Exklusiv für zoos.media – 11.07.2026. Von: Philipp J. Kroiß
EAZA-EEPs kooperieren mit Stichting AAP, aber der Zooverband schweigt zu den Details. Entsteht etwa ein neues Zwei-Klassen-System durch Nähe zu Zoogegnern?

EAZA & AAP: Zooverband verstrickt sich in Widersprüche
Es ist bemerkenswert wie still es wird, wenn man kritisch nach AAP fragt. Das konnte man schon beim Landratsamt Nordsachsen merken. Im Zuge unserer Recherche zur Outplacement-Liste von AAP war aufgefallen, dass Schimpansen und Berberaffen mit dem Attribut „EEP species“ darauf zu finden waren. Für die EEPs ist die EAZA zuständig. Das war Grund genug bei diesem Zooverband mal nachzufragen.
EAZA weicht Fragen aus

Acht einfache Fragen stellte zoos.media der EAZA in einer Mail. Es ging darum, ob die EAZA wusste, dass etwa die Schimpansen so auf der Liste standen und ob das vielleicht in Absprache geschah. Ebenso ging es darum wie viele Schimpansen AAP denn vermitteln würde. Darüber hinaus wurde danach gefragt, ob AAP denn Mitglied der EAZA sei, da es so erscheine, als würde AAP an dem EEP partizipieren.
Dazu interessierte zoos.media den Beitrag, den AAP dann bisher an dem EEP geleistet habe oder wie die Organisation so den Artenschutz unterstützt habe. Hinzukommend wurde die Kooperation kritisch hinterfragt: Da AAP mit PETA kooperiert, steht natürlich die Frage im Raum, warum man mit einer Organisation zusammenarbeitet, deren Kooperationspartner schließlich Zoos schließen will. Ebenso ging es um die Zukunft dieser Kooperation.
Die kritischen Fragen blieben unbeantwortet. Der stellvertretende Geschäftsführer der EAZA konnte sich offenbar nur dazu durchringen klarzustellen, dass AAP weder EAZA-Mitglied noch ein offizieller Nicht-EAZA-Teilnehmer an den EEP-Programmen sei. Gleichzeitig aber wies er auf Partnerschaftsprogramme mit den EEPs für Schimpansen und Berberaffen mit AAP hin. Auf die Fragen ging man nicht wirklich ein.
Nachfragen bleiben unbeantwortet
Der wiederholten Bitte, doch die Fragen, die gestellt wurden, zu beantworten, kam man auch folgend nicht nach. Auch die Nachfrage, wie es sein könne, dass ein Nicht-Teilnehmer denn Tiere mit dem Attribut „EEP species“ anböte, wollte oder konnte die EAZA offenbar auch nicht beantworten. Die Frage wurde abgeblockt und an AAP selbst verwiesen.
Auf weitere Fragen, ob das Angebot der EEP-Arten auf der AAP-Liste von der EAZA beziehungsweise den EEPs überhaupt genehmigt oder bekannt war, warum die Logos von AAP auf der EEP-Webseite prangen und was die Partnerschaften denn genau beinhalten, hatte man bei der EAZA dann auch nach einigen Tagen gar keine Antwort mehr. Das ist bemerkenswert in einer Zeit, in der Transparenz gerade in der Zoowelt einen großen Stellenwert hat.
AAP auf der Schimpansen-EEP-Seite

Auf der Seite des Schimpansen-EEPs läuft das AAP-Logo prominent neben Logos von EAZA-Mitgliedern, die auch an der Erhaltungszucht beteiligt sind, auf einer Ebene durch. Man sieht den Zoo Ostrava, wo die Zuchtbuchführerin sitzt, die sich auf den Fragen-Katalog gar nicht meldete. Ebenso gibt es das Logo vom Burgers‘ Zoo und dem ZooParc de Beauval, dazu noch den Bedrohungsstatus und eben das AAP-Logo. Das ist ein ziemlich prominenter Platz. Eine echte Erklärung dafür hat die EAZA nicht.
Wenn AAP allerdings, wie die EAZA behauptet, weder EAZA-Mitglied noch ein offizieller Nicht-EAZA-Teilnehmer an den EEP-Programmen sei, warum präsentiert man die Organisation dann so prominent und kann es dann auf Nachfrage nicht erklären? Das widerspricht sich.
Es macht auch keinen Sinn, zumal man von der Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem EEP und der EAZA auf der Seite selbst gar nichts erfährt. Wenn man doch angeblich, wie der stellvertretende Geschäftsführer der EAZA erklären wollte, „im guten Geiste“ für das Wohl der Tiere und gegen den illegalen Wildtierhandel zusammen arbeiten würde, warum kann man das dann nicht erläutern? Wenn man keine Erfolge präsentieren kann, nach denen ja gefragt wurde, dann ist so eine Partnerschaft am Ende sinnlos.
Memorandum of Understanding für Berberaffen

Auf der Seite, auf der die EAZA seine „Partnerschaften“ offenbar transparent machen will, liest man dann was von einem Memorandum of Understanding zwischen dem Berberaffen-EEP und AAP. Zu den Schimpansen liest man nichts. Das ist auch bemerkenswert. Man liest auch keine Details, was diese Partnerschaftsvereinbarung genau beinhalten soll.
Auch in Bezug auf die Berberaffen macht es wohl wenig Sinn, eine Partnerschaft seit 2020 einzugehen und dann 2026 offenbar nicht mehr als Standardphrasen für eine solche Kooperation übrig zu haben. Solche Memorandums of Understanding hatte die EAZA immer mal wieder mit Zoogegnern. So auch zum Beispiel mit der fragwürdigen Aspinall Foundation. Gelernt hat man aus deren Scheitern bisher wohl wenig.
Auch hier also liegt im Dunkeln, womit AAP denn diese prominente Erwähnung konkret verdient. Zoologische Gärten, die ex situ und in situ für Berberaffen aktiv sind, um die Art zu retten, werden derweil nicht so prominent präsentiert. Auch AAP scheint wenig offen damit umzugehen – sucht man auf der deutschen AAP-Seite nach „EEP“, erscheint nichts. An Transparenz ist man anscheinend auch dort nicht interessiert.
Zwei-Klassen-System?

Normalerweise gelten für Zoos und EEP-Teilnehmer extrem strenge Regeln bezüglich Zuchtbuchführung, Eigentumsrechten und Transfers. Wenn AAP aber keines von beidem ist, wieso darf die NGO dann Tiere öffentlich mit dem Label „EEP species“ verteilen und scheinbar wie Eigentum behandeln? Die Tiere stehen schließlich nicht auf der Liste, über die AAP ausdrücklich schreibt, dass der NGO die darauf stehenden Tiere nicht gehören würden. Hier entsteht der Eindruck eines regulatorischen Blindflecks oder von Sonderrechten für eine NGO. Das wäre durchaus bemerkenswert.
Gerade auch für das Schimpansen-EEP gilt: Für den Außenstehende sieht es so aus, als sei AAP ein tragendes Element der europäischen Schimpansen-Erhaltungszucht. Die EAZA kann aber anscheinend keine Beiträge zur Erhaltungszucht nennen. Derweil werden Zoos, die sehr wohl Beiträge leisten, nicht ansatzweise so prominent gezeigt.
Während übrigens auch Nicht-EAZA-Zoos der Zugang zu EEPs oft verschlossen bleibt, weil Nicht-Mitglieder nur an einer kleinen Anzahl von EEPs teilnehmen dürfen, stehen für AAP demgegenüber anscheinend die Türen weit offen. Nicht-EAZA-Zoos allerdings könnten unter Umständen aber weit mehr Konstruktives für diese EEPs bringen als AAP. Für sie bleiben aber die Türen zu. Letzteres bringt den Artenschutz wohl nicht gerade voran.
Paradoxe Kooperation

Es ist aber auch nicht nur so, dass AAP mit Anti-Zoo-Organisationen wie PETA kooperiert. Laut Lobbyregister des Bundestags ist die rund 37 Millionen Euro schwere Organisation auch Mitglied der Eurogroup for Animals. Diese Lobbyorganisation versammelt die Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure. Dort wird die Zootierhaltung schlecht gemacht mit besonderem Augenmerk auf Delfinarien.
AAP selbst will Haltungsverbote für Exoten. Das bezeichnet man dann als Positivliste. Eine solche wäre zwar, laut Gutachten, rechtswidrig, aber das scheint egal. Schließlich trägt man die Forderung trotzdem wie eine Monstranz vor sich her. Das Problem dabei ist für die Zoos, dass Privathalter, die aktuell Hauptzielscheibe der Forderung sind, wichtige Partner in der Erhaltungszucht sind. Privathaltung weiter zu verkomplizieren oder gar unmöglich zu machen, kann man sich im Artenschutz nicht wirklich leisten.
Daher ist diese Kooperation mit AAP am Ende nicht nur widersprüchlich, sondern auch dem Natur- & Artenschutz, also einem zentralen Ziel moderner Zoos und Aquarien, abträglich. Daher wird die EAZA wahrscheinlich zumindest ihren Mitgliedern in Zukunft einiges zu erklären haben, wenn sie anscheinend schon auf externe, kritische Nachfragen nicht wirklich antworten will.
