Exklusiv für zoos.media – 03.07.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Eine zoos.media vorliegende Outplacement-Liste von Stichting AAP wirft wohl ein neues Licht auf den Transport von sechs Tigern von Deutschland nach Spanien.

AAP wollte im Mai noch Löwen & Tiger loswerden
Online verbuchte AAP die Aktion als Erfolg und sprach von „weeks of secret preparation“ für die umstrittene Behördenaktion. Dabei wurden sechs Tiger von Carmen Zander auf die lange Reise nach Spanien geschickt. Ihr zukünftiger Bestimmungsort ist eine Haltung der Stichting AAP. Wochen zuvor bot AAP allerdings auf seiner eigenen Outplacement-Liste von Mai 2026 drei Löwen-„Gruppen“ und zwei Tiger-„Gruppen“ an. Insgesamt betraf das über 15 Tiere.
Wenn eine Organisation laut eigenen Angaben im Mai 15 Großkatzen an andere Institutionen vermitteln will, wirft das Fragen auf: Warum arbeitet man dann wochenlang im Hintergrund daran, sechs neue Großkatzen aufzunehmen?
Was ist AAP Primadomus wirklich?
„Auch im Süden Spaniens haben wir einen sicheren Hafen für exotische Tiere in Not aufgebaut“, heißt es auf der deutschen Webseite von AAP. Angesichts der vorliegenden Abgabeliste drängt sich jedoch eher der Eindruck eines Umschlaghafens auf. Dazu aber später mehr. Nach Primadomus bringe man laut AAP „alle Löwen und Tiger, die AAP aufnimmt – auch aus Deutschland“.
Dass man Löwen und Tiger offenbar von da aus weiter verteilen will, wird nicht erwähnt. Vor gar nicht allzu langer Zeit vermeldete AAP eine Aktion in einem französischen Circus. 12 Löwen habe man retten können – darunter 9 Jungtiere. Ob es nur ein Zufall ist, dass eine der auf der Outplacement-Liste angegeben „Gruppen“ auf neun Jungtiere und zwei Weibchen verweist (0.2.9)? Als kritischer Beobachter muss man in dem Fall wohl nicht an Zufälle glauben.
Man gewährt den Tieren anscheinend nicht primär ein dauerhaftes, finales Zuhause. Stattdessen führt man Tiere einem Vermittlungssystem zu. Auf der englischen Seite bittet man Zoos, Sanctuaries, Safariparks und Wildparks doch ein Partner von AAP zu werden, um die Tiere aufzunehmen. AAP lässt sich für öffentlichkeitswirksame Übernahmen feiern. Die Organisation scheint die langfristige Verantwortung und die dauerhaften Kosten für die Tiere jedoch gerne abzugeben. Werden auch Carmen Zanders Tiger bald auf so einer Liste stehen?
Für seriöse Zoos interessant?

AAP gibt auf dieser Liste nicht mal Unterarten an. Das macht die Löwen und Tiger für Erhaltungszuchtprogramme nicht interessant. Ebenfalls auf der Liste stehen Berberaffen mit dem Hinweis „EEP species“. AAP hat eine mehr als fragwürdige Partnerschaft mit der EAZA in Bezug auf dieses EEP. Es ist jedoch bemerkenswert, dass AAP selbst verschiedene Gruppenkonstellationen dieser Tiere zur Abgabe anbietet. Gemäß der üblichen Praxis solcher Zuchtbücher sollte dies eigentlich der Zuchtbuchführer koordinieren. Laut EAZA ist das aber nicht AAP. Als Koordinator geführt wird Ignacio Ezquerro Sastre vom Parc Zoològic de Barcelona.
Ebenfalls mit dem Zusatz „EEP species“ werden Schimpansen in verschiedenen Gruppenkonstellationen angeboten – auch hier ohne Angabe des Unterartenstatus. Auch in diesem Fall sollte die planvolle Koordination wohl eher im Aufgabenbereich des zuständigen Zuchtbuchführers liegen. Schließlich geht es in so einem Programm um den gezielten Erhalt der Population. Es geht nicht um das bloße Anbieten von Tiergruppen. Zuständig ist hierfür laut EAZA Jana Pluháčková vom Zoologická zahrada Ostrava.
Die strategische Verflechtung wirft Fragen auf. AAP agiert parallel in Kooperation mit der radiaklen Tierrechtsorganisation PETA. Das sieht man zum Beispiel hier. Während PETA in Kampagnen wie „Menschenaffen raus aus Zoos“ die Haltung generell verdammt, versucht AAP über solche Listen, eben diese Tiere wieder in zoologischen Einrichtungen unterzubringen. Wer im Zweifel bei diesem ideologischen Spagat den Kürzeren zieht, bleibt abzuwarten. Es steht zu befürchten, dass die primären Partner hier in der Tierrechtsindustrie liegen. Deren angeschlossene Sanctuaries haben schließlich permanenten Bedarf an neuen Rettungsgeschichten und den passenden Tieren.
Ob sich die Kooperation für die EAZA und besonders für den Artenschutz, den Schimpansen und Berberaffen brauchen, also lohnt, darf wohl bezweifelt werden. PETA will schließlich jegliche Tierhaltung beenden, obwohl Haltung Arten rettet. AAP macht sich auch für Haltungsverbote stark.
Warum wählen Behörden diesen Weg?

„Unser Ziel ist es, alle von AAP geretteten Tiere in ein neues Zuhause zu vermitteln“, kann man auf der englischen AAP-Seite lesen. Institutionen wie AAP Primadomus fungieren für die Tiere folglich als eine Art Zwischenstation. Im Kontext behördlicher Beschlagnahmungen hat dieser Umweg eine gravierende Dynamik: Tiere werden zügig ins Ausland verbracht. Es wird für die Halter extrem schwer, sie im Falle eines erfolgreichen Rechtsstreits zurückzubekommen. Das gilt selbst dann, wenn sich die Beschlagnahmung im Nachhinein als rechtswidrig erweisen sollte.
Wenn AAP die Tiere dann weiterverteilt hat, steigen die Hürden für eine Rückführung weiter. Es stellt sich die Frage, ob es Behörden bei solchen Ad-hoc-Aktionen auch darum geht, vollendete Tatsachen zu schaffen, die sich im Nachgang kaum noch rückgängig machen lassen. Obwohl AAP offen kommuniziert, die Tiere weitergeben zu wollen, wird hier von den Behörden oft keine finale, beständige Lösung gewählt. Stattdessen nimmt man lange, strapaziöse Auslandstransporte in Kauf, obwohl die Stationierung dort absehbar temporärer Natur ist.
Im Fall von Carmen Zander lag ein tierärztliches Attest vor, das die Transportfähigkeit der Tiger ausdrücklich verneinte. Die Halterin sowie die zuständige Tierärztin betonen zudem, dass eine akute Notlage oder Gefährdung der Tiere im Sinne des Tierschutzgesetzes nicht vorlag. Wir berichteten. Ob die behördliche Maßnahme vor den Verwaltungsgerichten Bestand haben wird, ist daher Gegenstand des laufenden Verfahrens. Es liegt der Verdacht nahe, dass die rasche Verbringung nach Spanien auch dazu dient, die rechtlichen Verteidigungsmöglichkeiten der Halterin maximal zu erschweren.
Was ist AAP eigentlich wirklich?
Mit der Outplacement-Liste kommt auch eine weitere Liste, auf der Tiere angeboten werden, die offenbar nicht AAP selbst besitzt. Darauf stehen zum Beispiel über 70 Anubispaviane, einige Stachelschweine, Wickelbären, ein paar junge Abgottschlangen und Spornschildkröten. Die „institution“ wird nicht näher benannt.
Im medialen Echo der Aktion gegen Carmen Zander wird AAP gerne als eine Art finale Lösung präsentiert. Dass man die Station von AAP eher als ein Verteilzentrum sehen kann, bleibt dabei in der Berichterstattung der deutschen Medien unerwähnt. Das Bild, das vermittelt werden soll, ist wohl ein anderes. Wie viel Anteil AAP durch seine Außendarstellung daran hat, mag jeder Rezipient selbst für sich einschätzen.
Doppeltes Spiel?
AAP bewegt sich in einem bemerkenswerten Spannungsfeld: Einerseits bekämpft man Tierhaltung politisch, andererseits ist das eigene System fundamental auf die Existenz von Tierhaltern angewiesen. Gleichzeitig kooperiert man mit Organisationen, die eben jene Tierhalter abschaffen wollen. Dieser Kurs lässt sich durchaus als doppeltes Spiel interpretieren.
Bemerkenswert bleibt der logistische Widerspruch, im selben Zeitraum einen erheblichen Tierbestand aktiv abbauen zu wollen und zeitgleich unter hohem PR-Aufwand neue Großkatzen aufzunehmen. Dieses System sichert der Organisation vor allem eines: mediale Aufmerksamkeit. Selbst wenn bei den Vermittlungen kein direktes Geld fließt, generieren diese „Rettungsaktionen“ wertvolles Imagekapital und spendenwirksame Publicity zum Beispiel für die besuchbaren Einrichtung in Spanien. Die langfristigen Haltungskosten hingegen versucht man durch die zügige Weitervermittlung zu minimieren.
Vermögen von 37.000.000€

Laut dem im Lobbyregister des Bundestags veröffentlichten Jahresabschluss belief sich das Vermögen der Stichting AAP Ende 2025 auf stolze 37.351.929€ – ein Vermögen, von dem die meisten klassischen Tierheime wohl nur träumen können. Fast 19 Millionen Euro sind davon liquide, über 6 Millionen sind in Wertpapieren angelegt und etwas über 11 Millionen stecken in festen Werten wie Immobilien, Grundstücken oder Ausstattung. Das ist beträchtlich.
Mit diesen immensen Mitteln wäre es AAP wohl ein Leichtes gewesen, Haltern wie Carmen Zander bei der Optimierung der Haltungsbedingungen direkt vor Ort unter die Arme zu greifen, anstatt die Übernahme der Tiere zu forcieren. Damit wäre den Tigern ein riskanter Transport und das Zerschlagen ihres Sozialgefüges erspart geblieben – im Sinne des direkten Tierschutzes oft der sinnvollere Weg. Doch an Tieren, die bei Haltern verbleiben, lassen sich eben auch keine Eigentums- und Vermittlungsrechte geltend machen.
Man kann sich ohnehin fragen, warum AAP so viel Geld quasi hortet, statt es direkt in den Tierschutz zu investieren. Das Vermögen wurde im Vergleich zu 2024 weiter aufgebaut. Um über zwei Millionen Euro konnte das Vermögen weiter aufgestockt werden. Es ist bemerkenswert, dass NGOs in der heutigen Zeit ein so großes Vermögen anhäufen können. Offenbar gibt es aus deren Sicht keine drängenderen Probleme im Tierschutz. Zudem fällt auf, dass über 2.000.000€ in „Gesetzgebung und Politik“ („Wetgeving en beleid“) fließen.
Ist AAP nicht reich genug?
Der Strom der Spendenaufrufe und der Drang nach neuen Tieraufnahmen reißt jedenfalls bei AAP nicht wirklich ab. Angesichts dieser Diskrepanz zwischen Vermögensaufbau und dem Drang nach neuen Fällen drängt sich die Frage auf, welche Prioritäten hier tatsächlich gesetzt werden.
Statt immer neue Tiere aufzunehmen, könnte man doch auch erstmal die schon vorhandenen Tiere ordentlich vermitteln. Statt immer weiter Geld anzuhäufen, könnte man damit doch erstmal aktuelle Tierschutz-Probleme lösen. AAP scheint andere Prioritäten zu setzen. Eine öffentlichkeitswirksame Übernahme von Tieren, bei denen erhebliche Leiden, Schmerzen oder Schäden im Sinne des Tierschutzgesetzes noch zur Diskussion stehen, scheint attraktiver zu sein als die Hilfe für Tiere, die sich nachweislich in akuter Not befinden.
„AAP versteht sich auch als europäische Tierschutzorganisation, die sich für das Wohlergehen von exotischen Säugetieren einsetzt“, heißt es im Lobbyregister. Ob dieses proklamierte Selbstverständnis und das reale Handeln – zum Beispiel im Fall der Tiger von Carmen Zander – harmonieren, hinterlässt zumindest ein großes Fragezeichen.
