Exklusiv für zoos.media – 05.02.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Nach dem Desaster durch den Big Cat Public Safety Act, muss man nun lokale Zoos in den USA schützen – das zumindest zeigt sich in einem neuen Gesetzesvorschlag.

USA: Neue Gesetzgebung soll lokale Zoos schützen
Viele Jahre hatte zoos.media den Big Cat Public Safety Act begleitet und auch seine völlig abstrusen Ausmaße gezeigt. Die Tierrechtsindustrie hatte das Gesetz als großen Sieg verkauft. Der war es nie – zumindest für Tiere nicht. Der Industrie war es sogar gelungen fragwürdige Zoo-Verbände mit ins Boot zu holen. Das hat sich für diese nie ausgezahlt. Am Ende des Prozesses stand eine sinnlose Gesetzgebung ohne echten Fortschritt für die Tiere und ihren Schutz.
Der Protecting Local Zoos Act (H.R. 7159) will nun zumindest etwas den Trümmerhaufen beseitigen, den diese Gesetzgebung der Tierrechtslobby in den USA verursacht hat. Das dient vor allem den lokalen Zoos, die sich aus guten Gründen nicht für eine Mitgliedschaft im opportunistischen Zooverband AZA entschlossen haben.
Bürokratieabbau für den Artenschutz

Eine der wichtigsten Verbesserungen ist die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für den Transport von Tieren zwischen anerkannten Einrichtungen. Dadurch wird die Durchführung von Erhaltungszucht erleichtert. Diese ist für das Überleben bedrohter Arten in menschlicher Obhut essenziell.
Ferner wird eine Anpassung der Liste „verbotener Wildtierarten“ angestrebt. Das gilt für Schneeleoparden und Nebelparder. Dadurch sollen unnötige Handelsbeschränkungen korrigiert werden. Dies ermöglicht es spezialisierten Züchtern und Zoos, die legal arbeiten, effektiver in internationalen Netzwerken zu agieren, ohne unter pauschale Verbote zu fallen, die ursprünglich für den Schutz vor illegaler Privathaltung gedacht waren.
H.R. 7159 erleichtert den Austausch von Proben und Tieren mit seriösen ausländischen Partner-Organisationen. Daher hat dieses Thema auch internationale Bedeutung. Von dieser Erleichterung erhofft man sich eine Stärkung der globalen wissenschaftlichen Forschung und diese hilft dabei, die genetische Vielfalt bedrohter Tierpopulationen weltweit zu erhalten.
Anerkennung für Expertise

Das Gesetz würde aber auch lokal wichtige Wirkung zeigen. Es erkennt an, dass lokale Zoos oft tief in ihren Gemeinden verwurzelt sind und eine wichtige Rolle bei der Notfall-Versorgung verletzter Wildtiere sowie in der regionalen Umweltbildung spielen. Durch klarere Registrierungsprozesse erhalten diese Einrichtungen mehr Planungssicherheit.
Ebenfalls will man mehr Rechtssicherheit für Veterinäre und andere Mitarbeiter schaffen. H.R. 7159 soll sicherstellen, dass medizinisches Personal und Fachkräfte ihre Arbeit mit Wildtieren ohne die Sorge vor rechtlichen Grauzonen ausüben können. Das ist auch ein wichtiger Schritt nach vorn.
Die Gesetzgebung will also Einrichtungen, die einen nachweisbaren Beitrag zur Wissenschaft und zum Tierwohl leisten, vor den Folgen allzu starrer Regulierungen schützen. Die republikanische Mehrheit im Ausschuss, die von von Harriet Hageman angeführt wird, bezeichnete den Entwurf als notwendige Korrektur, um besonders kleine Zoos vor der bürokratischen Übergriffigkeit des Staates zu schützen.
Demokratische Partei und die Tierrechtsindustrie

Die demokratische Partei, die in dieser Sache wiederum von von Jared Huffman angeführt wird, sieht es genauso wie die Lobbyisten der Tierrechtsindustrie, die sich schon gegen den Vorstoß in Stellung gebracht haben: So hört man Behauptungen, der Entwurf wolle, den Big Cat Public Safety Act auszuhöhlen. Den stellt man, offensichtlich die Praxis ignorierend, als erfolgreich dar.
Dazu wird behauptet, der Entwurf würde Schlupflöcher für den illegalen Wildtierhandel öffnen wollen. Allerdings zeichnet sich illegaler Handel dadurch aus, dass er sich nicht an die Gesetzgebung hält. Der ignoriert sowieso die Gesetze und ist von deren Änderungen nicht wirklich betroffen.
Hinter diesen Scheinargumenten, steckt wohl eher die Intention, keinen Rückschlag im Kampf gegen die Tierhaltung einstecken zu müssen. Auch die AZA unterstützt hierbei erneut die Tierrechtsindustrie. Sie ist auch gegen dieses Gesetzvorhaben. Grund dafür ist wohl ein seit Jahren immer härter vertretender Monopolanspruch auf Erhaltungszucht von diesem Verein. Diese Exklusionspolitik ist schädlich für den Artenschutz, wie bereits öfters berichtet.
Der Zooverband Amerikas unterstützt das Gesetzvorhaben

Die Zoological Association of America (ZAA) unterstützt den Protecting Local Zoos Act. Sie ist weniger bekannt als die AZA, aber nicht weniger bedeutend. Für viele Zoologische Gärten ist es sinnvoller, ihr beizutreten. Die ZAA erklärt, dass die aktuelle Gesetzgebung viele seriöse, aber kleinere Einrichtungen unverhältnismäßig belaste. Daher ist die Änderung durch die H.R. 7159 notwendig.
Durch eine klarere Definition von sogenannten qualifizierten Institutionen soll verhindert werden, dass professionell geführte Parks rechtlich mit kriminellen „Hinterhof-Haltern“ in einen Topf geworfen werden. Zudem will man den Austausch von Tieren für koordinierte Zuchtprogramme wieder praktikabler machen. Dies sei essenziell, um die genetische Vielfalt von Arten wie dem Schneeleoparden in menschlicher Obhut zu erhalten.
Fernerhin vertritt die ZAA die Auffassung, dass Verbote nicht auf ganzen Tiergruppen basieren sollten, sondern auf der Qualität der Haltung. Zum Beispiel Nebelparder in professioneller Haltung stellten kein öffentliches Sicherheitsrisiko dar, was ein Totalverbot sinnlos mache. Die H.R. 7159 würde zudem auch mehr Fairness bringen.
Fragwürdige Rolle der AZA

Der bekannteste Zooverband Amerikas, die AZA, verfolgt seit Jahren eine aggressive Politik gegen kleinere Zoos und Aquarien oder solche auch große zoologische Organisationen, die sich ihrem Regime nicht unterwerfen wollen, wie der Pittsburg Zoo zum Beispiel. Er hat sich schon vor Jahren für die ZAA entschieden. Deshalb wurde er von der AZA auch schon angefeindet. Darauf antwortete er dann deutlich.
Wenige Zoos gehen diesen Weg, weil sie sich wohl durch an die AZA gebundene SSPs zum Verweilen im Verband gezwungen sehen. Hier wird Erhaltungszucht – pointiert gesagt – als Geisel genommen, um Mitgliedschaft zu erpressen. Das ist ein fragwürdiges Vorgehen, auch vor dem Hintergrund des Artenschutzes.
Diese Gier nach einer Monopolstellung hat die Tierrechtsindustrie für ihre Salami-Taktik gegen die Tierhaltung zu nutzen gelernt. Sie wedelt mit der Aussicht, durch eine Kooperation mit ihr, diesen Anspruch umsetzen zu können, vor der Nase der doch für sich genommen recht schwachen Interessenvertreter der AZA. So können Tierrechtslobbyisten der Zooverband leicht benutzen.
Lokale Zoos sind wichtig

Große Zooverbände ignorieren in ihrem Machtstreben und im Anspruch, die Zoowelt allein vertreten zu wollen, oft die wichtige und unentbehrliche Rolle der kleinen zoologischen Einrichtungen. Elitäres Machtgehabe innerhalb solcher Verbände kennt man nicht nur jenseits des großen Teichs, sondern auch in Europa. Genauso wie man auch hier Opportunismus gegenüber der Tierrechtsindustrie registrieren kann.
Das schadet den zentralen Säulen moderner Zoos & Aquarien: Natur- & Artenschutz sowie Bildung & Forschung. Es verhindert breite Kooperationen in der Erhaltungszucht. Eigentlich könnten größere und kleinere zoologische Einrichtungen prima nebeneinander und miteinander bestehen – in Verbänden aber auch individuell.
Daher sind Verbände, wie etwa die ZAA, wichtig, die mehr, als zum Beispiel die AZA, die Interessen aller Zoos & Aquarien im Blick haben. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass der Rückzug des Widerstands gegenüber dem Big Cat Public Safety Act seitens der ZAA auch ein großer Fehler war. Allerdings scheint man jetzt mit der Korrektur des Fehlers beginnen zu wollen. So hat man wohl verstanden: Von Tierrechtslobbyisten vorangetriebene Gesetzgebung ist eine Gefahr für alle, denen Tiere wirklich am Herzen liegen.
Wie geht es jetzt weiter?

Nach der Anhörung werden nun die Mühlen der amerikanischen Gesetzgebung weiter mahlen. Es gab keine sofortige Abstimmung. Die Ausschussmitglieder haben nun Zeit, zusätzliche schriftliche Fragen einzureichen und den Text des Gesetzentwurfs basierend auf den Aussagen anzupassen. Die republikanische Mehrheit, sogenannter Sponsor des Vorhabens ist Paul Gosar, signalisierte aber schon mal Unterstützung.
In den kommenden Wochen wird der Ausschuss voraussichtlich eine „Markup“-Sitzung abhalten. Hier wird über konkrete Änderungsanträge abgestimmt. Sollte der Ausschuss das Gesetzvorhaben dann befürworten, geht er zur Abstimmung an das gesamte Repräsentantenhaus. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse stehen die Chancen für eine Annahme dort aktuell gut. Daher ist die Tierrechtsindustrie wohl aktuell so hysterisch.
Das größte Hindernis wird wohl der US-Senat. Dort wird das Gesetz deutlich mehr überparteiliche Unterstützung benötigen, um die notwendige 60-Stimmen-Hürde zu nehmen. In jedem Fall wird man abwarten müssen. Diesen Prozess wird zoos.media daher natürlich auch begleiten.
