Elefant im Zoo Hannover | Foto: Volkan Elis, Lizenz: CC BY 3.0

Erlebnis-Zoo Hannover: PETA lügt sich eine gescheiterte Kampagne schön

Exklusiv für zoos.media – 09.05.2019. Autor: Philipp J. Kroiß

Die radikale Tierrechtsorganisation PETA beansprucht die Haltungsumstellung bei den Elefanten im Erlebnis-Zoo Hannover für sich – eine weitere, dreiste Lüge.

Erlebnis-Zoo Hannover: PETA lügt sich eine gescheiterte Kampagne schön

In einer neuen Veröffentlichung behauptet PETA über die Elefantenhaltung im Erlebnis-Zoo Hannover: “Die Recherchen von PETA führen somit zu einer zeitnahen Abschaffung der in Hannover noch angewendeten, aber völlig veralteten Haltung im „Direkten Kontakt“.” Das ist dreist gelogen. Bereits im Februar 2015 hatte der Zoo in Hannover seinen Masterplan vorgestellt, der eine Vergrößerung der Anlage, samt eine Umstellung auf den geschützten Kontakt vorsah. Das Video von PETA erschien erst über zwei Jahre später – wir berichteten von Anfang an.

Videomaterial manipuliert

Was war passiert? PETA veröffentlichte und verbreitete – wesentlicher Steigbügelhalter war hierbei das fragwürdige ARD-Format “Report Mainz” – manipuliertes und manipulierendes Material aus der Elefantenhaltung des Erlebnis-Zoo Hannover. Die Experten Prof. Wilfried Köpke und Prof. Annika Schach wiesen nach, dass es sich um eine sogar recht simple Manipulation von sowohl dem Material als auch dem Rezipienten handelte. Es war also keine Überraschung, dass PETA vor jeder angerufenen juristischen Instanz scheiterte – wie etwa vor der Generalstaatsanwaltschaft in Celle.

Seit Monaten versucht sich PETA diese Kampagne mit der angeblichen Errungenschaft, dass nun die Haltung im freien Kontakt abgeschafft würde, schön zu lügen. Das ist ein beispiellos lächerliches Schmierentheater, weil jeder, der nur ein klein wenig Recherche betreibt, spielend an die Information kommt, dass das schon lange geplant ist. PETA setzt hier also die Ignoranz seiner Rezipienten voraus und scheint sie für schon sehr dumm zu halten. Der Masterplan 2025+ ist längst bekannt und auch in großen Medien besprochen worden. Eine Maßnahme war zum Beispiel der Drill-Wald.

Die Veränderungen im Zoo sind also offensichtlich. Das alles wird ja sehr transparent gehandhabt. Vor dem Hintergrund ist es bemerkenswert wie sich PETA nun ihre vollkommen gescheiterte Kampagne versucht schön zu lügen. Das zeigt aber auch wie verzweifelt man offensichtlich ist, um dem noch irgendwas Positives abzugewinnen.

Freier Kontakt veraltet?

Wohlbehütet von Mutter und Herde entdeckt ein Elefantenbaby die weitläufige und naturnahe Außenanlage des Kölner Zoos. | Foto: zoos.media

Der freie oder direkte Kontakt ist, anders als PETA behauptet, auch nicht veraltet. Ebenso ist der geschützte Kontakt nicht per se besser. Schlechte Haltung bleibt schlechte Haltung – egal in welcher Kontaktform. Genauso wie gute Haltung auch gute Haltung bleibt, ob sie nun im freien oder geschützten Kontakt stattfindet. Das ist auch nicht nur bei Elefanten so, sondern bei jedem Tier. Im freien Kontakt kann man Jungtieren in Not das Leben retten – wie das aktuell in Leipzig und zuvor in Wuppertal geschehen ist. Das kann man in geschütztem Kontakt nicht, weil man keinen Zugriff auf diese Jungtiere bekommt.

Zudem ist der freie Kontakt für Tiere besser, die ihr Leben lang daran gewöhnt sind. Der Zoo Karlsruhe zum Beispiel hat als Tierschutzprojekt eine Altersresidenz unter anderem auch für ausrangierte Zirkuselefanten. In bekannter Kontaktform fällt so – besonders alten Tieren – die Umgewöhnung in die neue Haltung leichter. Natürlich kann man sie theoretisch umgewöhnen, aber wem nützt es denn dann? Dem Tier nichts. Natürlich – und das betrifft eher die trainingsaktiveren Tiere – ist das Spektrum an durch behavioral enrichment zu erlernenden Verhalten in freiem Kontakt deutlich facettenreicher und auch umfänglicher als im eingeschränkten, geschützten Kontakt.

Natürlich hat der geschützte Kontakt auch Vorteile – etwa die Sicherheit der Pfleger. Das kennt jeder: bei Hunden ist ein Kontakt allein durch das Gitter auch sicherer als im freien Kontakt ohne Schutz dazwischen. Es ist ein einfach zu verstehendes Prinzip. Ebenfalls wird davon gesprochen, dass die Herdenstruktur verbessert werden könne, wenn die Haltung nicht im freien Kontakt erfolge. Ob das tatsächlich eine Verbesserung ist, ist allerdings fraglich, denn wir haben auch keine Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die Anwesenheit von Menschen, die sich ordentlich verhalten und modernes Training machen, in einer Gruppe von Elefanten wirklich Schaden anrichten.

Giraffen und Elefanten im Zoo von Pittsburgh | Foto: Daderot, Lizenz: CC0 1.0

Was man in Deutschland sehr gerne vergisst, ist, dass Elefanten seit Jahrhunderten mit Menschen zusammenleben – in bestimmten Teilen Asiens etwa kennt man das gar nicht anders. Hier leben Mensch und Elefant seit Jahrhunderten in Symbiose. Natürlich gibt es auch da schlechte Halter – leider, aber schwarze Schafe findet man in jeder Branche. Diese schlechten Halter werden auch immer in den Medien vorgezeigt, obgleich sie mit der guten Haltung, die da auch geschieht, nichts gemein haben. Eine Studie brachte jüngst zu Tage, dass es Elefanten bei guten Haltern im Tourismus-Sektor teils sogar besser geht als in UK- und US-Zoos – zwei Länder, wo wir schwerpunktmäßig geschützten Kontakt in Zoos sehen. In den USA ist das besonders durch eine massiv falsche Politik der AZA begründet, wenn es um Elefantenhaltung geht.

Das einzige, was wirklich veraltet ist, ist die ideologische Diskussion über freien und geschützten Kontakt. Man muss von Fall zu Fall entscheiden und sich an den Tieren orientieren. Elefantenhalter brauchen also diese Entscheidungsfreiheit, um das Optimum für die Tiere rauszuholen. So etwas kann man nicht “von außen” oder gar “generell” entscheiden, wenn man das Wohl der Tiere im Blick hat. In geschützten Kontakt wird ideologisch-verklärt gerne eine Natürlichkeit hineininterpretiert. Heutzutage sind die meisten Elefanten bereits seit Generationen von der Wildpopulation isoliert, weil die Zucht so gut läuft. Sie sind ihr Leben lang an den Kontakt mit den Menschen gewöhnt, suchen und mögen ihn – es ist nichts Verwerfliches daran, ihnen den auch zu geben. Das Wohl der Tiere muss oberste Priorität haben und nicht, ob Menschen sich mit irgendeiner Entscheidung wohlfühlen, weil sie romantischen Ideen folgen.

Deswegen ist es ein hohes Gut und im Sinne der Tiere, dass in Deutschland die Experten entscheiden dürfen, welche Kontaktform in der aktuellen Situation und für die jeweiligen Tiere das Beste ist. Das muss auch weiter so bleiben, damit die hervorragende Qualität der Elefantenhaltung in Deutschland weiterhin so gut bleibt und langfristig ihr Niveau noch steigern kann. Ein Streit, welche Kontaktform angeblich generell die beste wäre, hemmt hier nur den Fortschritt und ist nicht zielführend. Letztendlich ist er auch nicht wirklich relevant. In den Staaten hat es der Elefantenhaltung insgesamt geschadet, dass sich sogar Verantwortliche von Zoos oder zoologischen Einrichtungen nahe stehende Menschen auf die Seite der Tierrechtler gestellt haben, nur um ihren ideologisch-verblendeten Kampf gegen die Haltung im freien Kontakt zu gewinnen.

Tierrechtler werden sich nie damit zufrieden geben, dass man die Kontaktform umstellt – sie sind generell gegen jede Form der Haltung von Elefanten und auch aller anderen Tiere. Öffentlicher Druck von Populisten wird nie eine Entscheidung zum Leid der Elefanten legitimieren. Einzig das Wohl der Tiere kann es. Im Erlebnis-Zoo Hannover verspricht man sich offenbar eine Haltungsverbesserung durch den geschützten Kontakt – und zwar schon recht lange – und befindet sich auf dem Weg dahin. In Zukunft wird man sehen, ob das auch die erhofften Früchte trägt, denn wissenschaftlich geführte zoologische Einrichtungen evaluieren natürlich auch ihre Entscheidungen und erzeugen so wichtige Daten, die als Grundlage zukünftiger Entscheidungen dienen können.

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