Orca im Marineland Antibes (2009) | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Schließung ein Jahr her: Schicksal von Marineland-Orcas weiter unklar

Exklusiv für zoos.media – 11.02.2026. Autor: Philipp J. Kroiß

Vor etwas mehr als einem Jahr schlossen sich die Pforten vom Marineland Antibes für immer. Immer noch warten die Orcas und Großen Tümmler auf ein neues Zuhause.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Auge in Auge mit einem Orca – das war im Marineland Antibes möglich. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Schließung ein Jahr her: Schicksal von Marineland-Orcas weiter unklar

Kommt etwa ausgerechnet am Rosenmontag Bewegung in die Sache? Laut französischen Medien will das Ministerium für ökologischen Wandel den Fall genau an diesem Tag wieder aufnehmen. Dabei sollen mögliche Lösungen für Wikie und Keijo geprüft werden.

Viel verändert hat sich nach einem Jahr nicht. Die zuständigen französischen Politiker sind für einige Irrfahrten verantwortlich. Wirklich vorangekommen sind sie nicht. Die Tiere im Marineland sind weiterhin politische Geiseln. Sie entblößen das Versagen der Regierungsverantwortlichen. Mehr und mehr wird wohl aber auch ihnen klar, dass sie mit der Tierrechtsindustrie auf falsche Pferd gesetzt haben.

Loro Parque weiterhin eine Option

Morgan und ihr Sohn Teno im Orca Ocean des Loro Parque (April 2025) | Foto: Loro Parque

Die wohl neuste Nachricht in dem Zusammenhang ist, dass der renommierte und tierschutzzertifizierte Zoo Loro Parque wieder offiziell als Option in Betracht gezogen wird. Zuletzt war der öffentlich-rechtliche Sender France 3 Côte d’Azur vor Ort. Dort steht die modernste Orca-Installation der Westlichen Welt für die beiden Schwertwale bereit.

Ein bereits anberaumter Transfer hatte vor Monaten aufgrund einer inzwischen ein Gericht beschäftigenden Entscheidung nicht stattfinden können. Dieser fragwürdige Vorgang hatte dazu geführt, dass die französische Regierung ein noch nicht mal gebautes Netzkäfig-System in Neuschottland für die Tiere vorsah. Das sorgte für internationalen Widerstand. Nur wenige Monate zuvor war man seitens der Regierung noch gegen das Whale Sanctuary Project gewesen.

Ein ehemaliger Trainer aus dem Marineland, der jetzt im Loro Parque arbeitet, äußerte gegenüber den französischen Medien, dass die Tiere miteinander kompatibel sein könnten, wenn die Zusammenführung sorgfältig erfolgt. Das bekräftigt die von seriösen Experten schon von Beginn an favorisierte Lösung die Tiere in den kanarischen Zoo zu bringen. Platz genug ist da.

„Halb so wild, denkt ihr jetzt vielleicht? – Doch, und wie!“

Orca-Show im Jahr 2013: Die fünf Orcas des Marineland Antibes starten zum Sprung. | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Auf LinkedIn findet der für Meeresbiologie zuständige Wissenschaftliche Direktor der Loro Parque Stiftung Martin Böye sehr deutliche Worte zu den Sanctuaries, die von der Tierrechtsindustrie vorgeschlagen werden. Er warnt davor, dass Inhalte, die auf den ersten Blick positiv oder faktisch fundiert erscheinen, bei genauerer Betrachtung oft irreführend sind.

Seiner Ansicht nach werden die komplexen Themen rund um die Haltung von Meeressäugern häufig oberflächlich oder verzerrt dargestellt, um eine schnelle Zustimmung der Bevölkerung zu gewinnen. Ein zentraler Punkt der Kritik ist die Diskrepanz zwischen Behauptungen – etwa über Sanctuaries – und der tatsächlichen Realität.

Abschließend unterstreicht der Autor die Ernsthaftigkeit der Situation. Er findet es wichtig Fragen zu stellen wie: „Wer orchestriert diese Narrative und profitiert wirklich davon?“ und „Wer trägt die Kosten?“. Schließlich seien Sanctuaries die scheinbare Lösung eines ausgedachten Problems. Delfinen, wie Orcas und Großen Tümmlern, geht in seriösen zoologischen Institutionen gut.

Wie geht es den Tieren in Delfinarien wirklich?

Wissenschaftliche Ergebnisse sprechen eine klare Sprache, was das Wohl der Tiere anbelangt. Große Tümmler, die weltweit verbreitetste Delfin-Art in Zoos und Aquarien, sind gesünderweniger gestresst und leben auch länger als ihre wilden Artgenossen. Während des Trainings, das für die Tiere freiwillig ist, schütten sie Glückshormone aus und freuen sich auf die Interaktion mit den Trainern.

Über 150 Experten betonen die Wichtigkeit von Meeressäuger-Haltung in seriös geführten zoologischen Institutionen. Auch seriöse Tierschutzorganisationen, wie die American Humane Society, stellen sich deutlich auf die Seite der ordentlich geführten Delfinarien sowie der von Zoos und Aquarien generell, die diese und andere Wale beherbergen. Rückenwind erhielt diese Position auch durch eine umfassende Tierwohl-Studie zum Thema.

Sanctuaries geben also vor ein Problem zu lösen, das es gar nicht gibt. Damit bereichert sich die Tierrechtsindustrie und erspielt sich Einfluss – politisch wie medial. Die scheinbare Lösung ist aber keine. Solche Sanctuaries funktionieren nicht mal. Das machen auch wissenschaftliche Arbeiten wie Bruck (2024) sowie Almunia & Canchal (2025) deutlich. Die Chronologie bisheriger Versuche ist eine Historie des Scheiterns.

Wie geht es nun weiter?

Trainerin und Orca haben Freude an der gemeinsamen Interaktion im Marineland Antibes. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Viele erwarten für den Rosenmontag eine finale Weichenstellung. Allerdings hat man vorher auch immer wieder solche abschließenden Entscheidungen angeblich getroffen und wenige Tage, Wochen oder Monate später war dann doch wieder alles offen. Realistischer ist es, ein fortgesetztes Scheitern der Regierung zu erwarten.

Die französische Politik sieht sich derweil weiter unter Druck. Die Tierrechtsindustrie pusht nach wie vor, obwohl sämtliche Fakten dagegen sprechen, ihre Sanctuary-Idee. Sinn ist es natürlich mit dem Luftschloss noch mehr Geld machen zu können.

Für sie ist das natürlich lukrativ: Ein Sanctuary, das wahrscheinlich nie gebaut wird und für das man vermutlich niemals zahlen muss, generiert quasi Spendenaufkommen als Reingewinn. Dafür kann man dann auch mal all die gescheiterten Versuche ignorieren, die auch Millionen generiert haben, ohne einen entscheidenden Vorteil für die Tiere zu erzielen.

Weiter tote Pferde reiten?

Die Orcas waren die „Stars“ vom Marineland Antibes. Die Besucher kamen hauptsächlich, um sich von der tierschutzzertifizierten Haltung begeistern zu lassen. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Nun will das Sanctuary, nachdem es nach 10 Jahren nur rund 8 Millionen sammeln konnte und davon nicht wirklich mehr als ein Zelt und hohe Funktionärsgehälter finanzieren konnte, schnell mal 15 Millionen sammeln. Dabei sind, wie bereits in verschiedenen Artikel dargestellt, wesentliche rechtliche Hürden noch gar nicht genommen.

Die Frage wird sein: Lässt sich die französische Regierung weiter Sand in die Augen streuen? Im Sinne der Tiere ist zu hoffen, dass sie das nicht tut. Die beiden Orcas könnten längst im Loro Parque eine neue Familie haben und von wesentlichen Nachteilen, die die aktuelle Haltung im geschlossenen Marineland hat, befreit sein. Stattdessen sind sie weiter Geiseln der Politik.

Die Zeit drängt. Jeder Tag, an dem sich die französische Regierung überzeugen lässt, weiter auf dem sprichwörtlichen toten Pferd zu reiten, ist ein Raubbau an der Überlebenschance von Wikie und Keijo. Bald wird ihre Zeit abgelaufen sein. All das hätte nicht sein müssen, wenn die französische Regierung sich von der Tierrechtsindustrie nicht so hätte beeinflussen lassen.

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