Exklusiv für zoos.media – 17.02.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Für Millionen Orca-Freunde, die um Wikie und Keijo bangen, gibt es eine gute und mehrere schlechte Nachrichten nach dem Meeting am Rosenmontag in Frankreich.

Orcas: Frankreich tritt weiter auf der Stelle
Erneut gab es keine Entscheidung für die Orcas im geschlossenen Marineland Antibes im Frankreich. Die wurde auf März vertagt. Somit ist noch nicht aller Tage Abend. Allerdings rückt der Zeitpunkt dafür näher und näher.
Für die Großen Tümmler wurde, laut Medien-Berichten, wie diesem hier, ein Projekt im ZooParc de Beauval bewilligt. Allerdings ist in dem Zusammenhang eine Charta zur „restreindre la reproduction“ im Gespräch. Wörtlich übersetzt bedeutet eine „Zuchteinschränkung“. Was das praktisch bedeutet, ist unklar. Von „interdire la reproduction“ (=“Zuchtverbot“) war keine Rede. So eine Vorschrift würde in Tierquälerei münden. Es gibt keinen tiergerechten Weg die Zucht von Delfinen unmöglich zu machen.
Bald Transport in den Loro Parque?
Der Loro Parque hatte in den letzten Tagen nochmal deutlich gemacht, für die Orcas bereit zu sein. Mehr und mehr hat sich wohl auch die französische Regierung des Eindrucks nicht erwehren können, dass die Sanctuaries, die die Tierrechtsindustrie in Aussicht gestellt hatte, nicht mehr als Luftschlösser waren. Ganz davon verabschieden will man sich, trotz offensichtlicher Hürden, wohl noch nicht. Das tote Pferd soll weiter geritten werden.
Den Loro Parque bezeichnete man als „Notlösung“. Sie solle besonders dann zum Tragen kommen, wenn sich der Zustand der Becken verschlimmern würde. Die beiden Orcas bleiben also weiter politische Geiseln der Regierung. Die Journalistin Marianne Enault schrieb auf LinkedIn, die beiden Orcas seien „zu einer Art Sinnbild französischer Stagnation geworden“.
Notfall in Aussicht?

Die Becken sind nach wie vor in keinem guten Zustand. Behauptungen, den Tieren würde es trotzdem gut gehen, sind nicht wirklich objektiv nachprüfbar. Das Marineland betont bereits seit geraumer Zeit eine „extreme Dringlichkeit“ eines Transfers. Unterstrichen wird das durch einen aktuellen Bericht zum Zustand der Becken. Dieser wurde auch schon medial in Frankreich zum Thema, wie zum Beispiel hier.
Die fragwürdige NGO Sea Shepherd hatte eine Untersuchung der Lage in Auftrag gegeben. Richtig zufrieden kann die Anti-Delfinarien-Organisation damit aber wohl nicht sein. Die Darstellung vom Marineland Antibes wurde deutlich bestätigt. Es ist von fortgeschrittenen strukturellen Schäden die Rede. Die Installation sei jederzeit von Einsturz bedroht.
Zudem wies die Untersuchung daraufhin, dass die Haltung von nur zwei Delfinen in Frankreich nicht legal ist. Eine minimale Gruppengröße von drei Tieren ist vorgeschrieben. Das ist ein besonders interessanter Hinweis. Würde die französische Regierung also eine fortgesetzte Duo-Haltung der beiden Orcas, wie etwa in einem Sanctuary, ermöglichen, würde sie gegen die eigenen Tierschutz-Statuten infrage stellen.
Transport in den Loro Parque final?

Die gute Nachricht ist: Kommt es zu einem Notfall, ist der Loro Parque nun gesichert das Mittel der Wahl. Die französische Regierung geht dann auch davon aus, dass die Tiere dort bleiben würden. Sollten die Orcas Antibes verlassen, „würden sie sich wahrscheinlich nicht wieder bewegen“, erklärte das Ministerium, da „es gefährlich wäre, sie mehrmals umzusiedeln“.
Das stimmt allerdings eingeschränkt. Für Wikie ist das sicher zutreffend. Im Falle von Keijo ist allerdings zu sehen, dass die Bindung zwischen Mutter und Sohn nicht sonderlich groß ist. Es wäre also nicht „gefährlich“ ihn von ihr zu trennen. Solche Abwanderungen von Söhnen aus der Mutterlinie sind auch normal, um Inzucht zu verhindern.
Dass es allerdings Interesse an Keijo für Zuchtprogramme gibt, ist unwahrscheinlich. Er ist das Ergebnis eines Unfalls: Seine Eltern sind Halbgeschwister. Solches Inzucht-Verhalten ist für die Wissenschaft spannend, weil es auch in der Natur überraschend oft beobachtet wird. Für die Forschung ist er somit interessant, aber für genetische Diversität der Orca-Population in Menschenobhut ist er wohl nicht relevant.
Erwartungshaltungsmanagement ist wichtig

An dieser Stelle ist es entscheidend, realistisch in die nächsten Wochen zu gehen. Wikie und Keijo sind noch nicht gerettet. Eine gute Zukunft für die beiden Orcas ist aber wieder wahrscheinlicher. Diese würde ein Transport in den Loro Parque eröffnen. Dafür steht die Tür nun offen.
Je länger aber dieser Transport noch herausgezögert wird, desto schwieriger wird die Aufgabe des Loro Parque. Er übernähme dann Tiere in keinem idealen Zustand. Erst die Zeit wird zeigen, wie es ihnen wirklich geht. Wie werden sie sich von der französischen Hängepartie erholen? Das weiß niemand.
Sehr deutlich ist aber, dass die Tiere die besten Chancen im Loro Parque haben. Nirgendwo auf der Welt ist ein guter Ausgang ihrer Geschichte wahrscheinlicher. Wikie und Keijo haben dort die Chance auf eine neue Familie und eine gesunde Zukunft. Für Morgan konnte der Loro Parque das schon schaffen. Das gibt Hoffnung.
