Orca im Marineland Antibes (2009) | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Orcas im Marineland Antibes: Beobachter schlagen Alarm

Exklusiv für zoos.media – 29.11.2025. Autor: Philipp J. Kroiß

Eine Atemwegsinfektion der Orca-Dame Wikie im geschlossenen Marineland Antibes sorgt für große Sorge. Dabei kommt auch die Frage auf: Wer ist dafür verantwortlich?

Ein Bild aus besseren Zeiten: Auge in Auge mit einem Orcas – das war im Marineland Antibes möglich. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Orcas im Marineland Antibes: Beobachter schlagen Alarm

Es sind alarmierende Nachrichten und Bilder, die seit gestern Abend online verbreitet werden. Wikie soll an einer Atemwegsinfektion leiden und sei inzwischen deshalb „sehr krank“. Als Ursache vermutet, wird der schlechte Zustand der Anlage. Die war aufgrund einer Flut vor 10 Jahren in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Betreiber wollten die Installation reparieren, aber der dazu nötige Transport der Tiere wurde jahrelang nicht bewilligt. Schließlich musste das Marineland schließen, aber selbst dann wurde der Tier-Transport von französischen Behörden nicht erlaubt. Grund dafür waren wohl im Wesentlichen Kampagnen der Tierrechtsindustrie.

 

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Falsche Hoffnungen gemacht

Großes Schiff direkt neben dem Beluga Whale Sanctuary (rechter Bildrand) im Juni 2024 | Foto: Hornstrandir1, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Tierrechtsindustrie hatte der Politik in Frankreich nicht nur Fehlinformationen über die Haltung der Delfine im Marineland Antibes als Wahrheit verkauft, sondern auch gleich ein Netzkäfig-Projekt als angebliche Lösung. Die Realität ignorierend, hatten sich französische Politiker so vor den Karren der Industrie spannen lassen und der Zukunft der Delfinhaltung, samt dem umfassenden Schutz der verschiedenen Arten, gemäß dem von der Weltnaturschutzunion (IUCN) formulieren One Plan Approach, einen Riegel vorgeschoben.

Das war aber nicht nur für den Natur- & Artenschutz desaströs. Besonders hart traf es die Delfine im Marineland Antibes. Die Orcas und die Großen Tümmler sind Geiseln der französischen Politik. So drückte es zumindest das Marineland selbst in einem offenen Brief aus. „Die Tiere werden offensichtlich in einem rein politischen Kampf als Geiseln gehalten“, beklagten die Verantwortlichen.

Die Politik ist nämlich immer noch beseelt von der euphemistisch als „Sanctuary“ bezeichneten Idee von Netzkäfigen. Solche Installationen existieren allerdings nicht für Orcas. Ob sie das jemals tun, ist mehr als fraglich. Vergleichbare Versuche bei anderen Arten scheiterten bereits. Besonders katastrophal läuft es aktuell bei dem Versuch mit Belugas in Island. Das Whale Sanctuary Project, das auch anbot die Tiere aus dem Marineland zu nehmen, hat bisher wohl nichts Nennenswertes zustande gebraucht, außer ein Zelt und hohe Funktionärsgehälter.

Scheitern zugeben unmöglich?

Blick von hinter den Kulissen auf ein volles Orca-Stadion im Marineland Antibes | Foto: E v Schoonhoven, Lizenz: CC BY 3.0

Längst hat auch die Wissenschaft solchen Projekten eine klare Absage erteilt. Arbeiten wie Bruck (2024) sowie Almunia & Canchal (2025) konnten nichts als die praktische Unfunktionalität solcher Projekte attestieren. Die Pläne, die die Tierrechtsindustrie vorgestellt hat, sind schlicht nicht belastbar. Die Politik hat bei der Prüfung dieser versagt. Beide, Industrie und Politik, sind gescheitert. Sie können nicht liefern, was sie in Aussicht gestellt haben.

Dieses Versagen scheinen sie nicht erkennen zu wollen. Sie reiten weiter das tote Pferd, krallen sich in dessen Mähne und schlagen wie wild auf das tote Tier ein, damit sie bloß noch mit der Illusion durchkommen, es wäre noch am Leben. Dieses Schauspiel wird seit Jahren kritisiert. Die Idee, die hinter der Cetaceen-Politik Frankreichs der letzten Jahre steht, ist gescheitert. Sie funktioniert nicht, jenseits von grünen Tischen und politischen Hinterzimmern.

Die Hängepartie für die Wale vom Marineland und für das Team, das sie versorgt, entsteht wohl nur durch den Stolz, das nicht zugeben zu wollen. Das Problem ist: Es macht die Tiere krank. Man hat offenbar Angst, dass die Seifenblase so nicht nur in Frankreich zerplatzt. Sowas könnte teuer werden. Schließlich verwendet die Tierrechtsindustrie seit Jahren Massen an Spendengeldern darauf, die faule Idee, die man in Frankreich fragwürdigen Politikern erfolgreich verkauft hat, auch in anderen Ländern an Politiker zu bringen.

Einbrüche im Marineland

Orca-Show im Jahr 2013: Die fünf Orcas des Marineland Antibes starten zum Sprung. | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Immer wieder versuchen sich selbst als Aktivisten verstehende Personen in das Marineland Antibes einzubrechen. Das ist wohl eine Straftat und belastet das ohnehin am Limit arbeitende Team vor Ort sinnlos. Ziel dieser Einbrüche ist es meist, Videomaterial zu produzieren, um damit auf Social Media auf sich aufmerksam zu machen. Solche Einbrüche sind aber auch immer eine Gefahr für die Tiere, weil mit dem Einbruch auch obligatorische Hygiene-Maßnahmen quasi übersprungen werden.

Online kursieren Bildaufnahmen wie Unbefugte die Tiere sogar anfassen. Auch bei solchen Aktionen können Übertragungen stattgefunden haben, die Wikie nun so krank gemacht haben. In jedem Fall aber zeigen sie: Die Tiere sind in Frankreich nicht mehr sicher. Könnte man die Sicherheit vor Einbrüchen etwa durch Polizeipräsenz erhöhen, so wird sich das Becken-Problem aber nicht lösen lassen.

Ob Wikie in solchen Umständen, wie im Marineland Antibes, überhaupt genesen wird können, ist fraglich. Ein schneller Transport könnte ihre einzige Rettung sein. Es wäre wohl der erste Notfall-Transport eines Orcas in der Geschichte. Ob sie ihn überleben wird, kann man nicht sagen. Im Marineland Antibes aber kann sie ohnehin nicht überleben. Dort bliebe sie, selbst bei Genesung, weiter politische Geisel. Genau das ist die Situation, die sie krank gemacht hat. Sie wird es wieder tun.

Will Frankreich überhaupt, dass die Tiere überleben?

Springende Schwertwale in Marineland Antibes | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Für einen solchen Transport aber bräuchte es auch den politischen Willen, das Richtige für die Tiere zu tun. So ein Wille aber existiert in Frankreich nicht, seit Politiker der Tierrechtsindustrie so viel Einfluss erlaubt haben. Trotz zahlreichen Beteuerung, man sei am Wohl der Tiere interessiert, sprechen die Taten seit vielen Jahren eine andere Sprache. Vielmehr ist man in eine Sackgasse eingefahren und hat nun Angst vor dem Rückwärtsgang.

Sieht man es gefühllos strategisch, so käme der Politik und Tierrechtsindustrie der Tod der Tiere sehr gelegen. So müssten sie das eigene Scheitern nie zugeben, wie es ein Transport der Tiere offensichtlich machen würde. Solch eine Taktik ist den Akteuren, nach ihrem bisherigen Gebaren wohl durchaus zuzutrauen. In einem Tod der Tiere könnte also die Chance gewittert werden, den Mantel des Schweigens über die Sache zu breiten.

Die Politiker würden dann eifrig den Tod der Tiere bedauern und die Tierrechtsindustrie zöge weiter. So einfach werden es die echten Orca-Freunde den Verantwortlichen allerdings sicher nicht machen. Also sich durch das Sterbenlassen der Tiere aus der Affäre zu ziehen, wird nicht funktionieren. Das heißt aber natürlich nicht, dass es die Verantwortlichen nicht probieren könnten. Ihre bisherige „Strategie“ war ja auch nicht durch Weitsicht gekennzeichnet.

Wird Wickie das nächste Opfer der Tierrechtsindustrie?

Die betagte Orca-Dame Lolita, auch als Toki oder Tokitae bekannt, im Miami Seaquarium | Foto: Katie Mortus (Orzechowski), Lizenz: Erlaubnis der Fotografin

Wenn die schwer kranke Orca-Dame es nicht überlebt, würden sofort Parallelen zum Fall von Keiko offensichtlich. Den hatte die Tierrechtsindustrie auch verenden lassen, weil man lieber das Märchen von seiner „Freiheit“ verkaufen wollte, wenn man den Fall mal pointiert zusammenfassen möchte. Wer mehr über den Fall erfahren will, findet hier einen genauen Blick auf die Umstände des Todes von Keiko damals. Auch er litt an Atemwegsproblemen.

Ebenfalls mit einem Freiheitsmärchen sorgte die Tierrechtsindustrie für Tod von 10 Orcas, die man aus dem „Whale Jail“ „befreite“. Ebenso unfähig in der Natur zu überleben wie Keiko, verschwanden die Tiere nach und nach. Sie wurden nie wieder gesehen, obgleich die Population dort sehr engmaschig überwacht wird. Wären sie noch am Leben, hätte man sie sehen müssen.

Mit dem Märchen sich angeblich so gut und so viel besser um Orcas kümmern zu können, verkaufte man eine „Rettung“ von jungen Orcas in Neuseeland und deren „Haltung“ in Swimming-Pools als große Errungenschaft und Grund für Spenden. Natürlich überlebten die Tiere nicht lange. Obduktionen ging man durch Verweis auf lokale Traditionen aus dem Weg. Vor gar nicht allzu langer Zeit starb die Orca-Dame Lolita in einer von Aktivisten geführten Haltung. In der Haltung echter Profis hatte sie zuvor Jahrzehnte überlebt. Wird Wikie bald das 15. Opfer auf dieser Liste?

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