Exklusiv für zoos.media – 04.10.2026. Von: Philipp J. Kroiß
Viel Hass, wenig Inhalt – die „Mission Erde“-Community präsentiert sich in Berlin, wie man sie kennt. Was aber bleibt von der Aktion von Zoogegnern in Berlin?

Robert Marc Lehmann: Anti-Zoo-Demo in Berlin
Es sollte ein Wuppertal 2.0 werden. Tatsächlich hatte man innerhalb der „Mission Erde“-Community auch Narrative nach dem gleichen Strickmuster genutzt: Es gab eine angebliche Zensur und dann wollte man sich wehren. Für Wuppertal war dieses Narrativ schon falsch. Im Vorfeld von Berlin war man sich offenbar ziemlich unsicher, ob man den vermeintlichen Auslöser nun hassen oder sich bei ihm bedanken sollte.
Was war der tatsächliche Auslöser? Vor einiger Zeit veröffentlichte Robert Marc Lehmann ein Video, in dem er ohne Genehmigung von zoos.media Material von zoos.media nutzte. Darauf folgte eine Meldung bei YouTube. Folgend bewertete die Plattform den Fall, prüfte, ob vielleicht Zitatrecht zutreffen würde, und entschied, das Video zu löschen. Damit war der Fall eigentlich geklärt. Nichts daran ist erstmal besonders. Das passiert wohl jedem, der Material anderer in solcher Form nutzt, wie es im Video geschah.
In der „Mission Erde“-Community wurde das allerdings zum Drama. Man sprach von Canceln und Kanallöschung, was technisch in dem Fall gar nicht möglich gewesen wäre. Fakten aber zählen offenbar nicht. Es zählt der vermeintliche Skandal.
Der Ort des Geschehens

Wie schon in Wuppertal den Bahnhof, wählte man auch in Berlin einen durch Passanten reichlich frequentierten Ort. An einem Bahnhof auf geschätzte 2.000 Teilnehmer zu kommen, ist kein Kunststück. Beobachtete man die Pseudo-Demo in Wuppertal langfristig, wie gerati das tat, sah man „schätzungsweise zwischen 200 und 500 Personen“, die an der Veranstaltung, die mehr ein Fan-Event war, teilnahmen.
Den Wuppertaler Hauptbahnhof betreten täglich rund 29.000 bis 40.000 Reisende. Beim Pariser Platz, der zuerst der Ort des Geschehens sein sollte, kann man von 50.000-100.000 Menschen je nach tagesaktueller Situation ausgehen. Es ist eine der Touristen-Attraktionen in Berlin schlechthin. Jeder Tourist geht ganz automatisch dorthin. Ähnlich wie auf den Platz des 18. März. Diesen Ort gab die Polizei Berlin als Veranstaltungsort an, als von der „Mission Erde“-Community noch der Pariser Platz beworben wurde. An solchen stark bevölkerten Orten, kommt die übliche Methode der Flächenzählung der Teilnehmerzahl an ihre Grenzen, weil die Grenzen der Demonstration selbst unscharf sein können.
Auf solchen Plätzen wirkt eine Demo schnell größer als sie ist. Dafür nehmen Aktivistengruppen wohl auch immer wieder den Unmut in Kauf, mit dem Touristen auf die Störung ihres Urlaubserlebnisses reagieren. Demos dort bedeuten in vielen Fällen einfach nur Posing. Wirklich erreicht werden Menschen vor Ort dadurch kaum. Allerdings wird das wohl egal sein, denn Posing scheint in diesem Fall sowieso im Vordergrund gestanden zu haben.
Konsequenzen?

Wenn jeder YouTuber, der mal einen Strike von YouTube bekommen würde, jetzt eine Demo veranstalten würde, wäre der Pariser Platz wohl bald ausgebucht. Warum wird also daraus ein Drama gemacht? Inhaltlich scheitert die „Mission Erde“-Community. Also denkt man sich Narrative aus, weil ein externer Feind das innere Bröckeln kitten soll. Robert Marc Lehmann, um die sich die Community schart, kam im Fall Timmy wohl nicht gut weg.
Auch da beklagte man sich über eine angebliche Cancel-Verschwörung gegen Lehmann. Man forderte sogar vergeblich eine Richtigstellung. Besonders bei der Thematik rund um den YouTube-Strike ist, dass man sich über Konsequenzen für einen Kanal beschwert, die der Kanal selbst heraufbeschwor. Wohl jeder YouTuber weiß, was ihm blühen kann, wenn man ohne Genehmigung fremdes Material nutzt. Für die Konsequenzen einer solchen Handlung andere verantwortlich machen zu wollen, setzt sehr stark darauf, dass man den Rezipienten dieser Erzählung wohl nicht zutraut, die Regeln der Plattform zu kennen.
Die Bewegung bröckelte, die Anti-Zoo-Proteste vor den zoologischen Gärten selbst lahmten sichtlich und nun soll es wieder eine angebliche Großdemo kitten. Die Demo in Wuppertal brachte, trotz der angeblichen Größe, keinen wesentlichen Erfolg in der Sache. Sie hat die Diskussion nicht weitergebracht. Das liegt daran, dass die Community sich ständig selbst entlarvt. Wer T-Shirts mit Vulgarismen zu verkaufen als Kritik verkauft, disqualifiziert sich selbst.
Wesentliche Punkte konnten nicht widerlegt werden

All die Opferrollen und all die Lautstärke sollen wohl über einen Fakt hinwegtäuschen: Dass Haltung tatsächlich Arten rettet, kann man aus dem Kreis und Umfeld von Mission Erde gar nicht widerlegen. Versuche – etwa mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern & Galapagos-Riesenschildkröten als Protagonisten – sind krachend gescheitert. Lehmann selbst lobte ein Ozelot-Projekt, das unter wesentlicher Mitwirkung von Zoos realisiert wurde. Diesen Zoo-Hass gehen seriöse Artenschützer nicht mit.
Auch die Kritik an Lehmann selbst ist bislang nicht widerlegt. Der YouTuber hatte sich lange Zeit als „studierter Meeresbiologe“ bezeichnet. Eine Nachfrage bei der Uni warf ein anderes Licht auf das von ihm absolvierte Studium, das er mit einer Arbeit zu Flusskrebsen abschloss. Zusammen mit der Behauptung eine Diplomarbeit zu Fischen geschrieben zu haben, wurde auch das Narrativ in Umlauf gebracht, er habe „Europas größtes Aquarium geleitet“. Auch das löste sich auf Nachfrage beim entsprechenden Arbeitgeber nicht ein. Weder war das OZEANEUM in Stralsund je Europas größtes Aquarium, noch wurde es durch Lehmann geleitet. Er war dort einige Monate Teamleiter bevor das Museum die Beschäftigung beendete.
Bisher konnte Lehmann auch nicht darlegen, warum er und nicht James Smart der National Geographic Fotograf des Jahres 2015 sein soll. Wie National Geographic das selbst sieht, kann man bei zoos.media nachlesen oder auch jederzeit selbst erfragen. Auch weitere Punkte – etwa zu einer angeblichen Undercover-Recherche in einem Aquaristik-Shop – blieben bis heute ohne glaubhafte Widerlegung der Kritik. Stattdessen fährt man offenbar die Strategie: „Shooting the Messenger“. Auch das ist wohl ein Anliegen solcher Demos. Diese aber können letztendlich nicht erfolgreich davon ablenken. Auch nicht davon, dass Haltung – und nicht Hass – Arten tatsächlich rettet.
Einschüchterungsversuche
Die Technik, die im Rahmen dieser Sache genutzt wird, kennt man als Brigading. Der Begriff bezeichnet das Internet-Phänomen, bei dem sich Personen zusammenschließen, um eine koordinierte – meist negative – Aktion durchzuführen. Ursprünglich kamen der Begriff auf der Plattform Reddit auf. Dort sprach von „Vote Brigading“, wenn Nutzer sich absprachen, um die Anzahl der negativen Stimmen künstlich in die Höhe zu treiben. Mittlerweile finden sie in vielfältigen Online-Kontexten Anwendung.
Inzwischen wird die Bezeichnung „Brigading“ typischerweise in kritischer Weise verwendet, wenn über koordinierte Online-Aktionen gesprochen wird, die nicht selten das Ziel der Herabwürdigung haben. Es geht bei solchen Aktionen nicht um inhaltliche Fragen. Man will mit der Brigade einfach Eindruck machen und so auch Realitäten verzerren.
Das ist ein gern genommenes Mittel, wenn die Argumente fehlen, denn für Fakten bräuchte es kein Brigading. Darum nutzt zoos.media dieses Mittel auch nicht. Dass die „Mission Erde“-Community diese Technik anscheinend als notwendig betrachtet, um den Zoo-Hass vor Kritik zu verteidigen, ist entlarvend. So etwas spricht lauter, als es jede Demo es jemals könnte. Darum haben solche Einschüchterungsversuche auch wenig Aussicht auf Erfolg. Andere haben das schon vor der Community um Mission Erde versucht und sind gescheitert.
Boykott-Aufruf gegen Demo wegen Tieren
Während die Zoowelt die großen Ankündigungen kaum beachtete, kam ein Boykottaufruf von vielleicht unerwarteter Stelle: Die Instagram-Accounts keanu_activism und genosse.levi riefen zum Boykott der Veranstaltung auf. Sie störten sich daran, dass Lehmann dadurch auffalle, dass er „Werbung für die Bundeswehr“ mache. Auch Gerati berichtete darüber. Dies sei „ein Schlag ins Gesicht für jeden, der*die sich in den letzten Jahren für Tiere stark gemacht“ habe. Man warf dem YouTube vor „dem deutschen Staat in die Karten“ zu spielen.
Was war passiert? Robert Marc Lehmann hatte 2018 als Host der YouTube-Serie „KSK – Kämpfe nie für dich allein“ fungiert. Kritik an dem Format ist nicht neu und kam auch zum Beispiel von Filmkritiker Matthias Dell im Deutschlandfunk Kultur. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Einheit postete er auch zuletzt noch auf Instagram, „um mich rückblickend bei den Kameradinnen und Kameraden des KSK zu bedanken“. Demgegenüber behaupten die beiden genannten Accounts auf Instagram: „Rechtsradikalismus ist in der Bundeswehr, insbesondere im KSK stark vertreten.“
Anschließend wurde im Boykottaufruf postuliert: „Die Idealisierung von Krieg, wie sie von Robert Marc Lehmann verbreitet wird, ist auch ein Zeichen des Wiedererstarkens faschistischer Kräfte in Europa.“ Sie stünde „im krassen Widerspruch zu allen Tierschutzbemühung“, da im Krieg „massenhaft“ Tiere leiden und sterben würden. So stünden „Krieg und Militarisierung […] im Widerspruch zu Umweltschutz“. Man schloss mit den Worten: „Unser Kampf für die Rechte der Tiere muss mit dem Kampf gegen Militarisierung einhergehen.“
Werden „VIPs“ für Aufklärung sorgen?

Am 02.10.2026 erfuhr man aus der „Mission Erde“-Bubble, dass es noch „Material für die VIPs zur Berlin Demo“ abzuholen gab. Anscheinend gab es also bei der Demo dann Teilnehmer, die wichtiger waren als andere. Tatsächlich warb man nicht nur mit einem bekannten Platz, sondern auch mit bekannten Namen. Einer davon war Malte Zierden. Er hatte zuvor die Geschichte einer Bärin so erzählt, dass sie gegen Zoos gerichtet wurde, obgleich ein Zoo Teil ihrer Rettung war.
Ebenfalls im Line-Up des Events fand sich Sarah Connor. Könnte sie vielleicht mal erklären, warum man nach ihrer angeblichen „Stiftung“, die 2024 gegründeten „Iberian Orca Guardians“, immer noch vergeblich im Stiftungsregister von Berlin suchte? Das wäre ein spannendes Thema gewesen. Schließlich wird um Spenden geworben – auch übrigens für einen Shop. Der wird von der Merch my Day GmbH betrieben.
Vielleicht hätte Connor auch mal umfassend Stellung zu den Auswirkungen des von ihr so gerne als Alternative zu Walarien verkauften Whale Watchings nehmen können. Mexiko wäre da ein hervorragendes Beispiel. Allerdings könnte man vermuten, dass das Schlechtmachen von Zoos und Aquarien hier eher als willkommene Ablehnung dienen könnte, um nicht darüber zu reden, dass man in Mexiko von einem „Kontrollverlust“ spricht, wenn es um solcherlei Schwimm-Aktivitäten mit wilden Orcas geht, die Conner gerne auf Social Media zelebrierend zu genießen scheint.
Absage is the Key?

All das wird es aber nie geben. Einen Tag vor der Demo sagte sie ab. Sie könne „leider morgen nicht persönlich“ anwesend sein. Warum? Das erklärte sie nicht. Sie hatte sich zuvor mit keinem messbaren Erfolg immer wieder an der PETA-Kampagne gegen Orcas und andere Delfine in Menschenobhut beteiligt. Das war von dolphinaria.truth kritisch begleitet worden – zum Beispiel hier.
Im Laufe der Berichterstattung ging man auf vergangene Pressearbeit der Sängerin ein, auf das geringe Interesse an einem ihrer gegen TUI gerichteten Auftritte, Verwunderung über bestimmte Kleiderwahl bei einer Demo für Paul Watson, ihren Auftritt bei 3nach9, ihren Post nach einem Besuch im Loro Parque und ihr ZEIT-Interview mit Christoph Kiessling. Man kann sich sicherlich fragen, ob sie bei all dem „Aktivismus“ bisher eine wirklich gute Figur machte.
Im Gespräch mit Christoph Kiessling, der an der Spritze der Loro Parque Stiftung bereits seit vielen Jahren im Orca-Schutz aktiv ist, wurde ihr erklärt: „Wir haben die Erlaubnis des spanischen Staats, die Orcas vor Gibraltar mit Sensoren auszustatten. Dadurch kam heraus: Wenn Futterreserven da sind, bewegt sich ein Orca zwischen fünf und neun Kilometern am Tag – und nicht unnötigerweise 200.“ Connor gab darauf zu: „Ihre Studie kenne ich nicht.“ Zuvor hatte sie erklärt: „Und mit Orcas kenne ich mich eben aus“ sowie behauptet, die Tiere würden „bis zu tausend Meter tief“ im Meer tauchen. Ähnliche weitere, entlarvende Passagen hatte dolphinaria.truth bei der Analyse gefunden.
PETA auch Teil der Demo

Sehr wohl Teil der Demo war auch die Leiterin vom PETA-Streetteam in Berlin. PETA ist für den Tod von über 53.000 Tieren verantwortlich. Seit 2013 gibt PETA Deutschland im Durchschnitt pro Jahr unter 5% für das aus, was man dort „Karitative Tierschutzarbeit“ nennt. Was das genau bedeutet? Im Bericht zu den Wirtschaftsjahren bleibt das im Dunkeln. Man fragt sich schon, warum keine Projekte aufgeführt werden können. Just als die „Karitative Tierschutzarbeit“ in der Auflistung auftauchte, begann das Spielchen mit den Reisekosten.
Auch damit konnte die eher träge Zuschauerschaft nicht sonderlich mobilisiert werden. Schon in der Sache der Paviane in Nürnberg hatte die Zusammenarbeit mit PETA nicht unbedingt für Glaubwürdigkeit gesorgt. 16.866.024,12€ gab PETA Deutschland im Wirtschaftsjahr 2023/2024 aus. Öffentlichkeitsarbeit und Personalkosten machen rund 84,6% der Ausgaben im ideellen Bereich aus.
Das ist wohl wichtiger als Tierheime in Deutschland zu unterstützen, die immer wieder in Not geraten. Allerdings muss man das sicher auch vor dem Hintergrund sehen, dass PETA die Tierheime in den USA, die ähnlich arbeiten wie die deutschen Tierheime, die sogenannten No-Kill-Shelters, die nur aufgrund medizinischer Indikation einschläfern, bekämpft. Sich mit so einer radikalen Tierrechtsorganisation mit so einer Ideologie, so einer Ausgabenpolitik und so einer Todesliste zu assoziieren, spricht auch eine deutliche Sprache.
Über Vulgarismen nicht hinaus gekommen

Vielmehr als Zoos und Aquarien zu beschimpfen, wird man inhaltlich schon schwer identifizieren können. Schon der Hintergrund der Bühne besteht im Wesentlichen aus dem vom Merchandising-Verkauf bekannten Vulgarismus. Man merkte, dass sich die Community offenbar selbst versichern wollte, auf der vermeintlich richtigen Seite zu stehen. So umschiffte man auch die zahlreichen Widerlegungen der Anti-Zoo-Position.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) empfiehlt all ihren Partnern, „mit botanischen Gärten, Aquarien und Zoos bei der gemeinsamen Arbeit zur Rettung von Arten im Sinne des One-Plan-Approachs zusammenzuarbeiten“. Zahlreiche Organisationen, wie Polar Bears International, Pandrillus und 4Vultures zum Beispiel, machen immer wieder deutliche Statements, warum moderne zoologische Gärten so wichtig sind. Selbst die Organisation, mit der Lehmann im Rahmen der Balistare zusammenarbeitete, stimmt in den Zoo-Hass gar nicht ein. Dort setzt man vielmehr auch auf Zusammenarbeit mit zoologischen Institutionen.
Daher kann man sich natürlich vor eine Bühne stellen lassen, mit genügend abgesperrten Sicherheitsabstand, um den VIPs wohl nicht zu nahe zu kommen, und sich einschwören. Es ändert aber nichts daran, dass außerhalb der Bubble die Welt eine andere ist. Im Durchschnitt haben die zoologischen Institutionen in Berlin pro Tag im Jahr über 14.000 Besucher. An einem Tag wie heute, kann man von über 23.000 Zoobesuchern ausgehen – allein in Berlin. Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass mehr Menschen es besser wissen.
