Zwei Schneeleoparden im Woodland Park Zoo in Seattle (2016) | Foto: Ksuryawanshi, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Was Zoogegner aus einem Pro-Zoo-Interview machten

Exklusiv für zoos.media – 08.05.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Eigentlich wollte Jordan Carlton Schaul nur ein konstruktives und produktives Interview machen, aber was daraus wurde, zeigt die Auswirkungen falsch verstandener Zoo-Kritik.

Was Zoogegner aus einem Pro-Zoo-Interview machten

“Ich habe David [Hancocks] vor vielen Jahren für einen Artikel interviewt. Ich war ein wenig überrascht zu erfahren, dass es seitdem in Büchern von Zookritikern zitiert wurde, da es konstruktiv und unterstützend für diese sich entwickelnden naturhistorischen Institutionen sein sollte.” – Jordan Carlton Schaul

David Hancocks: Von der Zoo-Architektur in die Tierrechtsindustrie

Im Artikel bleibt von diesen Absichten dann wenig über, was allerdings vordergründig an der destruktiven Kritik Hancocks, der schon durch einige kernige Phrasen, den Tierrechtlern Futter für ihre Propaganda gab und inzwischen sogar auch Projekte der Tierrechtsindustrie unterstützt, wie etwa das Whale Sanctuary Project, das eine Haltung Wirklichkeit werden lassen will, die man durchaus als Tierquälerei bezeichnen kann, wenn nicht sogar muss. Er wurde von einem Kritiker zum Teil der Tierrechtsindustrie.

Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus) in der Installation Aqua Viva im Loro Parque | Foto: zoos.media

Die Kritik von Hancocks war nie die eines Tier-Experten und Wissenschaftlers, sondern die eines Laien, wenn es um diese Themen ging. Hancocks war Architekt und kam so als Dienstleister zu Zoos und Aquarien. Darüber schrieb er auch Bücher und er verstand es schon immer gut, während er von Zoos profitierte, auch den Tierrechtsmarkt zu füttern, indem er kernige Phrasen fallen ließ, die sich meist von echten Experten widerlegen ließen, aber natürlich auch seine Bücher verkauften.

Schon im oben genannten Interview merkt man, dass er das Botschafter Konzept offenbar nicht richtig verstand, in dem er kritisiert, dass sich Zoos zu sehr auf die Mega-Fauna konzentrieren würden. Diese für Besucher attraktive Tiergruppe sind ja nicht nur Botschafter ihrer Art, sondern auch ihres gesamten Lebensraumes.

Man kann Arten nicht isoliert schützen: Wer einen Riffhai schützen will, muss das ganze Riff schützen, damit der Lebensraum erhalten bleibt. Wer Löwen schützen möchte, dem bringt es auch nicht nur eine Art zu schützen, sondern er muss viele schützen, sonst hat der Löwen nämlich nichts mehr zu fressen. Wer Papageien vor dem Aussterben bewahren muss, kann dies nicht, wenn er nur diese eine spezielle Art schützt, sondern muss auch wieder den gesamten Lebensraum bewahren. Diese Beispielliste ließe sich ins unermessliche weiterführen, aber schon diese drei Beispiele zeigen: die Ausstellung der Mega-Fauna geht nicht zu lasten anderer, vielleicht für viele Besucher, weniger attraktiver Tiere.

Zweifelsohne hat Hancocks der Zoo-Architektur Impulse gegeben, aber ein Experte für Tiere und der Evaluation ihres Wohlbefindens wird er dadurch nicht – das hat die Tierrechtler natürlich nicht daran gehindert, ihn gegenteilig zu verkaufen und das gefiel ihm wohl so gut, dass er nun lieber für die Industrie arbeitet. Die Unterstützung des Whale Sanctuary Project entblößt eine gefährliche Inkompetenz im Bezug auf die Bedürfnisse von Tieren.

Zoo-Kritik in der Pflicht

Zwei Schneeleoparden im
Woodland Park Zoo in Seattle (2016) | Foto: Ksuryawanshi, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Moderne Zoo und Aquarien wachsen kann konstruktiver und fundierter Kritik von außen und innen. Destruktive Kritik wie die von Hancocks oder anderen Möchtegern-Experten der Tierrechtsindustrie hat noch nie geholfen – weder den Tieren, noch deren Schutz und auch nicht den Zoos. Hancocks zeigt eine gefährliche Paarung von Hybris und kernigen Phrasen, die natürlich auch kommerzielle Intention hat. Ein Experte für Zoo-Design ist eben noch längst kein Experte mit hinreichender biologischer Kompetenz.

Seriöse Kritik, die auch diese Bezeichnung verdient hat, ist immer konstruktiv und fundiert. Die Überschrift “Die meisten Zoos verdienen es nicht Elefanten zu halten”, mag zwar catchy und edgy sein, aber hilft letztendlich den Zoos nicht weiter. Schwammiges Aburteilen ist keine Kritik, sondern meist nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Natürlich ist das dann Futter für die Tierrechtsbewegung und die Zoogegner in ihrem Marketing gegen alle Zoos.

Auch im Interview fehlt es wieder an Konstruktivität und es wird nur falsch und verallgemeinernd über gewisse Dinge hergezogen. Von der Realtität und Wissenschaft lässt sich Hancocks dabei nicht beirren. Die Art und Weise wie er seine Punkt anspricht, bringt schlicht weder die Dkiskussion darüber, noch die Zoos voran. So scheitert er etwa daran, ein tragfähiges und ebenso erfolgreiches Alternativkonzept zum Botschafter-Konzept moderner Zoos vorzustellen.