Exklusiv für zoos.media – 06.06.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Der YouTuber Robert Marc Lehmann scheint sich durch die Obduktionsergebnisse nach dem Bagger-Einsatz rehabilitiert zu sehen und fordert eine Richtigstellung. Das Problem: Die Obduktion konnte solcherlei nie leisten.

Bagger & Buckelwal: Robert Marc Lehmann fordert vergeblich Richtigstellung
Auf Instagram tönt der YouTuber Robert Marc Lehmann: „Wie? Da war gar keine lebensgefährliche, klaffende Riesen-Wunde, die ich dem Wal mit dem Bagger verpasst haben soll? Wie wär’s dann mit ner Richtigstellung der Lügen?!“ Er bezieht sich damit auf angebliche Ergebnisse, die die Obduktion gebracht haben soll.
Danach wird zoos.media attackiert. Das wirkt etwas widersinnig, denn, wenn es doch nur ein kleiner Meinungsblog wäre, müsste man doch nicht fordern, dass zoos.media den Anfang machen solle, damit „wieder alle Medien, Politiker und Bürgermeister“ mitzögen. Es ist wohl auch nicht der erste Versuch einer Herabwürdigung. Wir halten uns derweil einfach weiter an die Fakten.
Was hat zoos.media wirklich berichtet?

Der NDR hatte in seiner Nordreportage zum Thema „Gestrandet: Ein Wal in der Ostsee“ berichtet. Darüber wiederum hat zoos.media in einem Artikel berichtet. Auch andere Medien hatten die NDR-Berichterstattung aufgegriffen. Darin sah man, dass, nach einem Bagger-Einsatz, Blut des Wals sichtbar wurde – offenbar ausgelöst durch den Bagger-Einsatz.
Ebenfalls berichtete zum Beispiel t-online: „Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover hatte zuvor ausdrücklich davor gewarnt, die empfindliche Haut des Tieres mechanisch zu belasten.“ Diesen Artikel hatte auch zoos.media hier verlinkt.
Allerdings steht in den Artikeln nichts von einer „lebensgefährliche[n], klaffende[n] Riesen-Wunde“. Jeder kann das nachlesen. In der konkreten Berichterstattung von zoos.media sind „blutend“ und „offen“ die genutzten Adjektive für die Wunde. Beide von Lehmann genannten Adjektive kommen nicht vor. Dass eine offene, blutende Wunde in schmutzigem Wasser natürlich gefährlich ist, ist selbsterklärend.
Was kann die Obduktion sagen und was nicht?

Über die Ergebnisse der Obduktion hat zum Beispiel t-online schon berichtet. Dort werden auch die Experten zitiert, die die Obduktion durchführten: „Etwa eine Verletzung sei nicht zu erkennen gewesen, was jedoch auch an der Verwesung liege.“ Der Merkur berichtet: „Verletzungen waren keine erkennbar – was Jensen auf den fortgeschrittenen Verwesungsgrad zurückführte.“ Gemeint ist damit Tim Jensen von der Universität Kopenhagen.
Medien berichten – vor zoos.media bereits – dass Verletzungen aufgrund des Verwesungsprozesses nicht erkennbar gewesen wären. Das bedeutet nicht, dass nie welche da waren. Das haben Medien auch bereits erkannt, bevor zoos.media auch nur einen Artikel zur Obduktion veröffentlichte. Was für ein bemerkenswerter Umstand, wo doch alle Medien angeblich auf zoos.media hören.
Im Instagram-Post wurde also erst die Darstellung der Wunde in den Medien absichtlich übertrieben und dann ignoriert, dass es bei einer Wunde der Art, wie sie tatsächlich in den Medien dargestellt wurde, erwartbar war, dass sie durch den stark fortgeschrittenen Verwesungszustand des Tieres nicht zu erkennen sein würde. Zu behaupten, ein ergebnisloser Befund sei der Beweis für die Nichtexistenz einer Wunde, ist schlicht nicht standhaft.
Kommt nun eine Richtigstellung von Robert Marc Lehmann?

Dass die offensichtlich falschen Annahmen, die dem Post zugrunde liegen, richtiggestellt werden, ist wohl nicht zu erwarten. Man kann vermuten, dass diese Medien-Schelte dringend gebraucht wird, sonst würde man sie kaum veröffentlichen. So wird auch der erwähnte Widerspruch offenbar gar nicht reflektiert.
In der Bubble um Mission Erde hat sich schon seit Wochen die Verwörungstheorie festgesetzt, dass zoos.media quasi die deutschen Medien orchestriert habe und bestimme, was zahlreiche Journalisten schrieben. Das ist eine durchaus amüsante Idee, sich die deutsche Medienlandschaft vorzustellen. Sie bewahrt wohl die Bubble davor, sich mit sachlicher und fundierter Kritik auseinander setzen zu müssen.
Lehmann spielt auf zoos.media eine vergleichsweise kleine Rolle. Nicht mal 0,8% der veröffentlichten Artikel inkludieren überhaupt den Namen „Lehmann“. Allerdings haben durch Lehmanns Auftreten am Wal die wenigen Artikel eine gute Verbreitung erhalten. Die Fakten in den Artikeln durchliefen dann anscheinend die Checks der verschiedenen Medien und wurden entsprechend in die Berichterstattung über Lehmann inkludiert. Offenbar scheint die Community das seit Wochen nicht wahrhaben zu wollen.
Verzweifelte Attacke?

Lehmann wirft in Richtung Medien und Politik vor: „Ihr könnt einem eigentlich nur leid tun, denn ihr leistet nichteinmal [sic!] 0,1% für diesen Planeten und seine Bewohner“. Das könnte man als durchaus interessanten Vorwurf sehen, wenn man mal in die Finanzberichte von Mission Erde schaut. Krass viel höher hätte man wohl die Prozentzahl, mit der man anderen Untätigkeit vorwirft, daher vielleicht auch nicht wählen können.
Viel spannender als der rasch zu widerlegende Inhalt des Posts ist wohl dessen Hintergrund. Was hat Robert Marc Lehmann zu so einem Post bewegt? Die Idee ist anscheinend: Ein angeblich „kleiner Meinungsblogger“ bestimmt die Berichterstattung deutscher Medien und die Meinung von relevanten Politikern. Das widerspricht sich natürlich einmal, aber was entblößt das auch für ein Bild der deutschen Politik- & Medienlandschaft? Die wird plötzlich als lenkbar dargestellt.
Man kann sich sicherlich trefflich drüber streiten, ob man solcherlei Darstellungen als Verschwörungstheorien bezeichnen will. Allerdings öffnet so eine Äußerung wohl trotzdem eine Flanke. Jede Attacke, die sich so leicht widerlegen lässt, jede Wiederholung von Vulgarismen und auch jeder anscheinende Versuch einer Beleidigung, schwächt am Ende wohl vor allem Lehmanns eigene Position. Er spielt also mit so einem offensichtlich heillosen Unterfangen am Ende den Kritikern in die Hände. So könnte man folgend auf die Idee kommen, dass aus so einem Post eine gewisse Verzweiflung sprechen könnte. Warum Lehmann diesen möglichen Eindruck wohl nicht verhindern will, ist eine interessante Frage. Vielleicht wird es bald Antworten dazu geben.
