Capra ibex: Alpensteinbock

Alpensteinbock im Tierpark Bern | Foto: Kambui, Lizenz: CC BY 2.0

Alle Steinböcke, die man heute in den Alpen sieht, stammen von Tieren ab, die aus Zoologischen Gärten in die Natur gebracht wurden. Ohne diese Auswilderungen durch Zoos wäre die Art ausgestorben. Sie war in Europa fast ausgerottet bis auf eine kleine Population in Grajischen Alpen. Zum Glück gab es noch Tiere in Menschenobhut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Tiere ausgewildert. Es folgten zahlreiche weitere Projekte mit Zoo-Beteiligung.

Inzwischen gilt der Wildbestand wieder als weitestgehend gesichert. Das ändert aber nichts daran, dass nicht weiterhin auch Tiere ausgewildert werden. 2023 und 2024 waren es 10 und 11 Tiere aus EAZA-Zoos, die in die Natur gebracht wurden. Die Jahre vor waren es im Mittel jeweils 6 Tiere. Dass sie aktuell nicht mehr bedroht sind, heißt nicht, dass man sie außer Acht lassen sollte. Daher helfen Zoologische Gärten mit, dass die Erfolge nicht wieder verloren gehen. Dazu hat sich die Spezies auch noch nicht zu 100% erholt.

Ohne Zoologische Gärten gäbe es die Alpensteinböcke nicht mehr. Bevor also die Weltnaturschutzunion (IUCN) gegründet und lange bevor der One Plan Approach to Conservation formuliert wurde, haben Zoologische Gärten bereits mit einer Kombination aus Maßnahmen ex situ und in situ Arten gerettet. Die Rote Liste gibt beziehungsweise gab 2024 eine Erholungsrate der Spezies von 79% an und die Wildpopulation gilt nur noch als mäßig erschöpft. Das ist ein riesiger Erfolg moderner Zoos.

Canis rufus: Rotwolf

Rotwolf im Point Defiance Zoo & Aquarium | Foto: U.S. Fish and Wildlife Service Southeast Region, Lizenz: CC BY 2.0

Die Wiege des Projektes zur Rettung der Rotwölfe liegt im Point Defiance Zoo & Aquarium. Der Zoo hatte in den 1970er Jahren 14 Überlebende aus der Wildbahn erhalten. 1980 wurde der Wolf als in der Natur ausgestorben beschrieben. Schon 1987 konnten aber die ersten Tiere zur Wiederauswilderung gebracht werden. Aus insgesamt 63 ab dann in die Natur gebrachten Rotwölfe konnte bist 2012 eine Population von über 100 Tieren anwachsen. Leider konnten die Schutzvorschriften nicht so gut durchgesetzt werden wie erhofft. 2021 zählte man nur noch acht Tiere.

Das sind Rückschläge, die zu jedem Natur- und Artenschutzprojekt gehören. Es ist wichtig daraus zu lernen. Ebenfalls ist hierbei wesentlich, dass man weiß, dass das Prinzip funktioniert. Darauf kann man aufbauen. Gerade Wölfe haben ein schwieriges Image. Eine Wiederansiedlung stellt Artenschützer deshalb vor große Herausforderungen. Daher ist es von großer Wichtigkeit einen Weg mit der örtlichen Bevölkerung zu finden.

Eines steht aber sehr klar fest: Ohne Zoologische Gärten, die an diesem Programm teilnehmen, hätte man diese wunderschönen Wölfe bereits vor vielen Jahrzehnten verloren. Die gute Chance, die man nun auf Wiederansiedlung hat, würde heute gar nicht mehr bestehen. Die Pionierarbeit durch Zoos und Aquarien hat diese Art gerettet. Inzwischen beteiligen sich zum Glück viele am Schutz dieser besonderen Tiere.

Rotwölfe vor Infotafeln im Defiance Zoo & Aquarium | Foto: Greg Goebel, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Bubalus quarles: Berg-Anoa

Das letzte Berg-Anoa der Westlichen Welt im Krefelder Zoo | Foto: zoos.media

Das Berg-Anoa kennt man eigentlich nur noch aus dem Krefelder Zoo. Dort lebt das letzte Botschafter-Tier dieser Art – zumindest in der so genannten Westlichen Welt. Zusammen mit dem Tiefland-Anoa (Bubalus depressicornis) sowie dem dem Molukken-Hirscheber (Babyrousa babyrussa), Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis), Togian-Hirscheber (Babyrousa togeanensis) und dem Banteng (Bos javanicus) gehören sie zu relativ unbekannten Vertretern der Huftiere. Gleichzeitig sind sie aber bedroht.

2015 wurden für die Tiere Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um für jede Art eine gesunde Ex-Situ-Population aufzubauen, die als Back-Up dienen soll. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber auch Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Population langfristig zu managen. Wichtig ist dabei natürlich auch der Erhalt der genetischen Diversität.

Durch den Austausch von Know-How kamen in indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans zustande (Stand: 2021). All das ist Verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen. Über 63 Zoos und Universitäten von vier Kontinenten beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.

Bubalus mindorensis: Tamarau

Tamarau im Mount-Iglit-Baco-Nationalpark (2012) | Foto: Gregg Yan, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nur auf der zu den Philippinen gehörenden Insel Mindoro leben überhaupt Tamaraus und da auch nur in zwei kleinen Schutzgebieten. Früher bewohnte das Rind die ganze Insel und auf einer Nachbarinsel ist die Art schon ausgestorben. Eine Herausforderung ist aber schon die Zählung und Überwachung der Populationen, allerdings sind Mensch-Tier-Konflikte in diesem Zusammenhang ein großes Problem. Hier arbeitet man auch an Mediation.

Zudem werden bessere Beziehungen zu den indigenen Gruppen aufgebaut, deren angestammtes Gebiet sich mit den Grenzen der größten Subpopulation überschneidet. Stammesführer der betroffenen indigenen Gemeinschaften sind inzwischen bereit, die strenge Schutzzone für das Tamarau gemäß den Stammesgewohnheitsgesetzen zu erweitern. Das gibt den Tamaraus mehr Raum und soll die Konflikte zwischen Mensch und Tier verringern.

Mit 427 Individuen im Jahr 2021 gab es einen deutlichen Anstieg. Im Jahr 2000 waren es nur noch 154 Tiere gewesen. Dies ist ein klarer Beweis für den erfolgreichen Schutz in der Region. Zoos auf der ganzen Welt haben sich engagiert und werden sich weiter engagieren. Beteiligt sind zum Beispiel die Zoologische Gesellschaft von London, der Tierpark Berlin, der Phoenix Zoo und einige andere mehr.

Branta sandvicensis: Hawaiigans

Gilt als die seltenste Gans der Welt: die Hawaiigans | Foto: Bettina Arrigoni, Lizenz: CC BY 2.0 DEED

Lokal wird die Art – in lautmalerischer Anlehnung an ihren Ruf – Nene genannt. Sie trägt auch im wissenschaftlichen Namen ihre Herkunft, denn früher kannte man Hawaii auch unter den Namen Sandwich-Inseln. Die Population war Mitte des 20. Jahrhunderts auf 30 Tiere zusammengeschrumpft. Dass es nun wieder fast 4.000 Tiere in der Natur gibt [Stand: 2022] ist modernen Zoologischen Gärten zu verdanken. Ohne Zoos wäre die Art wohl ausgestorben. Nach wie vor gilt sie als seltenste Gänse-Art der Welt. Die Arbeit ist also auch noch nicht beendet.

Nach wie vor steigen auch immer mehr Zoologische Gärten in die so wichtige Haltung der Tiere ein, wie zum Beispiel der Woodland Park Zoo im Jahr 2023. Das ist wichtig, denn auch heute noch sind die Nene in ihrem natürlichen Lebensraum Bedrohungen ausgesetzt. Menschen, die sie füttern, gewöhnen sie an sich und Autos. Das Problem ist, dass die Gänse deshalb die Nähe zu Menschen und Autos suchen, was wiederum Kollisionen mit schnell fahrenden Autos begünstigt.

Die Stiftung vom Honolulu Zoo erklärt zudem: „Vom Menschen verursachte Veränderungen im Ökosystem werden wahrscheinlich immer ein gewisses Maß an Management der Hawaiigänse erfordern, um schwere Störungen des Ökosystems zu ‚kompensieren‘„. Somit sorgten Zoologische Gärten nicht nur für die unmittelbare Rettung der Art vor dem Aussterben, sondern sind auch der Schlüssel zu ihrem zukünftigen Überleben. Dafür kann niemand anders so sorgen wie Zoos es können.

Bos javanicus: Banteng

Bantengs im Tierpark Hellabrunn – die asiatischen Rinder sind bedroht. | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Diese besonderen Rinder sind nicht mir ihrer domestizierten Form, dem Balirind, zu verwechseln. Sie sind nämlich stark bedroht. Mit Hirschebern und Anoas sind sie Teil eines Projekts, das sich unterrepräsentierten asiatischen Huftieren annimmt. Bantengs gelten nach einem Verlust von 50% der Wildpopulation seit 2016 als gefährdet.

2015 wurden für die insgesamt sechs Arten Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um möglichst große Ex-Situ-Populationen aufzubauen. Sie sollen als Absicherung dienen. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber zudem Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Populationen langfristig zu etablieren. Wichtig ist dabei natürlich eine große genetische Diversität.

Durch den Austausch von Know-How konnte man in indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans bereits [Stand: 2021] zustande bringen. All das ist verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen – wie zum Beispiel erfolgreiches Monitoring der Banteng-Bestände in der Natur. Über 63 Zoos und Universitäten weltweit beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.

Bos bonasus: Wisent

Wisent im Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Die Europäischen Bisons sind keine Bisons aus der Prärie, sondern sie leben vielmehr in den Wäldern. Als die gerodet wurden, ging es auch den Wisenten an den Kragen. 1927 wurde der letzte seiner Art geschossen. Daher stammen alle heute noch lebenden Tiere von 12 Wisenten ab, die in Zoos und Tiergehegen übrig geblieben waren. Hätte es dieses Duzend nicht gegeben, wäre die Art für immer weg gewesen. Dann gäbe es keine Bisons in Europa mehr.

Fünfundzwanzig Jahre später konnten die ersten Herden wieder angesiedelt werden. Zum Glück hatte man sich nämlich schon vor dem Aussterben organisiert. So war 1923 schon die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet worden, an deren Spitze der Frankfurter Zoodirektor Kurt Priemel (1880-1959) gewählt wurde. Das aus den Erhaltungsbemühungen hervorgegangene Zuchtbucht gilt als das älteste Zuchtbuch für eine Wildtierart überhaupt.

Allein aus dem Tierpark Berlin sind zum Beispiel 46 Wisente zur Auswilderung nach Aserbaidschan gereist. Aktuell geht man von über 6.000 Wisenten in über 40 Herden in der Natur aus. Allerdings werden nur etwa acht als selbsterhaltend eingeschätzt. Das heißt also, die Arbeit mit dieser Art muss – obgleich sie als von Zoos gerettet gilt – noch weiter.

Bos bison: Amerikanischer Bison

Amerikanische Bisons im Hayden Valley | Foto: Anusia1984, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zahlenmäßig gehört das Comeback des Amerikanischen Bisons sicherlich zu den beeindruckendsten Erfolgen. Im 19. Jahrhundert waren die Bisons fast vollständig ausgerottet. Ende des Jahrhunderts wurden sie unter Schutz gestellt und in Zoos sowie Reservaten gezüchtet. Heute gibt es wieder über 300.000 Bisons in den USA. Ohne Zucht in Menschenhand wären die Bisons wohl für immer verschwunden.

Zoos wie der Bronx Zoo sind zudem auch dafür verantwortlich, dass auch Städter mit der Geschichte der Bisons vertraut gemacht werden. Das ist von großer Bedeutung. In den USA sind gerade die Küsten stark besiedelt, aber dort kommen die Tiere gar nicht vor. In New York bekäme man es daher vielleicht medial mit, aber ein Zoo in Bronx, der diese Tiere zeigt, macht sie der Bevölkerung viel bewusster als jedes Bild in den Medien es jemals könnte.

Früher erstrecke sich das Verbreitungsgebiet breit über Nordamerika von Mexiko bis nach Alaska in drei Unterarten. Nun hat man immerhin wieder einzelne Populationen entlang dieses historischen Verbreitungsgebietes ansiedeln können. Das zeigt aber auch: Die Arbeit von Zoos und Aquarien ist noch nicht beendet. Ziel ist es natürlich diese Art zu alter Größe zu führen, soweit dies in Ko-Existenz mit den übrigen Bewohnern des Ökosystems möglich und sinnvoll ist. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ohne Zoos aber könnte man den nie beschreiten.

Babyrousa celebensis: Sulawesi-Hirscheber

Hirscheber-Dame Dua Hati im Kölner Zoo | Foto: zoos.media

Hirscheber sind sehr bemerkenswerte Tiere, aber leider wenig bekannt. Zusammen mit den beiden anderen bekannten Hirscheber-Arten, den beiden Anoa-Arten und den Bantengs (Bos javanicus) sind die Sulawesi-Hirscheber Teil eines Projekts, das sich der Rettung dieser eher unbekannten Huftiere verschrieben hat. Obwohl fast kaum einer sie kennt, sind sie doch bedroht.

2015 wurden für die Arten Global Species Management Plans (GSMPs) gegründet, um jeweils eine möglichst große Ex-Situ-Population aufzubauen. Sie soll als Back-Up dienen. Natürlich ermöglichen diese Populationen aber auch Forschungs- und Bildungsprojekte. Daher arbeitet man intensiv international zusammen, um gesunde Population langfristig zu etablieren. Wichtig ist dabei natürlich der Erhalt der genetischen Diversität.

Durch den Austausch von Know-How kamen in Indonesischen Zoos über 37 erfolgreiche Geburten im Rahmen dieser Plans bereits [Stand: 2021] zustande. All das ist verbunden mit In-Situ-Maßnahmen zum Schutz der Wildpopulationen. Über 63 Zoos und Universitäten weltweit beteiligen sich an dieser wichtigen und für die Arten wohl überlebensrettenden Arbeit.

Lage spitzt sich zu

Dua Hati als Hirscheber-Ferkel im Grünen Zoo Wuppertal (2022) | Foto: zoos.media

Seit einiger Zeit häufen sich aktuell Berichte, die das Schlimmste befürchten lassen. Auf Sulawesi werden gar keine Hirscheber mehr gesehen. Daher befürchtet man, dass die Tiere ausgestorben sind. Als massiver Grund für dieses Ereignis fällt der Verdacht auf die Afrikanische Schweinepest (ASP), die sich auch auf Sulawesi verbreiten konnte. Die Sterberate von ASP liegt für empfängliche Arten bei rund 95%. Es könnte also passen.

Das zeigt wie schnell sich das Blatt im Artenschutz wenden kann. Zudem unterstreicht es wie wichtig Reserve-Populationen sind. Die Weltnaturschutz-Union listet die Art als VU. Nun will man den Status aber neu bewerten. In jedem Fall ist die Population in Menschenobhut nun extrem wichtig.

Daher arbeiten Zoologische Gärten für Hirscheber in situ und ex situ. Beides ist unerlässlich. Der Lebensraum muss gesichert werden. Dazu braucht es eine stabile Population, um eventuell auch auswildern zu können. Fernerhin braucht es ein Lösung für das ASP-Problem. All das ist möglich. All das kann man erreichen. Allerdings geht das nur mit Zoos. Ohne sie wäre die Art verloren.

Videos

Hier geht es zur Playlist über die Hirscheber im Grünen Zoo Wuppertal:

Aus Wuppertal zog die Nachzucht Dua Hati in den Kölner Zoo:

Diese Videos geben einen Einblick in die wichtige Arbeit von Zoos mit Hirschebern. Nur dank ihnen hat die Art langfristig eine Zukunft.