Exklusiv für zoos.media – 06.10.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Bei der Demo gegen Zoos am 04.10.2026 in Berlin lief wohl Einiges nicht wie erwartet. Nicht nur die anscheinend erwartende Teilnehmerzahl bleibt hinter weiteren Ankündigungen auf Social Media zurück.

Anti-Zoo-Demo in Berlin: Nur halb so viele Teilnehmer wie angemeldet
Laut der Pressestelle der Polizei Berlin sei die Demo für den Platz des 18. März in Berlin mit 5.000 Teilnehmern angekündigt worden. „Nach interner Schätzung der Polizei Berlin nahmen an der Versammlung in der Spitze rund 2500 Menschen teil“, erklärte man dort auf Nachfrage von zoos.media am 06.10.2026. Damit waren nur halb so viele Teilnehmer vor Ort, wie wohl erwartet worden waren. Allerdings wurde auch viel mehr wohl anders erwartet.
Bemerkenswert ist auch, dass zahlreiche Demo-Ankündigungen auf den Pariser Platz lauteten, der auf der anderen Seite des Brandenburger Tores liegt, obgleich anscheinend die Anmeldung auf den kleineren, weniger bekannten Platz des 18. März bezogen war. Das ist allerdings lange nicht der einzige Widerspruch zu den großen Ankündigungen zur Demo, die dann doch deutlich kleiner war.
Wo waren die Angekündigten?

Nicht nur der bekannte Platz, sondern auch bekannte Namen fanden sich bei Ankündigungen des Events – so etwa bei watson.de auf Instagram. Dort konnte man nicht nur den falschen Ort lesen, sondern auch von mehr angekündigten Gästen: „Die Demonstration findet von 12 bis 15 Uhr am Pariser Platz statt. Zu Gast sind unter anderem Musikerin Sarah Connor sowie die bekannten Tierschützer und Content-Creator Malte Zierden und Jonas Ems.“ Auf der Bühne stand allerdings schließlich keine dieser drei Personen.
Warum die so groß angekündigten Gäste dann am Ende nicht da waren, erklärten die Veranstalter vor Ort nicht wirklich nachvollziehbar. Es könnte sich durchaus der Verdacht aufdrängen, dass die Namen einfach nur genutzt wurden, um Teilnehmer anzuziehen. Sonderlich geholfen scheint es nicht zu haben. Viele sind letztendlich doch nicht gekommen. Die Demo in Wuppertal konnte man jedenfalls, trotz deutlich prominenterem Line-Up in Berlin, nicht in den Schatten stellen.
Das ist eine deutliche Niederlage für die Anti-Zoo-Bewegung. Selbst mit prominenten Personen der Zielgruppe, schafft man in der Spitze nur so wenige Menschen zu mobilisieren. All die wochenlange Werbung, der entsprechende Aufwand, die Kampagnen zur Motivation von Teilnehmern und weitere Maßnahmen, haben so nicht wirklich großartig messbare Wirkung gezeigt. Die Hass-Kampagne lief offenbar ins Leere. Ganz ohne große emotionsgeladene Kampagne hatten die zoologischen Institutionen in Berlin mehr Zulauf als die Demo.
Was ist eine echte Großdemo in Berlin?

Mit einer geschätzten Teilnehmerzahl von in der Spitze nur 2.500 Menschen zählt eine Demonstration in Berlin keineswegs als Großdemonstration, wie watson die Veranstaltung ankündigte. Ab 10.000 Menschen könnte man vielleicht überlegen mal von einer Großdemo zu sprechen. Wirklich als groß gelten in Berlin allerdings Demonstrationen ab 50.000 Teilnehmern. Klassische Großdemos sind aber eher im Bereich von mehr als 100.000 Teilnehmern anzusiedeln, wenn man typische Verhältnisse in der Stadt annimmt.
Von solchen Zahlen war die Demo meilenweit entfernt. Was eine Großdemo sein wollte, war am Ende eine überschaubare Versammlung, die eher einem Fan-Event glich als einer Demo. Das passt ins Bild, dass Zoo-Hass nicht gut mobilisiert. Zu viele Menschen wissen es besser und ihnen ist bewusst: Haltung rettet Arten. Auch das wurde – wohl von der „Mission Erde“-Community unabsichtlich – am Wochenende demonstriert.
So war die Demo ein schwächeres Zeichen, als man nun wohl zugeben will. Man blieb deutlich hinter dem zurück, was man erreichen wollte. Zudem tat man nicht gerade viel für die Glaubwürdigkeit bei nächsten Veranstaltungen: Falscher Ort in Ankündigungen, groß ins sprichwörtliche Schaufenster gestellte Namen fehlten am Ende … wie hoch wird das Vertrauen bei der nächsten großen Ankündigung wohl sein? Das dürfte sich durch die Erfahrungen in Berlin nicht vergrößert haben.
Peinliche Panne beim Verteilen von Samen
Zur Erfahrung der Teilnehmer der Anti-Zoo-Demo in Berlin gehört auch eine Art Rückruf-Aktion. Darüber berichtete gerati auf Basis von Instagram-Stories der Teilnehmer. Dort konnte man lesen: „Wir haben auf der Demo Päckchen mit Pflanzensamen verteilt. Diese enthalten teilweise Invasive Arten.“ Man solle sie nun in den Müll werfen. Es soll sich dabei etwa im Samen der Nachtkerze handeln.
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist ein Neophyt aus Nordamerika und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) offiziell als potenziell invasiv auf der Watchlist geführt. Es ist per Gesetz (§ 40 BNatSchG) verboten solche Samen in die Natur zu pflanzen. In einer Community, die sich angeblich so stark für Renaturierung von Lebensräumen machen will, sollte das eigentlich nicht unbekannt sein. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es tatsächlich kritisch, so etwas zu verteilen, weil die Samen unkontrolliert aus den Gärten in die Umgebung getragen werden.
So passt auch diese Panne durchaus in die Grundstimmung nach der Demo. Man merkt immer mehr, dass offenbar hinter den Erwartungen aber auch der Meinung zur Community selbst zurückgeblieben wurde. Gleichzeitig scheint auch wenig Potenzial das Ganze noch großartig skalieren oder optimieren zu können. So macht sich wohl immer deutlicher Ernüchterung breit. Medial hat man auch nicht wirklich viel Aufmerksamkeit erhascht.
Wie viele Leute wurden wirklich mobilisiert?

Wenn die Polizei intern 2.500 Teilnehmer in der Spitze schätzt, kann man theoretisch ohnehin schon mal rund 100 Ordner abziehen. Warum? Pro 50 angemeldeten Teilnehmern, braucht es eigentlich einen Ordner. Dann muss man sich bewusst machen, wie die Polizei schätzt. Flächenbasierte Schätzmethoden kommen an stark frequentierten Plätzen an ihre Grenzen. Passanten, Schaulustige, Touristen oder wartende Personen, die am Rand stehen oder am Rand vorbeilaufen, werden bei einer reinen Flächenschätzung fast automatisch als Teil der Grundfläche gewertet.
Für die Polizei ist das sehr sinnvoll so zu rechnen, weil alle am Ort anwesenden Personen potenziell für einen etwaigen Einsatz relevant sein können. Um aber abzuschätzen wie viele Teilnehmer es tatsächlich waren, ist diese Schätzung nicht unbedingt der beste Richtwert, weil es leicht – gerade an stark frequentierten Orten – zu Überschätzungen kommen kann. Das gleiche Problem gab es in dem Zusammenhang auch schon in Wuppertal. Bei polizeilichen Dichte-Schätzungen auf öffentlichen Plätzen liegt die Fehlerspanne typischerweise bei etwa 15-30 %. Bei besonders unübersichtlichen, engen oder stark von Passanten frequentierten Flächen kann die Abweichung sogar bis zu 50 % betragen.
Man kann davon ausgehen, dass am gleichen Tag über 23.000 Menschen die zoologischen Institutionen in Berlin besuchten. Das sind locker 10 Mal so viel wie sich als Demonstranten bei dem Event am Brandenburger Tor einfanden. Auf jeden Zoo-Hasser kamen also mindestens 10 Zoobesucher. Damit wird aus der Anti-Zoo-Demo am Ende eine Demonstration wie viel mehr Menschen dann doch Zoos & Aquarien besuchen und sich davon auch nicht abbringen lassen. Allerdings hatte die Demo ja nicht nur eine Stoßrichtung in Bezug auf Berlin. Man wollte mindestens national, wenn nicht sogar international für Aufstehen sorgen. Dann allerdings ist die überschaubare Demo im Verhältnis noch kleiner, wenn man bundesweit etwa die Zoobesucher am selben Tag gegenüberstellen würde. Noch desolater würde es international.
