Peter Singer (Quelle: Joel Travis Sage/Wikipedia)

Warum kritisieren Behindertenverbände den Tierrechtsphilosophen Peter Singer?

Eine Zwangsläufigkeit der Tierrechtsideologie ist die Frage nach der Euthanasie bei Menschen.

Wenn die Mensch-Tier-Grenze aufgehoben wird, aber nicht für sämtliche Tiere von der Mücke bis zum Elefanten das gleiche Recht auf Leben gelten kann, müssen bestimmte Kriterien herangezogen werden, um zu bestimmen, wer als lebenswert zu gelten hat und wer nicht, beziehungsweise weniger. Das betrifft dann Menschen genauso wie Tiere. Der Bioethiker Peter Singer spricht diese logische Konsequenz des Tierrechtsgedankens als einer der wenigen Aktivisten der Szene offen aus.

Peter Singer (Quelle: Joel Travis Sage/Wikipedia)
Peter Singer (Quelle: Joel Travis Sage/Wikipedia)

So meint er zum Beispiel, „dass es einige Menschen gibt, die ganz eindeutig unterhalb des Niveaus von Bewusstsein, Selbstbewusstheit, Intelligenz und Empfindungsfähigkeit vieler nichtmenschlicher Lebewesen stehen. Ich denke hier an Menschen mit schweren und irreparablen Hirnschäden und auch menschliche Säuglinge.“ Mit Zitaten wie: „Ich möchte nicht, dass sich meine Versicherungsbeiträge erhöhen, damit Kinder ohne Aussicht auf Lebensqualität teure Behandlungen bekommen.“ und „Wenn wir Mitglieder unserer eigenen Spezies betrachten, denen Charakteristika normaler Menschen fehlen, können wir nicht länger sagen, dass deren Leben stets dem anderer Tiere vorzuziehen sei“, brachte Singer vor allem Behindertengruppen gegen sich auf, die, wann immer er in Europa öffentlich auftritt, Proteste gegen ihn organisieren.

Zwar distanzieren sich viele Tierrechtsorganisationen von Singer, doch als Begründer dieser Bewegung und als ihr philosophischer Vordenker ist sein Einfluss enorm. Als er im Frühjahr 2015 in Berlin den „Peter-Singer-Preis für Strategien zur Tierleidminderung” vom Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V. verliehen bekam, demonstrierten vor dem Tor nicht nur Behindertenverbände und linke Antifaschisten, sondern auch Angehörige der Tierrechtsszene, wie etwa die Tierschutzpartei gegen Singer. Dass der Einsatz für Tierrechte, also für die Aufhebung der Mensch-Tier-Rechtsgrenze, notwendigerweise zu Positionen wie denen Singers führt, wird von vielen Tierrechtlern bestritten.