Ostsee-Strand bei Niendorf | Foto: Ştefan Jurcă, Lizenz: CC BY 2.0

Robert Marc Lehmann: Rehabilitierungsversuch mit Nebenschauplatz?

Exklusiv für zoos.media – 11.10.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Müssen Medien sich bei Robert Marc Lehmann entschuldigen, weil die Herkunft von Mails infrage steht? Dieser Artikel schaut auf ein aktuelles Narrativ in der „Mission Erde“-Community.

Toter Buckelwal in der Løgten-Bucht | Foto: Mikkel Houmøller, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Robert Marc Lehmann: Rehabilitierungsversuch mit Nebenschauplatz?

Angebliche Mails von Sven Partheil-Böhnke (FDP) beschäftigen Robert Marc Lehmann einmal mehr. Ein neues Gutachten zum Fall legt, laut NDR, nahe, dass es „keine belegbaren Hinweise auf Schad- oder Spionagesoftware“ auf dem Diensthandy von Sven Partheil-Böhnke (FDP) gab. Dieser hatte vermutet, dass eine solche Software auf seinem Handy installiert worden wäre. Daraufhin hatte die Gemeinde eine solche Untersuchung veranlasst.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen. Robert Marc Lehmann fragt aber schon: „Bekomme ich jetzt eine Entschuldigung? Auch von ALLEN Medien, die diesen Quatsch reproduziert haben?“ Die Frage ist, welche Medien das sein sollen. So waren die Mails in verschiedenen Medien Gegenstand von Berichterstattung. Dass Sie als Quelle für Kritik an Lehmann genutzt wurden, lässt sich dabei wohl nicht wirklich belegen.

Was war passiert?

Konfrontiert mit dem Vorwurf solche Mails geschrieben zu haben, erklärte der Sven Partheil-Böhnke sie nicht verfasst zu haben. Schwulissimo berichtete im Juli, der Politiker habe „Ende Mai in einem Interview mit den Lübecker Nachrichten erklärt: ‚Mein Account beziehungsweise mein Handy wurde gehackt, und etwa 30 E-Mails wurden unter meinem Namen verschickt.'“ Das war auch die Zeit, in der das Thema richtig aufkam. Timmy war da schon einige Wochen tot.

Dass die Kritik an Lehmann, ob jetzt bei t-online, BILD oder anderen Medien, auf diesen Mails basierte, wird man wohl nicht wirklich konstatieren können. Vielmehr ging es bei der Kritik um Interviews, die Sven Partheil-Böhnke gegeben hatte. Zentral war dabei zum Beispiel das Interview mit NEWS5, über das auch zoos.media berichtete. Der Inhalt dieser Interviews, auf die sich die Medien bezogen, steht aber nicht in Abrede. Sie sind auch gar nicht Gegenstand des Verfahrens.

Man könnte es vielleicht damit vergleichen, als würde man das Ergebnis eines Fußballspiels anhand der Hosenfarbe des Linienrichters diskutieren wollen. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Mail-Sache aktuell erst einmal nur. Wird Anklage erhoben? Das wird die Zukunft zeigen. Die Frage, ob es einen Hack gab, ist durch das Gutachten nicht geklärt. Hacks funktionieren bekanntlich auch ohne Schad- oder Spionagesoftware auf dem Handy, sondern auf viele unterschiedliche Wege.

Lehmann und der Wal

Buckelwal von oben gesehen | Foto: Sylke Rohrlach, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Es war auch nicht nur Sven Partheil-Böhnke, der Lehmann für den Einsatz kritisiert. Minister Till Backhaus (SPD) erklärte, wie zum Beispiel die Frankfurter Rundschau berichtete, die „Einmischung“ Lehmanns „sei dort ‚hinderlich‘ gewesen.“ Auch in der Medien-Berichterstattung kam Lehmann, besonders nach seinem Rückzug, den man auch durchaus als widersprüchlich bezeichnen konnte, nicht gut weg. Später erklärte das Ministerium deutlich im Hinblick auf den Rettungsvorschlag: „Ein belastbares Konzept wurde auch auf mehrfache Bitte nicht vorgelegt.“

Schaut man sich die verschiedenen Medienberichte an, kann man sich fragen, wann die sich auf die nun fraglichen Mails beziehen sollen. Die Frage ist sicherlich auch, ob irgendein Medium je ominöse Mails brauchte, um in Richtung von Robert Marc Lehmann kritische Fragen zu stellen.

„[I]ch habe solche Situationen schon durchlebt und aktiv Wale gerettet, in Australien und Neuseeland. Und ich war weltweit bei mehreren Strandungen dabei, aber ich habe aktiv mit gerettet zwölf Wale, die auch noch leben“, zitierte der NDR Lehmann. Solche Schilderungen wurden auch unabhängig von Sven Partheil-Böhnke hinterfragt. So hatte Lehmann zwar Content zum Thema, zum Beispiel mit der fragwürdigen Aktivistin Ingrid Visser in Neuseeland, produziert. Wie „aktiv“ er dabei war, ist aber genauso fraglich wie er denn den angeblichen Umstand nachweisen will, dass sie „noch leben“ würden.

Lehmann und die Wale

Ingrid Visser jagt Orcas mit Unterwasserkamera – die Tiere schwimmen vor ihr weg. | Foto: Screenshot des Films „Woman swims with killer whales in the wild.webm“ von Fair Projects (Lizenz: CC BY 3.0)

Zudem scheint es sich bei keinem der geretteten Wale um Buckelwale gehandelt zu haben. Es gibt eine Geschichte aus Neuseeland, die sich um den Orca Koru dreht und im Zusammenhang mit dem Dreh bei Visser steht. Das junge Männchen mit der markant geknickten Flosse wurde nach seiner Rettung 2013 und dann 2021 nochmal gesehen. Der aktuelle Verbleib ist unbekannt.

Unter seinen Referenzen erwähnt Robert Marc Lehmann im Zusammenhang mit der australischen Regierung „Orca-Rettung und anschließendes Management von elf Individuen bei einer Walstrandung im Great Sandy Marine Park, Australien“. Die Strandung, die damit gemeint zu sein scheint, stellen die Queensland Nationalparks allerdings doch anders da. 2013 strandeten sieben Orcas. Zwei der Tiere starben, aber die Ranger des QPWS konnten, mit Unterstützung der örtlichen Fischereiaufsichtsbeamten von Queensland, die anderen fünf gestrandeten Orcas erfolgreich retten.

Diese fünf Tiere schlossen sich dann mit sechs weiteren Tiere zusammen. „Neun Tage lang überwachten und kümmerten sich die Ranger um das Wohlbefinden der wiedervereinigten Gruppe von elf Tieren“, hieß es weiter seitens der australischen Regierung. Ob die fünf geretteten Orcas noch leben, ist derweil nicht bekannt. Orcas unterscheiden sich aber ohnehin nochmal deutlich von Buckelwalen.

Geheimes Netzwerk?

Auf den Nebenschauplatz dieser Mail-Frage verwendet Lehmann in seinem aktuellen Video auf YouTube fast 24 Minuten. Wie schon zuvor scheint man das Bild vermitteln zu wollen, dass zoos.media irgendwie dahinterstecken könnte. Dazu berichtete bereits gerati ausführlich. Das und ähnliche Narrative kennt man auch generell aus der „Mission Erde“-Community. Belege konnten dazu bisher noch nicht präsentiert werden. Dazu hat die Geschichte einen wesentlichen Fallstrick: Braucht es persönlichen Kontakt zu Menschen, damit die etwas lesen können, was für jeden im Internet seit Monaten öffentlich abrufbar ist? Im Prinzip reicht einfach nur eine Suchmaschine.

Die „Karriere“ von zoos.media in den Narrativen der „Mission Erde“-Community ist derweil beachtlich. Von „kleiner Meinungsblogger“ ging es offenbar rasant zu einem mega einflussreichem Projekt, das anscheinend im Stande sein soll, die deutschen Medien zu lenken und Politikern Mails sowie Entscheidungen zu diktieren. Wer diesen Spin außerhalb der Bubble glauben soll, ist wohl fraglich.

Seit über 10 Jahren berichtet zoos.media über Zoos & Aquarien und Menschen, Organisationen und Medien, die sich zu dem Thema äußern. Es einem journalistischen Projekt zum Vorwurf konstruieren zu wollen, zu recherchieren, ist eine aus der Sicht der Community wohl nachvollziehbare Strategie, die ihr zumindest den Versuch wert scheint, aber hat keine reelle Aussicht auf Erfolg. Auch die Idee, dass irgendein Urteil zu den Mails irgendwie an der Berichterstattung ruckeln würde, die sich gar nicht auf diese als Quelle für Kritik bezog, läuft ins Leere. Es ist wohl ein letzter Versuch der Community, das Timmy-Debakel noch irgendwie kitten zu wollen.

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