Winkende Robbe im so genannten Fokarium der Meeresstation des Instituts für Ozeanographie der Universität Danzig | Foto: Mateusz Włodarczyk, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Mission Erde, Initiative Transparente Zivilgesellschaft & Transparenz

Exklusiv für zoos.media – 25.02.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Verein Mission Erde bezeichnet sich als „Unterzeichner“ bei der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ), findet sich aber nicht auf der entsprechenden Liste auf der ITZ-Seite. Was ist da los?

Robbe in Island auf Seetang | Foto: Waitblock, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Mission Erde, Initiative Transparente Zivilgesellschaft & Transparenz

Im Rahmen unserer Berichterstattung über Mission Erde in Bezug auf Robert Marc Lehmann war einem unserer Follower ein interessantes Detail aufgefallen: Auf der „Transparenz“-Seite von Mission Erde e.V. fand sich der Hinweis, man unterstütze die von Transparency International Deutschland e.V. gegründete Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Und weiter: „Als Unterzeichner verpflichten wir uns offenzulegen, woher unsere Spenden stammen und wie sie verwendet werden.“

Da die Transparenz von Mission Erde, wie auch im dazugehörigen Artikel dargestellt, doch sehr zu Wünschen übrig lässt, hatte sich der Follower die Mühe gemacht, die Liste der Unterzeichner zu durchsuchen, aber Mission Erde nicht gefunden. Als sich der Befund bei unserer Überprüfung des Hinweises im Januar diesen Jahres bestätigte, hat zoos.media eine Anfrage an die ITZ geschickt. Heute kam die Antwort.

Kein Unterzeichner, aber …?

Euroscheine | Foto: Berthgmn, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die ITZ bestätigte: „Die Organisation Mission Erde ist aktuell nicht ITZ-Unterzeichnerorganisation.“ Gleichwohl entspräche die Formulierung, also die Behauptung Unterzeichner zu sein, „dennoch der bisher gängigen ITZ-Praxis“. Also Nicht-Unterzeichner dürfen sich als Unterzeichner bezeichnen.

Warum dem so sei: „Viele Organisationen entscheiden sich diese Transparenzseite direkt öffentlich sichtbar zu machen, auch während sie Ihren Antrag noch vorbereiten oder dieser noch nicht abschließend bearbeitet wurde. […] Die Bearbeitungszeiten variieren dabei sehr. Aufgrund begrenzter personeller Ressourcen, sowohl bei uns, als auch bei antragstellenden Organisationen, sind mehrere Monate aktuell nicht unüblich.“

Erst nach erfolgter Überprüfung würden dann die Organisationen auch in die Unterzeichner-Liste aufgenommen. Die ITZ erläutert danach: „Für die Zukunft erscheint es sinnvoll, die Formulierungen für bereits aufgenommene Organisationen deutlicher von denen für neue Interessenten zu unterscheiden. So wäre – zusätzlich zum Logo und der Unterzeichnerliste – auch textlich auf einen Blick erkennbar, ob eine Organisation bereits aufgenommen wurde.“

Mehrere Monate?

Die Form der Zähne und des Kopfes waren Inspiration für den Namen der Kegelrobbe. | Foto: Christian Rosenbaum, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auf dem ersten Blick erscheint die Erklärung nachvollziehbar. Bis heute ist Mission Erde nicht in der Unterzeichner-Liste zu finden. Der früheste Screenshot der Transparenz-Seite von Mission Erde datiert sich auf den 08.11.2024. Die ITZ sprach von mehreren Monaten. Allerdings stand auch schon einem Jahr, drei Monaten, zwei Wochen und drei Tagen der gleiche Vermerk auf der Seite von Mission Erde.

Wir sind also schon bei über 15 Monaten. Wie lange vor der ersten Archivierung die Seite bestand, ist dabei noch unklar. Die große Frage ist, wie viel ist am Ende die Formulierung dann wert? Da können sich Organisationen auf einen Verein beziehen, sich als „Unterzeichner“ von etwas bezeichnen, dessen Unterzeichnung quasi nicht geprüft ist.

Man kann sich also gar nicht drauf verlassen, dass, wenn sich jemand als „Unterzeichner“ versteht, er die Regeln der ITZ überhaupt nachgeprüft befolgt. Dass das auch noch als gängige Praxis beschrieben wird, kann dem angeblichen Anliegen, mehr Transparenz zu schaffen, entgegen wirken. Das reiht sich ein in Kritik, der sich die Initiative schon länger ausgesetzt sieht.

Wie transparent ist diese Transparenz?

„Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft erreicht damit paradoxerweise genau das Gegenteil von dem, was sie vorgibt: Statt Klarheit zu schaffen, erzeugt sie eine trügerische Sicherheit“, formulierte schon die Initiative Transparente Demokratie (ITD) in Bezug auf eine gewisse Schieflage im Zusammenhang mit Transparenz bei der ITZ.

Dieses Zitat lässt sich auch auf den vorliegenden Fall beziehen: Obwohl eine Organisation keine ITZ-Unterzeichnerorganisation ist, kann sie sich dennoch als „Unterzeichner“ bezeichnen und das ist sogar gängige Praxis. Das ist nicht nur in sich hochgradig intransparent, sondern wohl auch ein Bärendienst am Thema Transparenz an sich.

In Bezug auf NGOs ist die Transparenz, die die ITZ fordert, doch sehr dürftig. Das sieht man am Beispiel PETA ganz gut. Der Verein gilt als Unterzeichnerorganisation, aber in Bezug auf Transparenz bleiben bei der radikalen Tierrechtsorganisation doch durchaus Wünsche offen. Darüber berichtetet zoos.media auch schon seit mehreren Jahren.

Diesen Beitrag teilen