Die Delfinlagune des Tiergarten Nürnberg: gut besucht bei einer der edukativen Vorstellungen | Foto: Jed, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Schönt der Tiergarten Nürnberg seine Besucherzahlen?

Exklusiv für zoos.media – 15.02.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Eine Pressemitteilung des WDSF warf dem Tiergarten Nürnberg vor, seine Besucherzahlen zu schönen – das sei gelogen, erklärt der Bürgermeister Christian Vogel.

Schönt der Tiergarten Nürnberg seine Besucherzahlen?

Es war schon ein harter Vorwurf, den das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) gegen den Tiergarten Nürnberg führte: der soll angeblich die Besucherzahlen geschönt haben. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller behauptete:

“Die Tiergarten-Verantwortlichen verschweigen bei den Besucherzahlen 2017 wie in den Vorjahren, dass die Anzahl der Dauerkartenbesitzer, die 2017 insgesamt 8.438 Dauerkarten erreichte, mit jeweils 30 Besuchen, die in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung erwähnt werden, bei der veröffentlichten Besucherzahl recht willkürlich kalkuliert wurde.”

Steuerberater Ortmüller rechnet Besucherzahlen falsch

Pressemitteilungen des WDSF, das hat sich in Journalistenkreisen bereits rumgesprochen, sind mit Vorsicht zu genießen. Zu oft wurden bereits Fehlinformationen nachgewiesen, wodurch die Journalisten, die eine solche Pressemitteilung unhinterfragt übernommen haben, natürlich richtig blamiert wurden. Das Projekt dolphinaria.truth war auch gleich skeptisch und warf dem WDSF sogar Lügen vor und kritisierte auch inFranken.de, diese Lügen zu verbreiten:

Aber das WDSF konterte die Vorwürfe siegessicher:

“Das WDSF hatte veröffentlicht, dass der Tiergarten Nürnberg seine Besucherzahlen schönt und aufgedeckt, dass jeder Dauerkartenbesucher mit 30 Besuchen vom Tiergarten kalkuliert wird. dolphinaria.truth dazu: “Auch das ist glatt gelogen. In dem, wohl zum Beleg, verlinkten Artikel, wird von 20 gesprochen – schon ein gewaltiger Unterschied.” Offenbar können die Autoren der Lügenseite nicht richtig lesen und auch nicht korrekt recherchieren.”

Inzwischen hatten diese Vorwürfe aber auch die Aufmerksamkeit des zuständigen Bürgermeisters erhalten, der deutliche Worte fand und er bestätigte die Recherchen von dolphinaria.truth bezüglich der Besucherzahlen:

Dadurch lösten sich die Vorwürfe von Jürgen Ortmüller vom WDSF auf: es gab weder eine Manipulation der Besucherzahlen, noch hinreichende Hinweise oder gar Belege, um so eine Behauptung auch nur ansatzweise zu beweisen. Es wurde sogar nachgewiesen, dass der Tiergarten Nürnberg seine Besucherzahlen zurückhaltender kalkulierte. Umso bemerkenswerter ist es, dass er es trotzdem schafft immer wieder hervorragende Zahlen zu präsentieren – so auch in diesem Jahr wieder.

Weitere Fehlinformation über Delfinzucht

Ebenfalls war herausgehoben worden, dass auch bezüglich der Delfinzucht desfinformiert wurde. So behauptete Jürgen Ortmüller in der Pressemitteilung:

“Seit über 40 Jahren Zuchtbemühungen gibt es in Europa keine Delfine, die in dritter Generation nachhaltig gezüchtet wurden.”

Auch das ist falsch. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Delfinbaby in Kolmården Schlagzeigen gemacht – es gehörte zur dritten Generation im Zoo geborener Delfine.

Der junge Schwertwal Adán wird liebevoll von seinem Trainer umsorgt (2011) | Foto: zoos.media

Aber der kleine Delfin ist längst nicht der einzige in der dritten Generation, die es laut Ortmüller, ja angeblich nicht geben würde. Ein weiteres prominentes Beispiel einer anderen Delfinart ist der Orca-Teenager Adán, der aktuell im Loro Parque lebt. Dadurch fällt auch die ganze Argumentation, die Menschen dahingegen desinformieren soll, dass die Zucht von Delfinen in Menschenobhut “schon lange nicht mehr zeitgemäß” wäre, wie ein Kartenhaus zusammen.

Fragwürdig ist auch die Aussage, dass Große Tümmler in der Wildbahn “bisher nicht bedroht” wären. So generalisiert, spiegelt das nicht die Realität der Art in der Natur wieder. Wie bei vielen anderen Delfinarten erlebt man auch bei Großen Tümmlern eine Verinselung der Populationen, was dazu fühlt, dass die Situation dieser isolierten Populationen immer bedrohlicher wird. Eine, inzwischen als eigene Unterart (Tursiops truncatus ssp. ponticus) des Großen Tümmler klassifizierte, Population im Schwarzen Meer wird von der IUCN als bedroht geführt. Viele andere Populationen von Großen Tümmlern sind bereits verschwunden. Moderne Zoos arbeiten deshalb mit ihren Tieren in den Delfinarien, um den Arten- und Populationsschutz für Große Tümmler und andere Delfinarten. Damit sind sie auch bereits seit Jahren erfolgreich – so half die Arbeit im oben erwähnten Delfinarien den La-Plata-Delfinen.