Orcaweibchen Skyla am Unterwasserfenster. | Foto: zoos.media, Lizenz: Erlaubnis des Fotografen

Wie tief tauchen eigentlich Schwertwale?

Exklusiv für zoos.media – 29.01.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Raumbedarf ist in Zoos für viele Menschen ein wichtiges Thema – gerade bei großen Tieren ist es heiß diskutiert.

Wie tief tauchen eigentlich Schwertwale?

Orcas in Menschenobhut sind ein Thema, das immer wieder in den Medien aufkommt. Viele Menschen fragen sich zu Recht wie ein so großes Tier artgemäß gehalten werden kann; die radikale Tierrechtorganisation PETA behauptet: “Orcas und Delfine […] tauchen bis zu 300 Meter tief”.

Was die Wissenschaft weiß

Orcas tauchen nicht bis zu 300 Meter tief. Der Rekord eines trainierten Orcas liegt bei 260 Metern (Bowers & Henderson, 1972) und in der wilde Tiere schaffen bis zu 175 m (Barrett-Lennard & Heise, 2006). Das aber sind Rekorde; der Rekord beim Menschen liegt bei 185 Metern (ohne Geräte). Kein Mensch muss so tief tauchen können, um sich wohlzufühlen. Genauso muss ein Orca nicht über 100 Meter tief tauchen können, um sich wohl zu fühlen.

Portrait von Morgan im Loro Parque | Foto: zoos.media
Portrait von Morgan im Loro Parque | Foto: zoos.media

Eigentlich sind Schwertwale gar nicht die klassischen Tieftaucher. Residente Orcas, deren Ökotyp am ehesten mit denen in Menschenobhut verglichen werden kann, können so um die 100 Meter tief tauchen, wenn es nötig ist (Baird et al., 1998). Eine Großteil ihrer Zeit aber, rund 70%, verbringen die Tiere in den oberen 10 Metern unter der Wasseroberfläche; rund 80% verbringen sie in den oberen 20 Metern (Baird et al., 2005).
Transiente, säugetierfressende Orcas, die aufgrund ihres Lebensraumes sogar enorme Tauchtiefen erreich können, verbringen 50% ihrer Zeit innerhalb der obersten 8 Meter unter der Wasseroberfläche, 40% zwischen 8 und 40 Meter und nur 10% tiefer als 40 Meter (Miller et al., 2010).

Warum tauchen aber wilde Schwertwale dann überhaupt selten so tief?
Weil sie dazu gezwungen werden – etwa bei der Futtersuche oder bei Gefahr.
Von all dem sind sie in Menschenobhut befreit. Sie müssen kein Futter suchen und Gefahren, vor denen sie in die Tiefe flüchten müssten, sind sie auch nicht ausgesetzt. Deshalb müssen Orcahabitate in Menschenobhut keine hundert Meter tief sein; die Tiere würden ein solches Angebot ohnehin nicht ausnutzen, weil die Faktoren, die sie in der Wildbahn in die Tiefe treiben, in Menschenobhut nicht existieren.

Haltungsqualität ist keine Frage von Größe

Genauso wie sich bei Landtieren die Haltungsqualität nicht in Quadratmetern misst, tut sie es bei Wassertieren nicht in Kubikmetern. In beiden Fällen muss eine Mindestgröße bestehen – das ist klar. Aber es gibt im vorliegenden Fall keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass Holding Pools von Orcas mit einer Tiefe von 8 Metern für Orcas nicht ausreichend wären, denn selbst die transienten Orcas, die wirklich aufgrund ihres Habitats die Möglichkeit haben, weitaus tiefer zu tauchen, tun dies nicht und haben kein Problem damit innerhalb dieser Tiefe zu bleiben. Auch dies residenten halten sich selten in Tiefen von mehr als 10 Metern auf.

Wellensittich im Tirgarten Odenkrichen | Foto: zoos.media
Wellensittich im Tirgarten Odenkrichen | Foto: zoos.media

Größe der Tiere ist übrigend auch recht unabhängig von benötigten Aktionsraum. Wilde Wellensittiche legen am Tag rum 100 Kilometer zurück und leben in riesigen Gruppen. In Menschenobhut braucht es das alles auch nicht, um die Tiere artgemäß zu halten. Auch diese Tiere kann man gut in einer entsprechend ausgestatteten Voliere halten (Reinschmidt, 2009). Natürlich muss in dem diesem Fall genauso gewisse Mindestanforderungen einhalten.

Beim Wellensittich, gilt wie beim Orcas und jedem anderen Tier, das man hält: Man muss die wissenschaftlichen Fakten betrachten und nachvollziehen, warum ein Aktionsraum von Tieren so ist wie er ist. Dazu ist es wichtig die Größe des Aktionsraum der Wildtiere, aber auch die Faktoren zu bestimmen, die seine Größe bedingen. Erst dann kann man ermessen wie ein Habitat in Menschenobhut gestaltet sein muss.

Die Tauchtiefe bei Orcas ist ein Faktor, der den Aktionsraum der Tiere bestimmt und mit dem sich dieser Artikel beschäftigt hat. Die Holding Pools für Orcas im Loro Parque sind zwischen 8,1 und 12 Metern tief – man orientiert sich, wie bei wissenschaftlich geführten Haltungen üblich, also an den wissenschaftlichen Fakten.

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