Exklusiv für zoos.media – 29.07.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Im fragwürdigen The Elephant Sanctuary in Tennessee geht das Sterben weiter: Inzwischen wurde das zweite Tier innerhalb eines Monats eingeschläfert. Das wirft Fragen auf – nicht nur nach den Tieren.
Elephant Sanctuary in Tennessee: Tote Elefanten & gewichtige Finanz-Fragen
Die Elefantin Sissy überlebte im stätischen Frank Buck Zoo im texanischen Gainesville die historische Flut von 1981. Sie konnte nur noch über ihre Rüsselspitze atmen, die aus dem Wasser lugte. Im Zoo lebte sie insgesamt drei Jahrzehnte. Nach anderen Stationen gelangte das Tier schließlich in das Sanctuary, das auch unter seiner Abkürzung TES berüchtigt ist. Dieses verkündete schließlich Anfang dieses Monats ihre Einschläferung. Wir berichteten immer mal wieder über die fragwürdige Elefanten-Haltung dort.
Vor ein paar Tagen wurde dann die Einschläferung von Billie verkündet. Beide Tiere haben sicherlich länger überlebt als so mancher dorthin transferierter Elefant. Allerdings hält so ein Umstand die Organisationen aus dem Kreis und Umfeld der Tierrechtsindustrie normalerweise nicht davon ab, Kampagnen gegen Tierhaltungen zu fahren, wenn so etwas bei ihnen passiert. Beim Sanctuary hingegen ist man still.
Lautes Schweigen

Außer der eigenen Selbstvermarktung dringt nicht viel nach außen vom angeblich so tollen Sanctuary. Aus Richtung der Tierrechtsindustrie gibt es Lobpreisungen. Wirklich Unabhängiges hört man nicht. Das liegt auch daran, dass in die Haltung kein wirklicher Einblick vor Ort gewährt wird. Sogar freiwilligen Helfern garantiert man nicht, die Tiere zu sehen. Es gibt noch ein sogenanntes Discovery Center, das man besuchen kann. Das sei aber „im Grunde ein Shop für den Verkauf von Merchandise“, wie ein Besucher seinen persönlichen Eindruck wiedergibt.
Drei pixelige Kameras auf der Webseite sollen wohl so etwas wie Transparenz vermitteln, aber viel sieht man dort am Ende auch nicht. Allerdings sind eben auch solche Kameras natürlich Teil der Selbstvermarktung. Außer PR findet man also wenig. Das ist typisch für solche Sanctuaries in den USA. Wenn dann aber mal der Schleier fällt, sieht es dahinter meist nicht gut aus, wie man etwa hier sehen kann.
Von solcherlei Sanctuaries hört man auch bei anderen Arten nicht wirklich Gutes. Der Versuch so etwas für Wale aufzubauen, scheitert am laufenden Band. Mit solchen für Menschenaffen gibt es auch immer wieder Probleme, wie etwa hier. Bei den Elefanten läuft es auch nicht rund. Diese Haltungen, die man also wohl nicht unbedingt als erfolgreich bezeichnen kann, sind wohl auf das Greenwashing aus dem Kreis und Umfeld der Tierrechtsindustrie angewiesen.
Dort wird dann natürlich auch geschwiegen, wenn es mal nicht so läuft. Umgekehrt ist nämlich die Tierrechtsindustrie auch auf die Sanctuaries angewiesen, um sie im Rahmen von Lobbyarbeit als scheinbare Lösung anzupreisen. Dafür hat man dann die Global Federation of Animal Sanctuaries (GFAS) geschaffen. Die akkreditiert aber eben anscheinend auch Sanctuaries, an deren Tierhaltung man Zweifel haben kann. Es geht hierbei offenbar hauptsächlich einfach um Ideologie.
Sechsstellige Jahresgehälter für Top-Funktionäre

Wer ganz oben angekommen ist, verdient bei der als gemeinnützig geltenden Organisation offenbar gut. 170.000$ für CEO, 132.905$ für COO und 111.819$ für CFO schlagen im Form 990 von 2025 für das Elephant Sanctuary selbst etwa zu Buche. Dazu kamen dann noch sonstige Vergütungen von der Organisation und verbundenen Organisationen. Eine Tierärztin dort bekam 116.769$ im gleichen Jahr von der Organisation. Dazu kamen ebenfalls noch sonstige Vergütungen. Zum Vergleich: Als Zoo-Tierarzt verdient man im dortigen Bundestaat üblicherweise 71.859$ im Jahr. Allerdings kümmern sich Zoo-Tierärzte dann jeweils um deutlich mehr Tiere aus deutlich mehr Arten.
Das Formular weist ein Gesamtvermögen der Organisation von 111.441.209$ zum Ende letzten Jahres aus. Das bedeutete ein Plus von rund 11.000.000$ zum Vorjahr. Für Personal – insgesamt 73 Angestellte 2025 – gab man 3.435.591$ insgesamt aus – das waren wiederum rund 400.000$ mehr als im Jahr davor. Dies ist besonders spannend, weil die Spenden im Vergleich zum Jahr davor etwas geringer waren. Wobei ohnehin interessant ist bei so einen großen Vermögen überhaupt noch um Spenden zu bitten.
Um 14 Elefanten habe man sich 2025 gekümmert. Das bedeutet, im Prinzip etwas mehr als fünf Mitarbeiter pro Tier und theoretisch pro Elefant ein Vermögen von rund 7.900.000$. Das ist nicht wenig. Zum Vergleich: Der Unterhalt eines Elefanten in den USA kostet in etwa 80.000-133.000$ pro Jahr. Das würde unter 2.000.000$ für die Haltung der 14 Elefanten bedeuten. Insgesamt deklariert die Organisation Betriebskosten 2025 von 8.147.475$. Daraus ergibt sich, dass wohl weniger als Viertel davon für die direkte, unmittelbare Versorgung der Tiere verwendet werden wird. Das meiste Geld der Organisation arbeitet allerdings auch wo ganz wo anders.
Der Elefant an der Börse

Ein nicht kleiner Teil dieses Vermögens wird als „Investments – publicly traded securities“ deklariert. Das bedeutet im Prinzip: Allein in öffentlich gehandelten Wertpapieren hält die Organisation über 76.500.000$. Statt die gewaltigen Mittel also direkt für die Tiere einzusetzen, agiert die Einrichtung – pointiert gesagt – wie ein Investmentfonds mit angeschlossener Tierhaltung.
Sonderlich gut läuft es an der Börse nicht. Aus dem Verkauf von Wertpapieren verzeichnete die Organisation 2025 einen Nettoverlust von 633.798$. Man darf wohl vermuten, dass diese hunderttausende Dollars mal Spenden waren, die Menschen an die Organisation leisteten, weil sie glaubten, dass damit Elefanten geholfen wird.
Kellie Heckman von der GFAS sagte einst: „Wissen Sie, die meisten von uns sind aus einem einzigen Grund in das Tierschutz-Geschäft gegangen: weil wir Geld lieben.“ Schaut man sich an, welche finanziellen Schwerpunkte dieses Sanctuary setzt, könnte man auf die Idee kommen zu verstehen, was genau sie damit gemeint haben könnte. Wenn man mehr Geld an der Börse hat, als für die Elefanten eingesetzt wird, mit denen man um Spenden wirbt, ergeben sich zumindest Fragezeichen nach den Prioritäten.
