Socorrotaube mit den beiden Jungtieren im Nest | Foto: Zoo Heidelberg

Zoo Heidelberg: erfolgreiche Nachzucht ausgestorbener Taube

Exklusiv für zoos.media – 24.02.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Socorrotauben sind in der Wildbahn bereits ausgestorben, aber in modernen Zoos konnten sie überleben. Im Zoo Heidelberg gelang die erfolgreiche Nachzucht.

Zoo Heidelberg: erfolgreiche Nachzucht ausgestorbener Taube

Moderne Zoos retten Arten – ganz bekannte, aber auch die unbekannten. Kaum einer wird von Socorrotauben gehört haben – das ist auch kein Wunder, denn in der Wildbahn sind sie längst ausgestorben. Nur dank der Haltung in Menschenobhut konnten sie überleben. Jede erfolgreiche Nachzucht ist ein wichtiger Schritt auf einem langen Weg, dass diese Art wieder einen Weg zurück in ihre angestammte Heimat findet.

“Erfolgreiche Nachzuchten der letzten überlebenden Individuen in menschlicher Obhut sind daher sehr wertvoll für den Erhalt dieser Vogelart. Mit einer Beteiligung am europäischen Zuchtprogramm für die Socorrotaube kommt der Zoo Heidelberg somit seiner Verantwortung nach und leistet einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz.” – Zoo Heidelberg

Die Gefahr einer Insel

Socorrotaube (Zenaida graysoni) im Louisville Zoo | Foto: Ltshears, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Socorrotaube war endemisch – das bedeutet, sie kommt nur auf einer Insel vor. Solche Arten sind besonders anfällig, weil sie sehr auf ein Ökosystem angewiesen sind, dass nicht nur eine limitierte Größe, sondern auch dadurch ein besondere Anfälligkeit hat, weil es schlicht keine großartigen Möglichkeiten für Fauna und Flora gibt, auszuweichen.

Als auf der Pazifik-Insel eine Militär-Basis errichtet wurde, schränkte das den Lebensraum der zutraulichen Tiere ein. Verwilderte, eingeschleppte Katzen und die Bejagung durch den Menschen selber waren weitere Faktoren, die zu ihrem Aussterben führen. Hier zeigte die Gefahr für Insel-Populationen: bereits kleine Veränderungen des Ökosystems können für bestimmte Arten zum Kollaps führen. Aus diesem Grund brauchen endemische Arten auch eine besondere Aufmerksamkeit, damit es nicht plötzlich für sie zu Ende geht und sie schneller Verschwinden als man denkt. In den 1960er Jahren gab es die Dezimierung und 1972 wurde die letzte Taube in Freiland beobachtet.

Auf dem Weg zurück

Socorrotaube (Zenaida graysoni) im Burger Zoo (Arnheim) | Foto: Magalhães, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist modernen Zoos zu verdanken, dass die Taube noch eine Chance hat. Etwa 100 Tiere überlebten in Menschenobhut und aktuell wird eine stabile, sich selbst erhaltende Population aufgebaut und bewahrt. Erst mit einer stabilen Population in Menschenobhut kann man an eine Auswilderung denken. Aktuell ist eine Wiederansiedlung in Vorbereitung.

So ein Projekt ist aber keine Einbahnstraße, denn auch für den Schutz der Tauben muss vor Ort etwas geschehen. Das beginnt bei der örtlichen Bevölkerung selbst und geht aber natürlich auch den Land Mexiko etwas an – hier müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die ausgewilderten Tiere auch eine Chance haben, zu überleben, sodass die Art auch langfristig sich wieder ansiedeln kann.

Niemandem ist geholfen, wenn die Tiere einfach ausgewildert werden nur, damit sie dann fluchs an den gleichen Problemen eingehen, weshalb schon ihre Vorfahren vor Jahrzehnten ausgestorben sind. Zum Gelingen von effektiven Artenschutzprojekten müssen die ex situ mit in den in situ Schutzmaßnahmen Hand in Hand gehen. Aktuell ist man auf einem guten Weg auf dem schon ein paar Schritte in die richtige Richtung gegangen wurden.