Tiger sind Raubtiere. Quelle: Patrick Bouquet/flickr CC BY-NC-ND 2.0

AZA-CEO Dan Ashe und die HSUS

Exklusiv für zoos.media – 31.07.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Die Einladung des CEO der HSUS hat viele Fragen aufgeworfen. Dieser Artikel versucht, ein paar zu beantworten, indem er in der Vergangenheit von Dan Ashe, dem neuen Chef der AZA, sucht.

AZA-CEO Dan Ashe und die HSUS

Die Zoo-Welt war und ist geschockt durch die Protegierung der Humane Society of the United States (HSUS) durch die Association of Zoos & Aquariums (AZA). Langsam wird klar, wie es dazu kam.

Der U.S. Fish and Wildlife Service (FWS oder USFWS) wurde von Extremisten aus den Bereichen Tierschutz/Tierrecht und Umwelt korrumpiert, wie die Cavalry Group, die sich als eine Art Dachverband der Tierhalter versteht, berichtet. Dan Ashe war zu diesem Zeitpunkt Direktor des USFWS und dankte pathetisch dem CEO der HSUS, Wayne Pacelle, für Kooperation.

Mexikanischer Wolf im Cincinnati Zoo | Foto: Ltshears, CC BY-SA 3.0

Auf Twitter verabschiedete er sich im Januar von seiner alten Stelle mit den Worten, er werde jetzt zur AZA wechseln, aber immer ein FWS-Angestellter im Herzen bleiben. Während seiner Amtzeit in der FWS wurden schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben: ein Whistleblower arbeitete zusammen mit Public Employees for Environmental Responsibility (PEER), die sich genau darauf spezialisiert haben, und deckte massive Misstände in der USFWS auf. Jeff Ruch, damals ausführender Direktor von PEER fasste zusammen: „Das politisch-motivierte Verzerren der Wissenschaft im heutigen Fish & Wildlife Service ist genauso weitgehend und krass wie in den dunkelsten Tagen der Bush-Jahre“, und weiter: „Die verankerte Korruptionskultur des Services bleibt mit dem vollen Wissen und Segen von Direktor Dan Ashe bestehen.“

Der Biologe und Zoologe H. Ronald Pulliam berichtet von einem runden Tisch, an dem auch eben diese Dan Ashe saß und erklärte Naturschützer „müssen eine Welt mit weniger Wölfen, Lachs und gefleckten Eulen akzeptieren“. Ebenfalls müsste man im Namen des Kompromisses „eine Welt mit weniger Biodiversität“ akzeptieren.

Aber auch nach seinem Wechsel zur AZA hört Ashes Kuschelkurs mit der HSUS nicht auf.


Das retweetete Pacelle dann wie folgt:


Eine wahre Bromance auf Twitter. Harmlos? Nein, denn auch der Twitter-Account der AZA @zoos_aquariums schaltete sich ein und freute bedankte sich bei einem wohl inzwischen gelöschten Post mit den Worten „Thanks to President & CEO Wayne Pacelle, and the entire @HumaneSociety team, for recognizing our President Dan Ashe’s work at @USFWS.“ Dazu gab es das Foto mit den Shaking Hands, das man von den oben genannten Posts kennt. Hier bekommt die Bromance einen ganz üblen Beigeschmack: eine Zoo-Organisation dankt einer Organisation, die Zoos abschaffen will.

Männlicher Walhai in der Installation Ocean Voyager des Georgia Aquarium, Atlanta, GA | Foto: Zac Wolf, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Das Problem: Ashe und Pacelle kooperierten in den vergangenen Jahren in vielen Dingen – zum Thema Schlangen, Wölfe und anderen. Die HSUS will Zoos von innen heraus zerstören, wie man es zum Beispiel mit SeaWorld aktuell massiv probiert. Aber Ashe öffnete nicht nur die Tür für diesen Zoogegner. Auch Jonathan Balcombe wird auf der Konferenz sprechen. Er arbeitete mit der HSUS zusammen, aber auch mit der radikalen Tierrechtsorganisation PETA zusammen – er ist ein ausgewiesener Aquariengegner.

Die Mitgliedschaft in der AZA ist für viele amerikanische Zoos an ihre Betriebserlaubnis gebunden. Zudem arbeiten HSUS und AZA gemeinsam an einer Bill, die es nicht AZA-Mitgliedern fast unmöglich macht Großkatzen zu halten und zu züchten. Der Experte Andrew Wyatt kritisiert diese Bill, sie wäre nichts weiter als „das Herauspicken von Favoriten und die Beseitigung von Zoos und Aquarien, die nicht freiwillig die Politik der Tierrechtsbewegung annehmen werden.

Diese Annäherung von AZA und HSUS durch die Personalie Ashe ist besorgniserregend und gefährlich für die gesamte Zoo-Szene.