Ein Schäferhund im Portrait | Foto: "Me" (Paddywagonforyou), Lizenz: public domain

Tasso e.V. verbreitet Tierrechtspropaganda gegen Zoos und Aquarien

Exklusiv für zoos.media – 06.07.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Was der Tasso e.V. über Zoos und Aquarien schreibt, ist nicht nur übler Populismus der Tierrechtsindustrie, sondern wirft auch Fragen nach der Seriosität des Vereins auf.

Tasso e.V. verbreitet Tierrechtspropaganda gegen Zoos und Aquarien

Den Verein Tasso e.V. kennt man als Tierhalter eigentlich davon, dass man dort seine Tiere registrieren lassen kann. Das würde Tiere, die vermisst würden, nach eigenen Angaben des Vereins “vor dem endgültigen Verschwinden schützen”. Man wirbt mit “Schutz und Sicherheit durch eine Registrierung bei Europas größtem Haustierregister”. Eigentlich eine gute Sache, mag man denken. Wenn Tasso e.V. allerdings bei dem Haustierregister so vorgehen sollte wie bei dem Artikel über Zoos und Aquarien, kann man sich eine Registrierung sparen.

Lügen der Tierrechtsindustrie

Delfinkalb Debbie im Zoo Duisburg putzmunter | Foto: zoos.media

“Nicht selten werden in Zoos exotische Wildtiere fernab ihres ursprünglichen Lebensraumes und ihrer gewohnten klimatischen Verhältnisse in viel zu kleinen Gehegen, unstrukturierten Käfigen oder trostlosen Betonwüsten gehalten, die das Ausleben ihres natürlichen Verhaltensrepertoires unmöglich machen”, behauptet Tasso und beschreibt damit eine Situation wie es sie in modernen und akrreditierten Zoos und Aquarien schon seit vielen Jahren nicht mehr in einer Form gibt, die sich sinnvoll mit “nicht selten” beschreiben lässt. Gerade Hundeliebhaber sollten eigentlich wissen, dass die Haltung von Tieren außerhalb der angestammten klimatischen Verhältnisse, wie etwa bei Huskys in Deutschland, nicht automatisch zum Problem werden muss.

Die angeblichen Delfine “in viel zu kleinen, gechlorten Betonbecken” gibt es auch schon lange nicht mehr: die Delfinlagune in Nürnberg ist groß genug und der Zoo Duisburg nutzt überhaupt kein Chlor mehr, sondern bereitet das Wasser in dem großen Mehrbeckensystem völlig ohne die Zugabe von Chlor auf. Auch weitere schon längst nicht mehr existente Schreckgespenster werden heraufbeschworen. So bezieht man sich auf die schon längst widerlegte Behauptung des Tierrechtlers Colin Goldners, dass rund 60 Prozent der Menschenaffenhaltungen nicht konform mit dem Säugetiergutachten wären.

EU ZOO REPORT 2011 als Quelle

Sinnloserweise bezieht man sich dann auch noch auf den “EU ZOO REPORT 2011”. Was sich offiziell anhört, ist in Wirklichkeit nur eine Sammlung von Anschuldigungen der Tierrechtsindustrie gegen moderne Zoos und Aquarien. Klar stänkert die Tierrechtsindustrie gegen Zoos und Aquarien, denn sie will jede Tierhaltung verbieten. Der Report entbehrt tatsächlich jeder faktischen Grundlage und ist völlig gehaltlos, weshalb er in Bezug auf moderne und akkreditierte Zoos und Aquarien im Prinzip wirkungslos blieb.

Als Quasi-Beleg behauptet man: “Darüber hinaus geraten Zoos auch immer wieder wegen anderer gravierender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in die Schlagzeilen.” Was stimmt ist, dass Tierrechsorganisationen immer solche Verstöße unterstellen, die dann aber meist, genauso wie der Zoo-Report, gar keine faktische Grundlage haben. Hier ein Bekanntes Beispiel:

Elefanten in Hannover: So soll PETA manipuliert haben

Verschwörungstheorien

Tasso behauptet: “Jungtiere und Tierbabys stellen erfahrungsgemäß eine Publikumsattraktion und erhöhte Einnahmen dar. Sind diese Tiere allerdings ausgewachsen, werden sie aus Platzmangel getötet oder an Tierhändler, Zirkusse oder Tierversuchslabore verkauft. Eine Tatsache, die gerne verschwiegen wird.” Zu diesem angeblich dunklen Geheimnis haben wir erst jüngst in einem Artikel ausführlich berichtet:

msn nachrichten fehlinformiert über Zoos: Dunkle Geheimnisse, die keine sind

Fehlinformationen zum Artenschutz

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) wurde auch durch die Arbeit von Zoos gerettet. | Foto: Kimberly Fraser / USFWS Mountain-Prairie, Lizenz: CC BY 2.0

Angeblich würde auch die Internetseiten der zoologischen Einrichtungen zu den “Arterhaltungsprogramme leider nur ungenügend Auskunft”, was schlicht nicht stimmt. Die Zoos selbst und auch der deutsche Dachverband informieren ausführlich zu ihren Projekten auf der Webseite und weiteren Plattformen. Wer Informationen finden will, findet diese auch sehr einfach. Wenn Tasso zu einer Suche nach registrierten Tieren so wenig beiträgt wie man offenbar nach Fakten zur Arterhaltungsprogrammen sucht, muss man sich schon deutlich fragen, ob sich eine Registrierung lohnt.

Wildfänge werden pauschal kritisiert und dabei werden Artenschutzerfolge ignoriert, die nur dank Wildfängen möglich waren. In der kruden Welt von Tasso sind aber Auswilderungen von in Menschenobhut gezüchteten und gehalten Tieren “in der Praxis fast unmöglich”, obgleich es tausende lebende Gegenbeweise gibt und noch sehr viel mehr Nachkommen eben dieser. Die Rettung ganzer Arten war nur möglich eben, weil man in Menschenobhut gehaltene Tiere auswildern kann – wie etwa Perzewalski-Pferde, Kalfornische Kondore und Schwarzfußiltisse.

Was haben Zoos bisher schon erreicht?

Zum Thema Edukation die Wissenschaft ignoriert

Wer heute noch ernsthaft behauptet, dass Zoos nicht pädagogisch wertvoll wären, hat offenbar die wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Jahre ignoriert. Im letzten Jahr gab es dazu eine anerkannte und sehr aktuelle Studie, die belegte, dass moderne Zoos und Aquarien sehr wohl einen wichtigen Beitrag zur Edukation leisten und eben pädagogisch wertvoll sind:

Zoo-Edukation funktioniert!

Auf den zahlreichen Forschungsergebnisse ruhen sich moderne Zoos und Aquarien nicht aus, sondern optimieren auch weiter:

Tierpark Dessau: Neuer Chef möchte Lehrauftrag des Zoos stärken

Offenbar sind die Leute bei Tasso e.V. den Tierrechtlern auf den Leim gegangen, denn außer Fake-News der Tierrechtsindustrie haben sie nicht vorzuweisen. Echte Belege nennen sie nicht.

Tasso e.V. fragwürdig

Diesem Hund wurde von PETA die Chance auf ein neues Zuhause genommen. Zehntausenden Haustieren ging es ähnlich. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Es ist fraglich, ob man, wenn Tasso einen so desinformierenden Artikel herausbringt, genug Vertrauen aufbringen kann, dem Verein zu spenden oder sogar das Haustierregister zu nutzen. Ihre Haustiere liegen vielen Menschen am Herzen und es muss eine Vertrauensbasis vorhanden sein, wenn man Tiere registrieren lässt und dafür natürlich auch Daten von sich und dem Tier preisgibt. Die Frage, die sich nun jeder stellen muss, ist, ob man einem Verein vertrauen kann, der so unseriöse Artikel auf seiner Seite veröffentlicht.

Zudem darf man nicht vergessen, dass die Tierrechtsindustrie die Haustierhaltung beenden will. In den USA erleben wir wie die weltweit größte Tierrechtsorganisation PETA den Großteil der Haustiere, den sie in die Finger bekommen, binnen der ersten 24 Stunden tötet. Ein erschreckend großer Teil der über 38.000 getöteten Haustiere war, gemäß eine Überprüfung der zuständigen Behörden, gesund und vermittelbar. Erlebt man nun Tasso e.V. in diesem Artikel, der offenbar völlig ungeprüft Behauptungen der Tierrechtsindustrie bereitwillig übernimmt, muss man sich auch fragen, ob man diesen Leuten wirklich die Daten der eigenen Haustiere überlassen will.