Der Orca Keiko bezahlte das Scheitern des Auswilderungsversuchs mit seinem Leben. | Foto: U.S. military or Department of Defense, Lizenz: public domain

Wird aus „Killing Keiko“ bald „Killing Timmy“?

Exklusiv für zoos.media – 23.04.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Was bei Keiko (tierschischer Hauptdarsteller bei „Free Willy“) schon scheiterte, soll nun bei Timmy funktionieren? Eine neue „Experten“-Crew wirft Fragen auf.

Sea Pen in der Bucht von Klettsvík (Heimaey, Island) | Foto: Hansueli Krapf, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Wird aus „Killing Keiko“ bald „Killing Timmy“?

Der Name Charles Vinick ist für treue Follower von zoos.media nicht unbekannt. Er soll vermittelt haben, dass Jeffrey Foster, Michael Partica und Kyra Wadsworth nun das „Rettungsprojekt“ für den Timmy genannten Buckelwal in der Ostsee verstärken sollen. Deutsche Medien gehen mit dem Team überraschend unkritisch um. Die Genannten stammen aus dem Umfeld vom Whale Sanctuary Project und den Friends of Toki.

Das Whale Sanctuary Projekt scheitert seit Jahren am Aufbau eines fragwürdigen Netzkäfig-Projekts in Kanada. Außer hohen Funktionärsgehältern und einem Zelt wurde kaum Nennenswertes zustande gebracht. Thema von Friends of Toki war das gescheiterte Projekt, die betagte Orca-Dame Lolita, die auch Toki genannt wurde, in eben dieses nicht existente Netzkäfig-System zu bringen. Das Tier, das vorher Jahrzehnte in der Obhut von Tierhaltungsexperten des vorherigen Besitzers vom Miami Seaquarium überlebt hatte, starb nach kurzer Zeit in der Obhut der Aktivisten.

Erst angebliche gesund, dann plötzlich tot

Lolita, auch Toki oder Tokitae genannt, im Miami Seaquarium in Florida | Foto: Katie Mortus (Orzechowski), Lizenz: Erlaubnis der Fotografin

Das Obduktionsergebnis von Lolita bestätigte eine falsche Gesundheitseinschätzung im Rahmen dieser Kooperation zwischen dem Neueigentümer vom Miami Seaquarium und auch Friends of Toki. Das Tier war nämlich chronisch krank und hätte weder den Transport in den Netzkäfig noch das Leben darin langfristig überleben können. Das war allerdings von den Verantwortlichen ignoriert worden.

Wenige Tage vor ihrem letztendlichen Tod war im Zusammenhang mit Lolita noch von „good health“ gesprochen worden. Man hatte auch die Futterration für die Orca-Dame verkleinert. Dies wird ziemlich sicher auch zu einer Verschlechterung der chronischen Krankheiten beigetragen haben. So gab es den Verdacht, man habe Lolita im Rahmen des Projekts zu Tode gehungert.

Die Obduktion war letztendlich die Bankrott-Erklärung für das Projekts gewesen. In Deutschland haben das viele nicht mitbekommen. Das Projekt hatte eine finanziell durchaus spannende Geschichte, denn über das WSP konnten auch die Ausgaben von der Organisation Friends of Lolita, die Vinick mitgegründet hatte und aus der später Friends of Toki wurde, abgewickelt werden. Wie viel Geld am Ende für was genau gebraucht wurde, wurde dabei intransparent behandelt.

Massive Fehler bei Keiko

Wie deutschen Medien aber korrekt aufführen, war Vinick auch Teil des Projekts zur Auswilderung vom Schwertwal Keiko, das in einem Desaster endete. Einer der massiven Fehler war ein gefährlicher Trugschluss. Nachdem Keiko nach Norwegen geschwommen war, nahm das Team eine Umfangsmessung des Orcas vor. Dem Team war wohl nicht bewusst gewesen, dass Orcas sechs Wochen ohne Nahrung auskommen können, ohne dass dies entsprechend messbare oder sichtbare körperliche Auswirkungen hat.

Man hielt das Tier also für gesund und war anscheinend überzeugt, dass der Orca selbst gefressen habe. Das war aber wohl tatsächlich nie der Fall gewesen. Auch er wurde, wie Lolita viele Jahre später, weniger gefüttert. Er könne sein Futter ja selbst finden. Das tat er nicht. Chronische Hydration schwächte seine Organe. Als dann eine Lungenentzündung kam, hatte er ihr nichts mehr wirklich entgegenzusetzen. In einer Nacht versagten seine Kräfte. Er sank auf den Meeresgrund und ertrank qualvoll.

Bis heute werden von der Tierrechtsindustrie und ihren Kollaborateuren diese Fakten geleugnet. Ein ehemaliger Projektbeteiligter stellte es in seinem Buch „Killing Keiko“ erst Jahre später klar. Trotzdem versucht man diese Fehler weiter zu vertuschen. Das geschah auch im Zusammenhang mit dem Whale Jail, wo sich unter anderem auch Vinick wieder engagierte. Genau wie Lolita und Keiko überlebten auch diese Orcas dieses Engagement von Tierrechtsindustrie und Kollaborateuren nicht langfristig.

Wieder nur ein Marketing-Stunt

Buckelwal in der Dominikanischen Republik | Foto: Christopher Michel, Lizenz: CC BY 2.0

Zuletzt war die fragwürdige Aktivistin Jenna Wallace eingeflogen worden und schon nach wenigen Tagen wieder abgereist. Nun soll also der nächste Langstreckenflug die „Rettung“ bringen. Dabei macht das Projekt schon jetzt keine gute Figur. Ein Statement über angebliche Zähne vom Buckelwal sorgte für Verwunderung. Die Applikation von Zinksalbe war massiv fragwürdig.

Immer wieder gibt es im Zusammenhang mit dem Projekt Fehleinschätzungen des Verhaltens des Tieres. Das angebliche „Freischwimmen“ wurde nicht als Teil vom „Dead Man Working“-Effekt erkannt. Dann kam man noch auf die Idee, das Tier zu füttern, was auch mehr als fragwürdig ist. Es geht also eigentlich schon genug schief.

Was jetzt die nächsten fragwürdigen Experten, deren „Erfolgsbilanz“ mit Walen man jetzt nicht unbedingt als sonderlich positiv bezeichnen könnte, für das Tier bringen sollen, ist fraglich. Viele andere Walexperten, die man wohl für deutlich erfahrener und erfolgreicher bei der Behandlung von Cetaceen halten könnte, werden weiterhin nicht einbezogen.

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