Fiaker-Pferde in Wien | Foto: zoos.media

Wien: Stehen Fiaker-Pferde den ganzen Tag in der Sonne?

Exklusiv für zoos.media – 26.08.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Nein, die Fiaker-Pferde in Wien stehen natürlich nicht den ganzen Tag in der Sonne. Trotzdem wird das immer wieder behauptet. Wie funktioniert das?

Fiaker Hermann Hofer mit seinen tierischen „Kollegen“ am Stephansplatz in Wien | Foto: zoos.media

Wien: Stehen Fiaker-Pferde den ganzen Tag in der Sonne?

Ganz Wien litt angeblich unter der Hitze! Das nutzten Anti-Fiaker-Demonstranten gerne, um den Menschen einzureden, die Fiaker-Pferde würden ebenso leiden wie die Menschen. Aber leidet wirklich ganz Wien unter der Hitze? Nein, die Fiaker-Pferde tun es nicht. Warum? Einmal funktioniert die Hitzeregulation bei Pferden anders als bei Menschen, dann stammen sie aus der viel heißeren ungarische Puszta und die Tiere haben automatisch Hitzefrei bei für sie noch milden Temperaturen.

Langärmlich gegen die Hitze

Der Aktivismus gegen Fiaker trägt dabei recht spannende Früchte: In einem Video der VGT erlebt man die Protagonistin mit langärmligem Oberteil über Hitze monieren. Anhand eines mitgebrachten Thermometers in der Hand behauptet sie, die 35°C wären ja schon längst überschritten, aber die Fiaker wären trotzdem noch vor Ort.

Was dabei unerwähnt bleibt: Für die Fiaker gilt die unabhängige ZAMG-Messstation in der Inneren Stadt. Um deren Werte zu sehen, braucht man nicht mal ein eigenes Thermometer. Man kann es online einsehen. Da ist es wohl ein gewisses Problem in der angeblichen Beweiskette, wenn dann nicht die offiziellen Daten in die Kamera gehalten werden.

Natürlich fällt sowas Leuten aber nicht auf, die sich empören wollen. Die genau sind wohl auch die Zielgruppe solcher Aktionen. Dann kann die Performance beginnen: Laien, denen Tierschutz angeblich so wichtig ist, wittern ihre große Stunde zur Empörung. Dass die Fiaker am gleichen Tag tatsächlich rechtzeitig wieder in den Stall gefahren sind, findet in der Aufregung der Aufgehetzten wohl kaum Raum.

Demo in der Sonne, Pferde im Schatten

Direkt vom Standort der Fiaker am Stephansdom veröffentlichte der wohl größte Kutschbetrieb der Welt ein Video, das zeigt, dass, während die VGT emsig in der Sonne demonstriert, die Fiaker entspannt im Schatten stehen. Dieser Stellplatz ist so gut wie immer im Schatten. Warum? Er befindet sich neben den Nordturm des Wiener Wahrzeichens.

Da der Dom selbst massiv nach Süden und Osten ragt, wirft er im Frühling, Herbst und Winter fast durchgehend Schatten auf die Nordseite. Nur im Hochsommer und dann auch nur in den frühen und entsprechend kühleren Morgenstunden oder späten Abendstunden kann man dort überhaupt mal Sonnenstrahlen erhaschen. An den anderen Standorten der Fiaker, sieht es nicht viel anders aus. Es gibt genug Schatten für Mensch und Tier.

Zusätzlich zum Schatten können die Fiaker auch noch durch Wasser für genug Abkühlung für ihre tierischen Kollegen sorgen. Es gibt genug Wasser, genug Zeit für Pausen. Dazu werden die Pferde ohnehin regelmäßig überprüft. Das passiert betriebsintern, aber auch extern. Die Fiaker-Pferde gehören zu den wohl am meisten auf ihr Wohlergehen kontrollierten Tieren in ganz Österreich.

Entscheidende Herkunft

Fiaker-Pferde auf dem riesigen Pferdehof in Arbesthal von Faiker Paul | Foto: zoos.media

Für die Fiaker-Pferde sind Temperaturen, die Menschen herausfordern, kein Problem. Sie stammen nämlich aus der ungarischen Puszta. Wer unter den vergleichbar milden Sommern in Wien schon leidet, für den wäre die Puszta eine absolute No-Go-Area in dieser Zeit. Dort sind die Sommer heiß und trocken. Man wird auch keinen Stephansdom finden, der angenehmen Schatten spendet.

Durch die weite, baumarme Ebene und offene Graslandschaft heizt sich der Boden Puszta tagsüber massiv auf und es fehlt an natürlichem Schatten. Temperaturen um die 40°C sind keine Seltenheit. Das ist das Gebiet, aus dem die Wiener Fiaker-Pferde stammen. Daher sind sie so gut geeignet für das Leben in Wien. Sie sind viel extremere Temperaturen gewohnt. Dort ist das Wetter viel kontinentaler geprägt.

In der ungarischen Puszta steigen die Temperaturen im Sommer häufiger und höher über die 35°C-Marke, während Wien durch seine etwas westlichere Lage und den Einfluss milder Luftmassen moderatere Höchstwerte verzeichnet. Zudem gilt: Hitzewellen fallen in der Tiefebene oft intensiver aus. Im Winter fehlen der Puszta größere natürliche Barrieren gegen eiskalte Ostwinde aus Osteuropa und Russland. Daher sinken die Temperaturen dort tiefer als im urbaneren und vergleichsweise milderen Wiener Becken.

Menschen haben mehr Probleme als Pferde

Am Morgen warten die Pferde bei Fiaker Paul schon darauf, eingespannt zu werden. | Foto: zoos.media

Die Differenz zwischen den wärmsten Sommertagen und den kältesten Winternächten ist in der offenen ungarischen Steppenlandschaft somit spürbar größer als in Wien. Die Pferde sind also viel Extremeres gewohnt als Wien ihnen bietet. Anders ist es bei den Wienern. Die bekommen bei Hitze und Kälte sehr viel schneller Probleme als die Pferde.

Bevor also die Pferde an den Temperaturen leiden, wird wohl der Kutscher ernste Probleme bekommen. Das liegt schlicht daran, dass er ein Mensch ist, der nicht so gut an solche Wetterlagen adaptiert ist, wie die Pferde. Während er sich vor Kälte noch etwas durch Kleidung schützen kann, ist das bei Hitze nicht möglich. Einmal gelten Kleidungsvorschriften. Es kommt aber noch hinzu, dass er auf dem Bock sitzt. Da ist er nicht nur ungeschützt, sondern Kopfschmerzen, Schwindel und Dehydration treten bei der körperlichen nicht so aktiven Arbeiten auf dem Bock oft schnell auf.

Das macht Temperatur-Grenzen auch obsolet. Den Pferden geht es noch gut, wenn der Kutscher schon Probleme hat. Der Mensch ist in dieser Kette das „schwächere“ Glied. So wäre es effektiver, sich auf die Kutscher selbst zu verlassen. Im Gegensatz zu denen, die sich so gerne aufregen, sind die zudem ausgebildete Fachkräfte und kennen nicht nur ihr Handwerk, sondern auch ihre Pferde am besten. Sie werden – allein aus Selbstschutz – den Stall schon längst aufsuchen, bevor die Temperaturen zum Problem für die Tiere werden.

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