Exklusiv für zoos.media – 29.12.2025. Autor: Philipp J. Kroiß
„Lasst uns gemeinsam die Welt retten“, fordert die Webseite von Mission Erde e.V. seine Besucher und Spender in spe auf. Wie viel Geld aber fließt dann tatsächlich in die Weltrettung? Dieser Artikel gibt Antworten.

Was finanziert Mission Erde wirklich?
Weltrettung ist ein großes Wort. Etwas weltlicher klingt dann, was man weiterhin auf der Webseite liest: „Der Verein wurde gegründet, um Robert Marc Lehmann bei seinen Missionen zu unterstützen und deren Umsetzung zu ermöglichen.“ Und weiter: „Diese Missionen hat Robert zuvor selbstständig aus privaten Mitteln finanziert.“ Gegründet und eingetragen wurde der Verein nach eigenen Angaben gegen Ende 2019. Finanzberichte finden sich aktuell, Ende 2025, für die Jahre 2021-2023.
„Zweck des Vereins ist die Förderung und Umsetzung des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes auf globaler Ebene“, wird im Rahmen der Transparenz behauptet. Wie passt das zu den Ausgaben des Vereins? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, in die Finanzberichte zu schauen.
Verschwundener Buch-Verkauf?

Für das Jahr 2021 hatte der Verein ein Eigenkapital von 425.333,24€. Davon waren 380.060,26€ gebunden und 42.714,00€ frei. 3.702,82€ gab der Verein für „Kosten der Öffentlichkeitsarbeit(v.a. Kosten für Webseite)“ aus. Auf die beiden Missionen – Peru & Geisternetze – des Jahres verfielen insgesamt 6.128,50€. Verwaltungskosten schlugen mit 4.661,36€ zu Buche. Dabei ging es im Wesentlichen um „Rechts- und Beratungskosten“ sowie „Bankgebühren, Gebühren Paypal“.
So endete das Jahr mit einem Ergebnis von 412.669,26€. Spenden an andere Umweltschutzorganisationen gab es vom Verein aus nicht. Da ist deshalb bemerkenswert, weil im Rahmen der „Mission: Peru“, zu dessen Finanzierung der Verein Mission Erde mit 3.748,50€ zumindest beigetragen haben dürfte, ein besonderer Buchverkauf startete. „Mit jedem Exemplar von „Mission Erde: Die Welt ist es wert, um sie zu kämpfen“ wird 1 m2 Regenwald in unseren Schutzgebieten in Peru geschützt“, ist bis heute auf der Seite von Wilderness International zu lesen.
Jetzt ist die Frage, warum es dann von Mission Erde keine Spende an Wilderness International gab. Schließlich wurde unter dem Namen des Vereins ja ein Buch verkauft. Der Verein darf den Namen also geben, die Spenden laufen aber irgendwie anders? Wenn ja, wo denn anders? Warum nicht transparent im Finanzbericht des namensgebenden Vereins? Auch für den Shop von Robert Marc Lehmann durfte der Verein bereits den Namen geben, bekommt davon aber kaum etwas.
Neue Bereiche

Für das Jahr 2022 gab der Verein ein Eigenkapital von 733.234,91€ an, das sich auf 594.620,61€ gebundene Rücklage, 120.215,00 € freie Rücklage, 11.000,00€ sonstige Rückstellungen und 7.399,30€ sonstige Verbindlichkeiten aufteilte. Noch spannender wird es bei den Ausgaben. Dort schlägt 10.759,30€ „Personalaufwand“ zu Buche. Ebenfalls erwähnt werden Abschreibungen in Höhe von 12.843,12€.
Beide Positionen lagen ein Jahr zuvor noch bei 0. Inzwischen hatte der Verein aber auch 27.460,00€ bei Sachanlagen angegeben. Die hatte es im Jahr zuvor nicht gegeben. Man könnte an dieser Stelle vermuten, dass es sich um stark genutztes Equipment, wie etwa Kameras, handelt, bei dem es außerplanmäßige Abschreibungen geben kann, da der Marktwert durch Nutzung schnell sinkt.
Der Hauptpunkt der Ausgaben in Höhe von 341.803,44€ verfiel aber auf die Missionen. Zum Beispiel gab es für die „Mission: Bali“ 65.192,81€, die „Mission: Orca“ kostete den Verein 26.825,72€ und für die „Mission Zoo“ wurden 9.976,07€ locker gemacht. Gemeint ist damit wohl die im Tätigkeitsbericht „Mission Zoo Krefeld“ genannte Aktion, die im Wesentlichen aus einem Video bestand. Dafür sind fast 10.000€ schon eine beachtliche Summe.
Wo bleiben die Einnahmen?

Während die Einkünfte aus der Mission Zoo sich in überschaubaren Grenzen gehalten haben dürften, verkaufte sich die „Mission: Bali“ anscheinend in Richtung von Joyn. Das ist die Streaming-Plattform der ProSiebenSat.1 Media SE. Ohne vorgreifen zu wollen: 2023 schlug die „Mission: Bali“ mit weiteren 57.730,14 € für den Verein zu Buche. Also dieses Thema hat den Verein sehr viel Geld gekostet. Streaming-Premiere feierte das Format Ende 2023.
Jetzt ist natürlich die Frage: Wenn Joyn das nicht geschenkt wurde, müsste man ja irgendwo mal was sehen, wann der Verein mit dieser Veräußerung etwas verdient hätte. Schließlich wurden seine Mittel anscheinend zur Erstellung der Medienproduktionen verwendet. Oder darf der Verein zwar für die Medienproduktionen zahlen, aber wird dann am Gewinn, der mit solchen Produktionen erzielt wird, nicht beteiligt?
Sollte Joyn das Material geschenkt worden sein, muss man sich fragen, inwiefern solche teuren Produktionen, die dann verschenkt werden, im Sinne des Vereins sein können. Allerdings werden die Ergebnisse der Missionen bekanntlich auch auf YouTube ausgespielt. Einnahmen aus dieser Ausspielung sieht man im Finanzbericht aber auch nicht. Wo landen die? Der Kanal hat schließlich auch den Namen des Vereins im Namen: „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“.
Mission: Orca – für wen?

Nur im Jahr 2022 schlägt, wie erwähnt, die „Mission: Orca“ mit 26.825,72€ dem Verein zu Buche. Schaut man in den Tätigkeitsbericht des Jahres erfährt man: „Vor etwa 10 Jahren reiste Robert nach Neuseeland, um bei Dr. Ingrid N. Visser alles über seine Lieblingstiere, die Orcas, zu lernen und sie bei ihren Missionen zu unterstützen.“ Von dem Material wurde wohl auch etwas in Richtung der RTL-Gruppe veräußert.
„Das damals aufgenommene Videomaterial konnte nun für eine sechsteilige YouTube-Serie aufbereitet werden“, heißt es weiter. Dafür sind über 25.000€ ein spannender Preis, den der Verein dafür zahlen muss. Das Material ist über 10 Jahre alt. Mit dem Material wurde seitens des Rechteinhaber wohl schon mal Geld verdient. Trotzdem muss der Verein noch so viel Geld dafür aufbringen, diese Serie zu bewerkstelligen?
Jetzt könnte man vermuten, dass die Aufbereitung so teuer gewesen wäre. Einmal wäre das bemerkenswert teuer. Allerdings stünde dann auch hier wieder die Frage im Raum: Warum bekommt der Verein dann für die zumindest finanziell erbrachte Leistung nichts zurück? Das aufbereitete Material erschien ja auch wieder auf YouTube. Bekommt der Verein also gar nichts vom Kanal, für den er für hunderttausende Euros im Jahr 2022 die Produktion zumindest massig mit finanzieren durfte? Der Finanzbericht beantwortet diese immer drängender werdende Frage nicht.
„Spenden an andere Umweltschutzorganisationen“

Gesondert zu den Missionen werden 2022 Spenden an NGOs aufgeführt, die als „andere Umweltschutzorganisationen“ bezeichnet werden. In den Genuss solcher Spenden kamen im Jahr 2022 diese Organisationen mit diesem Beträgen:
- Stiftung Wald zum Leben: 48.500,00€
- Fauna Forever: 21.153,94€
- Instituto De Pesquisas: 7.500,00€
- Wilderness International: 7.500,00€
- Jakarta Animal Aid Network: 3.000,00€
- „Stifung [sic!] Wilderness, Waldschutzspende“: 16,66€
2022 war der Start vieler Projekte mit Wilderness International. Seit 2022 sollen – zum bereits erwähnten Buch – auch von Kalender-, Bildband-, Kollektions- und Shop-Verkäufen Regenwald über Wilderness International geschützt werden. Jetzt hat natürlich Wilderness International auch Jahresberichte. „Sagenhafte 572.880 m2 Urwald hat die Mission Erde Community innerhalb weniger Monate bereits geschützt“, heißt es dort. Was kostet ein Quadratmeter Regenwald bei Wilderness International? 1€. So richtig zu 7.500€ passt das nicht.
Fehlt da nicht was?

Unter dem Hashtag „HaiBockAngriff“ gab es 2022 angeblich einen besonderen Spendenrekord: über 100.000€ in nur drei Stunden. Das Geld war angeblich explizit für den Haischutz bestimmt. Eine entsprechende Mission findet sich zwar im Tätigkeitsbericht von 2022, aber nicht im Finanzbericht. Dort werden auch die 100.000€ gar nicht explizit erwähnt.
„Die Gesamtsumme dieser großzügigen Spenden ging komplett an den Verein Mission Erde e.V., um fortlaufend explizit den Schutz der Haie zu unterstützen“, liest man im Tätigkeitsbericht. Ohne zu viel vor weg zu nehmen, gibt es 2023 keine Spende an eine Haischutz-Organisation, laut dem Finanzbericht, unter der Position „Spenden an andere Umweltschutzorganisationen“.
Angeblich soll jetzt Ende 2025 das Geld verteilt worden sein. Das kann man aktuell noch nicht nachvollziehen und bis man das kann, wird es wohl einige Monate, wenn nicht sogar Jahre, dauern. Die Frage ist nur: Warum hat man so lange gewartet, das Geld weiter zu geben? Das macht wenig Sinn. Jedes Jahr sterben schätzungsweise 70-100 Millionen Haie. Warum also fast drei Jahre warten, bis das Geld dann endlich eingesetzt wird?
Mission Erde wird reicher und reicher

Für das Jahr 2021 hatte der Verein bekanntlich ein Eigenkapital von 425.333,24€. 2023 ist man dann schon bei 1.149.277,92€ gelandet. Das teilt sich auf in 898.658,98€ gebundene Rücklage, 229.591,00€ freie Rücklage, 16.500,00€ sonstige Rückstellungen und 4.527,94€ sonstige Verbindlichkeiten. Das ist durchaus spannend mit anzusehen, dass man im Rahmen der Weltrettung in drei Jahren einen Vermögenszuwachs von über 700.000€ verzeichnen kann.
Mit 400.746,69€ durfte Mission Erde anscheinend wieder die Produktion von Missionen finanzieren. Erträge scheint der Verein im Wesentlichen durch Spenden zu erwirtschaften. 2021 hatte man noch 22,58€ Zinserträge erwähnt und 2023 übrige sonstige betriebliche Erträge in Höhe von 2.240,00€. Von Erträgen aus der Veräußerung der Missionen auf YouTube oder an TV-Sender liest man derweil nichts.
Der Personalauffand stieg 2023 auf 74.302,25€. In dem Bereich hat man also ordentlich investiert. Die Abschreibungen von 7.214,70€ beziehen sich wohl auf die 31.957,00€ Sachanlagen des Vereins in Form von technische Anlagen und Maschinen sowie andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung. Mission Erde wird also größer, nur fragt man sich mehr und mehr: Wofür eigentlich?
Wofür das Wachstum?

Im Wesentlichen war auch 2023 der Verein Mission Erde wieder Finanzier für die Erstellung von Medien-Produkten im Rahmen der Missionen. Das ist ja ganz nett für die, die dann vom Gewinn dieser Produktionen profitieren, aber bringt am Ende dem Verein wenig. Der spendete „an andere Umweltschutzorganisationen“ 37.500,00€. Das Geld ging im Wesentliche an den Lebenshof Odenwald (30.000,00€), aber auch der Tierschutzhof Heile Seele e.V. (1.000,00€) und Kitzretter e.V. (6.500,00€) bekamen etwas.
Wilderness International aber ging leer aus, laut diesem Finanzbericht. Das stellt Wilderness International aber anders dar. In Bezug auf „Mission: Kanada“, die den Verein 44.223,51€ kostete, verkündet Wilderness International: „Unglaubliche 575.000 m2 Regenwald wurden in Kanada durch die Serie bereits geschützt!“ Wo sind die dazugehörigen 575.000€? In dem Finanzbericht von Mission Erde selbst, findet man sie nicht wirklich.
So kann man sich vielleicht fragen: Warum es diese Finanzberichte überhaupt gibt, wenn sie nicht alle Finanzströme unter dem Namen Mission Erde transparent machen? Hunderttausende Euros, die angeblich unter dem Namen von Mission Erde beziehungsweise im Rahmen von mit dem Namen verbundenen Medien-Produkten, also den Missionen, bewegt wurden, finden sich in den Finanzberichten vom Verein gar nicht.
Wo ist das Geld aus dem Shop?

Ebenfalls nicht transparent ist, wie jetzt eigentlich der Weg von dem „Mission Erde Online Shop – by myMerch“ zum Verein Mission Erde ist. Was man im Rahmen der „Transparenz“ des Vereins erfährt, ist, dass die MyMerch GbR in mindestens einem der Jahre seit der Gründung mehr als 10.000€ gespendet haben soll. Nachvollziehen lässt sich das anhand der drei Finanzberichte aber nicht.
Hier ist auch die große Frage: Warum eigentlich nicht? Pro Bestellung sollen angeblich 1€ direkt als Spende an den Verein gehen. Es ist ebenfalls, laut eigenen Angaben, „Roberts Shop“. Robert Marc Lehmann selbst ist Gründer und erster Vorsitzender des Vereins. Man könnte durchaus vermuten, dass er wissen könnte, wie viele Bestellungen es pro Jahr im Shop gab und somit wieviel mal ein Euro an den Verein ging.
Hier wäre entsprechende Transparenz herzustellen also wohl keine Mammutaufgabe gewesen. Es passt aber durchaus ins Bild, denn erneut kann man sich fragen: Wenn es schon einen Verein mit dem Namen Mission Erde gibt, warum findet man dann nicht transparent auch alles Geld, was unter diesem Namen bewegt wird, kinderleicht nachvollziehbar aufgelistet in den Finanzberichten dieses Vereins? Eine richtige Erklärung dafür scheint es nicht zu geben.
Was ist Mission Erde eigentlich wirklich?

Dieser Artikel begann mit der Eingangsfrage: Was finanziert Mission Erde wirklich? Schaut man sich die Finanzberichte an, merkt man aber dann doch, dass nicht alles Geld, was unter den Namen Mission Erde bewegt wird, auch vom Verein Mission Erde selbst bewegt wird. Man sieht nicht wirklich, was mit den vom Verein finanzierten Medien-Produktionen eingenommen wird, man fragt sich wo das Geld für hunderttausende Quadratmeter Regenwald denn entlang geflossen ist und auch wie das Geld vom Shop zum Verein kommt.
Also kann man sich fragen, warum es offensichtlich so etwas wie eine Marke Mission Erde gibt, die aber nicht deckungsgleich mit dem Verein ist und vor allem auch, warum das so ist. Es wäre durchaus logisch, alles, was unter dem Namen Mission Erde läuft, dann auch in dem Verein Mission Erde zu tätigen. Sonst könnte man ja auch die Idee kommen, dass Mission Erde e.V. am Ende hauptsächlich dafür da ist, Medien-Produktionen zu finanzieren. Inwiefern das dann aber wieder zur in Aussicht gestellten Weltrettung passt, muss dann am Ende jeder Spender selbst mit sich diskutieren.
Die Finanzberichte werfen letztendlich mehr Fragen auf als sie beantworten, wenn man sie mit den Angaben von zum Beispiel Wilderness International abgleicht. Die wesentliche Tätigkeit des Vereins aber besteht wohl in der Produktion von Content, von dem aber nicht wirklich nachvollziehbar was an ihn zurückläuft. Einnahmen erzielt der Verein nämlich im Wesentlichen durch Spenden. Wer genau verdient dann mit dem Content oder ist der Content so wertlos, dass keiner mit ihm verdient? Warum aber würde er dann erstellt und die Spenden nicht direkt in Projekte gegeben?
