Ein echtes Tiger-Traumpaar: Saphira & Sandokan in der Obhut von Carmen Zander | Quelle: Dr. K. Alexandra Dörnath

Prahlt Stichting AAP mit einer Fake-Rettung von Tigern?

Exklusiv für zoos.media – 01.07.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Skandal um Carmen Zanders Tiger: Haben Behören ein Attest über die Transportunfähigkeit für eine fragwürdige NGO-Aktion ignoriert? Die Aktion wirft Fragen auf, die auch weit über den besonderen Fall hinausgehen.

Dr. K. Alexandra Dörnath impft den prächtigen Nachwuchs von Sandokan. Carmen Zander gibt dem Tigerwelpen dabei Sicherheit. | Quelle: Dr. K. Alexandra Dörnath

Stichting AAP prahlt mit Fake-Rettung von Tigern

Die fragwürdige Organisation AAP, die im Lobbyregister des Bundestags steht, will Tiger in Leipzig gerettet haben. „Jetzt laufen sie durch ein Außengehege mit Naturboden, Badebecken und mehreren Rückzugsbereichen“, behauptet AAP am Abend des 01. Juli 2026. Die Beschlagnahmung der Tiger erfolgte aber erst am Morgen desselben Tages. Die Autofahrt von Leipzig zur Tierhaltung von AAP in Spanien dauert über 20 Stunden. Erst im Verlauf des Textes wird erklärt, dass die Tiere sich „aktuell auf dem Weg in die AAP-Rettungsstation in Spanien“ befänden.

Man behauptet, es sei „die größte Tigerrettung, die AAP je in Deutschland durchgeführt hat“. Das Problem an der Formulierung: Diese Tiger mussten gar nicht gerettet werden. Ihnen ging es gut. Nie wurde Leiden, Schäden oder Schmerzen gemäß des Tierschutzgesetzes bei ihnen festgestellt. Ob die Beschlagnahmung somit überhaupt verhältnismäßig war, dürfte noch juristisch zu klären sein.

Tiertransport plötzlich kein Problem?

Exklusiv konnte zoos.media darüber berichten, dass ein Attest über die „akute Transportunfähigkeit“ der Tiere vorlag. Das wurde von den Behörden wohl übergangen. Mit Tierschutz hat dieser Transport also wohl nichts zu tun gehabt. Das versucht man nun wohl anders zu verkaufen. Normalerweise werden Tiger auf solche Transporte von professionellen Haltern langfristig vorbereitet und trainiert. Das geschah nicht.

Sechs Tiger wurden aus ihrem Sozialgefüge bei Carmen Zander gerissen, bei der zwei Tiere verblieben. Offenbar wurden die Tiere betäubt und dann verladen. Bis zur fragwürdigen Haltung von AAP erwartete sie dann über 2.000 Kilometer Tiertransport unter fragwürdigen Bedingungen.

Bei Circussen und Zoos moppern solcherlei Organisationen schon bei kurzen Transporten und mit dafür trainierten Tieren. In diesem Fall wird ein Transport unter wesentlich schlechteren Bedingungen als Tierschutz verkauft. Diese Doppelmoral ist bemerkenswert. So ist Tierschutz wohl kaum glaubwürdig. Mit einer Rettung hat das dann auch wenig zu tun. Man hätte wohl die Tiger eher vor AAP retten sollen.

Fragwürdige Aussagen der Landestierschutzbeauftragten

In der Pressemitteilung von AAP wird auch die Sächsische Landestierschutzbeauftragte Carina Heinrich zitiert. Darin erklärt sie: „Mein besonderer Dank gilt AAP, Sie haben mit Ihrer engagierten Unterstützung maßgeblich zur Vorbereitung dieser wichtigen Maßnahme beigetragen und somit den Weg für deren Vollzug geebnete [sic!].“ Das bedeutet anscheinend, die Behörden haben diesen fragwürdigen Schlag gegen Carmen Zander mit der NGO vorbereitet.

Die Haltung von AAP bezeichnet sie als „artgerechte[s] Gelände“. Einmal ist artgerecht ein lange überholter Begriff für die optimale Haltung von Tieren – optimal ist die tiergerechte Haltung. Die gab es bei Carmen Zander. Schon in der mdr-Sendung „Fakt ist!“ beschrieb Zander: Die Haltung von AAP wäre zu staubig und zu heiß. Eine Verbesserung der Situation der Tiere ist also fraglich.

Heinrich wurde Anfang 2024 Sächsische Landestierschutzbeauftragte. Die Stelle ist bei der Landessozialministerin Petra Köpping (SPD) angesiedelt. In der AAP-Pressemitteilung spricht Heinrich davon „das Wohl der Tiere nachhaltig zu sichern und gleichzeitig die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten“. Im Fall der Tiger von Carmen Zander ist ihr das wohl nicht gelungen. Zudem wirft es die Frage auf: Darf sich eine staatliche Stelle bei einem hoheitlichen Akt wie einer Beschlagnahmung so stark mit einer privaten, interessengeleiteten Lobby-Organisation einlassen?

Tierrechtsindustrie & Kollaborateure: Auf der ganzen Welt auf der Suche nach Tieren

Die Wegnahme der Tiere von Carmen Zander ist kein Einzelfall. Das „Sanctuary“-System der Tierrechtsindustrie und ihrer Kollaborateure giert auf der ganzen Welt nach Nachschub wie wohl kaum eine andere Branche. Von dieser Industrie goutierte Haltungen, die mit dem Namen „Sanctuary“ wohl ein gewisses Greenwashing erfahren sollen, sind nicht gut darin Tiere am Leben zu erhalten, wie etwa auch das TES für Elefanten, und züchten auch nicht. Daher leeren sich die Gehege schnell.

Irgendwie muss man also an Nachschub kommen. Da geraten Tierhalter ins Visier. Besonders Tiere, die gar nicht mal so schlecht gehalten wurden, sind gar nicht so wenig begehrt, wie man vielleicht meint. Ein Tier, das gut in einem Zoo, Circus oder einer Privathaltung lebt, sieht super aus und lässt sich schön vermarkten. Denn oft werden solche Haltungen auch touristisch genutzt. Damit die Fotos auch schön werden, zeigt man auch gern hübsche Tiere.

Solche Tiere können gute Halter natürlich liefern, aber sie liefern sie nicht freiwillig. Also beginnt man Behörden zu kontaktieren, dann werden Kampagnen gegen Halter gefahren und wenn die nicht freiwillig einknicken, versucht man es auch gerne mal mit Gewalt und gerne auch der Staatsgewalt. Das ist die Realität vor der noch zu viele Tierhalter international die Augen verschließen.

Wie lange bleiben die Augen noch zu?

Auge eines Amur-Tigers – fotografiert im Pittsburgh Zoo | Foto: (c)2007 Derek and Julie Ramsey (Ram-Man) edit by Chris_huh, Lizenz: public domain

Nach vorliegenden Informationen konnte kein akuter Verstoß im Sinne von nachgewiesenen Schäden, Schmerzen oder Leiden gemäß des Tierschutzgesetzes festgestellt werden. Die Haltung kann somit durchaus als völlig legal bezeichnet werden. Von nun an müssen sich also auch legale Halter davor fürchten, dass einen irgendwann am frühen Morgen die Behörden wecken und die eigenen Tiere wegnehmen wollen.

Das Säugetiergutachten wurde in diesem Fall benutzt, Vorwürfe gegen Carmen Zander zu konstruieren. Es wurde ignoriert, dass es sich nur um eine Haltungsempfehlung handelt. Ebenso wurde ignoriert, dass Carmen Zanders Tiger in einem Sozialgefüge leben. Das Säugetiergutachten geht von solitär lebenden Tigern aus. Daher lassen sich die Empfehlungen auch nicht wirklich auf Carmen Zanders Tiger übertragen. Das Säugetiergutachten ist eine verwaltungstechnische Auslegungshilfe. Es findet vor Gericht regelmäßig seine Grenzen, wenn es als alleinige Basis für Zwangsmaßnahmen ohne konkreten Leidensnachweis herangezogen wird.

Das kann jedem Halter passieren. Irgendwelche Konstruktionen werden erdacht und wenn die nicht aus Haltungsempfehlungen gesponnen werden, dann aus etwas anderem. Es ist letztendlich vollkommen beliebig und willkürlich. Man kann es mit jeder Haltung durchspielen. Damit aber genau das nicht geschieht, müssten Tierhalter gemeinsam etwas dagegen unternehmen. Hier liegt ein offensichtliches, gefährliches systematisches Problem vor.

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