Sea Pen in der Bucht von Klettsvík (Heimaey, Island) | Foto: Hansueli Krapf, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Wal-Sanctuaries der Tierrechtsindustrie: Eine Chronologie des Scheiterns

Exklusiv für zoos.media – 27.01.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Immer wieder werden sie vorgeschlagen, nie aber bieten sie echte Lösungen: Die Wal-Sanctuaries der Tierrechtsindustrie. Dieser Artikel listet zahlreiche schon gescheiterte Projekte auf – sowie eines, das gerade scheitert.

Orca im Marineland Antibes (2009) | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Wal-Sanctuaries der Tierrechtsindustrie: Eine Chronologie des Scheiterns

Es ist nicht so, als hätten sie es nicht probiert …
Immer wieder präsentieren die Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure Sanctuaries als angeblich bessere Alternative zu Delfinarien, Walarien oder Ozeanarien. Was sie dabei gerne verschweigen, sind die vielen gescheiterten Versuche, solche Projekte zu realisieren. Die Seite dolfinariumweb.nl hat schon eine hervorragende Liste veröffentlicht.

In diesem Artikel werfen wir nun einen genauen Blick auf die einzelnen Projekte. Dadurch wird klar, wie verloren diese Idee an sich bereits ist. Umso fragwürdiger scheint, dass immer wieder versucht wird, durch Spendenaufrufe mit dem zahlreich gescheiterten Konzept, noch Kasse zu zu machen.

Nie über die Planungsphase hinausgekommen …

Sehr viele Sanctuary-Ideen, die vorgeschlagen wurden, um seriöse Zootierhaltung angeblich zu ersetzen, sind auch nicht viel mehr als fixe Ideen geblieben. Das war teils auch schon deutlich absehbar. Manchmal zeigte es sich auch erst später. Folgend werden wir auf diese Projekte mal einen Blick werfen.

Das Whale Sanctuary Projekt

Die Orcas waren die „Stars“ vom Marineland Antibes. Die Besucher kamen hauptsächlich, um sich von der tierschutzzertifizierten Haltung begeistern zu lassen. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Hierbei ist das Whale Sanctuary Project wohl das bekannteste Beispiel. Seit dem Start im Jahr 2016 wurden Millionen US-Dollar an Spenden gesammelt, ohne dass bisher der Bau der Tierhaltungsanlage begonnen wurde. Die Organisation steht in der Kritik, da sie seit Jahren medienwirksam Plätze für Tiere in Not verspricht, diese Zusagen jedoch bisher nie einlösen konnte.

Obwohl das Projekt auch 2026 nach den Schließungen von Marineland Antibes und Marineland Ontario als Lösung präsentiert wird, existiert die Anlage weiterhin nur auf dem Papier. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, Krisensituationen von Tieren primär als Marketing-Instrument für Spendengelder zu nutzen. Während der Bau stagniert, werden aus diesen Mitteln sechsstellige Gehälter pro Jahr an Projektmitglieder gezahlt.

Zusätzliche Zweifel an der Seriosität wecken ökologische Gutachten, nach denen das geplante Gebiet in Kanada mit Giftstoffen belastet und somit als Lebensraum für Meeressäuger wohl ungeeignet ist. Trotz dieser massiven Hindernisse und des fehlenden Fortschritts wird das Fundraising unvermindert fortgesetzt, was das Vorhaben zunehmend als Projekt erscheinen lässt, das wohl niemals über die Planungsphase hinauskommt.

Ein Sanctuary für Kshamenk?

Der gerettete Orca Kshamenk im Mundo Marino 2007 | Foto: Marcelo campos, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Orca-Bulle wurde im Rahmen einer Strandung in der Provinz Buenos Aires gerettet. Danach lebte über 33 Jahre lang im argentinischen Delfinarium Mundo Marino. Schließlich starb er im Dezember 2025. Er durfte Argentinien zeitlebens nicht verlassen. Pseudo-Tierschutz-Interessengruppen blockierten eine Verbesserung seiner Haltungssituation.

Man kam dann mit einem Plan um die Ecke, Kshamenk erst in einen Netzkäfig und ihn dann in die Natur zu bringen. Die argentinische Regierung lehnte den Plan im Jahr 2013 endgültig ab. Ein wesentlicher Grund für diese Entscheidung war das unkalkulierbare Risiko für die wilden Orca-Populationen, da Kshamenk über einen extrem langen Zeitraum engen Kontakt zu Menschen und anderen Arten hatte. Infolgedessen befürchteten Experten, dass der Orca gefährliche Pathogene in die wilden Bestände einschleppen könnte, was eine biologische Bedrohung für das gesamte Ökosystem dargestellt hätte.

Darüber hinaus spielten verhaltensbiologische Bedenken eine entscheidende Rolle beim Stopp des Vorhabens. So wurde befürchtet, dass Kshamenk keine soziale Akzeptanz in einer Gruppe finden würde. Letztendlich wurde das Risiko für sein eigenes Wohlergehen hoch und die Erfolgsaussicht als zu gering eingestuft, weshalb das Projekt nie über die theoretische Phase hinaus umgesetzt werden konnte.

WDSF-Idee scheitert

Delfine im Roten Meer | Foto: Sarbast.T.Hameed, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das fragwürdige WDSF schlug ein Sanctuary-Projekt im Roten Meer vor. Dabei sollten Tiere aus europäischen Delfinarien in ägyptische Gewässer gebracht werden. Die lokale Regierung lehnte dieses Vorhaben jedoch im Jahr 2014 strikt ab, wie dolfinariumweb.nl erfuhr. Der Grund hierfür war das Risiko einer drohenden Fauna-Verfälschung. In europäischen Parks leben nämlich Atlantische Große Tümmler, während im Roten Meer der Indopazifische Große Tümmler heimisch ist. Das ist eine andere Spezies.

Zusätzlich zu diesen ökologischen Hürden geriet das Projekt aufgrund mangelnder Seriosität in die Schlagzeilen. Das WDSF positionierte sich als lautstarker Kritiker der Delfinhaltung und sammelte Spenden. Dennoch kamen im Laufe der Zeit erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit auf. Es gab zum Beispiel Ungereimtheiten im Zusammenhang mit einer Reise zum Dolphin Reef Eilat.

Auch durch solche Erzählungen mit fragwürdiger Glaubwürdigkeit wurde das Projekt belastet. Dazu kamen weitere Ungereimtheiten zum WDSF ans Licht. So gab es zum Beispiel vielkritisierte Wa(h)lwerbung für die AfD. Heute spielt die Organisation quasi keine Rolle mehr in der öffentlichen Debatte um Delfinarien.

National Aquarium in Baltimore setzte sich in die Nesseln

Delfinarium im National Aquarium Baltimore im Jahre 2004 | Foto: Fritz Geller-Grimm, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Über den Plan vom National Aquarium in Baltimore hat zoos.media umfassend berichtet. Das sucht bereits seit 2016 nach einem geeigneten Standort, um die im Aquarium lebenden Delfine in ein Sanctuary zu bringen.

So wurden sogar Gespräche mit verschiedenen der anderen Projekte geführt, aber bisher wurde noch kein realisierbares Projekt mit einem Standort gefunden, der bereit für die Aufnahme von Tieren ist. Das National Aquarium hat zudem mehrere andere Projekte abgelehnt, da das Wohlergehen der Tiere dort nicht garantiert werden konnte.

Es war ein opportunistischer Move des Aquariums. In Nordamerika gibt es immer mal wieder zoologische Institutionen und Verbände, die dem Irrtum erliegen, Opportunismus wäre das Mittel der Wahl gegen die Tierrechtsindustrie. Diese Idee hat schon SeaWorld massiv geschadet und tut selbiges auch nun in Baltimore.

Wal-Qual-Plan für Lolita?

Lolita, auch Toki oder Tokitae genannt, im Miami Seaquarium in Florida | Foto: Katie Mortus (Orzechowski), Lizenz: Erlaubnis der Fotografin

Im März 2023 kündigte das Miami Seaquarium gemeinsam mit der Organisation Friends of Toki an, die Orca-Dame Lolita in ihre „Heimatgewässer“ im Pazifischen Nordwesten zurückzuführen. Geplant war die Unterbringung in einem Netzkäfig, finanziert durch millionenschwere Spenden. Allerdings warnten zahlreiche Experten und ehemalige Trainer bereits frühzeitig vor den enormen gesundheitlichen Risiken für den über 50 Jahre alten Wal.

Zudem fehlten für den Transport und die Haltung im offenen Meer bis zuletzt die notwendigen behördlichen Genehmigungen der NOAA. Infolgedessen wurde das gesamte Projekt teilweise als Marketing-Aktion eingestuft. Kritiker bemängelten, dass ein konkreter, behördlich geprüfter Plan für die Umsiedlung der Öffentlichkeit nie wirklich vorlag. Stattdessen wurden die Warnungen über Lolitas instabilen Gesundheitszustand und ihre altersbedingten Einschränkungen oft ignoriert.

Letztendlich verstarb Lolita im August 2023 im Miami Seaquarium an Nierenversagen, noch bevor eine Umsiedlung überhaupt eingeleitet werden konnte. Da die Verantwortlichen bereits beim Projekt um den Orca Keiko involviert waren, zu dem wir später kommen werden, warfen Kritiker ihnen vor, nicht aus vergangenen Fehlern gelernt zu haben.

Dolphin Resort Ras Laflouka

Bereits im Jahr 2001 wurde dieses Vorhaben von der Stiftung Firmm ins Leben gerufen. Damit zählt es zu den ältesten Plänen für ein Sanctuary in dieser Liste. Dennoch konnte das Projekt über ein Jahrzehnt lang keine nennenswerten Fortschritte erzielen.

Im Jahr 2013 folgte schließlich die permanente Annullierung aller Pläne. Ein Hauptgrund für das Scheitern waren die massiven Kosten der Umsetzung. Infolgedessen stieß das Projekt schnell an seine finanziellen Grenzen. Die finanziellen Mittel reichten schlichtweg nicht aus, um aus der Idee mehr werden zu lassen.

Darüber hinaus fehlte die politisch notwendige Unterstützung für das Vorhaben. Weder die lokale Regierung noch die Politik standen hinter dem Bau der Anlage. Aus diesem Grund wurden niemals die erforderlichen Genehmigungen erteilt. Letztendlich führten also bürokratischen und finanziellen Hürden zum endgültigen Aus des Projekts.

Netzkäfig bei den Reichen & Schönen?

St. Tropez kennt man eher als Sehnsuchtsort des Jetsets. Nach der angekündigten Schließung des Delfinariums im Parc Astérix entstand ein Plan für ein Sanctuary dort. Allerdings mangelte es von Beginn an massiv an der notwendigen Unterstützung. Letztendlich scheiterte das gesamte Projekt an den fehlenden Geldern und der mangelnden Infrastruktur.

Zudem standen keinerlei finanzielle Mittel für die Umsetzung dieses Vorhabens wirklich zur Verfügung. Infolgedessen kam das Projekt niemals über die erste Planungsphase hinaus. Da kein Sanctuary bereitstand, wurden die Tiere letztlich in andere Delfinarien umgesiedelt. Dort leben sie bis heute unter professioneller Obhut weiter.

Besonders tragisch verlief das Schicksal eines kranken und sehr alten Tieres namens Femke. Um ihr den Stress des Transports und die Eingewöhnung an einem neuen Ort zu ersparen, wurde sie schließlich eingeschläfert.

Scheitern Down Under

Im Jahr 2018 entstand ein Plan für die Delfine Zippy, Bella und Jet. Da eine Auswilderung in den Ozean unmöglich war, wurde ein küstennahes Sanctuary als einzige Alternative verkauft. Infolgedessen startete eine intensive Phase der Überprüfung durch verschiedene Organisationen.

Über sechs Jahre hinweg führten das Coffs Coast Wildlife Sanctuary, Action For Dolphins und World Animal Protection gemeinsame Machbarkeitsstudien durch. Dabei wurden alle ökologischen und medizinischen Risiken für die Tiere genauestens untersucht. Die Gesundheit und die Sicherheit der Delfine stand dabei im Mittelpunkt der Analyse.

Letztendlich führte diese gründliche Prüfung im Jahr 2024 zu einer endgültigen Absage für das Projekt. Man kam zu dem Schluss, dass der Verbleib in der vertrauten Umgebung des Delfinariums die beste Lösung für das Tierwohl darstellt.

Delphinorove

Als innovative Lösung für Delfine aus europäischen Delfinarien angepriesen, wollte man im ungenutzten Rove-Kanal in Südfrankreich ein Sanctuary bauen. Dabei fasste man sogar eine Auswilderung ins Auge. Ein zentraler Aspekt des Vorhabens war die Aufwertung des Étang de Berre sowie die Einbindung der lokalen Fischergemeinde.

So wurde im April 2014 ein Symposium in Vitrolles organisiert, um die Machbarkeit zu diskutieren. Allerdings kam man offenbar zu keinem erfreulichen Ergebnis. Zudem wollte die Politik nicht Staatsgelder für die Tilgung der hohen Kosten aufwenden. Außerdem hätte die Zufuhr von Salzwasser weitaus größere technische Komplikationen verursacht, was die Umsetzung letztlich unmöglich machte.

Trotz der anfänglichen Euphorie wurde das Projekt im Jahr 2018 endgültig offiziell abgesagt. Zudem erwies sich der Rove-Kanal als deutlich stärker mit Schadstoffen belastet, als die Planer zuvor angenommen hatten. Erneut war also schlechte Wasserqualität ein zentrales Problem.

Noch mehr Beispiele nötig? Hier sind sie

Beim Blue Dolphin Freedom Center in Italien handelt es sich um eine Initiative von Dolphin Project in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen. Das Vorhaben blieb erfolglos und wurde, wie schon andere Projekte zuvor, eingestellt. Zudem wurden die Website sowie alle Online-Spuren im Internet gelöscht. Das Brest Sanctuary in Frankreich war ein Plan von Sea Shepherd aus dem Jahr 2024. Wieder waren Finanzen das Problem, aber auch der Umstand, dass sich ein Militärstützpunkt in der Nachbarschaft befand. Das Projekt wurde 2025 offiziell abgesagt.

Eine Organisation, die Delfine „befreien“ wollte, plante das Azorean Dolphin Sea Sanctuary. Bereits seit 2021 wird um Spenden gebeten. Seit der Ankündigung dieses Projekts gibt es jedoch keinerlei operative Entwicklungen. Das Corse Dolphin Sanctuary ist auch niemals über die Planungsphase hinausgekommen.

So verhält es sich auch mit einem Sanctuary für die Moskauer Orca-Dame Naja. Das Project Anima wiederum ist ein Plan, um in Japan ein Sanctuary für Delfine zu errichten. Die Website existiert seit 2024 und beschreibt lediglich ein Konzept mit einigen Zeichnungen. Es ist kein Standort bekannt und es sind keine finanziellen Mittel vorhanden.

Erfolglose Sanctuaries

Allerdings versanken einige der Ideen aus dem Dunstkreis der Tierrechtsindustrie und ihrer Kollaborateure nicht schon in der Planungsphase. Vielleicht wäre das, zumindest für die Tiere, besser gewesen. Es gab sie aber trotzdem. Manchmal werden sie sogar noch als Erfolge gepriesen. Das ist mit der Realität nur schwer zusammen zu bringen.

Umah Lumba

Indopazifischer Großtümmler an der Küste von Monkey Mia | Foto: Moongateclimber, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Im Jahr 2019 übernahm das Dolphin Project vier beschlagnahmte Delfine aus einem Hotel. Dewa, Rocky, Rambo und Johnny befanden sich teilweise in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand. Infolgedessen wurden sie in das Sanctuary Umah Lumba, einer Netzkäfig-Anlage auf Bali, überführt.

Dewa starb bereits weniger als ein Jahr nach der Beschlagnahmung. Wohl wegen fehlender finanzieller Mittel während der Pandemie erfolgte im Jahr 2022 eine überstürzte „Freilassung“ der verbliebenen drei Tiere. Zwar trugen Johnny, Rocky und Rambo beim Öffnen der Gatter Sender, doch fielen diese technischen Geräte kurz darauf vollständig aus.

Kurz nach dem Ende des Trackings wurde Johnny schließlich tot aufgefunden. Er starb nachweislich an einer Lungenentzündung – ein Risiko bei einer solchen übereilten Aktion. Die übrigen zwei Delfine wurden seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie gelten somit auch als tot. Das Projekt wird aufgrund der mangelnden Sicherheit und Professionalität heute von Experten als gescheitert angesehen.

Alborán-Meer & Lipsi

Mit dem vorherigen Scheitern ist aber das Ende der Fahnenstange in Bezug auf das Dolphin Project noch nicht erreicht. Im Jahr 2012 startete es gemeinsam mit Promar ein Sanctuary-Vorhaben in der Alborán-See. Dabei nutzten die Verantwortlichen ein schwimmendes Netzgehege im westlichen Mittelmeer. Kurze Zeit später zerstörte jedoch ein schwerer Sturm einen Großteil der gesamten Konstruktion. Leider verstarb der einzige dort untergebrachte Delfin infolge seiner schweren Verletzungen.

Schließlich wurden fast alle Online-Informationen und Werbemittel zu diesem Projekt vollständig aus dem Internet entfernt. Ob das auch bald mit einem ähnlichen Vorhaben vor der Insel Lipsi passiert? Über Jahre hinweg flossen enorme Spendengelder von verschiedenen europäischen Organisationen in dieses Vorhaben.

Allerdings fehlen für den Standort Lipsi bis zum jetzigen Zeitpunkt die notwendigen behördlichen Genehmigungen für den Betrieb. Infolgedessen änderten die Betreiber kürzlich die offizielle Zielsetzung ihrer geplanten Einrichtung. Anstatt Delfine aus Zoos aufzunehmen, soll das Zentrum nun lediglich als Auffangstation für wilde und kranke Meeressäuger dienen. Trotz der Unterstützung von etwa World Animal Protection bleibt die Anlage für Tiere aus Delfinarien wohl somit unzugänglich.

Das tragische Schicksal der Sugarloaf-Delfine

Im Jahr 1994 wurde ein hochumstrittenes Projekt zur „Freilassung“ der Delfine Bogie, Bacall und Molly aufgezogen. Diese Tiere stammten ursprünglich aus einem Delfinarium und sollten im Sugarloaf Dolphin Sanctuary in Florida auf das Leben im Ozean vorbereitet werden. Dafür wurden die Delfine aus ihrer gewohnten Umgebung entfernt.

Trotz massiver Warnungen von Experten trieben die Verantwortlichen die Auswilderung voran. Infolgedessen wurden die Delfine im Jahr 1996 vorzeitig und ohne ausreichende Vorbereitung in den Ozean „entlassen“. Kurze Zeit später zeigte sich jedoch das katastrophale Ausmaß dieser Entscheidung. Die Tiere waren nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen, und suchten verzweifelt die Nähe von Menschen.

Schließlich mussten zwei der Delfine in einem völlig ausgezehrten Zustand wieder eingefangen werden, um ihr Überleben zu sichern. Das Schicksal des dritten Delfins ist bis heute ungeklärt, da er spurlos verschwand. Er gilt entsprechend als verstorben. Aufgrund der schweren Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wurden die Verantwortlichen später zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Keine besseren Nachrichten aus Down Under

Diane Dickerson mit den Delfinen Lulu, Mila & Jajah im Atlantis Marine Park nahe Perth in Australien | Foto: Diane Dickerson, Lizenz: CC BY-SA 4.0 DEED

Nach der Schließung des Atlantis Marine Park in Western Australia im Jahr 1990 begann ein Projekt zur Auswilderung von neun Delfinen. Darüber berichtete auch zoos.media rückblickend ausführlich. Zu diesem Zweck errichteten die Verantwortlichen ein spezielles Netzgehege in der Two Rocks Marina. In diesem Sanctuary sollten die Tiere lernen, wieder selbstständig Fische zu fangen und sich an die Meeresumgebung zu gewöhnen.

Allerdings unterschätzten die Planer die Komplexität der Eingewöhnung bei Tieren, die lange in menschlicher Obhut gelebt hatten. Auswilderungsversuche scheiterten. Die Tiere kehrten bereits nach kurzer Zeit völlig erschöpft zum ursprünglichen Netzgehege zurück. Zudem suchten sie aktiv den Kontakt zu Menschen und bettelten in der Nähe von Booten um Nahrung.

Schließlich wurde deutlich, dass die Tiere in der Natur nicht überleben konnten, da sie keine Bindung zu wilden Gruppen aufbauten. Letztendlich mussten die Delfine aufgrund ihres kritischen Zustands wieder dauerhaft in menschliche Obhut aufgenommen werden. Trotz der enormen finanziellen Mittel und der Nutzung von Netzkäfigen gilt das Projekt heute als mahnendes Beispiel für die Risiken der Auswilderungsversuche.

San Paolo Dolphin Refuge

Großer Tümmler im Golf von Tarent | Foto: Cloudette-90, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das ist der wohl aktuellste Vorschlag in dieser Liste. Über den hatte zoos.media auch schon berichtet. Im italienischen Taranto, soll das angeblich erste Sanctuary Europas auf offener See entstehen, wenn es nach verschiedenen NGOs geht. Anstatt einer riskanten Auswilderung sieht das Konzept ein kontrolliertes Leben in einer Netzkäfig-Installation vor.

Allerdings stößt dieses Vorhaben auf massive rechtliche Hürden durch die IUCN und die europäische Gesetzgebung. Derzeit ist es illegal, Delfine aus Zoos in Europa dorthin zu transportieren, da diese nicht aus dem Mittelmeer stammen. Zum Schutz der wilden Delfinpopulationen dort müssen strenge Regeln zur Krankheitsprävention eingehalten werden. Infolgedessen bleibt die Ansiedlung fremder Tiere in diesem geschützten Ökosystem bis auf Weiteres streng untersagt.

Zusätzlich steht die bauliche Umsetzung des Projekts stark in der Kritik. Momentan existiert an dem Standort lediglich ein Testgehege, das für die dauerhafte Haltung von Delfinen viel zu klein erscheint. Zudem bietet die Konstruktion kaum Schutz und erfüllt nicht einmal die Mindeststandards moderner Delfinarien. Letztendlich ist die Chance auf eine legale Genehmigung daher nahezu gleich null, solange der Schutz der heimischen Wildpopulationen Priorität hat.

Das Ende einer Ikone

Der Orca Keiko bezahlte das Scheitern des Auswilderungsversuchs mit seinem Leben. | Foto: U.S. military or Department of Defense, Lizenz: public domain

Nach seinem Umzug nach Island im Jahr 1998 sollte der Orca Keiko in einem Netzgehege in der Klettsvík-Bucht auf das Leben in der Natur vorbereitet werden. Das Projekt verschlang Millionen an Spendengeldern, um die Versorgung des Wals sicherzustellen. Allerdings erwies sich die Konstruktion des Käfigs als extrem anfällig für die rauen Bedingungen des Nordatlantiks.

Infolgedessen kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, bei dem das Netz des Käfigs während eines Sturms versagte. Durch diesen technischen Defekt gelangte Keiko schließlich unbeabsichtigt ins offene Meer. Anstatt sich jedoch wilden Orcas anzuschließen, blieb er orientierungslos und suchte weiterhin die Nähe zu Menschen. Er war unfähig zu überleben.

Schließlich schwamm er den weiten Weg bis nach Norwegen, wo er in einem Fjord erneut Schutz bei Menschen suchte. Letztendlich endete das Experiment im Jahr 2003 tragisch mit Keikos Tod an einer Lungenentzündung. Das Projekt gilt heute als Beweis dafür, dass instabile Netzkäfig-Konstruktionen die Sicherheit der Tiere massiv gefährden können. Das Versagen des Sanctuaries war die Ursache für Keikos Tod. Darüber berichtete auch zoos.media in der Retrospektiven auf Basis eines Buches von einem Beteiligten des Projekts.

Aktuelles Scheitern der Sanctuary-Idee

Großes Schiff direkt neben dem Beluga Whale Sanctuary (rechter Bildrand) im Juni 2024 | Foto: Hornstrandir1, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Am gleichen Ort in Island, wo man schon mit Keiko so offensichtlich gescheitert war, was die Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure allerdings gerne leugnen, baute man das Beluga Whale Sanctuary. Was sollte schon schief gehen? Aktuell geht so ziemlich alles schief. Das Projekt ist ein Desaster.

Ursprünglich sollten die Belugas Little Grey und Little White dort dauerhaft in einer natürlichen Meeresbucht leben. Allerdings verbrachten die Tiere aufgrund technischer und gesundheitlicher Probleme die meiste Zeit in einem kleinen Indoor-Becken an Land.

Zusätzlich geriet das Projekt wegen mangelhafter Planung und hoher Kosten massiv in die Kritik. Die extremen Wetterbedingungen und die unzureichende Vorbereitung gefährdeten das Wohlbefinden der Tiere erheblich. Die versprochenen, angeblichen „Freiheiten“ für die Belugas wurden in der Realität nie wirklich umgesetzt. Letztendlich zeigt dieser Fall, dass das Konzept der Sanctuaries im Vergleich zu modernen Aquarien oft schlechtere Lebensbedingungen bietet.

Was jetzt?

Die Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure werden die Sanctuary-Idee wohl nie aufgeben. Wen so viel Scheitern nicht davon abbringt, den bringt ideologisch nichts von dieser Idee ab. In der Öffentlichkeit vertreten wird die Szene die Idee aber wohl nur, solange sie sich noch so monetarisieren lässt.

Die GFAS ist bis heute im Sanctuary-„Geschäft“, wenn man es so ausdrücken will. Mit dem Antrieb werden diese und andere NGOs das so lange sein, wie sich Medien, Politiker und die Öffentlichkeit noch über die oben angeführte Chronologie des Scheiterns hinwegsetzen. Es muss also vor allem ein Umdenken bei den Rezipienten der Idee stattfinden, das sich an den Fakten orientiert.

Es ist sehr deutlich, dass ein Sanctuary nicht für Wale die bessere Alternative zu einem modernen Zoo, Aquarium, Delfinarium oder Ozeanarium ist. Daher gibt es auch gar keine Veranlassung eine solche Alternative überhaupt suchen zu müssen. Auch in Bezug darauf sind Sachlage und Forschungsstand sehr deutlich.

Wie geht es Delfinen in Menschenobhut wirklich?

Große Tümmler, die weltweit verbreitetste Delfin-Art in Zoos und Aquarien, sind gesünderweniger gestresst und leben auch länger als ihre wilden Artgenossen. Während des Trainings, das für die Tiere freiwillig ist, schütten sie Glückshormone aus und freuen sich auf die Interaktion mit den TrainernÜber 150 Experten betonen die Wichtigkeit von Meeressäuger-Haltung in seriös geführten zoologischen Einrichtungen.

Auch seriöse Tierschutzorganisationen, wie die American Humane Society, stellen sich deutlich auf die Seite der ordentlich geführten Delfinarien sowie der von Zoos und Aquarien generell, die diese und andere Wale beherbergen. Rückenwind erhielt diese Position auch durch eine umfassende Tierwohl-Studie zum Thema:

Es braucht also keine Sanctuaries der Tierrechtsindustrie samt ihres Dunstkreises. So gibt es eigentlich auch keine Veranlassung dafür, dass dieses Konzept für noch weiteres und dadurch noch mehr Tierleid verantwortlich ist als ohnehin schon. Davon zeugen auch wissenschaftliche Studien wie wie Bruck (2024) sowie Almunia & Canchal (2025).

Diesen Beitrag teilen