Exklusiv für zoos.media – 09.04.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Bisher konnte man vermuten, dass Robert Marc Lehmann ein belastbares Konzept vorgelegt hatte, um den Wal zu retten, dies aber nicht ergriffen wurde. Dieses Bild bekommt nun wohl Risse, nach einer Antwort des Ministeriums.

Wal in der Ostsee: Hat Robert Marc Lehmann je ein belastbares Konzept vorgelegt?
Zuletzt hatten wir über die widersprüchliche Absage von Robert Marc Lehmann berichtet. Darin hatte er davon Abstand genommen, sich für die Rettung des Buckelwals einzusetzen oder sie überhaupt noch zu kommentieren. Ein zentraler Punkt seiner Erklärung war, dass er davon absah, dem Ministerium einen Kostenvoranschlag zu schicken. Ein solcher aber ist entscheidend zur Bewilligung eines solchen Einsatzes, für entsprechende Unterstützung sowie die Rechtssicherheit, deren Abwesenheit Lehmann beklagte.
Man hatte die Erklärung so verstehen können, als habe quasi zum Plan einfach nur der Kostenhorizont gefehlt. Daher hat zoos.media bei der Pressestelle vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt, wie man den Plan einschätzen würde. Die Antwort überrascht.
Mehrfaches Bitten ohne Erfolg

Während, besonders seine Unterstützer bei jeder Gelegenheit auf Social Media, einen angeblichen Rettungsplan für den Buckelwal wie eine Monstranz vor sich her trugen, konnte das Ministerium diesen Plan auf unsere Frage hin gar nicht bewerten. Warum? Der Plan lag und liegt schlicht nicht vor.
Robert Marc Lehman habe „seinen Plan nur mündlich per Telefon vorgetragen. Ein belastbares Konzept wurde auch auf mehrfache Bitte nicht vorgelegt.“ Weiter wurde erklärt: „Minister Backhaus hat stets betont, dass er offen für jede Expertise ist.“ Daher habe er ihn eingeladen, „diese hier zu präsentieren. Die Einladung wurde nicht angenommen.“
Natürlich ist aber so ein „belastbares Konzept“ Voraussetzung für jede Einsatz-Bewilligung. Wale sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und internationalen Abkommen streng geschützt. Jeder Eingriff, also auch ein Rettungsversuch, bedarf einer Genehmigung. Das Ministerium muss prüfen, ob die Maßnahme dem Tier mehr nützt als schadet. Ohne Konzept kann keine Behörde eine Ausnahmegenehmigung für den Umgang mit einer streng geschützten Art erteilen.
Lehmann wurde nie ausgeschlossen

„Niemand im Team MV“ habe Robert Marc Lehmann „von Einsätzen ausgeschlossen“, betont das Ministerium deutlich. Allerdings wirft der Umstand natürlich eine andere Fragestellung auf: Hat Lehmann sich am Ende nicht vielleicht sogar selbst ausgeschlossen?
Wenn man die Schilderung des Ministeriums und die Absage-Storys auf dem inzwischen unerreichbar gemachten Instagram-Account zusammenbringt, könnte sich folgendes Bild ergeben: Lehman telefonierte mit Backhaus und wollte anscheinend auf Basis dessen so etwas wie einen Blankoscheck für seinen Einsatz. Er wollte alle Unterstützung, komplette Rechtssicherheit und so weiter. Natürlich stellen sich viele Laien da so vor – besonders in einem Helden-Narrativ, in dem eine Person dann der Macher ist.
So funktioniert aber Walrettung einfach nicht. Es funktioniert auch wohl nirgendwo auf der Welt so. Da gibt es immer ein belastbares Konzept, das behördlich abgesprochen und genehmigt ist. Sonst bekommt man auch dort keine Erlaubnis, Wale zu retten und schon gar keine Rechtssicherheit, die Lehmann angeblich – zumindest für sich selbst – so wichtig zu sein schien. Sollen all die Experten, mit denen er angeblich in Kontakt stand, ihm das nie gesagt haben? Wenn dem so wäre, dann könnte man das schon als verwunderlich rezipieren.
Unerreichbar auf Instagram

Wenn man völlig unmögliche Bedingungen für einen Einsatz fordert, wie es auf Basis der oben genannten Darstellungen erscheinen könnte, kann man dann überhaupt ausgeschlossen werden oder hat man durch das eigene Verhalten nicht verhindert überhaupt eingeschlossen zu werden? Das ist doch die entscheidende Frage in dieser Sache. Sie ist aber vermutlich nicht sehr angenehm für Lehmann. Auf Instagram kann ihm diese Frage niemand stellen. Dort ist er nicht mehr erreichbar.
Nicole Diekmann kommentiert auf t-online dazu: „Angeblich, weil er gerade in einer sehr wichtigen Mission unterwegs ist. Klingt bestechend logisch. So kennen wir Influencer und andere Social-Web-Größen: Wenn sie etwas wirklich Wichtiges zu erledigen haben, legen sie ihre Accounts lahm. Denn das interessiert die Leute nicht. Erst wenn alles vorbei ist, der See still ruht, dann melden sie sich zu Wort. Zu viel Spannung, das verwirrt die Fans ja nur. Was wir wollen, ist Langeweile.“
Anschließend erklärt sie: „Ganz ehrlich und jetzt ohne Ironie: Wer eine solche absurde Begründung für den Rückzug von Social Media schluckt, der ist selbst von schlichtesten Sachverhalten überfordert und verlässt das Haus nur an ihm gnädigeren Tagen aus eigener Kraft vollständig bekleidet.“ Sie vermutet, dass die immer lauter werdende Kritik ein Grund für seinen Rückzug sein könnte. Die wird wohl dadurch nicht weniger werden. Allerdings kann man durch so einen Rückzug nicht nur Fragen der Community entgehen, sondern auch etwaigen spontanen Un-Follows als direkte Reaktion.
