Sitz vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in der Berliner Wilhelmstraße | Foto: Cor2701, Lizenz: CC BY 3.0

Tiger-Transport: Wenn der Bundestierschutzbeauftragten die Worte fehlen

Exklusiv für zoos.media – 15.07.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Die Bundestierschutzbeauftragte hat offenbar keine Antworten auf drängende Fragen zum fragwürdigen, mehrtägigen Tiger-Transport von Deutschland nach Spanien. Das lässt aufhorchen.

Tiger-Jungtier Imana genießt Quality-Time mit ihrer Mutter Saphira. | Foto: Carmen Zander, Verwendungserlaubnis durch Dr. Dörnath

Tiger-Transport: Wenn der Bundestierschutzbeauftragten die Worte fehlen

In „eigener Sache“ meldete sich Silvia Breher vor ein paar Tagen auf ihrem Account zu Massenmails. Die wolle man nicht mehr beantworten, aber „jede persönliche Anfrage beantworten wir gerne und zwar aus totaler Überzeugung“. Breher ist auch Bundestierschutzbeauftragte. Da scheint es aber nicht zu gelten. Vielleicht ist sie auf ihrem Account ja auch nur privat und Gesagtes gilt dann nicht fürs Amt. Solcherlei Argumentation ist in diesen politischen Kreisen derzeit ohnehin wohl in Mode: Wenn sich so mancher Politik-Kollege angeblich ganz privat in einem Talkshow-Sessel setzt, hat das anscheinend auch nichts mit dem Amt zu tun.

Breher folgte Ariane Kari im Amt der Bundestierschutzbeauftragten. Das brachte für den Steuerzahler wohl zumindest finanzielle Entlastung. Die notwendige inhaltliche Neuausrichtung scheint derweil auszubleiben. Dies beleuchtete zoos.media schon im letzten Jahr. Im Fall der Tiger von Carmen Zander scheint sich das zu bestätigen.

Kooperation nicht nur auf Instagram?

In dem Zusammenhang fiel ein Instagram-Beitrag von AAP ins Auge, in dem auch die Bundestierschutzbeauftragte als Kooperationspartnerin erkennbar war. Sowas wirft natürlich auch Fragen auf. Zum Beispiel die, welcher konkreten Form denn eine Kooperation zwischen ihr und AAP im Fall der Tiger-Beschlagnahmung in Dölzig bestand. Ebenfalls wie die Abstimmung mit dem Büro lief.

Zudem stellte zoos.media die Frage, ob die Bundestierschutzbeauftragte im Vorfeld oder sogar währenddessen koordinierend oder in sonstiger Weise involviert war. Allerdings blieb auch die Frage nach dem Attest, laut dem akute Transportunfähigkeit der Tiere bestand, und ob das der Tierschutzbeauftragten bekannt war, genauso unbeantwortet wie die vorherigen Fragen.

Das wäre durchaus spannend gewesen zu erfahren, wie sie eine Maßnahme sieht, bei der ein tierärztliches Veto mutmaßlich im Widerspruch zu § 17 des Tierschutzgesetzes missachtet wurde. Schließlich soll sie im Amt mit genau dem Tierschutz beauftragt sein. In Bezug auf die Reaktion vom Landratsamt Nordsachsen, das zur Beantwortung von Fragen in deren Verantwortungsbereich an AAP verwies, hatte zoos.media auch gefragt: „Entspricht es dem Verständnis Ihres Amtes, dass hoheitliche staatliche Maßnahmen und deren Kontrolle an ausländische Privatstiftungen ausgelagert werden?“

Eine Frage der Neutralität

„Wie vereinbart die Bundesbeauftragte für Tierschutz das Gebot der staatlichen Neutralität mit der öffentlichen Flankierung einer hochgradig umstrittenen, rechtlich noch nicht final geklärten Maßnahme mit einer privaten NGO?“, fragte zoos.media schließlich zuletzt. Auch hierzu wollte die Bundestierschutzbeauftragte innerhalb der mehrtätigen Frist wohl keine Antwort geben.

Als Bundestierschutzbeauftragte ist sie aber nicht nur auf Instagram anscheinend Teil der Öffentlichkeitsarbeit der NGO, sondern sie tritt auch in einer Pressemitteilung von AAP zum mehrtägigen Tiger-Transport auf. Da schreibt AAP sich die fragwürdige „Rettung“ schön. Eingebettet in diese Marketing-Phrasen liest man dann auch Worte der Bundestierschutzbeauftragten.

Darin wird „private Haltung von Wildtieren“ als „großes Tierschutzproblem“ beschrieben sowie sogar als Problem für den Artenschutz und die Sicherheit der Menschen. Das ist spannend, denn zu Wildtieren zählen zum Beispiel auch Neonsalmler. „Wildtierhaltung ist deshalb nur unter besonderen Bedingungen und höchsten Auflagen möglich“, erklärt Breher und manch einer mag sich an der Stelle schon fragen, ob sie weiß, wovon sie spricht.

Kampagne gegen Wildtierhaltung

Streifenköpfige Bartagame in Menschenhand | Foto: Jnescriva / Jaime Nicolau, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Man sieht, wie dieses fragwürdige Behörden-Vorgehen auch in Brehers Zitat genutzt werden soll, aus der gesamten privaten Wildtierhaltung ein Problem zu stilisieren. Sie ist es aber nicht. Haltung rettet Arten. Gerade auch private Wildtierhalter spielen dabei eine große Rolle. Dabei geht es nicht immer nur um Erhaltungszucht.

Ein Wildtierhalter, der in seinem Umkreis die Faszination für Tiere weckt, ist schon Gold wert. So werden Tiere zu Botschaftern für Natur- & Artenschutz. Auch diese Haltungen werden gebraucht. Sie erreichen Menschen nochmal anders als die großen Zentren das können. Die Ebene ist viel persönlicher. So waren ja auch die Tiger-Begegnungen bei Carmen Zander ausgelegt: Besondere Erlebnisse, um Menschen für die Tiger und ihren Schutz zu begeistern.

Offenbar soll so etwas auch politisch ausradiert werden. Da geht es längst nicht mehr nur um beeindruckende Tiger, sondern genauso um liebenswerte Papageien und auch das liebgewonnene Heimaquarium. Da ist man schnell mit gefangen und mit gehangen, wenn nun so „argumentiert“ wird wie Breher das tut. Gerne hätte zoos.media sie auch zu diesem fragwürdigen Zitat befragt, aber sie hatte bereits auf die vorigen Fragen wohl schon keine Antworten.

Spannende Zeiten in der CDU

Dieses Nicht-Antworten reiht sich aber auch ein in das größere Bild. „Die Bundesregierung bekämpft gerade die Transparenz“, attestierte jüngst die Initiative Transparente Demokratie. Während sich die Politik also immer mehr abschottet – auch gerade, was fragwürdige NGO-Kooperationen betrifft, soll der Bürger derweil immer gläserner werden. Davon legt die Abstimmung zur Chat-Kontrolle auf EU-Ebene ein deutliches Zeugnis ab. Die CDU war treibende Kraft dabei.

Die Politik schottet sich ab und will möglichst alles regulieren, die Bürger sollen immer gläserner werden und bloß untertan sein. Das ist der politisch Weg, der sich aus solch einem Vorgehen ableiten lässt. Es geht nicht „nur“ um Tiger, es geht darum, wie viel man sich von der Politik gefallen lassen will. Die Frage betrifft jeden, ob der nun Neonsalmler hält, Tiger oder auch gar keine Tiere.

Wenn Tierschutz durch den Staat bedeutet, dass mit fragwürdigen NGOs kooperiert wird, um unbescholtenen Haltern ihre Tier unter fragwürdigen Umständen zu entziehen und damit Haltungen ausländischer Organisationen zu füllen, die sowieso keine finale Lösung für die Tiere darstellen, muss man sich auch fragen, wie sinnvoll es dann noch ist, Tierschutz in dem Maße staatlich managen zu lassen. Dann geht es nämlich nicht mehr wirklich um das Wohl von Tieren.

Braucht es Tierschutzbeauftragte?

Blick auf den Dienstsitz vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat in Berlin | Foto: Dguendel, Lizenz: CC BY 3.0

Schon auf Landesebene in Berlin wurde von Dr. Cornelia Rossi-Broy klargemacht, dass die Arbeit der Amtstierärzte durch die Landestierschutzbeauftragte „eher behindert“ worden wären und zwar durch „Aussagen, die nicht der gängigen Auffassung von Tierschutz entsprechen“ würden. Es gäbe Mehrarbeit und eine Streichung der Position würde „mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Auswirkungen auf den Tierschutz“ haben.

Trotzdem hält man politisch an dieser Position fest. Auch auf Landesebene in Berlin war die CDU wohl nicht stark genug, diese Doppelstruktur abzuschaffen. Stattdessen betreibt man die Positionen weiter. Einen echten Nutzen für den Tierschutz hat es nicht, wohl aber für NGOs, denen so nicht nur in Berlin natürlich so Tür und Tor geöffnet wurden und werden.

Vor der Wahl hat sich, auch mit den 551 Fragen, die CDU anders inszeniert als sie nun agiert. Das lässt sich auch nicht nur auf den Koalitionspartner SPD abstreifen. Hier ist auch viel Eigeninitiative der Union am Werk. Ähnlich wie bei der FDP zeichnet sich also ab, dass die CDU nicht stark und entschlossen genug zu sein scheint, die intransparenten Verbindungen und dem Wortsinn nach widersinnigen Verquickungen zwischen Regierung und Nichtregierungsorganisationen zu beenden.

Kritische Fragen werden nicht verschwinden

Genauso wie die 551 Fragen und ihre Folgen nicht mehr aufzuhalten sind, sind es auch die kritischen Fragen zum fragwürdigen Tiger-Transport sowie zum Standpunkt der Bundestierschutzbeauftragten zur Wildtierhaltung generell. Bis die geklärt sind, muss aber jedem Wildtierhalter bewusst sein, dass er auf der Abschussliste steht.

Auf der Abschussliste der Tierrechtsindustrie steht man ohnehin, da die Tierrechtsideologie jede Form der Tierhaltung beenden will. Sehr ernst nehmen muss man aber, wenn diese Ideologie in die Politik überschwappt. Hier haben es Tierhalterverbände jahrelang versäumt sich ordentlich zu positionieren, was Raum geschaffen hat für die Lobbyarbeit der Industrie. Wie bedrohlich die für Halter wird, zeigt nicht zuletzt der Fall der Tiger.

Haltung rettet Arten. Das bezieht sich nicht nur auf die Wildtierhaltung. Es ist auch entscheidend gegen die Haltung zu zeigen, die Wildtierhaltung zerstören wollen und sie in Misskredit bringen. Seriöse Wildtierhaltung ist nicht Teil eines Problems, sondern Teil der Lösung. Das weiß jeder seriöse Tier- Natur- & Artenschützer.

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