Exklusiv für zoos.media – 03.09.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Robert Marc Lehmann & „Mission Erde“-Community im Faktencheck: Die Anti-Zoo-Ansage, angebliche Cancel-Versuche & gelöschte Videos auf YouTube – was steckt hinter den Vorwürfen?

Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird
Pünktlich zur Rabatt-Aktion auf Zoohass-Produkte mit Vulgarismen im Shop, gab es eine Ansage von Robert Marc Lehmann an die Zoos und zoos.media – allerdings scheint dabei so Einiges schief gelaufen zu sein. So richtig funktioniert das darin vertretene Narrativ nicht, wenn man es an den Fakten abgleicht. Manch einen wird das wohl nicht überraschen.
Was war passiert?

Vor einiger Zeit veröffentlichte Robert Marc Lehmann ein Video, in dem er ohne Genehmigung von zoos.media Material von zoos.media nutzte. Darauf folgte eine Meldung bei YouTube. Folgend bewertete die Plattform den Fall, prüfte, ob vielleicht Zitatrecht zutreffen würde, und entschied, das Video zu löschen. Damit war der Fall eigentlich geklärt. Nichts daran ist erstmal besonders. Das passiert wohl jedem, der Material anderer in solcher Form nutzt, wie es im Video geschah.
Gerati fand dann heraus, dass später eine beträchtliche Anzahl an Videos und Millionen an Views vom Kanal von „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Die Gründe dafür sind bisher unklar.
Wichtig ist derweil festzuhalten: Urheberrecht gilt für jeden Creator auf YouTube – unabhängig von der Größe. Entscheidungen über Strikes fällt aber ausschließlich YouTube selbst. Allerdings scheint Lehmann aktuell zu versuchen, den Strike, den der Kanal von YouTube bekam, als einen Versuch zu framen, seinen Kanal löschen zu lassen. Das funktioniert so aber nicht.
Zudem kann man solche Strikes einfach verhindern: Fremdmaterial nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Urheberrechtsinhabers nutzen. Dann wird auch der Kanal nicht gelöscht. Das passiert nach einem Strike allein allerdings auch ohnehin nicht.
Wie gesprächsbereit ist Lehmann wirklich?

„Ich scheue keine Diskussion, ich halte mich niemals zurück, ich treffe jeden. […] Man möchte nicht mit mir diskutieren, man möchte nicht mit mir sprechen“, behauptet der YouTuber. Tatsächlich aber gibt es immer wieder Dialog-Angebote von Zoos. Nach seiner Zensur-Behauptung gab es sogar per Pressemeldung vom 20.05.2025 ein öffentliches Dialog-Angebot an den YouTuber. Angenommen hat er es bis heute nicht.
André Stadler, Direktor vom Alpenzoo Innsbruck, veröffentlichte am 11.06.2026 eine Einladung an den, der angeblich jeden trifft. Es gab keine Antwort. Am 19.08.2026 gab es ein zweites Video vom Zoodirektor. Auch hier scheint es bislang keine Antwort von dem zu geben, der angeblich keine Diskussion scheut. Stattdessen wird so getan, als würde es solche Angebote nicht geben.
Auch der Zoo Augsburg hatte im Oktober 2025 Gegner und Kritiker von Zoos zu einer Diskussion eingeladen. Hat Lehman da mitdiskutiert? Nein. Auch von seinen Unterstützern hatte sich keiner eingefunden. Als auf einem Orca-Symposium er die Chance hatte, den Loro Parque vor Publikum mit seinen Fragen zu konfrontieren, hielt sich der, der sich angeblich niemals zurückhält, zurück. Stattdessen behauptete er, man habe keine Fragen stellen können. Augenzeugen sahen das anders.
marcant-Format als Feigenblatt?
In seiner Ansage verweist Lehmann auf das Video von marcant. Hierfür wurden Zoo-Vertreter und -Verbände angeschrieben anscheinend in der Erwartung, sie würden nichts lieber tun, als auf eigene Kosten in einem Video aufzutreten und Content zu produzieren, der dann von anderen auf YouTube vermarktet würde. Viele lehnten wohl ab.
Auch zoos.media erhielt eine Mail in dem Zusammenhang und berichtete transparent darüber. Die war allerdings im Text anscheinend gar nicht an zoos.media adressiert. Wer etwa nach Vereinsvertretern fragt, obgleich es gar keinen Verein gibt, und einen anderen Namen nennt, meint wohl offensichtlich jemand anderen. Trotzdem bot zoos.media an, den wohl geplanten Faktencheck des Formats zu unterstützen. Eine Antwort darauf gab es nie.
Das passierte im Februar 2026. Generell sollte es eigentlich nicht verwunderlich sein, wenn nicht jeder von einem solchen Format Angeschriebene ein Interesse daran hat, in seiner Freizeit auf eigene Kosten irgendwelchen Content zu liefern, den andere für kommerzielle Kanäle nutzen wollen – besonders, wenn vorherige Gesprächsangebote ausgeschlagen worden sind.
„Dann dealt mit den Konsequenzen!“

Von der Verschwörungserzählung, dass sich da Mächte gegen ihn verschworen hätten und hinterrücks ihn zum Schweigen bringen wollten, was offenbar die Interpretation so mancher Angehöriger der „Mission Erde“-Bubble zu sein scheint, bleibt also nicht wirklich etwas über – so wie auch von weiteren Zensur-Fantasien. Letztendlich ist damit auch der Ansage jede Basis genommen.
Manch einer mag es vielleicht als tragikomisch rezipieren, Lehmann dabei zuzusehen, am Ende Konsequenzen für andere aufgrund von Konsequenzen einer Handlung auf seinem Kanal anzukündigen. So stellt er Konsequenzen für die Zoowelt in Aussicht. Was aus den vollmundigen Ankündigungen wird, bleibt abzuwarten. Gibt es vielleicht noch vulgäreres Merchandising im Shop? Gibt es noch heftigere Rabatte auf Produkte aus Bangladesch im Shop, von dem, trotz des Namens laut eigener FAQ, verhältnismäßig wenig an den namengebenden Verein geht?
Vielleicht setzt er aber auch die Serie fort, in der er zoologischen Institutionen unterstellte für den Schutz bestimmter Arten gar nicht relevant zu sein. Die hatte er eingestellt, nachdem zoos.media berichtet hatte, dass für die erwähnten Arten – Balistare, Sumatra-Nashörner & Galapagos-Riesenschildkröten – Artenschützer doch die Bedeutung von modernen Zoos & Aquarien betonten. So waren die Versuche diese Institutionen schlecht zu machen am Ende – wohl allerdings unfreiwillig – zu einer Gelegenheit geworden, die Bedeutung von zoologischen Gärten zu betonen.
Altbekanntes Strickmuster

Schon vor dem aktuell unterstellten Canceln, das es also letztendlich gar nicht gibt, und der angeblichen Zensur, die schließlich auch nicht sinnvoll als solche zu bezeichnen war, hatte Lehmann dem VdZ eine „Anti-Influencer-Strategie“ unterstellt. Auf irgendwelche Ergebnisse dieser angeblichen Strategie wartet wohl bis heute, wer daran geglaubt hat. Solcherlei Stürme im Wasserglas einer Bubble blieben letztendlich folgenlos, weil einfach viel Lärm um nichts gemacht wurde.
Man kann allerdings vermuten, dass es sich auszahlen kann, Hass gegen Zoos zu schüren, wenn man passendes Merchandising verkaufen will. Die „Mission Erde“-Bubble nutzt derweil die ganz großen Begriffe und konstruiert Verbindungen sowie Verschwörungen über den angeblich ach so wichtigen Influencer, der von irgendwelchen geheimnisvollem Mächten zu Fall gebracht werden sollte.
Vor ein paar Monaten sollte zoos.media noch sowas wie der Strippenzieher hinter der deutschen Medienlandschaft sein. Da war sich die Community um Mission Erde anscheinen ganz sicher. Dass es sich nicht im Ansatz belegen ließ, war wahrscheinlich aber ohnehin egal. Man feiert ja anscheinend auch eine angebliche Undercover-Recherche in einem geöffneten Aquaristik-Shop, der seine Haltungsbedingungen und seinem Angebot sogar im Internet präsentiert.
Erst Quarkbällchen, dann Timmy und jetzt das

„Sein Leid stellt er über alles“, titelte t-online über Robert Marc Lehmann als im Zuge der Berichterstattung zu seinem „Einsatz“ für den Timmy genannten Buckelwal, den er selbst abbrach, das öffentliche Bild des YouTubers bekanntlich Risse bekam. Dabei gilt immer: Wir gegen die. Dass es aber „die“, in der Form, wie sie dargestellt werden, gar nicht gibt, wird ein böses Erwachen.
So kann man sich seit Monaten aus der Community um Mission Erde von irgendwelchen angeblichen Verbindungen unterhalten lassen, die so tun als habe sich quasi die Welt gegen Lehmann verschworen. Was tatsächlich passiert, ist wohl zu unspektakulär. Ereignisse, über die manche mit Achselzucken hinweg gehen, werden stattdessen zu großen Skandalen aufgeblasen, die theatralisch inszenierte Reaktionen hervorrufen.
Die große Geste aber erschöpft sich dabei zunehmend. Das merkt man auch daran, dass sich auf zoos.media immer weniger Menschen einfinden, die sich noch von solchen Narrativen aufhetzen lassen. Das ist keine Überraschung, werden sie doch von mal zu Mal durchschaubarer. Es wird parallel dazu immer mehr offenbar, wenn etwa hinterfragt wird, was Mission Erde eigentlich wirklich finanziert.
Mit Haltung, nicht mit Vulgarismen, rettet man Arten

Narrative irgendwelcher Zoo-Verschwörungen entzaubern sich schnell, wenn man sich fragt, wer denn Merchandising mit Vulgarismen verkauft. All die Aufregung, die Empörung und der Hass aus der Richtung von Mission Erde haben nichts verändert.
Vulgarismen gegen andere sind eben keine Kritik, sondern am Ende eine selbstverschuldete Disqualifikation von einem selbst. Wie viel das, was Lehmann passiert, auch das Ergebnis der eigenen Handlungen sein könnten, diskutiert man in der Community eher nicht so. Dass Hass vielleicht nicht so kleidsam ist, darüber scheinen aber auch die Rabatte inzwischen nicht mehr hinwegtäuschen zu können.
Die Konsequenzen der Handlungen von Zoos & Aquarien sind übrigens Natur- & Artenschutz sowie Bildung & Forschung. Haltung rettet Arten. Daher ist es spannend zu beobachten, wenn Lehmann in seiner Ansage über Konsequenzen redet, während er sich über eine Konsequenz aufregt, die durch den Upload eines eigenen Videos auf seinem eigenen Kanal entstanden ist: Ein Strike auf YouTube.
