Die Wirtschaftskammer Tirol beziffert die gesamtwirtschaftliche Wirkung vom Alpenzoo Innsbruck auf rund 46.000.000€ und betont die Sicherung von 269 Arbeitsplätzen.
Das letzte Berg-Anoa der Westlichen Welt im Krefelder Zoo | Foto: zoos.media
Das Berg-Anoa kennt man eigentlich nur noch aus dem Krefelder Zoo. Dort lebt das letzte Botschafter-Tier dieser Art – zumindest in der so genannten Westlichen Welt. Zusammen mit dem Tiefland-Anoa (Bubalus depressicornis) sowie dem dem Molukken-Hirscheber (Babyrousa babyrussa), Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis), Togian-Hirscheber (Babyrousa togeanensis) und dem Banteng (Bos javanicus) gehören sie zu relativ unbekannten Vertretern der Huftiere. Gleichzeitig sind sie aber bedroht.
2015 wurden für die Tiere Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um für jede Art eine gesunde Ex-Situ-Population aufzubauen, die als Back-Up dienen soll. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber auch Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Population langfristig zu managen. Wichtig ist dabei natürlich auch der Erhalt der genetischen Diversität.
Durch den Austausch von Know-How kamen in indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans zustande (Stand: 2021). All das ist Verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen. Über 63 Zoos und Universitäten von vier Kontinenten beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.
Tamarau im Mount-Iglit-Baco-Nationalpark (2012) | Foto: Gregg Yan, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Nur auf der zu den Philippinen gehörenden Insel Mindoro leben überhaupt Tamaraus und da auch nur in zwei kleinen Schutzgebieten. Früher bewohnte das Rind die ganze Insel und auf einer Nachbarinsel ist die Art schon ausgestorben. Eine Herausforderung ist aber schon die Zählung und Überwachung der Populationen, allerdings sind Mensch-Tier-Konflikte in diesem Zusammenhang ein großes Problem. Hier arbeitet man auch an Mediation.
Zudem werden bessere Beziehungen zu den indigenen Gruppen aufgebaut, deren angestammtes Gebiet sich mit den Grenzen der größten Subpopulation überschneidet. Stammesführer der betroffenen indigenen Gemeinschaften sind inzwischen bereit, die strenge Schutzzone für das Tamarau gemäß den Stammesgewohnheitsgesetzen zu erweitern. Das gibt den Tamaraus mehr Raum und soll die Konflikte zwischen Mensch und Tier verringern.
Mit 427 Individuen im Jahr 2021 gab es einen deutlichen Anstieg. Im Jahr 2000 waren es nur noch 154 Tiere gewesen. Dies ist ein klarer Beweis für den erfolgreichen Schutz in der Region. Zoos auf der ganzen Welt haben sich engagiert und werden sich weiter engagieren. Beteiligt sind zum Beispiel die Zoologische Gesellschaft von London, der Tierpark Berlin, der Phoenix Zoo und einige andere mehr.
Gilt als die seltenste Gans der Welt: die Hawaiigans | Foto: Bettina Arrigoni, Lizenz: CC BY 2.0 DEED
Lokal wird die Art – in lautmalerischer Anlehnung an ihren Ruf – Nene genannt. Sie trägt auch im wissenschaftlichen Namen ihre Herkunft, denn früher kannte man Hawaii auch unter den Namen Sandwich-Inseln. Die Population war Mitte des 20. Jahrhunderts auf 30 Tiere zusammengeschrumpft. Dass es nun wieder fast 4.000 Tiere in der Natur gibt [Stand: 2022] ist modernen Zoologischen Gärten zu verdanken. Ohne Zoos wäre die Art wohl ausgestorben. Nach wie vor gilt sie als seltenste Gänse-Art der Welt. Die Arbeit ist also auch noch nicht beendet.
Nach wie vor steigen auch immer mehr Zoologische Gärten in die so wichtige Haltung der Tiere ein, wie zum Beispiel der Woodland Park Zooim Jahr 2023. Das ist wichtig, denn auch heute noch sind die Nene in ihrem natürlichen Lebensraum Bedrohungen ausgesetzt. Menschen, die sie füttern, gewöhnen sie an sich und Autos. Das Problem ist, dass die Gänse deshalb die Nähe zu Menschen und Autos suchen, was wiederum Kollisionen mit schnell fahrenden Autos begünstigt.
Bantengs im Tierpark Hellabrunn – die asiatischen Rinder sind bedroht. | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Diese besonderen Rinder sind nicht mir ihrer domestizierten Form, dem Balirind, zu verwechseln. Sie sind nämlich stark bedroht. Mit Hirschebern und Anoas sind sie Teil eines Projekts, das sich unterrepräsentierten asiatischen Huftieren annimmt. Bantengs gelten nach einem Verlust von 50% der Wildpopulation seit 2016 als gefährdet.
2015 wurden für die insgesamt sechs Arten Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um möglichst große Ex-Situ-Populationen aufzubauen. Sie sollen als Absicherung dienen. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber zudem Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Populationen langfristig zu etablieren. Wichtig ist dabei natürlich eine große genetische Diversität.
Durch den Austausch von Know-How konnte man in indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans bereits [Stand: 2021] zustande bringen. All das ist verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen – wie zum Beispiel erfolgreiches Monitoring der Banteng-Bestände in der Natur. Über 63 Zoos und Universitäten weltweit beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.
Die Europäischen Bisons sind keine Bisons aus der Prärie, sondern sie leben vielmehr in den Wäldern. Als die gerodet wurden, ging es auch den Wisenten an den Kragen. 1927 wurde der letzte seiner Art geschossen. Daher stammen alle heute noch lebenden Tiere von 12 Wisenten ab, die in Zoos und Tiergehegen übrig geblieben waren. Hätte es dieses Duzend nicht gegeben, wäre die Art für immer weg gewesen. Dann gäbe es keine Bisons in Europa mehr.
Fünfundzwanzig Jahre später konnten die ersten Herden wieder angesiedelt werden. Zum Glück hatte man sich nämlich schon vor dem Aussterben organisiert. So war 1923 schon die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet worden, an deren Spitze der Frankfurter Zoodirektor Kurt Priemel (1880-1959) gewählt wurde. Das aus den Erhaltungsbemühungen hervorgegangene Zuchtbucht gilt als das älteste Zuchtbuch für eine Wildtierart überhaupt.
Amerikanische Bisons im Hayden Valley | Foto: Anusia1984, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Zahlenmäßig gehört das Comeback des Amerikanischen Bisons sicherlich zu den beeindruckendsten Erfolgen. Im 19. Jahrhundert waren die Bisons fast vollständig ausgerottet. Ende des Jahrhunderts wurden sie unter Schutz gestellt und in Zoos sowie Reservaten gezüchtet. Heute gibt es wieder über 300.000 Bisons in den USA. Ohne Zucht in Menschenhand wären die Bisons wohl für immer verschwunden.
Zoos wie der Bronx Zoo sind zudem auch dafür verantwortlich, dass auch Städter mit der Geschichte der Bisons vertraut gemacht werden. Das ist von großer Bedeutung. In den USA sind gerade die Küsten stark besiedelt, aber dort kommen die Tiere gar nicht vor. In New York bekäme man es daher vielleicht medial mit, aber ein Zoo in Bronx, der diese Tiere zeigt, macht sie der Bevölkerung viel bewusster als jedes Bild in den Medien es jemals könnte.
Früher erstrecke sich das Verbreitungsgebiet breit über Nordamerika von Mexiko bis nach Alaska in drei Unterarten. Nun hat man immerhin wieder einzelne Populationen entlang dieses historischen Verbreitungsgebietes ansiedeln können. Das zeigt aber auch: Die Arbeit von Zoos und Aquarien ist noch nicht beendet. Ziel ist es natürlich diese Art zu alter Größe zu führen, soweit dies in Ko-Existenz mit den übrigen Bewohnern des Ökosystems möglich und sinnvoll ist. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ohne Zoos aber könnte man den nie beschreiten.
Der bedrohte Madagaskar-Ährenfisch (Bedotia madagascariensis) wird im Kölner Zoo erfolgreich gezüchtet. | Foto: zoos.media
80 % der madagassischen Fisch-Arten gelten laut Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet. Wenn man also einen Fisch aus Madagaskar sieht, ist die Chance hoch, dass er auch bedroht ist. Tatsächlich sah man die Madagaskar-Ährenfische relativ häufig – aber falsch. Warum? In der Aquaristik wurden sie oft als Rotschwanz-Ährenfisch (Bedotia geayi) bezeichnet. Ein Fleck am Kinn aber hat „verraten“, dass sie nicht zu der angedachten Art gehörten.
1953 waren die wunderbaren Fische schon quasi unerkannt und falsch etikettiert nach Europa gekommen. Das war ein Glück, denn als klar wurde, dass Bedotia geayi und Bedotia madagascariensis zwei verschiedene Arten waren, gab es einige Tiere, die man nun zur Erhaltungszucht der bedrohten Art nutzen konnte. Damit man nun aber nicht aus Versehen Hybriden weiterzüchtet oder sogar auswildern würde, ließ der Kölner Zoo zusammen mit Universität Braunschweig die Genetik der Tiere genau untersuchen.
Heute züchtet man Bedotia madagascariensis artenrein. Das passiert schon so erfolgreich, dass es wahrscheinlich mehr Fische dieser Art in Menschenobhut gibt als in der Natur. Um die auswildern zu können, braucht es aber eben auch Lebensraum. Darum bemüht man sich um konsequenten Schutz, damit ausgewilderte Tiere nicht wieder ganz schnell dem invasiven Schlangenkopffisch, Überfischung oder Entwaldung zum Opfer fallen. Ohne Zoos und Aquarien sowie Aquarianer wäre diese Art wohl schon verloren.
Weltweit erste Nachzucht der Batagur-Schildkröte im Tiergarten Schönbrunn | Foto: Ventus55, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die im Jahr 2010 durchgeführten Suchaktionen nach den Schildkröten in natürlichen Lebensräumen blieben erfolglos. Auf Anregung des Tiergartens Schönbrunn wandte sich das Team jedoch Teichen in Dörfern und auch Märkten zu, wo sie die ersten Tiere sammeln konnte, um eine kontrollierte Zucht und Wiederansiedlung zu versuchen. Anschließend wurden Zuchtgruppen gegründet. Der in Wien ansässige Tiergarten Schönbrunn wurde zum Koordinator des Sumpfschildkröten-Projekts. Zudem half er bei der Ausarbeitung von Empfehlungen für verbesserte Haltungsbedingungen sowie bei der Mittelbeschaffung für das Projekt.
Zusätzlich zu einer Schutzstation im Bhawal-Nationalpark wurde in Karamjal in den Sundarbans, einem historischen Verbreitungsgebiet von Sumpfschildkröten, eine Haltung eingerichtet. In beiden Einrichtungen wird eine sichere und optimierte, tiergerechte Unterbringung und Haltung gewährleistet. Da es keinen Strom und keine Brutkästen gibt, werden die Eier an Sandstränden gesichert und unter natürlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen bebrütet, aber natürlich vor Raubtieren geschützt.
Im ersten Schritt zu einer erfolgreichen Wiederansiedlung wurden einige erwachsene Männchen mit Satellitensendern ausgestattet. Das geschah, um Migrationsrouten, Lebensraumpräferenzen und das Überleben in der Natur im heimischen Verbreitungsgebiet der Art zu beurteilen. Auf den Daten aufbauend werden Haltung, Zucht und Auswilderung weiter optimiert, um die Art zu retten. 111 Schildkröten konnten bereits an 16 Orten ausgewildert werden [Stand: 2024]. Ohne den Tiergarten Schönbrunn wäre das völlig unmöglich. Die Art wäre wohl ohne Zoos schon ausgestorben.
Hirscheber-Dame Dua Hati im Kölner Zoo | Foto: zoos.media
Hirscheber sind sehr bemerkenswerte Tiere, aber leider wenig bekannt. Zusammen mit den beiden anderen bekannten Hirscheber-Arten, den beiden Anoa-Arten und den Bantengs (Bos javanicus) sind die Sulawesi-Hirscheber Teil eines Projekts, das sich der Rettung dieser eher unbekannten Huftiere verschrieben hat. Obwohl fast kaum einer sie kennt, sind sie doch bedroht.
2015 wurden für die Arten Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um jeweils eine möglichst große Ex-Situ-Population aufzubauen. Sie soll als Back-Up dienen. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber auch Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Population langfristig zu etablieren. Wichtig ist dabei natürlich der Erhalt der genetischen Diversität.
Durch den Austausch von Know-How kamen in Indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans bereits [Stand: 2021] zustande. All das ist verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen. Über 63 Zoos und Universitäten weltweit beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.
Lage spitzt sich zu
Dua Hati als Hirscheber-Ferkel im Grünen Zoo Wuppertal (2022) | Foto: zoos.media
Seit einiger Zeit häufen sich aktuell Berichte, die das Schlimmste befürchten lassen. Auf Sulawesi werden gar keine Hirscheber mehr gesehen. Daher befürchtet man, dass die Tiere ausgestorben sind. Als massiver Grund für dieses Ereignis fällt der Verdacht auf die Afrikanische Schweinepest (ASP), die sich auch auf Sulawesi verbreiten konnte. Die Sterberate von ASP liegt für empfängliche Arten bei rund 95%. Es könnte also passen.
Das zeigt wie schnell sich das Blatt im Artenschutz wenden kann. Zudem unterstreicht es wie wichtig Reserve-Populationen sind. Die Weltnaturschutz-Union listet die Art als VU. Nun will man den Status aber neu bewerten. In jedem Fall ist die Population in Menschenobhut nun extrem wichtig.
Daher arbeiten Zoologische Gärten für Hirscheber in situ und ex situ. Beides ist unerlässlich. Der Lebensraum muss gesichert werden. Dazu braucht es eine stabile Population, um eventuell auch auswildern zu können. Fernerhin braucht es ein Lösung für das ASP-Problem. All das ist möglich. All das kann man erreichen. Allerdings geht das nur mit Zoos. Ohne sie wäre die Art verloren.