Xoloitzcuintle durch den damaligen Bürgermeister der Hauptstadt Mexiko-Stadt offiziell zum „kulturellen Erbe und Symbol“ dieser Stadt erklärt. Dort ist er auch als Polizeihund im Einsatz. Und in Tijuana ist der Xoloitzcuintle der Namensgeber des bekannten Fußballvereins „Club Tijuana Xoloitzcuintles de Caliente“.

Dr. Ricardo Forastieri und Dr. Kerstin Alexandra Dörnath vor einem Kunstwerk zu Ehren des Xoloitzcuintle im Palacio de San Lázaro, dem berühmten Parlamentsgebäude in Mexiko-Stadt | Foto: Israel Arriga, Verwendungserlaubnis durch Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Vor dem Aussterben bewahrt

Xoloitzcuintle beim Laufen: Diese Jahrtausende alte Rasse ist robust, vital & gesund. | Foto: Bilal Khan, Verwendungserlaubnis durch Dr. med. vet. K. Alexandra Dörnath

Dass diese robuste und vitale Hunderasse heute in ihrer ganzen Pracht existiert, ist nicht selbstverständlich. Nach der Ankunft der Konquistadoren stand der Xoloitzcuintle im Zuge des historischen Kolonialismus kurz vor dem Aussterben. Künstlergrößen wie Frida Kahlo und Diego Rivera holten ihn zu ihren Lebzeiten aus dem Schatten und schützten ihn. Nun erfuhr das nationale Erbe seine offizielle Krönung: Das mexikanische Abgeordnetenhaus, die Cámara de Diputados, beschloss einstimmig über alle Fraktionen hinweg die Einführung des „Día Nacional del Xoloitzcuintle“ (Nationaler Tag des Xoloitzcuintle).

Das einwöchige Programm beleuchtete die biologischen, wissenschaftlichen, historischen, politischen und kulturellen Facetten rund um diesen Nationalhund. Im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern, Kynologen und Wissenschaftlern betonte Dr. Dörnath die absolute Einzigartigkeit dieses Kulturerbes. Im Rahmen der persönlichen Begegnungen überreichte sie der Abgeordneten Ana Erika Santana González als besondere Anerkennung und als Gastgeschenk aus Deutschland ihr neues Buch mit dem Titel „Xoloitzcuintle, Viringo & Chinese Crested Dog – Robuste, vitale und gesunde Hunde“.

Zugleich schlug Dörnath in ihrem Redebeitrag den Bogen zur aktuellen Situation in Europa und in Deutschland. Sie sprach offen an, dass sie sich als Tierärztin auf internationalem Parkett dafür schäme, „wie hierzulande mit solchen robusten Rassen umgegangen wird“. Unter dem Deckmantel des Tierschutzes werde durch weltfremde und obsolete Leitlinien und einen ausufernden Regulierungswahn echte Vitalität bekämpft – eine Praxis, die sie als kolonialistisch kritisierte und für die sie auf dem Podium um Verzeihung bat.

Der Xoloitzcuintle ist eine vom Aussterben bedrohte robuste, vitale und gesunde seit Jahrtausenden existierende Haustierrrasse. Zu ihrem Schutz fand ein transatlantischer Schulterschluss statt. | Foto: privat, Verwendungserlaubnis durch Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Gefragte Expertin

Das zoos.media-Beiratsmitglied Dr. Kerstin Alexandra Dörnath auf dem Podium mit dem Thema: Indigene Völker, Xoloitzcuintles und Biodiversität | Foto: privat, Verwendungserlaubnis durch Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Bereits 2024 hatte Dr. Dörnath als Einzelsachverständige anlässlich der geplanten Novelle des Tierschutzgesetzes vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages gestanden und nachdrücklich klargestellt, dass weder der Xoloitzcuintle noch Rassen wie der Viringo (auch Inka-Hund und Peruanische Inka-Orchidee) oder der Chinese Crested Dog jemals als Tiere im Sinne des Paragraphen 11b des Tierschutzgesetzes eingestuft werden dürften.

Während Mexiko den nächsten großen Schritt plant, um dem Xoloitzcuintle nach dem Vorbild Perus (wo der Viringo fest in der Verfassung als zu schützendes Lebewesen verankert ist) einen noch höheren Schutzstatus zu verleihen, mahnte Dr. Dörnath zum Ende der Veranstaltung ein Umdenken an: Man müsse den Xoloitzcuintle vor einem modernen, eurozentrischen Kolonialismus bewahren und den Blick für den wahren, naturgegebenen Wert dieser außergewöhnlichen Geschöpfe öffnen.

In jedem Fall haben die mexikanische Abgeordnete Ana Erika Santana González – jener Parlamentarierin des mexikanischen Parlaments, die mit ihrer wegweisenden Initiative den offiziellen Weg für den Xoloitzcuintle geebnet hat – und die deutsche Tierärztin Dr. Kerstin Alexandra Dörnath vor Ort in Mexiko-Stadt ihren wissenschaftlichen, politischen und tierschutzfachlichen Schulterschluss vertieft.

Dr. Dörnath interviewt Diputada Ana Erika Santana González zum Schutz des Xoloitzcuintle, dem mexikanischen Kulturerbe | Foto: privat, Verwendungserlaubnis durch Dr. Kerstin Alexandra Dörnath
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