Exklusiv für zoos.media – 31.03.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Echte Hilfe oder letztendlich nur Marketing? Die Aktion von Robert Marc Lehmann, sich dem gestrandeten Buckelwal zu nähern, wirft Fragen auf.

Robert Marc Lehmann: Wal-Show in der Lübecker Bucht
Der YouTuber Robert Marc Lehmann bezeichnet sich als studierter Diplom-Meeresbiologe, schrieb aber eben jene Diplomarbeit über Flusskrebse. Es kann sich aber eben letztendlich jeder als Meeresbiologe bezeichnen. Der Begriff unterliegt keinem besonderen Schutz.
Wer sich als Meeresbiologe sieht, für den war sicher der gestrandete Wal in der Lübecker Bucht – inzwischen ist er schon wieder woanders – ein Thema. Dort tauchte auch Robert Marc Lehmann auf. Er näherte sich dem Tier und machte wohl unter anderem Aufnahmen für seine Social-Media-Accounts, die später auch gepostet wurden. Der genaue Nutzen im Rahmen der Rettung dieser Aktion erschloss sich nicht ganz – Grund genug nachzufragen.
Deutsches Meeresmuseum findet klare Worte

Für ein paar Monate war Robert Marc Lehmann Teamleiter im Ozeaneum Stralsund gewesen, bevor das Arbeitsverhältnisses seitens des Museums beendet wurde, wie dies auf Anfrage mitteilte. Auch das bekannte Deutsche Meeresmuseum war schon vorher immer wieder zu dem Fall von Medien befragt worden und trägt inzwischen die Verantwortung. Wie stand man dort letzte Woche zu dieser Aktion?
„Uns ist daher nicht bekannt, wer aus welchem Grund Robert Marc Lehmann in die Strandungssituation einbezog“, erklärte das Deutsche Meeresmuseum gegenüber zoos.media – und weiter: „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum ein Influencer in ein Geschehen eingreifen konnte, das bereits von Fachleuten über Tage hinweg betreut wurde.“
Für diese Strandung war das Deutsche Meeresmuseum zum Zeitpunkt der Antwort nicht zuständig, betont aber: „Im Falle einer Strandung in unserem Zuständigkeitsgebiet würden wir lediglich dringend notwendige ausgewiesene Fachleute im Einsatzbereich zulassen. Es geht immer ausschließlich um das Tier und nicht um Reichweiten.“
Experten-Entgrenzung?
Das Deutsche Meeresmuseum gab gegenüber zoos.media auch zu bedenken: „Es lässt sich darüber streiten, ob hier eine gut gemeinte Kooperation stattfindet oder die Entgrenzung von fundierter Expertise durch Einflussnahme von Influencern begonnen hat. Berichterstattung wie heute mit der Bildüberschrift ‚Promi hilft Wal‘ suggeriert dies und wird offenbar von Teilen der Medien und der Öffentlichkeit mitgetragen.“
Damit weist das Deutsche Meeresmuseum auf die Rolle der Medien in dieser Frage hin. Wo nämlich die Hilfe für das Tier gewesen sein soll, beantworten diese den Einsatz lobende Artikel im Wesentlichen nicht. Stattdessen gibt es vor allem abenteuerliche Erzählungen, was der YouTuber angeblich erlebt haben wollte. Die Ausbeute oder der News-Wert dieser Aussagen sind aber mit dem Adjektiv „mau“ wohl noch euphemistisch beschrieben.
„[I]ch habe solche Situationen schon durchlebt und aktiv Wale gerettet, in Australien und Neuseeland. Und ich war weltweit bei mehreren Strandungen dabei, aber ich habe aktiv mit gerettet zwölf Wale, die auch noch leben“, zitiert der NDR Lehmann. Wie glaubhaft ist diese Schilderung? Er hat zwar Content zum Thema, zum Beispiel mit der fragwürdigen Aktivistin Ingrid Visser in Neuseeland, produziert. Wie „aktiv“ er dabei war, ist aber genauso fraglich wie er denn den angebliche Umstand nachweisen will, dass sie „noch leben“ würden.
12 Wale gerettet?

Zudem scheint es sich bei keinem der geretteten Wale um Buckelwale gehandelt zu haben. Es gibt eine Geschichte aus Neuseeland, die sich um den Orca Koru dreht und im Zusammenhang mit dem Dreh bei Visscher steht. Das junge Männchen mit der markant geknickten Flosse wurde nach seiner Rettung 2013 und dann 2021 nochmal gesehen. Der aktuelle Verbleib ist unbekannt.
Unter seinen Referenzen erwähnt Robert Marc Lehmann im Zusammenhang mit der australischen Regierung „Orca-Rettung und anschließendes Management von elf Individuen bei einer Walstrandung im Great Sandy Marine Park, Australien“. Die Strandung, die damit gemeint zu sein scheint, stellen die Queensland Nationalparks allerdings doch anders da. 2013 strandeten sieben Orcas. Zwei der Tiere starben, aber die Ranger des QPWS konnten, mit Unterstützung der örtlichen Fischereiaufsichtsbeamten von Queensland, die anderen fünf gestrandeten Orcas erfolgreich retten.
Diese fünf Tiere schlossen sich dann mit sechs weiteren Tiere zusammen. „Neun Tage lang überwachten und kümmerten sich die Ranger um das Wohlbefinden der wiedervereinigten Gruppe von elf Tieren“, hieß es weiter seitens der australischen Regierung. Ob die fünf geretteten Orcas noch leben, ist derweil nicht bekannt. Orcas unterscheiden sich aber ohnehin nochmal deutlich von Buckelwalen.
