Exklusiv für zoos.media – 18.04.2026. Autorin: Dr. Kerstin Alexandra Dörnath
Im zweiten Teil ihrer Kolumne WildTierBlick hat Dr. med. vet. Kerstin Alexandra Dörnath gute Nachrichten aus Mexiko dabei: Die Hunderasse Xoloitzcuintle bekommt in Mexiko einen Tag gewidmet.

Sieg für das kulturelle Erbe: Der 27. Oktober wird zum Nationalen Tag des Xoloitzcuintle
Aus Mexiko erreicht uns eine wundervolle Nachricht, die das Herz eines jeden Schützers sowohl seltener urtümlicher Haushunderassen als auch des kulturellen Erbes höherschlagen lässt: Die Cámara de Diputados, das mexikanische Abgeordnetenhaus, hat am 15. April 2026 mit überwältigender Mehrheit beschlossen, den 27. Oktober zum Día Nacional del Xoloitzcuintle, das ist der Nationale Tag des Xoloitzcuintle, zu erklären.
Die Abstimmung darüber ist als historisch zu bezeichnen, denn der Antrag wurde ohne einzige Gegenstimme angenommen. Das unterstreicht, wie unumstritten der Schutz und die Ehrung dieses besonderen Geschöpfes in Mexiko über alle Parteigrenzen hinweg ist. Es ist ein echtes Statement für die Bewahrung dieser Rasse, das ohne Widerstand durch das Parlament ging. Hier freut sich die Initiatorin.
Warum der 27. Oktober?

Was auf den ersten Blick wie die Ehrung einer Hunderasse wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein tiefgreifendes Bekenntnis zum Schutz einer sehr seltenen Haushunderasse und zur biologischen Identität von Mexiko. Was nur wäre Mexiko ohne den auch „Mexikanischer Nackthund“ genannten Xoloitzcuintle, ohne seinen kleinen Cousin, den Chihuahua, und ohne den Axolotl, der ewig junge Botschafter Mexikos, der tief in den Gewässern von Xochimilco verwurzelt ist?
Der Xoloitzcuintle ist nicht nur eines der ältesten lebenden Kulturgüter der Welt – er existiert unverändert seit Jahrtausenden –, sondern auch ein Überlebenskünstler. In den 1950er Jahren fast ausgerottet, ist seine heutige Existenz das Ergebnis multidisziplinärer Anstrengungen von Wissenschaftlern und Idealisten. Insbesondere das Künstler-Ehepaar Frida Kahlo und Diego Riviera haben eine zentrale Rolle für das Überleben dieser Hunde gespielt.
Warum der 27. Oktober? Dieses Datum ist kein Zufall. Es markiert den Vorabend des Día de los Muertos, dem Tag der Toten. Nach uraltem Mythos sind es die Xoloitzcuintle, die als treue Gefährten die Seelen sicher durch die Unterwelt führen.
Deutliches Voting

Dass ein Staat mit 433 zu 0 Stimmen entscheidet, dieses Tier unter besonderen Schutz und öffentliche Aufmerksamkeit zu stellen, ist ein Signal von unschätzbarem Wert. Ein herzlicher Glückwunsch nach Mexiko zu dieser weisen Entscheidung! Sie ist ein Vorbild für den Umgang mit unseren Mitgeschöpfen – mit Rückgrat und klarer Kante für das Tier.
Ich bin mir mehr als sicher, dass diese Hunde auch die verachtenswerten Bestrebungen übereifriger Amtstierärzte in Deutschland überstehen werden, die diesen Hund in vorauseilendem Gehorsam mit Kastrationsanordnungen versehen, ihn von Ausstellungen ausschließen und ihn als „Qualzucht“ betiteln – obwohl er eben genau das nicht ist. Der Xoloitzcuintle nämlich ist kein Paragraf-11b-Tier, sondern ein robuster, vitaler, gesunder Haushund.
Wie geht es weiter?

Der nächste Schritt, den Mexiko gehen wird, ist die verfassungsrechtliche Verankerung dieser heiligen Hunde. Echter Schutz bedeutet eben auch, den Respekt vor der Einzigartigkeit einer Haushunderasse im Gesetz zu verankern. Mexiko zeigt uns, dass politischer Wille und kulturelle Wertschätzung Hand in Hand gehen können. Es ist eine Anerkennung der Resilienz dieser Tiere, die trotz aller Widrigkeiten der Geschichte überlebt haben. Sie werden auch deutsche Fehleinschätzungen, deutsches Unrecht überstehen.
Ich bin froh und dankbar, im Herbst dieses Jahres als Ehrengast zu einer dreitägigen kulturellen, historischen, wissenschaftlichen und politischen Veranstaltung zum Schutz dieser nationalen Rasse, des heiligen Tieres Mexikos, in die Räumlichkeiten des mexikanischen Abgeordnetenhauses geladen zu sein. Dort werde ich versprechen, nach allen Kräften diese Hunderasse auch in Deutschland vor Willkür zu beschützen. Denn: Tierschutz ist weder Ideologie noch Meinung, sondern Wissenschaft.
