Robbe in Island auf Seetang | Foto: Waitblock, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Zoos: Lehmann, Marcant & eine faire „Diskussion“?

Exklusiv für zoos.media – 17.02.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Bei Marcant sollte mit Robert Marc Lehmann über Zoos & Aquarien diskutiert werden – anscheinend sollte auch zoos.media teilnehmen. Dieser Artikel schaut auf die Hintergründe einer fragwürdigen Anfrage, eines noch fragwürdigeres Konzeptes und auf unbeantwortet gebliebene Fragen.

Winkende Robbe im so genannten Fokarium der Meeresstation des Instituts für Ozeanographie der Universität Danzig | Foto: Mateusz Włodarczyk, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Zoos: Lehmann, Marcant & eine faire „Diskussion“?

Am 03. Februar 2026 flatterte eine Drehanfrage ins zoos.media-Postfach. Gerichtet war es an einen Verein mit dem Namen „Zoo Media“. Allerdings gibt es einen solchen gar nicht. „Sie bzw. Vertreter:innen Ihres Vereins“ wurden „herzlich“ eingeladen, doch zu einem Dreh am 15. Februar 2026 nach Leipzig zu kommen.

Urheber der Mail war die Formatentwicklung „Marcant“. Die angegebene Adresse lautet auf ein Ort, für den auch virtuelle Büros angeboten werden. Dort „sitzen“ über 200 Unternehmen. Im YouTube-Impressum hingegen wird für Marcant eine andere Adresse angeben. Statt Hamburg ist es dort St. Augustin. Die findet man auch bei einem Online-Impressumsservice.

Altbekanntes Konzept

Marcant befindet sich zum Beispiel gerade in einer Art Reaction-Serie mit dem Kanal Gio unzensiert, die behauptet, in dem Zusammenhangen seien Lügen über die Protagonistin verbreitet worden. Der Kanal Marcant ist vor allem wegen einem „Aktivismus“ gegen Rechts durch die etablierten Medien gegangen. Grob gesagt konfrontiert er Rechte auf Demos mit seiner Meinung in Kurzvideos.

Das ist eine recht etablierte mediale Form auf Social Media. Man kennt es von unterschiedlichen politischen Lagern. Es nimmt Anlehnung an das bekannte Konzept einer Straßenumfrage. Allerdings ist bei diesem Ansatz – unabhängig, wer ihn gerade nutzt – immer wieder durchaus der Vorwurf im Raum, das ist der Kürze zwar die Würze nicht fehle, sehr wohl aber die wirklich tiefgreifende Auseinandersetzung.

Solcher Content lebt von Konfrontation. Die ist unterhaltsam für die jeweilige Bubble, die sich positionsmäßig dem jeweiligen Protagonisten verbunden fühlt. Die Antagonisten können in solchen Videos, besonders in Bezug auf die Rezeption der Zielgruppe, nicht wirklich einen Blumentopf gewinnen. So entsteht ein etabliertes, altbewehrtes, aber recht repetitives Konzept. Das weiß der Kanal Marcant durchaus erfolgreich zu nutzen.

Marcant & Lehmann

Allein in den 1990er Jahren wurden über 400 in Menschenobhut geborene Balistare im Nationalpark Bali Barat ausgewildert. | Foto: Cendrawasih14, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Diskussionsformat über Zoos war nicht das erste Zusammentreffen vom der „Mission Erde“-Bubble und dem Marcant-Kanal. So berichtete dieser über eine Anti-Zoo-Demo, die im wesentlichen auf falschen Narrativen basierte, die aber in der Berichterstattung seitens des Marcant-Kanals nicht wirklich hinterfragt wurden.

Auch sonst konnte man durchaus zustimmenden Content seitens der Marke Marcant in Richtung von Robert Marc Lehmann, wie etwa hier, sehen. Dabei war eben dieses Thema des Videos durchaus kontrovers auch auf YouTube diskutiert worden. Sehr kritisch wurde in dem Zusammenhang zum Beispiel der „Mission Erde“-Shop betrachtet, wie etwa hier. Aber auch in diesem Fall sparte sich Marcant wohl das allzu kritische Hinterfragen.

Es spricht nichts dagegen, dass YouTuber kooperieren. Vielmehr ist es von der Plattform sogar gewünscht. Die Frage ist nur aber in dem Fall einer Diskussion, inwiefern der Kanal Marcant dann eine sinnvolle Plattform für ein solches Format sein kann. Daher warf die Anfrage in Richtung zoos.media entscheidende Fragen auf. Aus diesem Grund haben wir die als Antwort versendet. Allerdings gab es bis Ablauf der Frist am 15.02.2026 keine Reaktion.

Unabhängiger Faktencheck?

Gorillanachwuchs im Zoo Duisburg | Foto: zoos media, Lizenz: Erlaubnis des Fotografen

So wurde von zoos.media gefragt, wie es etwa zur Idee für das Format kam und in welchem Zusammenhang es mit der Live-Tour steht. Genauso wäre die Finanzierung des Formats interessant gewesen: „Wie viel Geld fließt an die eingeladenen Teilnehmer und den Protagonisten? Wie wird der Gewinn, den Ihr Kanal mit dem Video macht, an wen ausgeschüttet?“ Es wurde schließlich eine Leistung angefragt. Da will man ja auch wissen, für wen man die erbringt.

Offenbar war das seitens der Marke Marcant aber ebenso wenig beantwortbar wie, welche Veränderungen bei Marcant sich denn ergeben hätten, warum man plötzlich angeblich „sachlich fundiert und frei von ideologischen Verzerrungen“ über den Sachverhalt berichten wolle. In der Berichterstattung über die genannte Demo war das ja bereits nicht wirklich gelungen. Da übernahm der Kanal die wesentlichen Narrative von Mission Erde statt ein differenzierteres Bild zu zeichnen.

Darum bot zoos.media auch an, bei einem in Aussicht gestellten „Faktencheck-Konzept“ auf Basis von über 10 Jahren Erfahrung konstruktiv mitzuarbeiten. Auch darauf gab es keine Antwort. Vielleicht, weil zoos.media schon oft die Anti-Zoo-Vorwürfe aus Richtung Mission Erde widerlegen konnte? Das kann man an dieser Stelle wohl nur mutmaßen.

Wie ernstgemeint war die Anfrage am Ende?

Diego, eine Hood-Island-Riesenschildkröte (Chelonoidis hoodensis) an der Charles Darwin-Forschungsstation in Santa Cruz auf Galapagos | Foto: Kaldari, Lizenz: CC0 1.0

Offenbar hatte man bei Marcant für zoos.media die Rolle der „Stimme des Pro-Zoo-Engagements“ vorgesehen. Anscheinend hatte man bei der Recherche nicht nur ignoriert, dass zoos.media kein Verein ist und nicht „Zoo Media“ heißt, sondern auch zahlreiche zookritische Beiträge auf unseren Plattformen. Daher hätte zoos.media diese Rolle so gar nicht ausfüllen können.

Es fehlt anscheinend gänzlich an einer ernsthaften Beschäftigung mit zoos.media als Plattform, aber auch mit legitimen Fragen, die als Antwort auf die Anfrage auftauchten. So könnte man auf die Idee kommen, dass auch an dieser Stelle eine wirklich tiefgreifende Befassung mit dem Thema Zoo gar nicht zur Diskussion steht.

Das Interesse reicht wohl nicht mal tief genug, genau zu recherchieren, wen man da einlädt oder dann Fragen zum Format zu beantworten. Allerdings ist es durchaus nachvollziehbar, denn am Ende lebt der Kanal von einer schnellen Konfrontation, bei der man am nötigen Tiefgang durchaus zweifeln kann. Ist das eine geeignete Plattform um über Zoos zu diskutieren? Da kann man nicht zustimmen.

Verständliche Absagen

Sumatra-Nashorn Ratu mit Nachwuchs – ein Zuchterfolg, der dank Zoologischen Gärten möglich wurde. | Foto: International Rhino Foundation, Lizenz: CC BY 2.0

Schon bevor zoos.media die Anfrage erreichte, haben wir von „baugleichen“ Anfragen an andere Personen Kenntnis erlangt. Auch bei denen hielt sich das Vertrauen in das Format wohl in Grenzen. Sie sahen von einer Zusage ab.

In der Anfrage ging es auch um „Diskussionskultur“. Daraufhin fragte zoos.media, wie man denn diese möglich sähe mit einem Protagonisten, der andere in einem Video als „Heiopeis“ bezeichnete, und „wie stehen Sie zu solchen Aussagen beziehungsweise generell Hass im Internet?“ Darauf gab es auch keine Antwort. Jetzt kann man sich fragen, woher das notwendige Vertrauen für das Format kommen soll, wenn man sich nicht mal in so einem Zusammenhang positionieren kann.

Wenn man nicht mal so einfache Fragen, seitens eines Angefragten, beantworten kann, wird schnell verständlich, warum dann aus manchen Anfragen nichts wurde. Zudem ist das in Aussicht gestellte Jubilee-Konzept für die eingeladenen ohnehin nicht sonderlich sinnvoll. So war schon durch diese Wahl vorhersehbar, dass es um Konfrontation im Sinne der Inszenierung des Protagonisten des Formats geht. Das ist nämlich oft das Ergebnis solcher Art von „Diskussion“.

Was bleibt?

Die Form der Zähne und des Kopfes waren Inspiration für den Namen der Kegelrobbe. | Foto: Christian Rosenbaum, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Durch solche Konstruktionsfehler des Formats, die offensichtlich sind, wird das Video wohl nicht über Bubble-Pleasing hinauswirken. Das mag für die Markten Marcant und Mission Erde, für letztere gibt es aktuell auch eine Live-Tour zu verkaufen, lukrativ sein. Die Diskussion über Zoos und Aquarien wird das wohl eher nicht voranbringen.

Vielmehr scheint die Diskussion als Vehikel zu dienen. Das Thema Zoo wirkt eher wie das Objekt einer Inszenierung statt wie das Subjekt einer Beschäftigung. In welche Richtung diese Inszenierung geht, ist absehbar. Bisher haben die Attacken von Influencern gegen Zoos und Aquarien ohnehin keine messbaren Früchte getragen. Obwohl so mancher YouTuber ordentlich feuerte, waren die Argumente schnell widerlegt und der Besucherzahlen-Trend in deutschen zoologischen Institutionen ist stabil bis steigend.

Ein Trendumkehr ist von dem Format hier also auch nicht zu erwarten. Die Menschen, die die Vorwürfe aus dieser Richtung für wahr halten, gehen ohnehin nicht in Zoos und Aquarien. Diejenigen, die Zoos und Aquarien mit offenen Augen besuchen, erleben jedes Mal live die Widerlegung dieser Vorwürfe. Sie wissen es schon lange besser.

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