Pelikane im Zoo Krefeld (2011) | Foto: zoos.media

PETA will 20 Zoos angezeigt haben – wegen Flügelstutzen

Exklusiv für zoos.media – 10.11.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

PETA: „Gestutzte Flügel, kupierte Flügelknochen und zerstörte Federfollikel – so werden Vögel in Zoos verstümmelt.“ Was steckt hinter diesem Vorwurf gegen Zoos?

PETA will 20 Zoos angezeigt haben – wegen Flügelstutzen

Erstmal muss man unterschieden zwischen reversiblen und irreversiblen Methoden, Vögel, die nicht in einer Voliere leben, am Abflug aus Zoos in den nahezu sicheren Tod in der Wildbahn, zu hindern. Darüber muss differenziert und immer im Einzelfall und im Hinblick auf die Populationsentwicklung diskutiert werden. PETA geht allerdings ganz undifferenziert an die Sache heran und unterstellen Zoos, die aus guten Gründen, zu denen wir später kommen, die Flügel stutzen, gleich mal populistisch Tierquälerei.

Flügelstutzen tut nicht weh

Die Federn, die gestutzt werden, sind leblose Keratin-Strukturen und nicht mit Nerven durchwebt. Sie abzuschneiden ist wie Haare beim Menschen zu schneiden, die übrigens auch aus Keratin bestehen und wir sehen Friseure gemeinhin nicht aufgrund ihres Berufs als Menschenquäler an und es tut uns auch nicht weh, wenn die Haare gestutzt werden. Genauso wenig ist das sinnvoll als Verstümmelung zu bezeichnen, was PETA aber trotzdem nicht davon abhält, es zu tun.

Wichtige Gründe

Das Stutzen der Flügel ist mit Tier- und Naturschutz zu begründen.

Warum mit Tierschutz?
Wenn die Flügel nicht gestutzt werden, besteht die Gefahr, dass die Vögel wegfliegen können. Die Tiere, die die Wildbahn nicht erlebt haben und die Gefahren nicht kennen. Diese werden noch verschlimmert, wenn die Tiere in urbane Räume fliegen würden, wo, etwa durch den Straßenverkehr, Gefahren lauern, auf die selbst wildgefangene Vögel nicht vorbereitet sind. Das Wegfliegen würde als Gefahren verursachen, die das Wohlergehen der Tiere bedrohen würden, da sie dies aber nicht vorher wissen (können), schützt man sie, damit sie nicht vor ein Auto laufen oder sonst zu Tode kommen oder verletzt werden.

Warum mit Naturschutz?
Zoos sind völlig richtigerweise dazu verpflichtet dafür zu sorgen, dass ihre Tiere nicht entkommen, damit sich die Fauna nicht verfälscht. Entflogene Tiere haben ja nicht Kompass und Karte dabei, um etwa zum Beispiel zu wilden Artgenossen nach Afrika zu finden, wo sie vorher wahrscheinlich ohnehin nie waren. Sie werden sich dort niederlassen, wo sie ausreichend Nahrung finden und dann dort natürlich das Ökosystem beeinflussen. Sie treten dort dann meist sowohl als Konkurrent und auch Beutetier auf und könnten, nicht nur das ökologische Gleichgewicht zur Entgleisung bringen, sondern auch zum Problem für heimische Arten werden. Also dient dieses Flügelstutzen auch dem Schutz der Natur.

VdZ äußert sich

Der Verband sähe „den Anzeigen der Tierrechtsorganisation Peta gegen insgesamt 20 deutsche Zoos und Tiergärten ruhig entgegen.“ „Für uns ist klar, dass unsere Mitglieder die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes gewissenhaft einhalten – nicht zuletzt, weil neben der Betreuung durch unsere Veterinäre auch die umfassende Kontrolle der Behörden gegeben ist“, sagt VdZ-Geschäftsführer Volker Homes. „Deswegen widersprechen wir den Vorwürfen von Peta.“

Chile-Flamingos im Louisville Zoo | Foto: Louisville Zoo, Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Peta ist immer schnell mit Anzeigen und Aktionen, aber die Niederlagen vor Gericht in der Vergangenheit – auch in zahlreichen Verfahren, die Zoos betreffen – haben gezeigt, dass es sich dabei oft genug um unbegründeten Aktionismus handelt.“
– Volker Homes (VdZ)

Ferner fügte der Verband hinzu: „In VdZ Zoos wird bei wenigen Vogelarten das Kürzen von Schwungfedern vorgenommen, um eine reversible Flugeinschränkung zu gewährleisten. Dabei werden in der Regel einzelne oder alle Handschwingen des Vogels nach jeder Mauser (jährlicher Gefiederwechsel) beschnitten. Es sei darauf verwiesen, dass die Mauser bei einigen Vogelarten wie Entenvögeln auch in der Wildbahn zu zeitweisem Verlust der Flugfähigkeit führt. Eine „Verstümmelung“ wie von peta angeprangert, liegt NICHT vor.“

Ein Verbot der Haltung hätte massive Einbußen zur Folge – für die Tiere, Besucher, die Forschung und Bildung sowie den Arten- und Naturschutz. „Sollten diese etwa 220 in europäischen Zoos gehaltenen Vogelarten in Zukunft nicht mehr flugeingeschränkt gehalten werden können, werden viele Zoos diese Arten abschaffen müssen“, erklärt der VdZ. „Mit dieser Maßnahme wäre dann mit gravierenden Einschränkungen im Artenschutz sowie im Bildungs- und Forschungsauftrag der Zoos zu rechnen. Insgesamt 65 bedrohte Vogelarten der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN könnten dann nicht mehr in Zoos gehalten werden, und 23 internationale Zuchtprogramme würden ihre Bedeutung einbüßen. Deutlich weniger Arten könnten dann der Bevölkerung zu Bildungszwecken präsentiert werden und viele das Bild der Zoos bisher prägende Arten wie Pelikane, Flamingos, Kraniche und Enten- und Gänsevögel würden nicht mehr gezeigt werden können.“

Doppelmoral von PETA

Diesem Hund wurde von PETA die Chance auf ein neues Zuhause genommen. Zehntausenden Haustieren ging es ähnlich. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Es ist kurios zu sehen, dass sich PETA Deutschland schon über das Stutzen von Federn aufregt, aber anscheinend tatenlos zusieht, wenn PETA in den USA auch gesunde und vermittelbare Tiere einschläfert und die Praktiken noch mit der Fehlinformation deckt, es würden ja bloß kranke Tiere eingeschäfert, wogegen erhobene Fakten eine deutliche Sprache sprechen.

PETAs Anzeigen, sofern sie überhaupt existieren, denn der VdZ erklärte, dass „weder dem VdZ noch den Zoos selbst tatsächlich Anzeigen“ vorliegen würden, haben also mit Tier- und Naturschutz nicht zu tun – genauso wenig mit Artenschutz. Zoos halten Vögel als Botschafter ihrer Art und ihres Lebensraumes und ermöglichen zudem noch wichtige Forschung. Dies alles unterstützt den Artenschutz. Arten, wie etwa der Kalifornische Kondor, haben nur überlebt, weil moderne Zoos sie hielten, erforschten und anhand dessen erfolgreich Artenschutz betrieben.

Aber nun kann man freilich sagen, es ginge bei PETA nicht um Tierschutz. Wie schrieb doch jüngst ein Vertreter von PETA in der anscheinenden Hoffnung, er wäre witzig: „Ich möchte dich wirklich nicht überfordern, aber wir machen gar keinen Tierschutz … Stille … Raunen in der Menge … Wir arbeiten für Tierrechte.“ Aber bei Tierrechten muss man natürlich einschränken, denn die PETA-Gründerin stelle ja klar: „Wir setzen uns nicht für ein „Recht auf Leben“ für Tiere ein„. So ist es durchaus in der PETA-Ideologie konsistent, dass man kein Problem hat Zoovögel, dem Tod zu überantworten, aber jeder muss sich eben fragen, ob er sowas unterstützen will: Man setzt sich für irgenwie für Tierrechte ein, aber nicht mal das grundlegendste Recht – das Recht auf Leben. Moderne Zoos hingegen kämpfen um das Überleben von Tieren, ganzen Arten und ihren Lebensräumen.