Exklusiv für zoos.media – 11.01.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Das ÖRR-Format Quarks tat anscheinend nur so, als wolle es über Orcas in andere Delfine in Menschenobhut seriös informieren. Der dazugehörige Beitrag gleich einer Bankrotterklärung.
Quarks: Quark über Orcas und andere Delfine
Was aus einem Leuchtfeuer des Wissenschaftsjournalismus geworden ist, ist mit „erbärmlich“ vermutlich kaum noch sinnvoll zu beschreiben. Dabei ist die falsche Bezeichnung „Delfine und Orcas“, die falsch ist, weil Orcas eben auch Delfine sind, nur die Spitze des Eisbergs. Der Beitrag über die Tiere markiert einen erneuten Tiefpunkt. Dass Menschen in Deutschland gezwungen werden, sowas zu finanzieren, ist bedenklich.
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Pseudo-Quellen für Fantasie-Zahlen

Quarks behauptet, dass Orcas „selbst in den größten Meeres-Themenparks“ 1.400 Mal am Tag „im Kreis schwimmen“ müssten, „um dieselbe Strecke zurückzulegen, die ihre Artgenossen normalerweise in der Wildnis bewältigen“. Dafür nimmt das WDR-Format an, dass Orcas „bis zu 160 Kilometer pro Tag“ in ihrem natürlichen Lebensraum schwimmen würden. Das ist einfach falsch. Es gibt keine Zahlen, die das belegen.
Als ein angeblicher Beleg für diese Aussage wird Lott et al. (2017) genannt. Vermutlich gemeint ist Lott & Williams (2017). Die Autoren selbst geben dabei an von der Anti-Delfinarien-Organisation WDC zu sein. Als zweite Quelle nennt man Jacobs et al. (2021). Auch das ist eine Arbeit aus dem Dunstkreis der Tierrechtsindustrie und ihrer Kollaborateure, wie etwa dem fragwürdigen Whale Sanctuary Project. Es handelt sich dabei nicht um Primärquellen aus der Forschung mit Orcas, sondern um Veröffentlichungen von Lobby-Organisationen.
Wie sieht es in der seriösen Forschung aus? Für Orcas residenten Ökotyps, also des Ökotyps, der mit den Orcas in Menschenobhut am sinnvollsten vergleichbar ist, gibt es keine wissenschaftliche Publikation, die anhand von Daten aus der Natur die Notwendigkeit belegt, dass jeder Orca jeden Tag 160 Kilometer zurücklegen muss. So eine Arbeit existiert nicht. Zudem beschreiben sämtliche Studien, dass der Grund für Orcas, Strecken zurückzulegen, der ist, dass sie aufgrund der Nahrungsverfügbarkeit dazu gezwungen werden.
10.000 Mal kleinerer Lebensraum?

Es ist eigentlich biologische Grundbildung und spätestens seit Hediger auch entsprechend belegt, dass sich der Raumbedarf von Tieren in Menschenobhut verringert, weil wesentliche Zwänge, die für einen größeren Aktionsraum sorgen, wegfallen. Kein Tier reist aus Spaß an der Freunde. Weite Reisen sind immer das Ergebnis von Zwang. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Wellensittich.
Der Wellensittich kann in Trockenperioden auf der Suche nach Ressourcen mehrere hundert Kilometer an einem einzigen Tag zurücklegen. Warum muss er das in tiergerechter Haltung nicht? Weil darin Trockenperioden verhindert werden und die Ressourcen, die Wellensittiche brauchen, immer zur Verfügung stehen. Eine schöne Voliere reicht hier aus. Es gibt eben diese Zwänge in Menschenobhut nicht. So haben die Tiere auch keinen Zwang zu reisen.
Das gleiche Prinzip lässt sich auf verschiedene andere Tiere auch anwenden und das ist auch beim Orca der Fall. Man müsste die Tiere in Menschenobhut illegal versuchen unter Zwänge setzen, damit sie jeden Tag 160 Kilometer zurücklegen, wie Quarks es anscheinend will. Das ist abstrus. Es ist auch nicht wissenschaftlich. Auf seriösen Quellen basiert das ebenso nicht.
Soziale Probleme?

Dann denkt sich Quarks soziale Probleme aus, die es nicht gibt. Angeblich könnten sich die Orcas nicht verständigen. Das stimmt natürlich nicht. Orcas können „Dialekte“, wie Quarks es nennt, lernen. Das Vocal Learning ist schon Forschungsgegenstand gewesen. Es wurde unter anderem bei SeaWorld, im Loro Parque und im Marineland Antibes erforscht. Es ist also völlig abstrus, was Quarks da konstruiert. Wie hätte man es dann erforschen können? Das macht keinen Sinn.
Auch die Lüge, dass sich Delfine zur Konfliktlösung nicht aus dem Weg gehen könnten, widerlegt sich bei einem einfachen Blick auf moderne Anlagen. Natürlich können sich die Tiere in den Mehrbecken-Systemen aus dem Weg gehen. Die Meeressäuger langweilen sich auch nicht und gestresster als ihre wilden Artgenossen sind sie ebenso nachweislich nicht. Auch diese Behauptungen von Quarks sind also weder wissenschaftlich belegt, noch im Anbetracht des Forschungsstandes seriös vermutbar.
Quellen, die das wirklich belegen könnten, nennt Quarks wieder mal nicht. Stattdessen wieder nur Schriften aus dem gleichen Dunstkreis wie schon zuvor. Also Quarks liefert hier eine Reproduktion von Lobbyismus-Material, keine seriöse wissenschaftliche Einschätzung oder gar eine Zusammenfassung vom Forschungsstand. Das ist eine sehr schwache Vorstellung für ein Format mit so einer finanziellen Ausstattung.
Setzen Forscher eher auf „Beobachtungen in der freien Wildbahn“?
Seriöse Wissenschaftler wissen, dass die Wildbahn, dort, wo es sie überhaupt noch gibt, nicht frei ist. Zudem bewerben sich meist mehr Wissenschaftler auf die Forschungsslots in Zoos und Aquarien mit Delfinen und anderen Walen als es freie Slots gibt. Hinzukommend können manche Forschungsfragen in der Natur gar nicht beantwortet werden. Weitere Forschungsfragen brauchen zu ihrer Beantwortungen Beobachtungen aus der Natur und der Haltung.
Die Aussage lässt sich auch nicht aus den als angebliche Quellen verwendeten Arbeiten seriös ableiten. Auch hier ist wohl eher der Wunsch von Quarks der Vater des Gedanken. Der Bedarf an Forschung mit Orcas und anderen Delfinen in Menschenobhut ist riesig. Es ist uns nicht mal möglich sämtliche Arbeiten in der Berichterstattung umfassend abzudecken, weil es eben so viele sind. Über verschiedene Arbeiten haben wir auch schon berichten können.
Hier drei Beispiele aus dem realen Leben:
Wie schaut es in Wirklichkeit aus?
So sieht tatsächliche Forschungsstand beziehungsweise die aktuelle Sachlage grundlegend anders aus, als Quarks es hier anhand von Lobbyorganisationen aus der Tierrechtsindustrie und ihres Dunstkreises darstellt. Wissenschaftliche Ergebnisse sprechen eine klare Sprache, was das Wohl der Tiere anbelangt.
Große Tümmler, die weltweit verbreitetste Delfin-Art in Zoos und Aquarien, sind gesünder, weniger gestresst und leben auch länger als ihre wilden Artgenossen. Während des Trainings, das für die Tiere freiwillig ist, schütten sie Glückshormone aus und freuen sich auf die Interaktion mit den Trainern. Über 150 Experten betonen die Wichtigkeit von Meeressäuger-Haltung in seriös geführten zoologischen Einrichtungen.
Auch seriöse Tierschutzorganisationen, wie die American Humane Society, stellen sich deutlich auf die Seite der ordentlich geführten Delfinarien sowie der von Zoos und Aquarien generell, die diese und andere Wale beherbergen. Rückenwind erhielt diese Position auch durch eine umfassende Tierwohl-Studie zum Thema:
Mal wieder einfach nur Quark?
Was schon für ein privatwirtschaftliches Medium peinlich wäre, gestaltet sich im öffentlich-rechtlichen Kontext als großes Ärgernis. Man würde aufgrund so schlechter Berichterstattung sein Abo normalerweise einfach kündigen. Allerdings kann man das bei Quarks nicht. Das muss man finanzieren. Seit Jahren erlaubt sich dieses Format eine in großen Teilen pseudo-wissenschaftliche Berichterstattung über Zoos und Aquarien nach der anderen und es gibt keinerlei Konsequenzen.
Es ist abstrus, dass das unter dem Label eines Wissenschaftsmagazins läuft. Die Berichterstattung und die tatsächliche Faktenlage sind dabei so weit voneinander entfernt, dass beide als entfernte Bekannte zu bezeichnen schon ein Euphemismus wäre. So ist die „Leistung“ von Quarks auch ein Beleg für nicht nur einen Fehler im System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. So scheint die Fehlberichterstattung vielmehr Methode zu haben, denn, wenn es sie gibt, stößt sie immer nur in eine Richtung: gegen Zoos und Aquarien, deren Bildung und Forschung sowie deren Natur- & Artenschutz.
Da hilft es dann auch nicht, wenn Quarks dann nur ein paar wenige der vielen unterstützenden Argumente für die Haltung von Orcas und anderen Delfinen in Menschenobhut beiläufig nennt. Das reicht als Feigenblatt nicht. Hier wird wohl aktiv durch Fehlinformationen die Meinung der Rezipienten versucht zu verzerren. Man könnte fast sagen, das Format missbrauche den Vertrauensbonus, den es genießt, um Lobbyorganisationen zweifelhaften Vorschub zu geben.
Vernichtung von Orca-Leben

Was hat die Tierrechtsindustrie denn bisher erreicht bis auf eine Schneise der Zerstörung? Das trifft insbesondere auch Orcas. Millionen von Spenden, die eigentlich sinnvoll hätten verwendet werden können, gehen unter. Den berühmten Orca Keiko hatte die Industrie verenden lassen, weil man lieber das Märchen von seiner „Freiheit“ verkaufen wollte, wenn man den Fall mal pointiert zusammenfassen möchte. Wer mehr über den Fall erfahren will, findet hier einen genauen Blick auf die Umstände des Todes von Keiko damals.
Ebenfalls mit einem Freiheitsmärchen sorgte die Tierrechtsindustrie für Tod von 10 Orcas, die man aus dem „Whale Jail“ angeblich „befreite“. Tatsächlich schickte man sie in den Tod. Mit dem Märchen sich ach so gut und so viel besser um Orcas kümmern zu können, verkaufte man zwei „Rettungen“ von jungen Orcas in Neuseeland und deren „Haltung“ in Swimming-Pools als große Errungenschaft und Grund für Spenden. Natürlich überlebten die Tiere nicht. Aktuell leiden zwei Orcas in Frankreich, weil die von der Tierrechtsindustrie beeinflusste Politik deren Transport in eine bessere Haltung verhindert.
Vor gar nicht allzu langer Zeit starb die Orca-Dame Lolita in einer von Aktivisten geführten Haltung. In der Haltung echter Experten hatte sie zuvor etliche Jahrzehnte überlebt. Auch länger als seine wilden Artgenossen überlebte der Orca Kshamenk. Politische Fehlentscheidungen und Fehlinformationskampagnen der Tierrechtsindustrie blockierten eine Verbesserung seiner Situation. Diese Tierrechtsindustrie und ihre Kollaborateure sind dieselben, die Quarks in ihrem Beitrag als seriöse Quelle verkaufen will. Im Sinne der öffentlich-rechtlichen Beitragszahler ist das wohl kaum.
