Weißer Tiger in Sendaviva (2022) | Foto: Lautarrak, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Tiertransport: AAP räumt Stress bei Carmen Zanders Tigern ein

Exklusiv für zoos.media – 02.09.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Lange Eingewöhnung in Spanien: AAP bestätigt Stress bei den Tigern von Carmen Zander. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe zum Tiertransport und was danach geschah.

Tiger im Bronx Zoo | Foto: Evanphoto, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Tiertransport: AAP räumt Stress bei Carmen Zanders Tigern ein

„Die längere Eingewöhnung war laut AAP nötig, weil die lange Reise und die völlig neue Umgebung für die Tiger mit Stress verbunden waren“, berichtete das Sachsen Fernsehen auf Facebook. Die Tiere wurden am 01.07.2026 verladen. Nun sind sie, zwei Monate später, im Außengehege. Erst wurden sie lange Zeit anscheinend nur in Innenanlagen gehalten.

Zum Vergleich: Im Zoo Landau 2025 etwa mussten die Besucher nur einen Monat warten bis sie die neue Tiger-Dame zu sehen bekamen. Dass es bei AAP doppelt so lange dauerte, ist bemerkenswert, weil es unüblich ist. Eine eingespielte Tiger-Konstellation braucht normalerweise nicht so lange Eingewöhnung, wenn sie ein zuvor nicht okkupiertes Gehege bezieht. An Transporte gewöhnte Tiere, etwa in mobilen zoologischen Einrichtungen, brauchen übrigens wenige Stunden, um sich an neue Gehege zu gewöhnen.

Probleme mit Ansage

Dr. K. Alexandra Dörnath impft den prächtigen Nachwuchs von Sandokan. Carmen Zander gibt dem Tigerwelpen dabei Sicherheit. | Quelle: Dr. K. Alexandra Dörnath

Diese ungewöhnlich lange Zeit sowie der Hinweis auf den Stress der Tiere gibt dem zoos.media-Beiratsmitglied Dr. Dörnath letztendlich Recht. Sie hatte eine „akute Transportunfähigkeit“ attestiert. Sie warnte dabei davor, dass die Tiere an einen solchen Transport nicht gewöhnt seien. Das wurde von Behörden und AAP offenbar ignoriert. Die Tiere zahlen nun anscheinend die Zeche durch diese lange Eingewöhnungszeit.

Aufgrund von den von AAP veröffentlichten Aufnahmen sprach die Tierärztin, die diese Tiger so gut kennt wie keine zweite Veterinärmedizinerin, auch über den schlechten Zustand von Saphira. Sie sei, laut Dörnaths Analysen, in Spanien „verwahrlost statt behütet“ und sähe „beinahe kachektisch aus“. Dabei betonte die Tierärztin: „Ein völlig ungewöhnlicher Zustand für ein zuvor gesundes Tier.“ Auch an den Haltungsumständen der Tiger übte sie deutliche Kritik.

Carmen Zander selbst hatte vor einer Verbringung nach Spanien gewarnt. Im MDR erklärte sie das sogar vor einem Vertreter von AAP, nachdem sie ein Übernahmeangebot für die Tiere seitens der millionenschweren Lobbyorganisation abgelehnt hatte. Schon da fürchtete sie um das Wohl ihrer Tiere, wenn sie nach Spanien kämen: Die Haltung wäre zu staubig und zu heiß. Diese Warnungen wurden von deutschen Behörden und der niederländischen NGO anscheinend ignoriert.

Augenfällige Unterschiede

Tiger-Jungtier Imana genießt Quality-Time mit ihrer Mutter Saphira. | Foto: Carmen Zander, Verwendungserlaubnis durch Dr. Dörnath

Saphira und ihr Nachwuchs haben sibirisches Blut. Sibirische Tiger werden, laut Zootierliste, in Spanien nur zweimal gehalten. Das ist nachvollziehbar, denn in spanischen Klimabedingungen eine Installation zu bauen, die es Sibirischen Tigern angenehm macht, ist herausfordernd. Geglückt ist das in Madrid und in Arguedas. Die Unterschiede zur AAP-Haltung sind leicht zu erkennen.

Schaut man sich die Haltung vom Zoo Aquarium Madrid an, sieht man schon auf der Webseite des Zoos das grüne Gras. Auch auf Luftaufnahmen sieht man, was für eine grüne Oase der Zoo in der sonst eher kargen, staubigen Landschaft ist. Luftaufnahmen der zweiten Haltung Sibirischer Tiger in Spanien von Sendaviva in Arguedas zeigen es auch ganz deutlich: Verschiedene Bodengründe, auch saftig grünes Gras und viel Schatten. Auch dieser Zoo ist – mit weiterem Blick gut erkennbar – eine grüne Oase in der eher kargen Landschaft.

Vergleicht man das nun mit Luftaufnahmen der Haltung von AAP, zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Es wird zwar von AAP nicht transparent gemacht, in welchem Gehege die Tiger von Carmen Zander aktuell leben, aber die Gehege insgesamt zeigen sich auf den Luftaufnahmen karg, dürftig beschattet und bieten vor allem staubigen und trockenen Untergrund. Die Tiere haben dort kein saftiges Gras, wie etwa bei Carmen Zander. Das ist nicht nur einfach ein Schönheitsmakel, sondern vor allem ein Risiko für die Tiger, weshalb professionelle Tierhalter ihren Tigern andere Untergründe zur Verfügung stellen.

Staub gefährdet Tiger

Tiger im Marwell Zoo | Foto: Mark Kent, Lizenz: CC BY-SA 2.0

In der professionellen Wildtier- und Zoohaltung wird von staubstabilen oder stark staubenden Böden, wie unfeuchter Sand oder feine Erde dringend abgeraten. Das hat gute Gründe. Eingeatmeter, in die Augen oder auf Futter geratene Staubpartikel können Schleimhäute, Lungen, Binde- & Hornhaut sowie den Magen-Darm-Trakt schaden. Zudem bindet Staub Urin und Kotpartikel. Trocknet diese Mischung aus, wirbeln die Tiere mit Krankheitserregern oder Pilzsporen belasteten Staub auf, den sie anschließend einatmen können.

Sibirische Tiger leben – der Name verrät es schon – nicht auf staubigen Wüsten- oder Steppenböden, sondern weichem Boden, feuchter Erde, Matsch, Stein, Felsen und manchmal auch Schnee oder schwimmen in dessen flüssiger Entsprechung. Somit war die Haltung bei Carmen Zander solchen Tigern viel entsprechender als die bei AAP nun – auch von den klimatischen Gegebenheiten.

Sibirische Tiger sind nicht für solche Haltungen gemacht und somit ist es auch bei Unterarthybriden mehr als fragwürdig, sie in solchen Bedingungen zu halten. Auch andere Tiger-Unterarten meiden sandige Gegenden übrigens: Sumatra-Tiger und Malaiische Tiger. Die leben in tropischen Regenwäldern und Mangroven.

Ist das bei Bengalischen Tigern nicht anders?

Bengal-Tiger im Zoológico de Chapultepec in Mexiko-Stadt | Foto: Katie Chan, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Selbst Bengal-Tiger, die durch eine Trockenzeit durchaus mal unfreiwillig Staub ausgesetzt werden, „flüchten“ vor Staub und Trockenheit zu schlammigen Flüssen, Seen oder Wasserlöchern, um sich vom Staub zu befreien. Zudem meiden sie staubige Pisten, wenn der Wind weht, und halten sich lieber im schützenden, feuchteren Dickicht oder im dichten Dschungel auf. Also selbst diese Unterart ist kein Fan einer solchen Umgebung.

Man beobachtet auch, dass Tiger manchmal ein Staub-Bad nehmen, um sich vor Insekten, Juckreiz und Hitze zu schützen. Allerdings werden sie den Staub dann umgehend wieder los, indem sie ihn abschütteln und dann ins Wasser gehen. Der Staub bleibt also nicht auf ihnen und sie halten sich auch nicht dauerhaft in seiner Nähe auf.

Somit ist auch das bengalische Blut von Saphira und ihren Nachkommen kein argumentativer Rettungsanker in diesem Fall. Also auch Bengalische Tiger haben keine Liebe für eine staubige Umgebung, sondern nehmen in der Natur und auch in Menschenobhut jede Möglichkeit wahr, sich von Staub zu befreien und nutzen ihn, wenn überhaupt nur kurzfristig. Daher setzt man in der Zootierhaltung auch hauptsächlich auf andere Untergründe, was für Besucher auch sehr augenfällig ist – nicht nur in den genannten spanischen Zoos.

Zukunft der Tiger ungewiss

Die angebliche Rettung hat also am Ende wohl keine Verbesserung für die Tiger gebracht. Dabei geben sich verschiedene NGOs aus Kreis und Umfeld der Tierrechtsindustrie sichtlich Mühe, die Haltung von AAP als besser zu framen. Das passiert auch dadurch, dass falsche Narrative zur Haltung von Carmen Zander gestreut werden. Es fallen irreführende Begriffe wie „Haltung im Circus-Wagen“ oder Worte wie „Industriegebiet“. Dagegen hat sie sich ausführlich auch schon selbst geäußert. Die Tiere leben bei ihr auf Naturboden mit Zugang zu Schwimmbecken und weiteren Enrichments. Das sieht man auch auf Videos von zoos.media, von denen es auf unserem YouTube-Kanal ein paar gibt.

Ob die Tiger je nochmal in eine Haltung kommen, in der sie sich so offensichtlich wohlfühlen wie bei Carmen Zander, weiß man aktuell nicht. Ob sie also wirklich gerettet werden können, liegt auch an der deutschen Justiz. In der tatsächlichen Praxis solcher Fälle besteht jedoch immer das Risiko, dass durch langwierige Prozesse vollendete Tatsachen geschaffen werden. Das ist ein riesiges Problem. Allerdings nicht nur für die Opfer von so einem Vorgehen, sondern auch für die Glaubwürdigkeit von Organen des Staates selbst.

So stellt sich auch die Frage wie glaubwürdig Tierschutz an dieser Stelle ist. Man kann sich fragen, ob so etwas das angestrebte Ergebnis war, als man Tierschutz ins Grundgesetz schrieb. Dabei kann man durchaus davon ausgehen, dass das nicht die Absicht war. Ein richtig durchschlagender Erfolg für die Tiere war diese wohl eher symbolpolitische Handlung am Ende nicht. Für Menschen ist solcher „Tierschutz“ wohl deutlich lukrativer.

Groteskes Tierschutz-Theater?

Im Rahmen der Selbstvermarktung der millionenschwere Lobbyorganisation AAP äußerten sich sowohl die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher (CDU) als auch die zuständige Landestierschutzbeauftragte wohlwollend. Diese Zitate könnten vor dem Hintergrund des mehr als fragwürdigen Verlaufs der Rettung schnell zum Bumerang werden und das anscheinend angestrebte Ausnutzen der Aktion zum Vorantreiben von Haltungsverboten zum Rohrkrepierer machen.

Dem Schutz von Saphira und ihren Nachkommen war der Transport nach Spanien nun wohl nicht gerade zuträglich. Die bisherige Bilanz schaut nicht gut aus. Die Zukunft ist ungewiss. AAP versucht schließlich, solche Tiere auch in andere Haltungen zu platzieren. Wie viele sich nach so einer Aktion und der Haltung noch für die Tiere interessieren könnten, ist auch unklar. Man könnte durchaus auf die Idee kommen, dass die gleiche Tierrechtsindustrie, die die Aktion gegen Carmen Zander goutierte, wohl Kampagnen vom Zaun brechen würde, hielte ein Zoo oder Privathalter Tiger in Deutschland so wie Carmen Zanders Tiger aktuell in Spanien leben müssen.

Die Sicherheit in der Obhut von Carmen Zander wurde eingetauscht gegen eine unsichere Situation in Spanien. Geht es nach Vertretern aus dem Kreis und Umfeld der Tierrechtsindustrie, soll das eine Rettung sein. Für die Tiger aber wird es sich anders angefühlt haben. Sie wurden massivem Stress ausgesetzt, an dessen vorläufigem Ende eine mehr als fragwürdige Situation steht.

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