Asiatische Elefanten baden im Zoo Leipzig | Foto: Fiver, der Hellseher, Lizenz: CC BY-SA 4.0

VdZ präsentiert Studie zur Beliebtheit von Zoos & Aquarien

Exklusiv für zoos.media – 02.07.2020. Autor: Philipp J. Kroiß

In Berlin hat der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) eine Forsa-Umfrage zur Beliebtheit von Zoos und Aquarien in Deutschland veröffentlicht.

VdZ präsentiert Studie zur Beliebtheit von Zoos & Aquarien

Zur Veröffentlichung der Studie hielt der VdZ eine Pressekonferenz ab:

Sumatra-Orang-Utans im Pongoland des Leipziger Zoos (2017) | Foto: Fiver, der Hellseher, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Prof. Jörg Junhold, Präsident des VdZ, präsentierte eine 82%-ige Zustimmung zu Zoos, nur 12% lehnen Zoologische Gärten gänzlich ab. Als Grund dafür wurden eine Ablehnung der “Gefangenschaft” von Tieren genannt, generell nicht artgerechte Haltung und der Umstand erwähnt, dass es nicht der natürliche Lebensraum wäre, in dem Zootiere leben würden. Interessant ist, dass zwei dieser “Vorwürfe” falsch sind: Zootiere leben nicht in Gefangenschaft und der Begriff artgerecht ist schlicht durch neuste Forschung obsolet. Den natürlichen Lebensraum hingegen versuchen Zoos ja gerade zu erhalten und sind damit auch erfolgreich – viele Arten konnten bereits vor den Aussterben gerettet werden. Das weiß auch die überwiegende Mehrheit, die an Zoos und Aquarien nämlich gerade das Schützen und Erhalten von Arten schätzt, sowie den Kontakt zu und die Beobachtung von Tieren ebenso wie die Bedeutung von Zoos für Kinder.

Ebenfalls interessant an der Studie ist, dass es weder eine Mehrheit für ein Wildtierverbot in Zoos und Aquarien gibt, noch für ein Verbot bestimmter Tierarten. Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes, erklärte allerdings, dass er noch Ansporn sähe, über das Wohlergehen der Tiere allgemein aber auch bestimmter Tierarten noch mehr aufzuklären. Allerdings zeigte die Studie auch, dass man von einer Mehrheit für das Verbot bestimmter Tiergruppen oder Arten in Zoos weit entfernt ist. Jeweils 5 Prozent gaben an, dass sie nicht möchten, dass Bären, Löwen, Delfine oder Wale gehalten werden. Sechs Prozent sprachen sich dafür aus, dass es keine Elefanten mehr in Zoos geben soll. Nur zwei Prozent halten es für unangebracht, Affen in Zoos zu halten. Die Salami-Taktik der Tierrechtsindustrie, in die sie viele Millionen investiert, funktioniert also nicht.

Prof. Jörg Juhnhold erwähnte, dass es zudem noch Pressekonferenzen ähnlicher Art mit ähnlichen Ergebnissen in Österreich und der Schweiz gegeben habe. Nach der Präsentation der Daten, standen die Experten noch für Nachfragen bereit. In dem Zusammenhang wurde erklärt, dass die Studie im November online durchgeführt wurde mit rund 1.500 Teilnehmern in Deutschland ab 14 Jahren. Ansonsten zielten Nachfragen in Richtung der Auswirkungen der Coronakrise auf Zoologische Gärten. Gleichzeitig wurde der Stream auch online übertragen, wobei nicht die Livechat- oder Kommentarfunktion von YouTube genutzt wurde, sondern die Fragen sollten per Mail zugesendet werden.

PETA demonstrierte gegen Veröffentlichung

Die radikale Tierrechtsorganisation PETA demonstrierte vor der Pressekonferenz. Sie hatte zuvor Umfragen in Auftrag gegeben, die zu deutlich anderen Ergebnissen gekommen waren. Allerdings hatte PETA dabei auch fragwürdige Institute, wie zum Beispiel Insa, bemüht.

Zucht von Menschenaffen in Zoos: PETA teilt fragwürdige Meinungsumfrage

Die bereits zuvor angezweifelten Ergebnisse wurden durch die Umfrage, die der VdZ beim unabhängigen Institut Forsa in Auftrag gegeben hatte, letztendlich völlig widerlegt. Es zeigte sich deutlich, dass die Zahlen von PETA nicht stimmen. Nun wird sich die Organisation sicher den unangenehmen Fragen stellen müssen, wie es sein kann, dass ständig Spendengelder, für solche anscheinen völlig nichtssagenden Umfragen ausgegeben werden. Die Mittelverwendung von PETA warf ohnehin schon länger Fragen auf. Gerade die Prioritäten-Setzung bei den Ausgaben überraschte bereits seit Jahren.

Prof. Jörg Junhold im Interview

Blick in den Zoo der Zukunft: Gondwanaland, Zoo Leipzig | Foto: Frank Vincentz, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Im Anschluss an die Pressekonferenz nahm zoos.media auch die Gelegenheit wahr, Prof. Jörg Junhold zu interviewen. Im Anschluss an die Aussage während der Pressekonferenz, dass man das Wohlergehen der Tiere in Menschenobhut stärker kommunizieren wolle auf konkrete Strategien angesprochen, erklärt er: “Zu allererst müssen wir Zoos mit ordentlichen Gehegen haben – wo es noch Altlasten gibt, müssen diese sukzessive guten, modernen Anlagen weichen. Und dann hilft nur, authentisch zu sein, offen zu kommunizieren und sich nicht zu verstecken.” Auf die Demonstration von PETA angesprochen und nach einer Einschätzung gefragt, erläuterte er, dass die Menschen, die Zoos abschaffen wollen, eben nicht in der Mehrheit seien, was die Umfrage zeige und dass er in den Daten auch keinen Hinweis darauf sähe, dass die Schmierenkampagnen gegen Zoos und Aquarien in irgendeiner Weise erfolgreich wären.

Ebenfalls fragte zoos.media, wie man plane gegen Desinformationen vorzugehen, damit die Leute nicht zum Beispiel auf Schmierenkampagnen mit manipulierten Videos, wie etwa die von PETA gegen den Erlebnis-Zoo Hannover, künftig hereinfalle. “Wir Zoos sind – so glaube ich – auf einem ganz guten Weg dahin”, erklärte Prof. Jörg Junhold. “Immer mehr haben ihre eigenen Formate, ihre eigenen Kanäle in den sozialen Netzwerken. Wir sind nicht mehr zwingend abhängig von Medien, sondern können unsere eigenen Botschaften unmittelbar aussenden. Und wenn das gut gemacht ist, haben wir ein wunderbares Polster gegen Desinformationen.”

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