Schimpansenbaby Happy freute sich über allerlei Geburtstagsüberraschungen. | Foto: zoos.media

Great Ape Project: Kritik aus den eigenen Reihen?

Exklusiv für zoos.media – 27.07.2022. Autor: Philipp J. Kroiß

“Ihr solltet euch auf Schimpansen in Not konzentrieren, statt auf die beiden im Krefelder Zoo”, lauten die deutlichen Worte von Gerard de Nijs gegen das Great Ape Project (GAP).

Great Ape Project: Kritik aus den eigenen Reihen?

Das fragwürdige Gutachten, das das Great Ape Project veröffentlichte, hat Wellen geschlagen – aber wohl anders als vom Great Ape Project beabsichtigt. Es war nicht nur spielend leicht, diesem “Gutachten”, Fehler und Fragwürdigkeiten nachzuweisen, sondern auch die einzige wohlwollende mediale Rezeption war wohl eher für das Medium selbst schädlich. Als dann auch noch die Rheinische Post deutlich kritische Worte fand, entwickelte sich die Kampagne gegen den Zoo Krefeld immer mehr zum Rohrkrepierer. Nun gibt es auch noch kritische Stimmen aus der Tierrechtsszene selbst.

Stichting AAP & Great Ape Project

Das Sanctuary der Stichting AAP genießt beim Great Ape Project offensichtlich Anerkennung, ähnlich wie etwa Chimp Haven oder das WAMS. Es ist allerdings auch nicht das erste Mal, dass es offensichtliche Unterschiede bei der Einschätzung von Menschenaffenhaltung durch GAP und AAP gibt.

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Stichting AAP betreibt ein so genanntes Sanctuary und wird gerne von der Tierrechtsindustrie als angebliche Alternative zu Zoologischen Gärten ins Spiel gebracht – etwa auch von PETA. Auf der Facebook-Seite des Great Ape Projects meldet sich nun Gerard de Nijs, der – laut seinem Facebook-Account – als “Outplacement Coordinator” bei der Stiftung und dem Sanctuary gearbeitet hat, zu Wort – zu PETA und er erklärt etwa, es handele sich um “nichts weiter als eine Spendenmaschine”. Viel spannender ist aber, was er von der Aktion des GAPs hält.

“Ihr habt doch keine Ahnung vom Wohlergehen von Schimpansen”

Unter einem Post mit der Behauptung, dass die Strafanzeige auf Basis des Gutachtens laufe, was sich bisher nicht wirklich belegen lässt, kommt es zu einer spannenden Unterhaltung, die auch viel über die Diskussionskultur beim Great Ape Project aussagt, was ein weiterer Grund ist, sie hier ungeschönt und ungekürzt wiederzugeben:

Gerard de Nijs: And you should focus on chimps in need instead of the two at Krefeld zoo…..you guys don’t have a clue about chimpanzee welfare come on !

Great Ape Project: @”Gerard de Nijs” Thanx, we need your good advice like scabies.

Gerard de Nijs: Of course not… never take advice from people who know what they are talking about…that doesn’t fit in your policy of misleading people….
[Die Unterhaltung fand am 26. Juli 2022 im Zeitbereich von 16:17-22:41 Uhr statt. Inzwischen kann man es auf der Facebook-Seite nicht mehr sehen, aber unsere Redaktion hat rechtzeitig Beleg-Screenshots angefertigt. Übertragung ins Deutsche: “Ihr solltet euch auf Schimpansen in Not konzentrieren, statt auf die beiden im Krefelder Zoo … ihr habt doch keine Ahnung vom Wohlergehen der Schimpansen, kommt schon!” – “Danke, wir brauchen deine guten Ratschläge wie Krätze.” – “Natürlich nicht … nehmet niemals Ratschläge von Leuten an, die wissen, wovon sie sprechen … das passt nicht in eure Politik der Irreführung von Menschen …”]

Damit bestärkt de Nijs das Urteil von anderen zu diesem Gutachten sehr deutlich. Inwiefern er sich noch in Verbindung mit der Stichting AAP befindet, war für uns bei den Recherchen bisher nicht nachvollziehbar. Es wäre aber durchaus zu begrüßen, wenn die Stiftung sich mehr am Tierwohl und weniger an der Tierrechtsindustrie orientieren würde. Die falsche Orientierung an Tierrechtlern und das Zulassen der Vereinnahmung durch diese Industrie schadet den Tieren und ihrer Haltung vielmehr, als dass es nützt. So hat sich die Stiftung zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Fall Robby selbst in ein sehr schlechtes Licht gerückt.

Gutachten-Kampagne heil- & haltlos

Schimpanse im Zoo von Barcelona – die Art ist hochgradig bedroht. | Foto: Lizzyfoxx, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dies war wohl dann ein weiterer Sargnagel für diese haltlose Kampagne vom Great Ape Project gegen den Zoo Krefeld, zu dessen Schimpansen-Haltung sich die wesentlichen Experten sowieso einig sind: der Krefelder Zoo tut das menschenmöglich Beste für die Tiere in dieser Übergangsphase von einer provisorischen Haltung der Tiere hin zu einer Haltung in der dann modernsten Menschenaffen-Anlage weit und breit. Den Tieren geht es in dieser Zeit sehr gut und sie bekommen nun sogar eine provisorische Außenanlage obendrauf.

PETA stellt sich derweil in der Kampagne als recht parasitärer Kollaborateur heraus. Den einzigen Credit, den das Great Ape Project auf der Seite bekommt, ist für ein Foto, das die radikale Tierrechtsorganisation in ihrer Kommunikation nutzt. Auch hier scheint de Nijs wieder Recht zu behalten, in seinem Urteil, dass es denen hauptsächlich um Spenden gehe, was er in Bezug auch auf diese Veröffentlichung erklärt hatte. Eine andere Kommentatorin auf der GAP-Facebookseite konstatiert: “Auch PeTA hängt sich mit dran (und tut so, als hätten sie das Gutachten selbst erstellt)”.

Echte Unterstützung aus den eigenen Reihen bleibt dem Great Ape Project also quasi versagt. Auch PETA ist bemerkenswert zurückhaltend in der Formulierung: das Gutachten nähre einen Verdacht und im Text beschreibt man das Gutachten nur als besorgniserregende Einschätzung. So ganz vertraut man also selbst bei PETA anscheinend nicht auf die Ausführungen des Great Ape Projects, das sich deutlich klarer in seinen Formulierungen zeigt, was die angeblichen Ergebnisse anbelangt. Wer “Freunde” wie PETA hat, braucht am Ende auch keine Feinde mehr.

Schimpansen-Haltung wichtig für den Natur- & Artenschutz

Allerdings ist es zu kurz gedacht, solche Kampagnen aus der Tierrechtsindustrie richteten sich nur gegen den einen Zoo oder auch nur gegen Zoos generell. Es geht ihnen um die Tierhaltung als Ganzes, denn diese lehnt die Tierrechtsideologie komplett ab. Heute sind es also vielleicht die Tiger im Zoo, morgen schon die Stubentiger zuhause. Was die Tierrechtsindustrie dabei absichtlich ignoriert, ist die Tatsache, dass Tierhaltung nicht nur zahlreiche Arten gerettet hat, sondern auch noch viel mehr Arten retten kann.

Das gilt im Besonderen auch für die Menschenaffen:

Das Abschaffen der Menschenaffenhaltung in Zoos würde wohl letztendlich das Aussterben dieser Tiere bedeuten. Seriöse Natur- und Artenschützer kooperieren deshalb mit ihnen, um die Schimpansen, aber auch die anderen Arten zu retten, wie etwa die unterschiedlichen Arten und Unterarten der Gorillas:

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Wie ein Zoo dabei half, die Berggorillas zu retten

Solche Erfolge hat die Tierrechtindustrie nicht vorzuweisen – die Zoowelt hingegen schon. Ohne Zoologische Gärten wäre so etwas niemals möglich geworden und man kann davon ausgehen, dass es um die wilden Menschenaffen heute deutlich schlechter stünde, wenn die Zoos sich nicht so engagiert hätten. Artenrettung ist aber kein Sprint, sondern ein Marathon und wenn der einmal für alle Menschenaffen gewonnen werden soll, müsste man Zoos dringend erfinden, wenn es sie nicht schon geben würde, und Einrichtungen wie das in Krefeld geplante Artenschutzzentrum Affenpark planen und dann umsetzen.

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