Trainer mit einem Orca im Marineland Antibes 2010 | Foto: michel3333FR, Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Inside The Tanks“ scheitert

Exklusiv für zoos.media – 14.07.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Ein Film, der vorgibt ausgewogen zu sein, es jedoch nicht ist „Inside The Tanks“ – tatsächlich produzierte hier die Anti-Delfinarien-Szene kräftig mit.

„Inside The Tanks“ scheitert

Eine Doku, die angetreten war, „BEIDE Seiten“ zu zeigen und scheiterte. Aber warum? Unsere Analyse zeigt es auf.

Schnellzusammenfassung

Es handelt sich nicht um eine ausgewogene Dokumentation. Die Anti-Delfinarien-Lobby hatte nicht nur mehr Screentime, während der ihre haltlosen Anschuldigungen unwidersprochen reproduziert wurden, sondern produzierten den Film auch quasi mit.

Springende Schwertwale in Marineland Antibes | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Die Position des Marinelands wird nur in einem verhältnismäßig kurzen Interview gezeigt, indem es kaum Zeit gibt, die Argumentation so zu entfalten wie die Delfinariengegner-Lobby es zuvor konnte. Ingrid Visser darf nicht nur massiv Eigenwerbung betreiben, sondern enge Mitarbeiter von ihr waren auch an der Produktion selbst beteiligt und Archivmaterial stellte sie, ebenso wie andere Delfinariengegner, zur Verfügung. Es gab allerdings keine Befragung unabhängiger Experten mit anerkannter Expertise.

Das zum Zeitpunkt dieser Analyse monetarisierte YouTube-Video, versucht mit purer Konfrontation zu Gunsten der Tierrechtler, Kasse zu machen und gibt einer Opposition zum Anti-Delfinarien-Lobbyismus keine faire Chance.
Mehr als 700.000.000 Menschen besuchen Zoos jedes Jahr. Ein großer Teil davon besucht moderne Zoos mit Delfinarien und erfreut sich an artgemäßer Haltung dieser Tiere, die mit Edukation, Forschung und Schutzprojekten verbunden wird.

Es handelt sich bei „Inside the Tanks“ um einen voreingenommen, tendenziösen und unglaubwürdigen Film. Er ist nur ein weiterer Baustein in der Populismus-Kampagne der Zoogegner, die sich Delfinarien als eines der ersten Feindbilder ausgesucht haben.

Ausführliche Analyse

Mit unserer ausführlichen Analyse zeigen wir am Film direkt auf, wie tendenziös die Dokumentation vorgeht.

Introduktion bereits tendenziös

Kein moderner Zoo unterstützt solche Vorgänge wie in Taiji | Foto: VanessaNYC07, Lizenz: CC BY-SA 4.0

In der Einleitung des Films werden Meeressäugerhaltungen völlig undifferenziert als Vergnügungsparks gezeichnet. Die wichtige Forschung, Edukation und der Artenschutz von modernen Zoos wird komplett ignoriert und dem Publikum vorenthalten. Anschließend werden Bilder von den wenigen Unfällen mit Schwertwalen gezeigt und dann auf die Delfinjagd von Taiji geschnitten – natürlich ohne zu erwähnen, dass moderne Zoos dagegen kämpfen und den bisher wichtigsten Schlag gegen die Lebendfang-Industrie dort selbst ausführten.

Dann stellt sich Johnny Meah vor – ein Moderator und Produzent, der keinerlei Erfahrung bezüglich der Meeressäugerhaltung aufzuweisen hat, allerdings bis zu diesem Zeitpunkt bereits tendenziöse Bilder lieferte. Sein „Opfer“ ist das Marlineland Antibes: Er steht mit verschränkten Armen im Publikumsraum und schaut einer Trainingseinheit zu und verallgemeinert, durch den Terminus „these parcs“, seine Beobachtungen hier für alle Delfinhaltungen – differenziert geht er also nicht vor. Er behauptet sein Film solle kein „propaganda piece“ werden und jeder solle die Chance bekommen sich beidseitig zu informieren. Diese Möglichkeit hat er dem Zuschauer jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt genommen.

Anschließend stellt er seine Gäste vor: Ingrid Visser, Anti-Delfinarien-Aktivistin. Sie tritt mit dem Satz „It’s a prison, that’s exactly what it is.“ auf. Dann geht Meah mit Jon Kershaw vom Marineland durch den Park. Er darf nichts sagen. Anschließend wird John Hargrove, ein weiterer Anti-Delfinarien-Lobbyist, der unrühmlich aus seinem Dienst bei den Orcas von SeaWorld ausgeschieden ist, gezeigt. Er sagt: „I personally drugged the whales at Marineland.“ Dann kommt wieder Jon Kershaw ins Bild, der gerade Artificial Insemination erklärt.

Zwei Sätze hat also der Experte sagen dürfen, aber erst nachdem bereits ein tendenziöser Schnitt und zwei Delfinariengegner das Publikum entsprechen vorbeeinflussen konnten. Er darf dabei nur über Artificial Insemination sprechen, während die anderen allgemeine Aussagen gegen Delfinarien treffen dürfen. Hatte Jon Kershaw im Intro eine faire Chance? Nein. Er ist offenbar nur Alibi, der dargestellt wird wie ein einzelner, der auf verlorenem Posten kämpft, obgleich er mehr als 80 renommierte Wissenschaftler, die sich aktiv für die die artgemäße Haltung von Meeressäugern in Menschenobhut aussprechen, hinter sich hat. Die zumeist unabhängigen Experten, wurden anscheinend aufgrund der deutlichen tendenziösen Berichterstattung, nicht gefragt.

Zuerst zur Born Free Foundation

Nach dem Opening geht es direkt nach Antibes. Der Moderator, alles andere als unbefangen, erklärt wie schockiert er doch sei, dass Frankreich immer noch „Delfine und Orcas“ in Menschenobhut hielt. Er habe gedacht es wäre ein Land, das mit dem Vereinigten Königreich vergleichbar wäre, wo aufgrund von Ermangelung von Walhaltungen in Not geratene Wale, die eine langfristige Rehabilitation benötigen, erschossen oder totgespritzt werden müssen. Dies wäre nicht nötig, wenn man da moderne Meeressäugerhaltungen wie etwa das Vancouver Aquarium hätte.

Aber er würde ja verstehen, dass jede Medaille zwei Seiten habe und spricht von einem edukativen Erlebnis auf der einen Seite und der Behauptung es sei erniedrigend für die Tiere auf der anderen Seite. Er erklärt die Absicht, sich mit „den Jungs von Marineland“ zu treffen, um ihre Meinung kennen zu lernen. Er würde aber auch die „weltberühmte Meeresbiologin Dr. Ingrid Visser treffen“ – dass sie in der seriösen Wissenschaft äußerst umstritten ist, erwähnt er jedoch nicht.

Bengal-Tiger im Bannerghatta Biological Park, der für die Born Free Foundation eine Tigerhaltung betreibt. | Foto: Pawan Kr Dwivedi, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Aber zuerst geht er zur Born Free Foundation (BFF) und somit zu Anti-Delfinarien-Lobbyisten, die auch jeden anderen Zoo in Europa abschaffen wollen, während sie gleichzeitig in Afrika und Asien mit Zoologischen Haltung zusammenarbeiten, um Patenschaften zu verkaufen, Bestimmungsrecht über Tiere zu haben und Anti-Zoo-Propaganda zu machen. Sie hätten mit Ingrid Visser zusammen eine Analyse durchgeführt. Das bedeutet, dass Menschen ohne nennenswerte praktische Erfahrung mit Meeressäugerhaltung aus der Besucher-Perspektive, Zoologische Einrichtungen analysiert haben, die bereits jahrzehntelange Erfahrung mit der Haltung der Tiere haben. Das ist ungefähr so, als würde man in einem Krankenhaus eher auf den Befund eines Besuchers vertrauen, statt dem Befund des Chefarztes. Das Ergebnis dieser Überprüfung ist keine Überraschung und stand auch wahrscheinlich ohne schon vorher fest: die Zoogegner sprechen sich gegen Zoos aus.

Nun wird behauptet, dass diese Zoos nicht mit der EU Zoodirektive vereinbar wären. Das ist völlig aus der Luft gegriffen und seine persönliche, nicht repräsentative Meinung, die an der Realität scheitert. Denn wäre dem so, wären die Anlagen bereits geschlossen worden. Gleichzeitig aber verlangen die Delfinariengegner einen Zuchtstopp, was die Born Free Foundation-Vertreterin im Interview dann auch vorschlägt. Dabei ignorieren, sowohl die BFF-Funktionärin, als auch der Moderator, dass es nach den Erkenntnissen von Tiergartenbiologen und Ethologen nicht tiergerecht wäre, sozialen Tieren wie Delfinen die Möglichkeit zur Fortpflanzung zu nehmen. Ein solcher angedachter Zuchtstopp verstößt allerdings tatsächlich gegen jene Zoodirektive. Zudem bringt sie die alte „Sanctuary“-Idee, die schon mehrfach in Europa gescheitert ist, wieder auf und gibt so ihrer Kollegin Visser sicherlich nicht unabsichtlich Schützenhilfe.
Man habe stereotypes Verhalten gesehen in fast jeder Einrichtung; das müssen die Laien sich wohl ausgedacht haben. Denn kein modernes Delfinarium hat Tiere, die ein stereotypes Verhalten zeigen, das bei ihnen entstanden ist. Die Zoogegner behaupten, den Tieren sei langweilig. Die Born-Free-Lobbistin behauptet, es gäbe außer Fütterung und Training nichts Stimulierendes.  Auch das stimmt nicht. Die Tiere bekommen in modernen Einrichtungen, außerhalb ihrer Ruhezeiten, die sie natürlich brauchen, Enrichment– und Trainingsangebote, die sie auch gerne und häufig annehmen. Ebenfalls behauptet sie, dass sich das Training über mehrere Jahre nicht ändern würde. Auch das ist falsch. Moderne Delfinhaltungen variieren täglich (!) ihr Training.

Es wäre „erleuchtend“ die Ausführungen der Zoogegner zu hören, erklärt der Moderator. Damit geht er völlig unkritisch mit den Lügen um und hinterfragt nicht, welche Tierrechtsindustrie hinter der Born Free Foundation steckt. Aber er wolle noch immer die Meinung von Marineland hören, sagt er vor dem Laptop sitzend.

„Durch das Auge eines Touristen“

Großer Tümmler im Marineland Antibes schaut aufgeweckt und interessiert Besucher an. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Nachdem sich also die ersten vier Minuten fast ausschließlich um die Delfinariengegner drehten, will der Moderator Meah nun Tourist spielen. Ob er absichtlich an einem eher besucherschwachen Tag in der Nebensaison hineinging, lässt sich nicht feststellen; zuzutrauen wäre es ihm angesichts seiner nur oberflächlich betrachtet objektiven Berichterstattung. Dann behauptet er, die Großen Tümmler würden nur „rund“ schwimmen im ovalen Mehrbeckensystem. Nun, das wäre eine Aussage, die man ihm glauben müsste, denn er belegt sie nicht – aber besonders viel für seine Glaubwürdigkeit hat er bisher ja nun wirklich nicht getan. Er schwadroniert noch etwas, aber seine Aussagen sind völlig wertlos, hat er doch keinerlei Expertise in dem Bereich nachgewiesen. Dazu liefert er kurze Schnittbilder von wenigen Sekunden, die seine Aussagen nicht mal ansatzweise belegen können. Die Tiere haben zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich das erste Training nun hinter sich und suchen etwas Zerstreuung – klar, dass man da ein paar Sekunden Videomaterial drehen kann, auf denen die Tiere gelangweilt aussehen. Solche Bilder kann man aber auch in der Wildbahn drehen und es wäre dann möglich, nachher mit diesem Bildern den Eindruck zu erwecken, wilde Tiere wären nur gelangweilt.

Blick auf die Show und das Mehrbeckensystem der Orca-Haltung im Marineland Antibes | Foto: Loïc Ventre, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Anschließend geht er zum „orca tank“, wie er das mehrere Millionen Liter fassende Mehrbeckensystem nennt. Wenigstens gesteht er ein, dass es nach dem ersten Eindruck groß aussähe. Während der Show redet er dann über den edukativen Aspekt der Show und schildert seinen Eindruck, es wäre alles für „good reason“, und stellt es danach aber sofort in Frage. Diese kritische Herangehensweise hätte man sich bei den Ausführungen der Born Free Foundation gewünscht, aber sie wurden nicht hinterfragt. Anschließend behauptet er, dass die Trainer die Tiere klar lieben würden und man dies sehen würde. Erneut stellt er aber Fragen, die mehr Skepsis gegenüber der Haltung deutlich machen; eine Skepsis, die er gegenüber den Tierrechtlern nicht zeigte. Eine Haltung also, die man aber auch hätte gegenüber der Born Free Foundation hätte einnehmen müssen, um beide Seiten gleich zu behandeln. Nach der Show spricht er von „theatrics“ und, dass die Stimmung sich ja mit dem Ende der Show total verändert hätte, die Tiere wirkten „leblos“ und „gelangweilt“. Eine völlig lächerliche Einschätzung. Er wundert sich zu diesem Zeitpunkt darüber, dass die Tiere, nachdem sie psychisch und physisch zu ihrem Wohlergehen gefördert wurden, sich etwas Zeit zum Entspannen nehmen. Das ist ungefähr so, als würde man sich nach einem Sportwettkampf auf der Laufbahn wundern, dass die Läufer erschöpft sind. Wieder nur kurze Schnitte auf die Tiere: wirklich belegen kann er den Eindruck also bildlich auch nicht. Lange genug ist er offenbar auch nicht drin geblieben, um spielende oder anderweitig miteinander interagierende Tiere zu filmen, oder er hat sie einfach übersehen.

Trainerin lässt sich von Delfinen aus dem Wasser katapultieren – die Tiere machen das freiwillig. | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Wieder bei den Großen Tümmlern merkt er auch hier einen Unterschied. Das führt ihn zu einer steilen These, die er beim Zuschauer evoziert: Delfine seien ja nur während ihrer „Performance“ aktiv. So versucht er auf das Lächeln der Delfine zu sprechen zu kommen. Hier sieht man seine oberflächliche Betrachtungsweise: Delfine lächeln gar nicht, denn ihre Mundwinkel zeigen nach unten, statt, wie bei einem Lächeln üblich, nach oben. Sie haben aber ohnehin keinerlei Gesichtsmimik, die sie willentlich beeinflussen können.

Dann spricht er davon, dass die Großen Tümmler die Trainer an ihren Fußsohlen spielerisch schubsen. Das wäre nicht natürlich – man müsse auch kein Experte sein, um das zu erkennen. Nun, die Delfine nutzen ihre „bottlenose“ als Werkzeug und stubsen damit auch in der Wildbahn – sie kann sogar zur tödlichen Waffe werden. Sie nutzen ihre Schnauze auf viele verschiedene Weisen und man kann in Menschenobhut den Besuchern auf diese Weise gut verdeutlichen, damit sie sehen, welche Kraft dahintersteckt. In Menschenobhut töten sie damit eben nicht größere Meerestiere, sondern tragen den Trainern – das Benutzen der Schnauze findet so in durchaus ähnlicher, aber in friedlicherer Funktion statt. Dies als Edukation zu verstehen, ist wohl etwas zu hoch für ihn. Würde man dies nicht tun, kämen Aktivisten wieder her und beschwerten sich, dass die Tiere die Flasche ja gar nicht als Werkzeug, Kommunikationsmittel und im Spiel einsetzen könnten wie sie es in der Wildbahn tun.

Orca-Show im Jahr 2013: Die fünf Orcas des Marineland Antibes starten zum Sprung. | Foto: Andreas Ahrens, Lizenz: CC BY 2.0

Er verstünde, warum Leute in den Park kämen – wieder reitet er einzig und allein auf der Edukation herum. Das ist aber nur eine wichtige Säule neben Forschung und dem Einsatz der Zoos für den Tier- und deren Lebensraumschutz, für den die Zoobesucher motiviert werden. Darüber klären moderne Delfinarien umfassend auf – er wäre schon bei einer einfachen Internetrecherche fündig geworden. Aber wahrscheinlich möchte er nicht, dass der Publikum dies auch erfährt. Sie könnten ja auf die Idee kommen, dass Delfinarien gut wären und das will er offenbar unter allen Umständen durch tendenziöse Berichterstattung verhindern.

Aber er könnte sich nicht helfen, er denkt die Tiere, die er nach Trainingseinheiten in kurzen Ruhephasen für wenige Sekunden immer wieder zeigt, wären depressiv. Was erwartet er?, fragt man sich. Tiere, die völlig unbändige Energiebündel sind, andauernd springen und aktiv sind. Auch in der Wildbahn haben diese Tiere ganz natürliche Ruhephasen, wo sie kaum Strecke machen.
Das nutzen kommerzielle Whale Watching Boote aus und suchen gezielt Ruhegruppen vor der Küste auf. Die gleichen Bilder könnte man bei WhaleWatching schießen, wenn man solche Ruhegruppen aufsucht und nichts anderes hat Meah hier gemacht.

John Hargrove – der bei SeaWorld unrühmlich ausgeschiedene Trainer hetzt wieder

John Hargrove erklärt, er habe SeaWorld California als „Senior Trainer“ verlassen, um das Programm in Frankreich zu „übernehmen“. Das ist schon sehr kurios. Das Programm in Antibes bestand bereits seit 1999 und 2001 wechselte er nach Antibes, nachdem er 1997 bei den Schwertwalen bei SeaWorld angefangen hatte. In Frankreich blieb er dann bis 2002 und arbeitete bis 2008 gar nicht mehr als Trainer, bevor er zu SeaWorld zurückkehrte – allerdings nach San Antonio, wo er dann bis 2012 arbeitete. Nach einem Sicherheitsverstoß, den er freilich leugnet und auf einen anderen Mitarbeiter abzuwälzen versucht, war er zu den Seelöwen versetzt worden und kehrte auch bis zu seiner Kündigung nicht zu den Orcas zurück.
Hargrove, der auch anscheinend mal gern mit dem rassischen N-Wort um sich wirft, wenn es um so genannte schwarze Mitbürger geht, behauptet dann zehn Aggressionen während der Wasserarbeit gehabt zu haben – ohne jeden Beweis. Die andere Trainerin habe mehr als doppelt bis viermal so viel gehabt und auch dies beweist er nicht.
Dann fragt der Moderator Hargrove wie die Tiere denn in Marineland behandelt würden. Er fragt also einen Trainer, der vor 15 Jahren dort seinen letzten Arbeitstag hatte und nicht mal zwei Jahre Erfahrung dort aufweisen kann, wie die Tiere heute behandelt würden. Ein völlig lächerlicher Vorgang. Aber Hauptsache Meah kann einen Lobbyisten präsentieren – Glaubwürdigkeit irrelevant

Hargrove behauptet von sich 1993 „angefangen“ zu haben. Das geht auch nicht wirklich auf. Professionelle Erfahrung mit Schwertwalen hat er erst seit 1997 und insgesamt bringt er es auf 12 Jahre, die sehr unrühmlich endeten. Natürlich nimmt er jede Gelegenheit wahr, nun gegen frühere Arbeitgeber zu schießen – das gehört schließlich dazu, weil er auch fester Bestandteil der Delfinariengegner-Bewegung ist.

Auch seine Sache vom Anfang kommt wieder: „I personally drugged whales.“ Natürlich. Trainer sind auch das Pflegepersonal der Tiere, natürlich müssen sie auch Medikamente geben, wenn ihre Schützlinge krank sind. Das geschieht zwar selten, aber, wenn man 12 Jahren mit den Tieren arbeitet, kann das passieren, da akute Krankheiten, wie sowohl in der Tier- als auch Humanmedizin üblich, selbstverständlich auch in modernen Delfinarien medikamentös behandelt werden.

Dann spricht er von dem populistischen Druck der Minderheit von Tierrechtlern, dem SeaWorld ausgesetzt war und prophezeit auch, dass Marineland diesem Druck erst recht nicht standhalten. Hargrove unterschätzt allerdings die EU-Zoodirektive, die einen Zuchtstopp wie in SeaWorld unmöglich machen sollte. Wenn Präsident Macron seinen Pro-Europa-Kurs ernst meint, muss er den Zuchtstopp in Frankreich aufheben.

Wer mehr über die Personalie Hargrove erfahren will, schaut am besten hier: http://realjohnhargrove.com/.

Interview mit Ingrid Visser in Marineland

Ingrid Visser jagt Orcas mit Unterwasserkamera – die Tiere schwimmen vor ihr weg. | Foto: Screenshot des Films „Woman swims with killer whales in the wild.webm“ von Fair Projects (Lizenz: CC BY 3.0)

Der Sprecher erklärt, die Kampagne wäre „kriegsähnlich“. Auf der Suche nach Fakten, trifft er sich mit der Anti-Delfinarien-Lobbyistin Ingrid Visser. Sie hätte „research“ im Park betrieben – in Wirklichkeit hat sie nicht mehr Einblick als jeder andere Besucher auch. Das erwähnt er freilich nicht. Sie erklärt, hinter einer sündhaft teuren Kamera, dass sie nach Dingen sucht, die das, was sie umtreibt, zeigen.
Ein „Klassiker“ wären Stereotypien. Es wurden in keinem Delfinarium der Europäischen Zoo-Organisation (EAZA) je eine in den Anlagen entstandene Stereotypie bei einer Delfinart wissenschaftlich anerkannt beschrieben – auch von Frau Visser nicht. Was sie nun aufzählt ist ihre persönliche Meinung, die sie nicht mal mit Bildern belegen kann oder je hinreichend belegt hätte.
Ebenso sei sie an Selbstverstümmelung bei den Walen interessiert – also bei den Walen. Auch das hat noch niemand für Delfine in modernen Delfinarien je wissenschaftlich nachweisen, noch beschreiben können. Sie behauptet also mal wieder gegen den Forschungsstand.
Ebenfalls schaute sie nach Zahnabnutzung. Natürlich nutzen sich in Menschenobhut Zähne von Orcas ähnlich ab wie sie es in der Wildbahn bei vergleichbaren Populationen auch tun. Allerdings findet man in Menschenobhut deutlich weniger Tiere, deren Zähne bis auf die Zahnfleischkante abgerieben sind, als etwa in der Wildbahn.

Schwertwal-Skelett im Museum Naturalis in Leiden | Foto: Henk Caspers/Naturalis Biodiversity Center, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Danach kommt das Interview zu einem Stopp. Angeblich wurde man von Jon Kershaw unterbrochen. Er wolle wissen, was Ingrid Visser filmt und geht dann wieder. Bis auf einen Dank hört man allerdings nichts von der Konversation zwischen dem Filmemacher und dem Experten des Marinelands. Dann geht es mit der Anti-Zoo-Lobbyistin weiter.
Der Moderator weicht nun thematisch ab und will wissen, wie sie denn mit Opposition gegen ihren „Glauben“ umginge. Dann wird es lustig: „Weißt du, was ich immer tue, ist Fakten zu präsentieren.“ Das stimmt keineswegs. So scheiterte Ingrid Visser er jüngst mit ihrem von ihrer Anwältin vorgetragenen Populismus vor der CITES-Behörde, nachdem sie auch bei allen gerichtlichen Instanzen der Niederlande durchgefallen war. Mit Fakten würde ihr das wohl nicht passieren…

Bei den Großen Tümmlern angekommen beschwert sie sich über die angebliche Unnatürlichkeit von Spielverhalten. Hier ignoriert sie, dass natürlich auch wilde Delfine bis ins hohe Alter Spielverhalten zeigen. Rufen wir uns zudem in Erinnerung: Weder hat sie eine Expertise im Bereich der Haltung von Großen Tümmlern, noch war sie je an professioneller Haltung beteiligt. Dann will sie noch Selbstverstümmelungen entdeckt haben. Auch diese sind beim Tier nicht zu erkennen. Man sieht nur ein Foto – wie sich ein ähnliches schon für den Orca Morgan als manipuliert herausstellte.
Dann spricht sie davon, es sei nicht natürlich in Menschenobhut, dass die Tiere Hautverletzungen oder Rake Marks hätten – in der Wildbahn haben sie diese allerdings, was sie auch gar nicht verneint. Hier verheddert sich Visser nun auf mehreren Ebenen in ihrem eigenen Lügenkonstrukt.

Ein Sprung eines Großen Tümmlers während der Delfinshow im Marinalnd Antibes | Foto: Axou, Lizenz: CC BY-SA 1.0

Anschließend behauptet sie, die Tiere hätten ja nichts zu gucken. Dann sagt der Moderator, der ihr die Bälle förmlich zuspielt, dass die Seelöwen ja mehr Enrichment hätten – ein Vergleich wie von Äpfeln und Birnen. Visser wird immer erregter. Sie behauptet, es gäbe keine Felsen in den Tanks, weil das einfacher sauber zu halten wäre. Sie ignoriert hier völlig, und daran merkt man ihre mangende Haltungserfahrung, dass man in einem Notfall bei Orcas, wenn etwa Menschen ins Wasser springen oder fallen und sie für die Tiere oder die Tiere für sie eine Gefahr darstellen würden, Netze eingelassen werden, die plan mit den Beckenwänden abschließen müssen. Da stören Felsen. Anschließend interpretiert sie Falten als Zeichen für Verhaltensstörungen – eine steile persönliche These, denn auch das wurde nie nachgewiesen.

Dann behauptet sie noch, es gäbe starke Anzeichen für Stress bei Delfinen in Menschenobhut. Auch dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise. Die bisherigen Ergebnisse seriöser wissenschaftlicher Analysen sagen, dass die Tiere in Menschenobhut sogar weniger gestresst sind. Visser behauptet weiter, es würde sie krankmachen, die Tiere in Menschenobhut zu sehen und macht „die Menschheit“ dafür verantwortlich sowas zuzulassen. Es handelt sich hierbei um einen typischen Topos des Populismus: der Desinformant als Opfer der Menschheit, dem es alles ja ach so schwer fällt.
Ebenso behauptet sie, die Tiere hätten ja keine Wahl. Tatsächlich haben sie das, denn jedes Tier entscheidet selbst, wie es seinen Tag verbringt und ob es bei den Trainingseinheiten und auch bei den Shows mitmacht oder nicht. Die Orcas wären hier, weil Touristen klatschen. Ein völlig sinnloses und falsches Statement. Dann beschwert sie sich, dass das Marineland nicht ihre Lüge, dass die Tiere, auf die sie zeigt, normalerweise 200 Kilometer am Tag zurücklegen würde, dem Publikum mitteilen würden; keine Studie hat je eine Tagesstrecke von 200 km dokumentiert. Meah bestätigt ihre Lüge dann auch noch und widerspricht nicht energisch, wie es bei einer ausgewogenen und faktenbasierten Dokumentation der Fall sein müsste, wenn jemand sich Forschungsergebnisse ausdenkt. Er lässt Visser gar behaupten, dass wäre ein biologisches Bedürfnis der Tiere, was schlicht genauso gelogen ist, und nie wissenschaftlich bewiesen wurde.

Trainerin und Orca haben Freude an der gemeinsamen Interaktion im Marineland Antibes. | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Anschließend behauptet sie, dass die einzige Verbindung zwischen Trainer und Orca das Futter wäre. Auch das ist eine Lüge. Tier und Trainer verbindet ein Band aus Liebe und Respekt. Ein Orca kann problemlos Wochen ohne Futter auskommen – ohne, dass es für ihn lebensbedrohlich wird. Zudem bekommen die Tiere so oder so ihren tägliche Ration Fisch – weder wäre es gesetzlich zulässig, sie hungern zu lassen, noch im Training wirksam. Dann behauptet sie, obwohl ohne jede Haltungserfahrung, dass jeder die Verbindung bekäme, nachdem er die Tiere eine Woche lang gefüttert hat. Auch das stimmt nicht und zeigt, dass sie keinerlei professionelle Erfahrungen mit der Haltung dieser Tiere hat.

Danach behauptete sie, nachdem sie eingestand, dass die Trainer die Tiere sehr mögen, dass es schlimmer sei als ein Gefängnis, weil die Tiere eingesperrt seien, ohne etwas Verbotenes getan zu haben. Visser verdreht hier völlig die Realität. Diese Tiere sind heutzutage nicht in Gefangenschaft, sondern in Menschenobhut, weil sie in der Wildbahn keine Überlebenschance haben. Zudem fällt sie so den Trainern, die sie eben noch lobte, in den Rücken, indem sie sie als unfairen Gefängniswärtern verunglimpft.

Treffen mit Ingrid Visser später am Tag

Wir haben nun die Hälfte des Films hinter uns. Nun müsste eigentlich, nachdem man im ersten Teil bis auf zwei kurze Momente, ausschließlich die Propaganda der Delfinariengegner unhinterfragt reproduziert hat, die andere Seite beleuchtet werden. Davon ist aber nichts in Sicht: Meah trifft sich nochmal mit Visser.
Vorher spielt er aber noch etwas Theater wie schwer es doch angeblich wäre an ein Interview mit Marineland zu kommen. Wirklich Beweise, dass es so war, wie er hier vorspielt, zeigt er nie. Es wirkt ein wenig wie schlechtes Schülertheater. Zuvor hatte er ja noch Jon Kershaw direkt sprechen können – fraglich, warum er dies dann nicht angesprochen haben will.

Wilde Orcas im Bereich South Georgia – man sieht gut Hautunreinheiten | Foto: Christopher P. Michel, Lizenz: CC BY 2.0

Meah trifft sich mit Ingrid Visser in einem Hotelzimmer. An einem Laptop reitet sie nochmal auf der Zahnabnutzung herum. Anschließend stellt sie sich als Opfer dar – letztendlich, weil ihre persönlichen Theorien ohne Beweise und Forschung eben in der professionellen wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht als Forschungsstand anerkannt sind. Pointiert gesagt beschwert sie sich, dass wissenschaftlich gearbeitet wird und sie mit ihrer Pseudo-Wissenschaft nicht durchkommt. Ebenso behauptet sie, dass die Rake Marks in der Wildbahn so nie vorkommen. Auch das ist falsch. Aufgrund seiner schlechten Vorbereitung (oder aufgrund seiner Ideologie) scheint Meah das nicht zu wissen und lässt es unkommentiert wie eine Wahrheit stehen.

Nun bewirbt sie ihr eigenes Privat-SeaWorld, dass sie „Sanctuary“ nennt. Ein Luftschloss, dass ihre ohnehin kommerzielle Verwertung von Orcas auf die Spitze treiben soll. Sie tut so als wünsche sie sich, dass solche Sanctuarys von Zoos betrieben würde, denn „sie kennen die Tiere am Besten“. Dies zeigt ihre Verlogenheit, hatte sie doch zuvor Meah mitgeteilt, wie schlecht es den Delfinen in Obhut der Zoos geht. Ihm fällt dieser eklatante Widerspruch gar nicht auf. Er fällt sogar noch darauf rein und lobt ihre Kooperationsbereitschaft. Demnach sollen Zoos mit Leuten kooperieren, die Lügen über sie verbreitet haben und sie durch Populismus in Misskredit bringen.

Interview mit Jon Kershaw

Blick von hinter den Kulissen auf ein volles Orca-Stadion im Marineland Antibes | Foto: E v Schoonhoven, Lizenz: CC BY 3.0

Nun erst kommt der erste weltweit anerkannte Experte in einem Interview zu Wort. Nach 20 Minuten ununterbrochenen, haltlosen und populistischen Anschuldigungen, blieben ihm noch etwas mehr als 10 Minuten, wenn man ihn bis zum Ende reden lassen würde. Das tut man aber nicht.

Kershaw wird ausschließlich in der Verteidigungsposition gezeigt. Er bekommt einen populistischen Vorwurf nach dem anderen zur Widerlegung vorgesetzt. Viele Schnitte, die auch deutlich die Tonspur unterbrechen und keine Spur von dem Werbemodus, indem sich zuvor die Born Free Foundation, John Hargrove oder Ingrid Visser befanden. Kershaw schafft es zwar gut, die Anschuldigungen zu widerlegen, aber Meah stellt es so dar, als sei er in Übereinstimmung mit Visser, indem er Aussagen dreht und doch manchmal sehr kurios schneidet. Dies reiht sich ein in die eingestreuten persönlichen Thesen des Produzenten beim Interview, die wohl dafür sorgen sollen, dass keiner auch nur auf die Idee kommt, die Arbeit, die der Experte und sein Team in Antibes täglich leisten, gut zu finden. Eine ehrliche Chance bekommt Kershaw nicht!

Outro

Die Beziehung zwischen Orca und Trainer ist gerpägt von Liebe und Respekt | Foto: avu-edm, Lizenz: CC BY 3.0

Ausgewogenheit sah man nicht. Mit Johnny Meah erlebten die Zuschauer einen Moderator, der Aktivisten alles glaubte und nur gegenüber dem Marineland kritisch wurde. Nun wirft er abschließend den Leuten hinter den Kulissen noch Geldmacherei vor, um, so scheint es, auch wirklich alle Vorwürfe der Anti-Delfinarien-Lobby ungefragt reproduziert zu haben. Die Tiere würden leiden, das behauptet er ohne je einen Beweis dafür gesehen zu haben oder im Film wirklich geliefert zu haben, und die Shows, deren edukativen Gehalt er zuvor noch anerkannte, wären ein Zirkus.
Nun will er aber, dass die Zoos & Aquarien, denen er gerade noch Tierquälerei für Geld vorgeworfen hat, mit den Anti-Zoo-Lobbyisten, die skrupellos Lügen über sie verbreiten, zusammenarbeiten. Durch Schnitt zeigt er dann noch, dass er Vissers sinnloses und aus Sicht von Experten für Tierschutz äußerst umstrittenes „Sanctuary“ für die beste Zukunftsvision hält. Ohnehin gehörten die Tiere ja nur in die Natur, gibt sich Meah überzeugt. Da er den Artenschutz moderner Zoos konsequent ignorierte, weiß er auch nicht, dass viele Populationen kurz vor dem Aussterben stehen und nur die Zoos mit ihrer Forschung, dem Know-How und auch dank ihrer Motivationspotentials die einzigen sind, die Wale noch vor dem Aussterben bewahren können.

Abschließend wird behauptet, das tierquälerische Zuchstopp-Dekret wäre von Experten auf der ganzen Welt begrüßt worden. Dabei ignoriert er wieder die achtzig bedeutendsten Wissenschaftler in diesem Bereich, die sich für Meeressäugerhaltung aussprechen. Dadurch zeigt, dass er nur auf eine Minderheit von Lobbyisten schaut, die er als Experten missversteht. Dann wird noch die Zeitungsente verbreitet, Marineland bzw. Jon Kershaw hätten das Orca-Zuchtprogram aufgegeben – aktuell kämpfen diese jedoch vehement gegen den Zuchtstopp.

Im Abspann findet man offenbar nur eine Person, die nicht der Anti-Delfinariengegner-Lobby angehört (Jon Kershaw), dafür aber viele, die es sehr wohl tun. Es ist symptomatisch für den ganzen Film. Die Untertitel übersetzten mit Rosina Lisker und Irene Buesa enge Mitarbeiterinnen von Ingrid Visser. Auch der dritte Übersetzer im Bunde, Soundwave on the Road, arbeitete bereits mit Visser zusammen. Daran merkt man deutlich, dass die schamlose Werbung für die Anti-Delfinarien-Lobbyistin Visser nicht von ungefähr kommt. Sie und ihre Mitarbeiter waren offenbar stark in die Produktion integriert.

Im zweiköpfigen Produzenten-Team tritt aber nicht nur der Moderator auf, sondern auch Summer Dean. Summer Dean arbeitete bereits mit der World Cetacean Alliance (WCA), ein Schmelztigel der Anti-Delfinarien-Lobby, für den Film „Whale Heritage Sites Azorespromo“ zusammen. Mitglied der WCA ist natürlich auch die Free Morgan Foundation und die Born Free Foundation. Die Lobby hat also mitproduziert und somit ist die unausgewogene Berichterstattung auch wenig überraschend.

Man sollte also nicht den Fehler machen, diesen Film als ausgewogen oder beidseitig missverstehen. Hier hat die Anti-Delfinarien-Lobby wesentlich mitproduziert und anscheinend auch die Inhalte bestimmt. Wahre und anerkannte Experten auf dem Gebiet hatten in diesem Film keine faire Chance.