Seelöwen in San Diego (Kalifornien) | Foto: Rhododendrites, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wissenschaft versus Ideologie: Ist Salzwasser für Robben automatisch besser?

Exklusiv für zoos.media – 09.05.2026. Von: Philipp J. Kroiß

In vielen Zoos & Aquarien leben Robben in Süßwasser. Sie in Salzwasser zu halten, klingt erstmal nach mehr Natur, aber so einfach ist diese Frage gar nicht.

Kiotari, ein geretteter pazifischer Seehund, im Marine Mammal Centre | Foto: Aaron J Cohen MPH at English Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wissenschaft versus Ideologie: Ist Salzwasser für Robben automatisch besser?

Laien wundern sich hin und wieder mal, dass Robben als Meeressäuger in vielen Zoos & Aquarien im Süßwasser leben. Diese Haltung ist aber seit vielen Jahrzehnten erfolgreich. In modernen zoologischen Institutionen leben Robben länger als in der Natur. Trotzdem gibt es auch in Fachkreisen durchaus Diskussionen zum Thema.

Augenprobleme als Hauptargument

Delfin und Seelöwe im Tiergarten Nürnberg | Foto: Mammalwatcher, Lizenz: CC0 1.0

Immer wieder wird gesagt, dass Robben, die in Süßwasserwasser leben, deshalb Probleme hätten. Grund dafür sei, dass das osmotische Gleichgewicht im Süßwasser die Hornhaut aufquellen lassen würde. Wäre dem so, könnte so eine Änderung für die Tiere durchaus Sinn machen. Eine im letzten Jahr veröffentliche Studie hat das allerdings widerlegt.

Brehm et al. (2025) haben im Tiergarten Nürnberg diese Annahme überprüft. Dort lebt eine Gruppe Kalifornischer Seelöwen im Salzwasser der Lagune und eine zweite im Süßwasser vom Aquapark. „Eine Analyse medizinischer Aufzeichnungen über einen Zeitraum von zehn Jahren ergab keinen signifikanten Unterschied im Gesamtauftreten von Augenerkrankungen zwischen den beiden Gruppen“, erklärten die Forscher.

Sie schlussfolgern: „Zusammenfassend ist es unerlässlich, den Fokus von einer eher meinungsbasierten Debatte zwischen Süß- und Salzwasser hin zu einer umfassenden, auf faktischen Belegen basierenden Untersuchung zu verlagern.“ Dafür haben sie die wissenschaftliche Grundlage geliefert. Gleichzeitig entzieht das all jenen den Boden, die ideologiebasiert die Salzwasser-Haltung bevorzugen und/oder versuchen, die Süßwasser-Haltung von Robben in Verruf zu bringen. Letzteres betreibt die radikale Tierrechtsorganisation PETA zum Beispiel. Das konnte man zum Beispiel im Rahmen der Schmierenkampagne gegen den Zoo Rostock nachlesen.

Salzwasser ist kein Allheilmittel

Seelöwin relaxt im Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Eine Umstellung von Süß- auf Salzwasser aber geht ohnehin nicht so einfach. Süßwasser-Anlagen sind nicht unbedingt auf Salz ausgelegt. Pumpen, Rohre und sogar der Beton des Beckens könnte innerhalb kurzer Zeit zerfressen werden. Salzwasser braucht völlig andere Filtersysteme, die in ursprünglichen Süßwasser-Anlagen oft gar keinen Platz finden würden. Man kann auch Tausende Kubikmeter Salzwasser nicht einfach in die normale Kanalisation leiten. Dies könnte die Kläranlagen schädigen.

Dazu kommt aber noch was Anderes: Wenn eine Salzwasser-Anlage nicht perfekt eingestellt ist, können auch sie die Augen reizen und das sogar stärker, als es gut gefiltertes Süßwasser tun würde. Diese präzise Einstellung ist nicht so einfach. Durch Verdunstung steigt die Salzkonzentration im Becken an. Wenn die Technik oder das Personal nicht präzise gegensteuern, kann der Salzgehalt zu hoch werden, was den Organismus der Tiere belastet.

Einige Krankheitserreger und Bakterien gedeihen in salzhaltigem, warmem Wasser besonders gut. In Süßwasserbecken lassen sich Keime oft leichter mit Standardmethoden kontrollieren. Allerdings können diese Methoden in Salzwasser unerwünschte Nebenprodukte erzeugen. Also braucht es auch da andere Technik und wenn die dann versagt, ist es auch wieder gefährlicher als in Süßwasser.

Sinnlose Kosten-Explosion?

Ein Junge spielt mit einem Seelöwen im Oji Zoo in Kobe Stadt. | Foto: Corpse Reviver, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Daran merkt man schon, warum zum Beispiel die Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure das Salzwasser so protegieren: Eine Umstellung würde es für viele, besonders kleinere zoologische Institutionen im Binnenland schwerer bis unmöglich machen, Robben zu halten. Wohl aus Opportunismus gibt es aber in verschiedenen Zooverbänden trotzdem Bestrebungen, auf solche Forderungen einzugehen.

Das würde wohl ein erneutes Einknicken ohne messbaren Vorteil für die Tiere bedeuten, ähnlich wie beim Verboten des Freikontakts mit Elefanten. Was vielleicht nach außen für manche schöner klingen oder aussehen mag, wenn sie den wissenschaftlichen Hintergrund nicht so gut kennen, ist für die Tiere – besonders alte, schon lange an Süßwasser-Bedingungen gewöhnte Tiere – nicht unbedingt besser.

Robben-Haltung – besonders in der Breite – ist für die verschiedenen Arten super wichtig. Warum? Früher galten zum Beispiel Seehunde und Seelöwen als Schädlinge. Sie wurden gehasst und vernichtet. Durch die Präsenz in Zoos & Aquarien sowie ihre Präsentation dort als intelligente und unterhaltsame Tiere, konnte man das Image umkehren. Robben werden heute geliebt und geschützt. Diese positive Entwicklung muss bewahrt werden. Ein Kahlschlag der Haltungen von Robben durch künstliche Verteuerung ohne Vorteil für die Tiere könnte die Errungenschaft gefährden.

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