Exklusiv für zoos.media – 19.08.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Arielle & Rudolf sind Eltern geworden! Im Loro Parque sind die beiden Botschafter ihrer bedrohten Art und nun unterstützt auch ihr Nachwuchs den Artenschutz.

Loro Parque: 4 Otter-Babys für den Artenschutz
Das erste Rendezvous gab es im Januar 2026 auf Teneriffa: Arielle, die aus dem Tiergarten Kleve in den Loro Parque kam, traf auf Rudolf. Nicht nur die Genetik im Sinne der Erhaltungszucht passte, sondern auch die Chemie zwischen den beiden ganz offensichtlich. Wenige Monate später gab es Nachwuchs bei den Zwergottern. Im vergangenen Jahr hatte zoos.media Arielle schon besuchen können, als es noch gute Vorzeichen gab, dass es mit dem im Loro Parque geborenen Aceró gut klappen würde. Allerdings war Rudolf dann wohl das bessere Match.
Gute Otter-Paare zu finden, ist nicht einfach. Oft nutzt man ein Tier des letzten Wurfes eines erfolgreichen Zuchtpaares, wie in dem Fall Aceró, um ein neues Zuchtpaar zu bilden. Allerdings matcht es nicht immer wie man es sich wünscht. Letztendlich kann man es nicht voraussehen. Die Tiere entscheiden. Arielle hat sich nun für Rudolf entschieden und das ist ein echter Erfolg für den Artenschutz.
Populär und bedroht

Otter haben einen besonderen Platz im Herzen von vielen Menschen. In Europa wird die Art, die im Loro Parque zu sehen ist, rund dreihundertmal gehalten. Das sichert die Spezies sehr gut ab. Aufgrund der Verbandspolitik der EAZA haben sich im Laufe der Zeit mehrere Zuchtpopulationen gebildet, wovon eine vom Europäischen Zooverband selbst gemanagt wird.
So stehen Otter in Menschenobhut auf einem soliden Fundament, weil es glücklicherweise so viele Haltungen gibt. In der Natur sieht das anders aus. „Die Bestände sind seit den 1990er Jahren um mehr als 30 Prozent zurückgegangen, und in einigen Gebieten ihres historischen Verbreitungsgebiets ist die Lage besonders besorgniserregend“, erklärt der Loro Parque in seiner Pressemitteilung. Im südlichen China etwa, wo sie mal häufig waren, wurden sie in den letzten 20 Jahren nur dreimal in der Natur dokumentiert.
Ihr Lebensraum, die Feuchtgebiete, stehen im Zentrum der aktuellen EAZA-Kampagne Wetlands for Life. Insofern machen die putzigen Otter-Babys auch auf diese Kampagne aufmerksam. Generell sind Otter großartige Botschafter für Flüsse und Seen sowie deren Schutz. Otter-Nachwuchs gibt zoologischen Institutionen also sehr viel Gelegenheiten über Natur- & Artenschutz zu reden.
Geburtsgewicht: 40 Gramm
Asiatische Kurzkrallen-Otter, wie die Zwergotter auch genannt werden, kommen nicht wirklich fertig entwickelt zur Welt. Das zeigte sich auch im Loro Parque: Etwa 10 Zentimeter groß und rund 40 Gramm wogen die Otter-Babys nach ihrer Geburt. Sie hatten keine Zähne und die Augen waren noch geschlossen. Etwa 10 Wochen bleiben sie im Nest.
Inzwischen tragen die stolzen Eltern ihren Nachwuchs schon auf die Anlage. Damit sind sie auch, durchaus mit etwas Glück, für die Besucher zu sehen. Diese können im Loro Parque erleben wie das Paar die Babys großzieht, damit auch sie eines Tages so erfolgreich am Erhaltungszuchtprojekt teilnehmen können.
„Wir freuen uns sehr über diesen Nachwuchs. Diese Geburt stellt einen bedeutenden Fortschritt im europäischen Zuchtprogramm für diese charismatische und bedrohte Art dar und ist angesichts des starken Rückgangs der Art in der Natur von besonderer Bedeutung.“
Mike Jordan, Zoologischer Direktor des Loro Parque
Loro Parque Stiftung rettete 18 Arten vor dem Aussterben

Schon 18 Arten konnte der Loro Parque mit seiner Stiftung vor dem Aussterben retten. Natürlich betrifft die Natur- & Artenschutzarbeit der Loro Parque Stiftung aber weit mehr Arten. Man kann Spezies nämlich nicht isoliert schützen. In der Natur hängt vieles zusammen. Zudem lassen sich erfolgreiche Schutzprojekte und ihre Strategien auf andere Spezies übertragen.
Die Zucht von Zwergottern ist Teil einer internationalen Anstrengung zur Rettung der Art. Dabei verfolgt man den von der Weltnaturschutzunion formulierten One Plan Approach: Maßnahmen im Lebensraum und außerhalb des Lebensraums gehen Hand in Hand. So züchtet man zum Beispiel die Art, engagiert sich aber auch – etwa durch Wetlands for Life – für den Lebensraumschutz. Schützt man so die Art, profitieren davon aber auch zahlreiche andere.
So kooperiert die EAZA etwa mit der Spezialisten-Gruppe für Otter der Weltnaturschutzunion, mit der zum Beispiel auch die Kadoorie Farm and Botanic Garden, einer Institution vor Ort, zusammenarbeitet. Dazu gibt wird die EEP-Population auch auch immer wieder für die Forschung zur Verfügung gestellt und Forschungsprojekte in der Natur ermöglicht. Die IUCN betont aber auch im Aktionsplan für Otter schon: „Eine angemessene Präsentation in einem Zoo mit sachlichen und interessanten pädagogischen Grafiken kann einen wertvollen Beitrag zu Naturschutz-Bemühungen leisten.“ Das zeigt wie wichtig die Otter-Haltung ist.
