Exklusiv für zoos.media – 30.03.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Im Fall des in der Ostsee immer wieder gestrandeten Wals braucht es Mut, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Die renommierte Tierärztin Dr. med. vet. K. Alexandra Dörnath hat ihn. In einem Statement spricht sie über die aktuell für den Wal beste Entscheidung.

Exoten-Kompetenz-Centrum: Tierärztin mit deutlichem Appell
Aktuell hängt er vor Wismar fest. Der Wal, der schon seit Tagen die Schlagzeilen bestimmt, ist in keinem guten Zustand. Fachleute haben ihn im Blick, während die deutsche Influencer-Szene darum zu kämpfen scheint, auch ihr Stück vom Kuchen abzubekommen. Die Disneyfizierung der Natur ist auf Social Media in vollem Gange.
Dabei gerät der Wal selbst immer mehr aus dem Blick. Er stellt aber nach wie vor ein ungelöstes Problem dar. Die renommierte Wildtierärztin Dr. Dörnath kennt Wale aus der Natur und aus Menschenobhut. Sie sagt deutlich: „Wir leben nicht im Disneyland.“ Daher hat sie in einem Statement klar Stellung bezogen. Statt medienwirksames Leidenlassen, plädiert sie dafür, das Tier von seinem offensichtlichen Leid zu erlösen.
Einschätzung des zoos.media-Beiratsmitgliedes Dr. Alexandra Dörnath
Die Fachfrau für Wildtiere und Tierschutz Dr. Kerstin Alexandra Dörnath, Master of Science in Wild Animal Health, hat eine deutliche Einschätzung zum moribunden Buckelwal-Individuum in der Ostsee. Dörnath hat eine unnachgiebige Haltung zum Tierschutz. Sie war 2024 Einzelsachverständige vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages zur Tierschutzgesetzesnovelle. Immer wieder wird sie auch als Sachverständige vor entsprechende Ausschüsse von Landesparlamenten geladen. Aktuell ist die international renommierte Fachfrau in einer Tierschutzangelegenheit sogar nach Mexiko eingeladen, um dort mit Bundespolitikern zu sprechen.
Dörnath plädiert für die dringende tierschutzkonforme Tötung des Wales, damit sein unheilbares Leid beendet wird. Das Tier habe eine infauste Prognose. Wer als Zoobetreiber, Circusinhaber, Landwirt, Forscher, Tierheimbesitzer oder Privathalter so mit seinem Tier umginge, bekäme zu Recht umgehend ein Tierhaltungs- und Tierbetreuungsverbot, so die Veterinärin. Ein stundenlanges „Vor-dem-Kopf-Getauche“ und ein „Anstupsen“ am Kopf dieses Tieres sei nicht im Sinne dieses Tieres, da es dies beunruhige.
Es braucht Mut, die unangenehme Wahrheit der Euthanasie gegenüber dem „romantisierten“ Zurückschieben ins offene Meer auszusprechen. Dörnath hat Mut und Rückgrat. Das zeigt sie auch in dem nun auf zoos.media exklusiv veröffentlichten Statement, das man hier in voller Länge lesen kann. Tierschutz bedeutet manchmal auch Entscheidungen zu treffen, die nicht leicht fallen.
„Tierschutz ist kein Wunschkonzert“
Es ist eine romantische Vorstellung, einen gestrandeten Wal einfach wieder zurück in die vermeintliche Freiheit zu schieben oder geleiten. Sogenanntes Refloating ist bei großen Walen aber fast unmöglich. Laut NOAA Fisheries (National Oceanic and Atmospheric Administration) strandeten im Zeitraum von 2006-2024 an der US-Westküste insgesamt 46 große Wale – hauptsächlich Buckelwale und Grauwale – lebend. 35 Tiere starben direkt am Strand, 3 Tiere mussten eingeschläfert werden und nur 8 Tiere gelangten zurück ins Meer.
Bei sechs dieser acht Tiere handelte es sich um einen sogenannten self release. Der wurde dank der Flut möglich. Nur zwei wurden aktiv durch menschliche Hilfe wieder in die Natur geleitet. Telemetrie-Daten zeigen, dass das optische „Wegschwimmen“ oft täuscht. Ein Wal, der mit letzter Kraft den Strand verlässt, hat die Folgen meist noch nicht überwunden. Bei einem Buckelwal wirken immense Kräfte, die selbst nach wenigen Stunden schon irreversible Schäden anrichten.
„Das bloße ‚Zurückschubsen‘ eines solchen Tieres ins Meer verlängert lediglich seinen qualvollen Todeskampf“, erklärt Dr. Dörnath in ihrem Statement. „Die einzige wirkliche Hilfe für dieses Tier ist seine Erlösung (Töten) von Leiden, Schmerzen, Schäden. Hierfür liegt ein vernünftiger Grund vor“, erklärt die Tierärztin. Die Expertin appelliert: „Wir dürfen den Tierschutz nicht mit einer Disney-Produktion verwechseln.“
