Erschienen auf hannover.t-online.de am 03.05.2026. | Von: Patrick Schiller
Mit Bezug auf unter anderem die Berichterstattung von zoos.media in dieser Sache, schaut dieser Artikel auf eine Warnung vom ITAW über den Zustand der Haut des Buckelwals.
Erschienen auf dem YouTube-Kanal vom Loro Parque am 10.04.2026. | Mit: Martin Böye & Dr. Kathleen Dudzinski
Dr. Kathleen Dudzinski ist eine weltweit führende Verhaltensforscherin für Delfine. So kennt sie sich auch mit Orcas hervorragend aus. Sie berichtet über die Entwicklung der Beziehung von Teno und seiner Mutter Morgan. Außerdem spricht sie sich deutlich dafür aus, dass Loro Parque der beste Ort für Wikie & Keijo wäre.
Erschienen auf dem Facebook-Account vom Smithsonian am 05.03.2026.
Seit 2009 hatte niemand mehr die hochbedrohten Panama-Stummelfußfrösche in der Natur gesehen. Nun konnten 100 Frösche ausgewildert werden – auch dank Zoos.
Erschienen auf der Facebook-Seite vom Kölner Zoo am 13.04.2026.
Das Melinh Zentrum für Biodiversität in Vietnam hatte vom Kölner Zoo 12 Vietnamesische Krokodilschwanzechsen bekommen. Die Zucht hat funktioniert. Nun sind es schon 18 dieser bedrohten Unterart, die in der vom Zoo unterstützten Station leben.
Philippinenkrokodil-Jungtier im Kölner Zoo | Foto: zoos.media
2016 wurde geschätzt, dass weniger als 200 ausgewachsene Philippinen-Krokodile in der Natur überhaupt noch am Leben sind. Sie waren auf nur drei getrennte Standorte verteilt. Die Populationen gingen im Vergleich zum historischen Niveau stark zurück. Zum Glück hatten sich zu diesem Zeitpunkt Zoologische Gärten der Art schon angenommen. Das Europäische Zuchtbuch (ESB) war schon 2012 worden eingerichtet. Es wird vom Kölner Zoo verwaltet. Alle ESB-Teilnehmer unterstützen vor Ort den Schutz philippinischer Krokodile im Norden.
Für die Zucht wurden 15 junge Krokodile vom Palawan Wildlife Rescue & Conservation Center importiert und vom philippinischen Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen ausgeliehen. Die erste Zucht in Europa gelang 2013 im Kölner Zoo. Der Zoo in der Domstadt hat sich nicht nur dadurch zu einem Zentrum für umfassende Krokodilforschung, einschließlich Studien zum Sozial- und Fortpflanzungsverhalten, entwickelt. Danach stellten sich auch weitere Zuchterfolge in anderen Zoos ein.
Parallel führten Feldforschungen zur Entdeckung einer neuen Population im Süden der Philippinen. Zudem konnte ein geeigneter Lebensraum für die Einführung von Krokodilen im Paghungawan-Sumpfgebiet auf der Insel Siargao identifiziert werden. Eine ausgewilderte Population von in Menschenobhut gezüchteten Krokodilen hatte sich dort bereits erfolgreich vermehrt. Daher sollen dorthin auch die ersten ESB-Tiere gebracht werden. Hulky und Dodong, die im Juli 2015 im Kölner Zoo im Rahmen der ersten Naturbrut schlüpften, wurden dazu auserkoren. Diese beiden Männchen wurden im Dezember 2020 auf die Philippinen umgesiedelt. Weitere Krokodile folgten.
Thomas Ziegler mit seinem Kooperationspartner Truong Q. Nguyen (links) beim Microchippen von einem Siam-Krokodil im Lao Zoo, das auf genetische Reinerbigkeit überprüft wurde – eine Grundvoraussetzung für Nachzuchtprogramme mit dem Ziel der Wiederauswilderung. | Foto: Lao Zoo
Man weiß bis heute nicht genau, wie viele Siam-Krokodile es in der Natur noch gibt – Forscher gehen von unter 1.000 aus. Man weiß aber inzwischen sehr gut, wie man sie in Menschenobhut züchtet. Daher sind sie dort nicht gefährdet und Auswilderungen konnten bereits realisiert werden. Nach wie vor ist es aber eines der am meisten bedrohten Krokodile der Welt. So hat man dank dem Engagement moderner Zoos und Aquarien zwar schon große Erfolge feiern können, aber im natürlichen Habitat treten auch immer neue Probleme auf.
Das für Menschen recht ungefährliche Krokodil kam ursprünglich durch den Handel mit Krokodilhäuten in Gefahr. Darauf machen Zoos auch sehr deutlich aufmerksam. Inzwischen aber ist es häufiger das Problem, dass die Tiere Bauprojekten im Weg stehen. Im Kambodscha geht es dabei zum Beispiel um grüne Energie, die man sich aus Wasserkraftwerken erhofft. Die werden genau da geplant, wo es die meisten Vorkommen dieser Art gibt. Das sorgt für immense Probleme.
Der Pang Sida Nationalpark in Thailand, in der Nähe von Kambodscha, hat ein Projekt zur Wiederauswilderung des siamesischen Krokodils. Eine Reihe junger Krokodile wurde in einem kleinen und abgelegenen Fluss im Park ausgesetzt, der für Besucher nicht zugänglich ist. In den Schutz der Art bringt sich auch die Wildlife Conservation Society (WCS) ein. Sie arbeitet dabei vorwiegend mit der Regierung von Laos. Die WCS verwaltet, neben dem Bronx Zoo, den Central Park Zoo, das New York Aquarium, den Prospect Park Zoo und den Queens Zoo. Im Projekt arbeitet sie auch mit dem Lao Zoo zusammen.
Wiederentdeckungen & Forschung
Hier konnte der Kölner Zoo mit seinen Partnern in Laos ein neues Schutzgebiet für Siam-Krokodile gründen. | Foto: T. Ziegler
2015 & 2018 konnte der Kölner Zoo-Kurator Prof. Thomas Ziegler von Wiederentdeckungen von Populationen in der Natur berichten. In Laos galt die Art zuvor als ausgerottet. Diese Wiederentdeckung bildete die Basis für die Gründung eines Schutzgebiets. Ein Schutzgebiet bedeutet auch die Möglichkeit, Tiere wieder auswildern. Das ist ein großer Schritt nach vorne gewesen.
In einem weiteren Schritt musste aber die Genetik geklärt werden. Es braucht artenreine Tiere für eine Auswilderung. Daher darf auch nur mit entsprechenden Tiere gezüchtet werden. Bei Krokodilen gibt es aber immer wieder Hybriden. So erforschte die Artenschutz-Achse Köln-Hanoi an der Genetik der Tiere in Laos und Vietnam. Hierbei halfen unter anderem Tiere vom Zoo Zürich. Dort waren überhaupt zum ersten Mal in Europa Krokodile dieser Art geschlüpft.
All diese wissenschaftliche Arbeit wäre ohne Zoos, die über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, nicht möglich. Jetzt weiß man ganz genau mit welchen Tieren man wie arbeiten kann, damit man sie wo am besten auswildert. Solches Grundlagen-Wissen ist Gold wert.
Wachtelkönig in Sussex | Foto: Ron Knight, Lizenz: CC BY 2.0 DEED
Global gilt die Art als nicht bedroht. Lokal ist sie das schon sehr. Damit liefert die Art ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Arbeit moderner Zoos schon vor dem Moment beginnen musst, wenn sie als global bedroht gilt. Im Idealfall kommt es nämlich erst gar nicht so weit. In Österreich kommen schon jetzt nur noch wenige Brutpaare in verinselten Populationen in der Natur vor. Das ist alarmierend.
Die Vogelart steht dem Wiener Tiergarten Schönbrunn besonders nah: Ein ein bis zwei der verbliebenen Paare sind auf Wiesen im Wienerwald, die vom Tiergarten Schönbrunn bewirtschaftet werden, zu finden. So hatte der Zoo schon in den 1990er Jahren ein Projekt gestartet. Das hilft nicht nur dieser Art, sondern auch Feldlerche, Schwalbenschwanz und Feuchtwiesen-Prachtnelke. Das Projekt ist erfolgreich: Der Brutbestand des Wachtelkönigs bleibt stabil und geht nicht zurück wie andernorts.
So beweist der Tiergarten Schönbrunn in Einem auch, dass brutfreundliche Mahd-Termine, Verzicht auf künstlichen Dünger, Bestandsmonitoring und Informationen für Wanderer eine nachhaltige Koexistenz von Wachtelkönig und Wiesenbewirtschaftung ermöglichen. Dieses Vorangehen mit einem positiven Beispiel ist von großer Wichtigkeit, um mit einem „proof of concept“ arbeiten zu können. Das kann man wiederum auch übertragen. Dadurch hilft es auch anderen Projekten.
Hawaiikrähe (Corvus hawaiiensis) | Foto: U.S. Fish and Wildlife Service, public domain
2002 wäre die Hawaiikrähe – lokal auch ‚Alalā genannt – komplett ausgestorben, wenn man nicht zuvor rechtzeitig reagiert hätte. Weniger als 20 Tiere lebten mal in Menschenobhut, inzwischen sind es über hundert. Nachdem die Population auf über 140 Vögel angewachsen war, starteten ab 2016 Wiederansiedlungsbemühungen. Das führte zum ersten Mal, dass es überhaupt diese Krähen wieder in der Natur gab. Aber die Wiederansiedlung der Tiere ist sehr aufwendig und kompliziert.
Nach der Auswilderung wurden eine intensive Nachbeobachtung, zusätzliche Fütterung und eine Bekämpfung von Raubtieren durchgeführt. Die Krähen wuchsen auf und einige Brutpaare etablierten sich. Dann er erste große Erfolg: Das erste Paar baute ein Nest. Das war die erste Brutaktivität in der Natur seit fast 20 Jahren zu diesem Zeitpunkt. Aber es lief nicht alles wie am Schnürchen: Die Tiere mussten zwischenzeitlich eingefangen werden, weil es unerklärliche Todesfälle gab.
Wesentlich verantwortlich für das komplizierte Projekt zeichnet sich die San Diego Zoo Wildlife Alliance. Diese gemeinnützige Organisation betreibt den San Diego Zoo und den San Diego Zoo Safari Park. Gemeinsam mit Partnern haben sie sich dem schwierigen Unterfangen verschrieben. Jetzt schon kann man sagen, dass ohne Zoos diese Art bereits nicht mehr existieren würde. Sie hätte auch keine Chance auf eine Rückkehr in die Natur.
Blauaugentäubchen (Columbina cyanopis) im nach der Art benannten Reservat in Brasilien | Foto: Hector Bottai, Lizenz: CC BY-SA 4.0 DEED
Die Art kennt man seit dem frühen 19. Jahrhundert, aber sah sie in der Natur immer nur sporadisch. 75 Jahre galt sie als verschwunden, 2015 fand man sie wieder. Da war klar: jetzt muss gehandelt werden. Ziemlich schnell wurde deutlich, dass es auch eine Population in Menschenobhut braucht, um die Wildpopulation zu stärken. Sie besteht nämlich schätzungsweise nur noch aus 15 Tieren [2024].
Ohne moderne Zoologische Gärten wäre es eine Frage von Jahren gewesen bis die Blauaugentäubchen ausgestorben wären. Dank der nun möglich werdenden Erhaltungszucht, hat diese Art eine realistische Chance auf eine Zukunft sowohl in Menschenobhut als auch deshalb langfristig in der Natur. Ohne Zoos wäre die Art wohl verschwunden ohne, dass viele Menschen sie überhaupt gekannt hätten. Die positiven Schlagzeilen zur erfolgreichen Zucht, sorgen erst dafür, dass Menschen überhaupt von der Existenz der Art erfahren.