Lisztaffe im Zoo Schwerin | Foto: Harald Hoyer, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Grey Stafford: Beobachtungen einen alternden Zoo-Menschen

Erschienen auf zoospensefull.com am 09.05.2017. Autor: Dr. Grey Stafford

Zookritiker Dr. Grey Stafford betont die gute Arbeit, die in Zoos für den Schutz von Tieren und Natur, kritisiert aber auch die aktuelle Selbstdarstellung.

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Schimpansenbaby im Loro Parque | Foto: zoos.media

Hinweis: Dieser Artikel ist von enormer Wichtigkeit. Der weltweit anerkannte und hochgelobte Experte setzt sich auch besonders mit der aktuellen Situation auseinander: „Die Zoogegner werden immer mehr zu zur „Realität“. Ursachen, Wissenschaft, Artenschutz, Edukation, Inspiration und Rettung werden verdammt.“ Er sieht die Zoos in der Pflicht sich mehr dafür zu engagieren, diesem gefährlichen Trend entgegen zu wirken. Es würde auch nichts dagegen sprechen auf einer persönlichen Ebene emotionaler zu werden, getreu dem Motto von „Jungle Jack“, den er als seinen Freund beschreibt: „touch the heart to teach the mind“ (berühre das Herz, um den Geist zu lehren). Zoos sind ein Ort der Liebe zu Tieren und dies dürfe und solle man auch zeigen. Er wendet sich gegen einen nach außen hin sehr kühl wirkenden Ansatz der Selbstdarstellung von Zoos.

Gestrandeter Orca | Foto: Kalev Kevad, Lizenz: CC BY 2.0

Zudem müsste man die Natur akkurater und kompromissloser beschreiben – es handelt sich schon seit Jahren nicht mehr um einer paradiesische Wildbahn und jede Glorifizierung verbiete sich, um ihren desolaten Zustand zu zeigen, denn hier werden ja Zoos aktiv, um die Natur wieder in eine gesündere Form zu bringen.
Man müsse seine Aussagen mit wissenschaftlichen Fakten basieren, aber der emotionale Zugang wird immer wichtiger, was Studien auch belegten. Man müsse sich dabei an der Mehrheit der Rezipienten orientieren und nicht nur an einer kleinen, aber lauten, Minderheit an Gegnern. Statt Verteidigung empfiehlt er Offensive.
„Wir müssen wählen. Wir müssen Lobbyarbeit betreiben.“ Er empfiehlt ständigen Kontakt zu wichtigen gewählten Repräsentanten und zudem weiteres Networking in möglichst vielen Bereichen, die sich mit Tierhaltung beschäftigen. Zudem empfiehlt er auch eine harte Linie gegen Unternehmen, die sich den alternativen Fakten beugen und davon überzeugen lassen (z.B.: TripAdvisor und Virgin).
Es sei nicht mehr genug, einfach nur die Arbeit mit und die Versorgung von Tieren zu zeigen. Man dürfe nicht die Kräfte ignorieren, die die Karrieren von Menschen zerstören wollen, die jeden Tag für das Wohlergehen von Tieren arbeiten: „wir müssen alle aufhören darauf zu warten, dass jemand anderes die Stimme erhebt, aufsteht, um gute Zoos zu unterstützen und so indirekt Arten und den Planeten zu schützen.“ Es fange bei jedem selbst an, dies zu tun.

„Es steht zu viel auf dem Spiel, um sich abzuwenden oder aufzugeben. Und weiteres Versagen ist keine Option.“ – Dr. Grey Stafford